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Menschen
Transkript
00:00Können ist die weitere menschengemachte Erwärmung durch weiteres CO2.
00:04Ganz einfach, weniger CO2 heißt weniger weitere Erwärmung, bedeutet auch weniger Wasserdampf.
00:10Ja und auf diese Art und Weise stellt man also fest, wie sich das Klima auf der Welt verändert hat.
00:14Da sind Sprünge dabei. In den letzten drei, vier Millionen Jahren hat es zum Beispiel immer mal wieder Sprünge gegeben.
00:20Innerhalb von zehn Jahren, zehn Jahren, sprang die Temperatur um 14 Grad.
00:25Können ist die weitere menschengemachte Erwärmung durch weiteres CO2.
00:30Ganz einfach, weniger CO2 heißt weniger weitere Erwärmung, bedeutet auch weniger Wasserdampf.
00:36Ja und auf diese Art und Weise stellt man also fest, wie sich das Klima auf der Welt verändert hat.
00:40Da sind Sprünge dabei. In den letzten drei, vier Millionen Jahren hat es zum Beispiel immer mal wieder Sprünge gegeben.
00:45Innerhalb von zehn Jahren, zehn Jahren, sprang die Temperatur um 14 Grad.
00:51Können ist die weitere menschengemachte Erwärmung durch weiteres CO2.
00:55Ganz einfach, weniger CO2 heißt weniger weitere Erwärmung, bedeutet auch weniger Wasserdampf.
01:01Ja und auf diese Art und Weise stellt man also fest, wie sich das Klima auf der Welt verändert hat.
01:05Da sind Sprünge dabei. In den letzten drei, vier Millionen Jahren hat es zum Beispiel immer mal wieder Sprünge gegeben.
01:11Innerhalb von zehn Jahren, zehn Jahren, sprang die Temperatur um 14 Grad.
01:16Können ist die weitere menschengemachte Erwärmung durch weiteres CO2.
01:21Ganz einfach, weniger CO2 heißt weniger weitere Erwärmung, bedeutet auch weniger Wasserdampf.
01:27Ja und auf diese Art und Weise stellt man also fest, wie sich das Klima auf der Welt verändert hat.
01:31Da sind Sprünge dabei. In den letzten drei, vier Millionen Jahren hat es zum Beispiel immer mal wieder Sprünge gegeben.
01:36Innerhalb von zehn Jahren, zehn Jahren, sprang die Temperatur um 14 Grad.
01:42Können ist die weitere menschengemachte Erwärmung durch weiteres CO2.
01:46Ganz einfach, weniger CO2 heißt weniger weitere Erwärmung, bedeutet auch weniger Wasserdampf.
01:53Ja und auf diese Art und Weise stellt man also fest, wie sich das Klima auf der Welt verändert hat.
01:56Da sind Sprünge dabei. In den letzten drei, vier Millionen Jahren hat es zum Beispiel immer mal wieder Sprünge gegeben.
02:02Innerhalb von zehn Jahren, zehn Jahren, sprang die Temperatur um 14 Grad.
02:07Können ist die weitere menschengemachte Erwärmung durch weiteres CO2.
02:12Ganz einfach, weniger CO2 heißt weniger weitere Erwärmung, bedeutet auch weniger Wasserdampf.
02:18Ja und auf diese Art und Weise stellt man also fest, wie sich das Klima auf der Welt verändert hat.
02:22Da sind Sprünge dabei. In den letzten drei, vier Millionen Jahren hat es zum Beispiel immer mal wieder Sprünge gegeben.
02:27Innerhalb von zehn Jahren, zehn Jahren, sprang die Temperatur um 14 Grad.
02:33Können ist die weitere menschengemachte Erwärmung durch weiteres CO2.
02:38Ganz einfach, weniger CO2 heißt weniger weitere Erwärmung, bedeutet auch weniger Wasserdampf.
02:44Ja und auf diese Art und Weise stellt man also fest, wie sich das Klima auf der Welt verändert hat.
02:48Da sind Sprünge dabei. In den letzten drei, vier Millionen Jahren hat es zum Beispiel immer mal wieder Sprünge gegeben.
02:53Innerhalb von zehn Jahren, zehn Jahren, sprang die Temperatur um 14 Grad.
03:00Übrigens, das Klima, das ist ja ein ganz heißes Thema.
03:06Heute machen wir mal eine ganz kühle Sendung.
03:10Wer holt sich schon gerne einen Feind ins Haus, um mit ihm Argumente auszutauschen?
03:16Das ist klar, aber der Diskurs, der steht im Zentrum wissenschaftlicher Tätigkeit.
03:20Die Auseinandersetzung von Argumenten. Also der eine sagt was, der andere hört zu und so weiter.
03:25Aber das ist nicht alles. Aber dieser Diskurs ist der Anfang davon.
03:29Die erste Eiszeit, von der wir wissen, die war vor 2,3 Milliarden Jahren.
03:33Und dann war eine Milliarde Jahre nichts. Gar nichts.
03:38Es kam nicht zu regelmäßigen Vereisungen. Nix, nix. Eine Milliarde Jahre.
03:43Und jetzt hier zum Beispiel, letzten 250 Millionen Jahre, da ist der Dinosaurier gekommen und wieder verschwunden.
03:49Das konnte der natürlich auch, weil es war so warm, der hatte überhaupt keine Probleme, was zu finden.
03:53Also die Vegetation war sehr angenehm.
03:56Temperaturen waren im Wasser zum Beispiel 20 Grad mehr als heute.
03:5920 Grad mehr, das müssen wir mal überlegen.
04:01Also wenn Sie ans Mittelmeer fahren und haben da 22 Grad, das Wasser fängt ja fast an zu...
04:06Also es war sehr, sehr warm. Es war sehr, sehr schwül. Das Wasser ist also sehr verdampft.
04:10Wenn aber Wasser wärmer wird, dann führt das also nicht nur dazu, dass die Verdunstungsrate von Wasser sich erhöht,
04:15wodurch also noch mehr Wasser in die Atmosphäre kommt, sondern zugleich kann auch weniger CO2 vom Wasser aufgenommen werden.
04:21Das führt dazu, dass nicht nur Wasser angereichert wird in der Atmosphäre, sondern auch noch Kohlendioxid.
04:27Himmel nochmal, schon wieder ein klimarelevantes Gas.
04:32Wunderbar, dann können wir weitergehen.
04:34Nachdem also jetzt sich die Temperatur erhöht hat, was dazu geführt hat, dass mehr Wasserdampf in der Atmosphäre ist
04:39und zugleich auch noch mehr Kohlendioxid, weil das Wasser des Kohlendioxid nicht mehr auflösen kann,
04:44ist die Temperatur nochmal aufgestiegen. Steigt und steigt.
04:47Was passiert dann? Der Frost, der Permafrost steigt.
04:50Wenn der Permafrost steigt, der löst sich auf, der taut auf, der Permafrost.
04:55Was passiert, wenn der Permafrost auftaut? Was wird dann frei?
05:00Genau, Methan.
05:01Also, Sie sehen, es geht immer weiter ein Bach runter.
05:06Während die Temperatur steigen, steigt die Menge der treibhausrelevanten Gase in unserer Atmosphäre.
05:12Methan ist ein 17-mal stärkeres Treibhausgas als Kohlendioxid.
05:15Aber angefangen hat alles damit, dass wir ursprünglich angefangen haben,
05:18damit ein bisschen mehr Wasserdampf in die Atmosphäre zu bringen,
05:20was dann dazu geführt hat, dass eben das Wasser nicht mehr genügend Kohlendioxid auflösen konnte,
05:23was dazu geführt hat, dass es noch wärmer geworden ist,
05:25was dann dazu geführt hat, dass der Permafrost aufgetaut ist
05:27und letztlich wieder das Methan angefangen hat,
05:29auch noch in die Atmosphäre zu entlasten.
05:31Wenn es aber Methan 17-mal stärker ist, dann ist es...
05:36Naja, das sind alles Prozesse,
05:38die man zu dem größten Teil der Erdgeschichte ansammeln kann.
05:42Also, warme, angenehmes, stabiles Klima.
05:46Also, in literarischen Kreisen nennt man sowas einen Teufelskreis.
05:51Da kommst du nicht mehr raus.
05:53In der Physik spricht man gerne von einer zutiefst instabilen Situation.
05:58Ja, und auf diese Art und Weise stellt man also fest,
06:00wie sich das Klima auf der Welt verändert hat.
06:02Da sind Sprünge dabei.
06:03In den letzten drei, vier Millionen Jahren
06:05hat es zum Beispiel immer mal wieder Sprünge gegeben.
06:08Innerhalb von zehn Jahren,
06:09zehn Jahren,
06:11sprang die Temperatur um 14 Grad.
06:13Es ist völlig unklar, was passiert,
06:17wenn man hier nicht früh genug aufhört,
06:18diesen Kreis anzutreiben.
06:21Gerade zum Beispiel die Fähigkeit von Wasser,
06:23also von unseren Meeren namentlich,
06:26Kohlendioxid eben nicht mehr besonders gut zu speichern,
06:29wird allzu oft vergessen.
06:30Gerade auch die Möglichkeit,
06:32oder nicht nur die Möglichkeit,
06:32sondern die Tatsache,
06:33dass durch die Erhöhung der mittleren Temperaturen
06:36die Permafrostböden auftauen,
06:38wird auch gerne unterschlagen.
06:40Und so geht das immer weiter.
06:41Worüber hier also zu sprechen ist,
06:44ist eine Art von Rückkopplung.
06:46Was passiert nämlich,
06:48wenn etwas passiert?
06:50Und zwar mit dem, was passiert ist.
06:52Die Wirklichkeit ist ja ein fortlaufender Prozess,
06:55der nicht zu stoppen ist.
06:57Wir können ja nicht einfach sagen,
06:58Stopp!
06:59Wir hören alle mal auf,
07:00auszuatmen zum Beispiel,
07:01um keinen Kohlendioxid mehr zu produzieren.
07:02Stopp!
07:03Die Sonne soll mal da bleiben, wo sie ist.
07:04Die soll jetzt nicht noch mal weiter reinscheiden.
07:06Stopp!
07:07Die Meere mögen sich jetzt nicht mehr bewegen.
07:09Nein, wir haben ja einen Dauerprozess vor uns.
07:11Es ist völlig unklar,
07:13was passiert,
07:14wenn man hier nicht früh genug aufhört,
07:16diesen Kreis anzutreiben.
07:18Aber diese Sprünge kennt man.
07:20Also, das Wetter scheint in den Eiszeiten
07:23wesentlich instabiler zu sein,
07:25als in den Warmzeiten.
07:26In den Warmzeiten,
07:28wie sie so sanft ruhen, die Toten.
07:30Über Jahrmillionen,
07:31zig von Jahrmillionen,
07:33ist die Temperatur praktisch völlig konstant.
07:35Und nur in einer solchen konstanten Treibhauswärme
07:38konnten sich solche Viecher wie die Dinosaurier
07:40eigentlich erst richtig entwickeln.
07:42Aber angefangen hat alles damit,
07:43dass wir ursprünglich angefangen haben,
07:44damit ein bisschen mehr Wasserdampf in die Atmosphäre zu bringen.
07:46Wenn man versteht, wie Eiszeiten entstehen,
07:48das ist ja ein globales Phänomen,
07:50denn offenbar sind ja früher zumindest
07:53große Teile des Planeten von Eis belegt worden.
07:57Wenn man versteht, wie dieses globale Phänomen entsteht,
07:59dann versteht man mehr was Wetter.
08:00Und wenn man mehr über das globale Wetter versteht,
08:02dann versteht man vielleicht auch,
08:04wie es zum Global Warming kommt.
08:07Klima ist kein Wetter.
08:10Ob wir Menschen einen erheblichen Einfluss darauf haben
08:12oder ob es sich um rein natürliche Fäden...
08:14Verstehen Sie mich nicht falsch.
08:16Ich will hier niemandem das Wort reden,
08:18jetzt in Zukunft weiterhin Treibhausgase und so weiter
08:21in die Atmosphäre zu blasen.
08:22Aber man muss erst mal wissen, wovon man spricht,
08:24bevor man anfängt vorzuschlagen,
08:27was können wir mit dem Wetter in Zukunft tun,
08:29bzw. worüber müssen wir uns schützen.
08:31Es geht also darum,
08:32dass manche Dinge sich offenbar ganz, ganz, ganz langsam verändern.
08:39Der Klimawandel ist nicht eine schlagartige Angelegenheit,
08:42so eine Revolution von einem Tag auf den anderen
08:45oder auch nur von einem Jahr auf den anderen.
08:47In den letzten drei, vier Millionen Jahren
08:48hat es zum Beispiel immer mal wieder Sprünge gegeben.
08:51Innerhalb von zehn Jahren sprang die Temperatur um 14 Grad.
08:56Der Klimawandel beschreibt die allmähliche Entstehung von Trends.
09:03Trends. T-R-E-N-D-S. Also von einem Trend.
09:07Also wir leben zurzeit in einer Eiszeit,
09:10weil erhebliche Mengen der Erdoberfläche mit Eis bedeckt sind.
09:14Komisch. Kirschblüten tauchen immer früher auf.
09:19Als ob es im Jahr immer wärmer und wärmer und wärmer wird.
09:25Wir sind zwar jetzt in einer Kalt-, in einer Eiszeit,
09:28aber wir sind in einer Warmzeit einer Eiszeit.
09:31Komisch. Alles reagiert so,
09:33als wenn es systematisch immer wärmer und wärmer wird.
09:37Es ist also schon auf dem besten Weg, instabil zu werden.
09:40Aber diese Sprünge kennt man.
09:42Also das Wetter scheint in den Eiszeiten wesentlich instabiler zu sein,
09:47als in den Warmzeiten.
09:49Also wir leben zurzeit in einer Eiszeit.
09:51Und zu guter Letzt muss man vielleicht noch zwei Begriffe deutlich unterscheiden.
09:56Die Begriffe Reversibel und Irreversibel.
09:59Ist klar, der eine ist der Irre, also Irreversibel,
10:01den kann man nicht mehr zurückführen.
10:02Der andere Reversibel, der gibt einem zumindest noch die Chance,
10:05man könne ein System wieder in seinen alten Zustand bringen.
10:09Beide Begriffe sind von sehr großer Bedeutung,
10:12wenn es darum geht, ob wir den Klimawandel noch in irgendeiner Art und Weise
10:15für uns einigermaßen vernünftig beherrschen können.
10:18Die Eiszeiten sind sehr unregelmäßig.
10:21Und sie zeigen vor allen Dingen eins.
10:23Das Wetter ist eine unglaublich instabile Angelegenheit.
10:27Wenn es uns nicht gelingt,
10:30diese Kreisläufe über klimarelevante Gase in der Atmosphäre
10:35so zu stoppen, dass die Temperatur deutlich unter zwei Grad bleibt,
10:41die mittlere Temperaturerhöhung unter zwei Grad bleibt,
10:44dann werden wir irreversible Klimaeffekte bekommen.
10:49Dann haben wir keine Chance mehr, in irgendeiner Art und Weise
10:51auch nur annähernd vorauszusagen, was passieren wird.
10:53Dann wird es richtig heiß.
10:55Oberhalb von zwei Grad wird die Post abgehen.
10:58Naja, das sind alles Prozesse,
11:00die man zu dem größten Teil der Erdgeschichte ansammeln kann.
11:05Also warme, angenehmes, stabiles Klima.
11:08Unterhalb von zwei Grad gibt es zumindest im Prinzip noch die Möglichkeit,
11:12dass wir den Klimawandel so eindämmen, in Anführungsstrichen,
11:16dass er noch einigermaßen für uns erträglich wird.
11:19Das Wetter ist eine unglaublich instabile Angelegenheit.
11:24Gerade diese Sprünge, die innerhalb von zehn Jahren
11:27solche Temperaturänderungen von bis zu 14, 15 Grad bedeuten.
11:31Also wir sollten uns bemühen, völlig darauf zu verzichten,
11:35soweit es nur irgendwie möglich ist,
11:37Kohlendioxid in die Atmosphäre zu bringen.
11:39Das muss unser Hauptziel sein.
11:41Methan ist ein 17-mal stärkeres Treibhausgas als Kohlendioxid.
11:44Man muss erst mal wissen, wovon man spricht,
11:47bevor man anfängt vorzuschlagen,
11:49was können wir mit dem Wetter in Zukunft tun,
11:52beziehungsweise worüber müssen wir uns schützen.
11:53Die Wirklichkeit ist ja ein fortlaufender Prozess,
11:56der nicht zu stoppen ist.
11:57Wir können ja nicht einfach sagen, stopp!
11:59Wir hören alle mal auf, auszuatmen zum Beispiel,
12:01um keinen Kohlendioxid mehr zu produzieren.
12:03Stopp! Die Sonne soll mal da bleiben, wo sie ist,
12:05die soll jetzt nicht noch mal weiter reinschalten.
12:07Stopp! Die Meere mögen sich jetzt nicht mehr bewegen.
12:10Nein, wir haben ja einen Dauerprozess vor uns.
12:12Haben Sie es verstanden?
12:14Das heißt, ab einer bestimmten Summe wird jeder korrupt.
12:16Jeder hat seinen Preis.
12:18Das ist die Gnade des Atomzeitalters.
12:21So warb man vor fast 60 Jahren für die Atomkraft.
12:25Nun geht das Atomzeitalter zu Ende.
12:28War die Atomkraft für den Staat von Anfang an ein milliardenschweres Zuschussgeschäft?
12:34Die Milliardengewinne der Atomkraftbetreiber waren nur möglich
12:38durch die riesigen milliardenschweren Subventionen.
12:42Schon immer bestand eine große Nähe zwischen Politik und Atomkonzernen.
12:46Ein Mann spielte dabei über Jahrzehnte eine zentrale Rolle.
12:50Gerald Hennenhöfer, Lobbyist und Atomaufseher im Ministerium.
12:54Hat er den Konzernen zu zusätzlichen Milliarden verholfen?
12:58Sollte jemand die Sicherheit von Atomanlagen begutachten, der von einer Firma kommt,
13:04die mit dem Betrieb dieser Anlagen Geld verdient haben, das sind Zustände wie in einer Bananenrepublik.
13:10Nun fechten die Konzerne ihr letztes Gefecht.
13:12Sie dealen mit der Politik, um sich vor Kosten zu drücken.
13:15Und verklagen gleichzeitig den Staat.
13:18Vor einem internationalen Schiedsgericht und vor dem Bundesverfassungsgericht wollen Milliarden an Schadenersatz.
13:24Die Atomkonzerne wollen auf jeden Fall so viel rausholen wie möglich.
13:28Sie versuchen, die Politik unter Druck zu setzen, zu erpressen, kann man hier wirklich sagen, damit sie noch etwas Geld
13:34bekommen.
13:35Wie teuer wird die Menschen in Deutschland das Atomzeitalter wirklich zu stehen kommen?
13:49Das Atomzeitalter geht zu Ende. Jetzt geht es um die Kosten.
13:56Die Kosten für die Entsorgung des Atommülls und den Rückbau der Kraftwerke.
14:01Wie diese Kosten explodieren können, kann man in Lubmin an der Ostsee sehen.
14:04Hier stehen sechs alte Atomreaktoren der ehemaligen DDR.
14:13Nur 16 Jahre wurde hier Strom produziert. Seit 25 Jahren sind diese Kernkraftwerke schon vom Netz.
14:20700 Mitarbeiter sind seit über 20 Jahren damit beschäftigt, Atomkraftwerke verschwinden zu lassen, die nur 16 Jahre lang liefen.
14:30Jeder Betonklotz muss klein gestoßen, jedes Rohr, jedes Metallteil herausgesägt werden und alles einzeln verpackt.
14:38Denn fast alles ist radioaktiv verseucht.
14:41Hier in der Reaktorhalle hat früher einmal die Kernspaltung stattgefunden.
14:46Die Reaktoren sind ausgebaut und werden zwischengelagert, denn man weiß bisher nicht, wohin damit.
14:53Henry Cordes ist hier der Chef. Er führt uns zu dem Ort, an dem das strahlende Material provisorisch gelagert wird.
14:59In den blauen Containern sind Materialien aus dem Rückbau. Das können Betonteile sein, das sind Stahlteile, das sind Arbeitsanzüge, Handschuhe,
15:09Baseballcaps.
15:10In Behältern aus Beton und Stahl lagert hier auch der hochradioaktive Atommüll. Tödlich. Strahlend für eine Million Jahre.
15:20Und zwischenparken muss man den Atommüll noch für Generationen, weil es nirgends auf der ganzen Welt ein Endlager dafür gibt.
15:27Derzeit planen wir den Rückbau der Rückbaueinrichtung, also bis die letzte Lagerhalle am Standort verschwunden ist, ungefähr 2110.
15:36Also 100 Jahre.
15:37100 Jahre.
15:38Hallen voll der tödlichsten Gefahr, die die Menschheit je hervorgebracht hat. Noch für unsere Ur-Ur-Urenkel.
15:46Gesellschaftspolitisch ist das ein gigantischer Griff ins Klo, ja, diese Technologie.
15:50Denn was gefährlich ist, ist auch teuer. Die Kosten für den Rückbau und die Lagerung hier trägt allein der Bund.
15:573,2 Milliarden Euro hieß es mal. Aber das ist längst überholt, sagt Henry Cordes.
16:06Der Aufwand insgesamt nach unseren aktuellen Kalkulationen, Preisstand 2014, inklusive des kleinen Schwesterkraftwerks in Rheinsberg liegt bei ungefähr 6,5
16:15Milliarden Euro.
16:16Da fehlen dann aber noch einige Entsorgungsaufwendungen, die sich um das Endlager ranken.
16:22Aus 3,2 Milliarden werden 6,5 Milliarden Euro. Mehr als doppelt so viel wie geplant.
16:28Das zeigt, wie die Kosten explodieren können. Und Lubmin ist nur einer von 27 Atomstandorten in Deutschland, die nun am
16:37Ende des Atomzeitalters bis 2100 einer nach dem anderen verschwinden sollen.
16:44Hier muss der Staat zahlen. Ein Sonderfall, da die Kraftwerke der DDR gehörten.
16:50Normalerweise zahlen für den Rückbau der Atomkraftwerke und die Entsorgung des Atommülls die Konzerne, die mit den Atomkraftwerken Geld verdient
16:57haben.
16:58Das sind in Deutschland RWE, NBW, Vattenfall und E.ON.
17:04Mit ihren Atomkraftwerken machten sie Milliardengewinne. Aber zumindest sollten sie den Menschen dafür billigen Atomstrom liefern.
17:12Doch so billig war der gar nicht.
17:16Der günstige Atomstrom war immer ein Lügenmärchen.
17:20Und auch nirgends auf der Welt kann ein Atomkraftwerk entstehen, wenn nicht die Kosten und die Lasten massiv auf die
17:29Gesellschaft abgewälzt werden.
17:31Wenn der Betreiber dann befreit ist von diesen Kosten oder sehr reduziert ist, dann kann er auch große Gewinne einfahren.
17:38Aber die Gesamtrechnung schaut immer negativ aus.
17:41Sind die tatsächlichen Kosten der Atomkraft also in Wahrheit viel höher?
17:46Zu Beginn des Atomzeitalters in Deutschland zahlt jedenfalls nur der Staat.
17:581955 wird die Bundesrepublik souverän. Und sofort steigt Kanzler Konrad Adenauer in den Kalten Krieg ein.
18:06Seine Vorstellung? Deutschland soll Atommacht werden.
18:10Erster Atomminister wird Franz Josef Strauß. Für ihn geht es anfangs vor allem um die Atombombe.
18:16Die zivile Nutzung der Atomkraft ist eher ein Nebenprodukt der selben Technologie.
18:25Doch die Bevölkerung ist wenige Jahre nach Kriegsende skeptisch.
18:29Für ihre Akzeptanz des friedlichen Atoms wird massiv geworben.
18:34Tenor, Atomkraft heißt die neue Hoffnung. Sie soll der jungen Republik Sicherheit und Wohlstand bringen.
18:40Wenn die Erdölvorkommen, die Vorräte an Erdgas, an Steinkohle erschöpft sind, dann wird das Atomzeitalter beginnen.
18:48Übrigens sichert das Atom auch die Frischhaltung von Gemüse und leicht verderblichen Lebensmitteln.
18:53Ja, Artischocken, Spargel, Weintrauben, Schinken und Ananas werden bereits der Obhut des Atomingenieurs anvertraut.
19:01Das ist die Gnade des Atomzeitalters.
19:07Der Staat übernimmt die Forschung zur neuen Technologie.
19:11Überall im Land errichtet er Forschungsreaktoren.
19:14Die Kosten spielen keine Rolle.
19:17Davon profitieren direkt die Konzerne.
19:20Siemens und AEG machen den Anfang.
19:22EnBW und RWE folgen und später E.ON und Vattenfall.
19:26Sie nutzen die Forschung des Staates und sparen so enorm viel Geld.
19:31Ab Ende der 60er Jahre bauen sie die ersten kommerziellen Atomkraftwerke, wie RWE in Biblis.
19:38Hier entsteht das damals größte Atomkraftwerk der Welt, hoch subventioniert vom Staat.
19:47Die Betreiber hätten niemals das selber stemmen können.
19:51Also dass sie Goldeseln letztlich dann hatten, sobald ein Atomkraftwerk gebaut wird,
19:55hängt ganz wesentlich damit zusammen, dass alle diese Forschung vom Staat getragen wurde
20:00und sie nur das fertige Produkt sozusagen bauen mussten.
20:03Im ganzen Land werden Atomkraftwerke gebaut.
20:06Der Bund spendiert Milliardensubventionen.
20:09Im Gegenzug wird das Verursacherprinzip festgelegt.
20:12Das heißt, alle Parteien sind sich einig, dass die Konzerne später für den Rückbau der Atomkraftwerke
20:17und die Entlagerung des Atommülls komplett bezahlen müssen.
20:23Die waren sich alle durch die Bank einig, wer den Müll verursacht hat, der bezahlt ihn auch,
20:29der sorgt finanziell für die Entsorgung.
20:32Dieses Verursacherprinzip war völlig klar damals.
20:35Auch für den späteren Bundesumweltminister Klaus Töpfer war immer klar,
20:40am Ende müssen die Konzerne bezahlen.
20:43Dass die gesamte Kette, also auch bis zum Rückbau und bis zur Entsorgung,
20:49dann in der Verantwortung derer ist, die ja auch mit dieser Technologie produziert
20:54und Umsatz und Gewinn gemacht haben.
20:56Dies war für mich immer absolut Grundkonsens und nicht in Frage gestellt.
21:03Die Übereinkunft hieß also, der Staat zahlt anfangs die Anschubfinanzierung,
21:08Die Konzerne später für Rückbau und Entsorgung.
21:12Vor allem die Entsorgung stellt man sich damals ganz einfach vor.
21:16Die gefährlichen Überreste der Reaktion werden in gepanzerte Behälter eingeschlossen,
21:21im Boden vergraben oder in der Tiefe des Meeres versenkt.
21:25Und nach diesem schön schlichten Prinzip verfährt man auch.
21:29Doch wieder ist es zunächst der Staat, der bezahlt.
21:331965 kauft das frühere Atommunisterium den Salzstock Asse in Niedersachsen.
21:39Ein Forschungsbergwerk auf Staatskosten.
21:42Die Konzerne dürfen hier schwach- und mittelradioaktiven Atommüll einlagern.
21:47126.000 Atommüllfässer insgesamt.
21:50Erst ganz kostenlos, dann für eine geradezu lächerliche Gebühr von insgesamt etwa 8,6 Millionen Euro.
21:57Irgendwann verklappt man die Atommüllfässer einfach hinab in die Tiefe.
22:02Angeblich sicher für eine Million Jahre.
22:11Die Asse, 40 Jahre später.
22:15Eine Großbaustelle.
22:17Eingelagert wird hier nichts mehr.
22:19Im Gegenteil.
22:21Wir treffen den Chef des Bundesamtes für Strahlenschutz, Wolfram König.
22:28Gemeinsam mit ihm fahren wir hinunter auf 650 Meter unter Tage.
22:33Seit Jahren schon dringt Wasser in das Bergwerk ein.
22:35Und das ist dramatisch.
22:37Hier ist die Hauptzutrittsstelle.
22:40Hier kommt Wasser rein.
22:41Wo Lösungen, also Salz, Wasser, Zutritt.
22:45Und hier versuchen wir das Wasser aufzufangen, damit es nicht tiefer in den Bereich hinab sinkt, wo die Abfallkammern sind,
22:52auf 750 Meter.
22:54Der ganze Atommüll muss nun wieder herausgeholt werden.
22:57Denn das Wasser hat mit dem Müll schon eine gefährliche radioaktive Lauge gebildet, die an vielen Stellen aus dem Bergwerk
23:03heraussickert.
23:05Ein enormes Strahlenrisiko.
23:08Und ein finanzielles dazu.
23:10Jahrelang hatte vor allem die Industrie hier Müll kostengünstig eingelagert.
23:14Jetzt muss die Asse komplett saniert werden.
23:17Geschätzte Kosten bis zu 10 Milliarden Euro.
23:20Welchen Anteil trägt die Industrie jetzt an den Entsorgungssanierungskosten hier in der Asse?
23:25Direkt trägt die Industrie keinen Anteil.
23:29Sie ist durch die Rechtskonstruktion, die von der damaligen Bundesregierung in den 60er Jahren gewählt worden ist, davon freigestellt.
23:37Also die Milliarden zahlt der Steuerzahme?
23:39Es ist so, dass die Sanierungskosten voll zu Lasten des Bundeshaushaltes gehen und die Rechnung, wie hoch sie am Ende
23:48ist, ist noch offen.
23:50Ein Bergwerk voller Baustellen.
23:53Hunderte Menschen sind nur damit beschäftigt, eine mögliche radioaktive Verseuchung zu verhindern.
23:58So unberechenbar sind Endlagerprojekte.
24:02So dass wir es hier mit einem doch, ich sag mal, einem sehr unkalkulierbaren Risiko zu tun haben und sich
24:11die Zeitachse und die Kostenseite, und das zeigen die Projekte, sich ganz anders darstellen können als ursprünglich geplant.
24:18Ein Endlager für hochradioaktiven Atommüll gibt es auch anderswo immer noch nicht.
24:25Eine Million Jahre sollte der Atommüll aus den 70ern hier sicher gelagert werden.
24:30Nach 40 Jahren muss er wieder raus.
24:33Geschätzte Kosten 10 Milliarden Euro.
24:35Und die zahlt nur der Staat.
24:38Verursacherprinzip, Fehlanzeige.
24:40Eine Milliardensubvention für die Atomindustrie.
24:43Eine von vielen.
24:47Insgesamt belaufen sich die Subventionen für die Atomindustrie, unter anderem durch Forschungen, Finanzhilfen oder Steuererleichterungen, bis heute auf 190 Milliarden
24:57Euro.
24:58Für das Geld könnte man sich heute leicht zweimal den Mercedes-Konzern kaufen.
25:03Der angeblich billige Atomstrom war also von Anfang an ein milliardenschweres Zuschussgeschäft.
25:09Zum Wohle der Atomkonzerne.
25:12Wissenschaftler haben das errechnet.
25:14Niemand beim Bund hat jemals darüber Buch geführt.
25:17Offenbar sollte das niemand erfahren.
25:19Und auch nicht, wie gefährlich das ist, was in den Atomkraftwerken schlummert.
25:25Nicht einmal, wenn der Fall eintreten sollte, der unwahrscheinliche Fall, dass der Meiler durchgeht, wird er über den Umkreis seines
25:32Standorts hinaus einen Schaden verursacht.
25:36Viele Menschen glauben das.
25:38Anfangs.
25:38Aber bald schon spaltet die Atomkraft die Gesellschaft.
25:42Die Geburtsstunde der Grünen.
25:44Jürgen Trittin ist ein erklärter Atomkraftgegner.
25:47Er protestiert gegen die Umweltgefahren und will, dass die Atomkraftwerke abgeschaltet werden.
25:53Der Protest wird zur Massenbewegung.
25:57Den Demonstrationen der Bürger steht schon bald die Demonstration der Staatsmacht gegenüber.
26:03Und die Menschen bekommen deren ganze Gewalt zu spüren.
26:08Aber schon wenig später sollte die Geschichte ihnen Recht geben.
26:20Am 26. April 1986 kommt es im Block 4 des ukrainischen Kernkraftwerks Tschernobyl zu mehreren Explosionen.
26:29Der über 1000 Tonnen schwere Deckel des Reaktorkerns und das Dach des Reaktorgebäudes werden quasi zerfetzt.
26:37Bis dahin gab es so etwas nur in der Theorie.
26:42Was immer auf dem Schirm war, war die Möglichkeit, dass es ein GAU, den Begriff gab, bisher einen größten anzunehmenden
26:48Unfall geben könnte.
26:50Nur es wurden Wahrscheinlichkeitsrechnungen durchgeführt, die den fast unmöglich machten.
26:56Und dass der so eintritt, wie er da in Tschernobyl eingetreten ist, das hatte, glaube ich, keiner wirklich auf dem
27:02Schirm.
27:03Die tödliche Strahlung aus dem Reaktor wird unmittelbar in die Umgebung freigesetzt.
27:09In der Nähe des Atomkraftwerks erkranken in den folgenden Jahren zigtausende Menschen an Krebs.
27:15Tausende sterben.
27:16Und eine radioaktive Wolke macht sich auf den Weg bis nach Deutschland.
27:21Wegen der Strahlung werden die Menschen aufgerufen, Spielplätze zu meiden, nicht auf die Straßen zu gehen.
27:27Das Gegenteil passiert. Denn in der Bevölkerung löst das noch größeren Widerstand gegen die Atomkraft aus.
27:34Aber die Kohl-Regierung bleibt hart. Fünf neue Kernkraftwerke gehen nach Tschernobyl ans Netz.
27:42Einziges Zugeständnis? Das Bundesumweltministerium wird gegründet.
27:47Ein Jahr später wird Klaus Töpfer Minister.
27:50Er ist zuständig für die Atomkraftwerke und verteidigt auch nach Tschernobyl die deutsche Atomwirtschaft.
28:00Dafür erntet er geballten Protest aus der Anti-Atomkraft-Bewegung.
28:05Aussteigen will er trotzdem nicht. Für ihn ist das Restrisiko beherrschbar.
28:11Denn trotz Tschernobyl glaubt er damals wie heute, deutsche Kernkraftwerke seien sicher.
28:18Es war nicht die Meinung, dass für uns deswegen Kerntechnik nicht denkbar ist.
28:25Ich bin auch bis zur heutigen Stunde davon überzeugt, dass wir in Deutschland Kernkraftwerke betreiben und betrieben haben,
28:32die mit hoher Verantwortung der dort Handelnden und mit technologischen und Auslegungsqualitäten versehen sind,
28:39die es verantwortlich machen, sie zu betreiben.
28:42Aber es ist mir auch klar geworden, dass wir die Alternativen entwickeln müssen, so bald wie irgend möglich.
28:511994 wird Angela Merkel Nachfolgerin von Klaus Töpfer.
28:56Und sie ist eine noch überzeugtere Verfechterin der Atomkraft.
28:59Schnell baut sie enge Beziehungen zu den Chefs der Atomkonzerne auf.
29:05Als Abteilungsleiter holt sie einen Mitstreiter ins Ministerium, den Juristen Gerald Hennenhöfer.
29:11Er wird oberster Aufseher für die deutschen Atomkraftwerke.
29:15Und wie Merkel vertritt er eine industriefreundliche Politik.
29:211996 besuchen beide das ehemalige Kernkraftwerk in Tschernobyl.
29:27Ein Betonmantel umgibt nun die Ruine des explodierten Atommailers.
29:33Zehn Mikrosievert, das ist aber immer erst noch 0,01, was immer noch nur ein Zwanzigste dessen ist, was man
29:38im Jahr kriegen kann, nicht?
29:40Wunderbar.
29:41Gut.
29:42Und sowohl Merkel als auch Hennenhöfer glauben, in Deutschland könne sowas ohnehin nicht passieren.
29:49Die deutschen Kraftwerke sollen weiterlaufen, die deutschen Atomkonzerne weiterverdienen.
29:56Und so hätte es auch weitergehen können.
30:03Aber nach den Wahlen 1998 kommt Rot-Grün an die Macht.
30:09Gerhard Schröder wird Kanzler und Jürgen Trittin neuer Umweltminister.
30:13Sie wollen den Atomausstieg.
30:15Im Juni 2000 unterzeichnen sie nach zehn Verhandlungen mit den Konzernen einen Vertrag.
30:21Den sogenannten Atomkonsens.
30:24Bis 2022 soll das letzte Atomkraftwerk abgeschaltet werden.
30:28Dafür kommt die Regierung den Konzernen weit entgegen.
30:33Das Geld für den Rückbau der Kernkraftwerke und die Entsorgung des Atommülls müssen sie nicht sicher zur Seite legen.
30:39Sie können damit spekulieren.
30:41Ein enormer Vorteil und ein Verhandlungserfolg auch dieses Mannes.
30:46Gerald Hennenhöfer.
30:48Hennenhöfer?
30:50Ja, der ehemalige Atomaufseher von Angela Merkel hat die Seiten gewechselt.
30:55Nun verdient er sein Geld ausgerechnet bei den Atomkonzernen.
30:59Den Atomkonsens hat er für die Konzerne verhandelt und unterschrieben.
31:06Die Konzerne nutzen zwar die Vorteile des Vertrags,
31:09aber gleichzeitig tun sie so, als wäre ein Atomausstieg nie beschlossen worden.
31:14Stattdessen setzen sie weiter auf die alten Atomkraftwerke.
31:18Denn mit jedem Einzelnen verdienen sie jeden Tag eine Million Euro.
31:25Die energiepolitische Sprecherin der Grünen, Sylvia Kotting-Uhl, hatte eigentlich erwartet,
31:31dass die Konzerne nun, nach unterzeichnetem Atomausstieg, endlich erneuerbare Energien fördern.
31:37Das haben sie nicht getan, sondern sie haben immer darauf gesetzt,
31:40dass eine andere Regierung, eine andere Konstellation das wieder rückgängig machen wird.
31:46Die Atomkonzerne rechnen schon bald fester mit.
31:492005 herrscht hier beim Forum Kerntechnik, dem Treffen der Atombosse, schon wieder Feierstimmung.
31:55Warum ist die Stimmung hier so euphorisch auf dieser Tagung?
32:00Nun, wir stellen den Ausstieg in Frage.
32:02Die Stimmung ist recht positiv.
32:04Wir beobachten auch die anderen Länder um Deutschland herum,
32:06wo weiterhin auf Kernkraft gesetzt wird.
32:07Und ich denke, dass wir das in Deutschland auch tun sollten.
32:10Wann glauben Sie denn, wird in Deutschland das letzte Kernkraftwerk tatsächlich vom Netz gehen?
32:17Ich schätze mal, wenn es Uran alle ist.
32:19Also, wenn Sie mich fragen, so vielleicht in 200, 300 Jahren.
32:30Und tatsächlich. 2009, neue Regierung und Rolle rückwärts.
32:36Nun regiert Schwarz-Gelb unter Kanzlerin Merkel.
32:38Die ehemalige Umweltministerin pflegt wie früher ein enges Verhältnis zu den Bossen der Atomkonzerne.
32:45Wie von ihnen gewünscht, verlängert sie die Laufzeiten der Kernkraftwerke um bis zu 14 Jahre.
32:52Jürgen Großmann von RWE und Johannes Theissen von E.ON freut es.
32:56Denn Merkel verhilft damit, den Unternehmen zu zusätzlichen Milliarden gewinnen.
33:00Um das auf den Weg zu bringen, holen Merkel und Umweltminister Röttgen einen neuen alten Mitarbeiter ins Ministerium.
33:08Gerald Hennenhöfer wird wieder oberster Atomaufseher.
33:12Verantwortlich für die Sicherheit der Atomkraftwerke.
33:15Und das, obwohl er vorher von den Atomkonzernen bezahlt worden war.
33:20Ein Atomlobbyist im Ministerium?
33:23Es ist ein, bleibt ein politischer Skandal, die Aufsicht über Atomanlagen, über eine der gefährlichsten Technologien der Welt,
33:34jemandem anzuvertrauen, der zuvor mit dem Betrieb dieser Anlagen sein Geld verdient hat.
33:40Das geht einfach nicht.
33:42Im neuen, alten Amt kümmert sich Gerald Hennenhöfer zunächst um die Sicherheit.
33:48Die Technik der Atomkraftwerke stammt zum Teil noch aus den 60er Jahren.
33:52Ein enormes Sicherheitsrisiko.
33:54Deswegen muss sie ständig erneuert werden.
33:57Aber das ist extrem teuer.
34:00Was wann von den Konzernen erneuert und geändert werden muss, regelt die sogenannte Nachrüstliste.
34:05Auch unter Gerald Hennenhöfer wird eine solche erstellt.
34:10Doch nach Hennenhöfers Liste werden die teuren Maßnahmen auf mittel- bis langfristig verschoben.
34:16Wie der Austausch von Rohrleitungen und die Vergrößerung der Flutbehälter-Inventuren.
34:21Extrem wichtige Sicherheitssysteme im Falle eines GAUs.
34:26Wir zeigen die geheime Liste damals Hennenhöfers Vorgänger im Amt, dem Juristen und Physiker Wolfgang Renneberg.
34:35Dieses Nachrüstungsprogramm, was zwischen Bund und Ländern vereinbart ist, verdient den Namen nicht.
34:42Das ist ein Ausverkauf an Sicherheit.
34:45Hier werden als kurzfristige Maßnahmen nur solche vorgeschlagen, die sehr einfach zu machen sind.
34:53Und die sowieso aufsichtlich, unabhängig von jeder Laufzeitverlängerung, zum Geschäft der Atomaufsicht gehören.
35:02Dabei werden die grundlegenden Maßnahmen auf die lange Bank geschoben und nicht weiterverfolgt.
35:08Das finde ich skandalös.
35:11Wieder ein Milliardenentgegenkommen also an die Konzerne?
35:15Gerald Hennenhöfer bestreitet das und schreibt uns,
35:19Es gab kein Entgegenkommen. Mit der Nachrüstliste wurde dem Grundsatz kontinuierlicher Anlagenverbesserung wieder Geltung verschafft.
35:29Atomkraftwerke verbessern, ohne irgendetwas zu tun?
35:33Aber das wird bald von der Geschichte überholt.
35:36Denn die schöne neue Atomwelt der schwarz-gelben Bundesregierung hält nicht lange.
35:40Noch nicht einmal ein halbes Jahr später, im März 2011, zeigt sich erneut, wie unsicher Atomkraft wirklich ist.
35:52Nach einem Erdbeben überrollt eine gigantische Flutwelle die Küste Japans.
35:57Schiffe, Häuser, Autos werden wie Bauklötze mitgerissen.
36:01Über 18.000 Menschen verlieren ihr Leben.
36:05Die Welle erreicht auch die Kernkraftwerke von Fukushima.
36:08Die Notstromsysteme fallen aus.
36:11Und vor den Augen der Weltöffentlichkeit explodiert ein Atomkraftwerk.
36:15Völliger Kontrollverlust. Live übertragen im Fernsehen.
36:27Und dann die zerfetzten Reaktorgebäude.
36:31Der Gau ist da.
36:33Diese Bilder sieht man auch in Deutschland.
36:35Und Angela Merkel ist sofort klar.
36:37Mit Atomkraft lassen sich keine Wahlen mehr gewinnen.
36:41Plötzlich will sie doch wieder raus aus der Atomenergie.
36:44So schnell wie möglich.
36:49Drei Tage nach dem Gau geht Merkel mit Ministern und Ministerpräsidenten vor die Presse.
36:54Und verkündet zunächst ein sogenanntes Moratorium.
36:59Wir werden angesichts der Lage eine Überprüfung aller Kernkraftwerke durchführen, eine Sicherheitsüberprüfung.
37:09Acht Kernkraftwerke sollen zunächst für drei Monate abgeschaltet und auf ihre Sicherheit überprüft werden.
37:16Zuständig dafür das Ministerium von Bundesumweltminister Norbert Röttgen.
37:22Die Verantwortungen im Ministerium sind klar geregelt.
37:25Und das zuständige Referat fängt sofort an zu arbeiten, schreibt eine ausführliche Begründung, warum nach Fukushima auch enorme Gefahren von
37:33deutschen Atomkraftwerken ausgehen.
37:35Aber dieses Schreiben wird nie an die verantwortlichen Landesbehörden verschickt.
37:40Denn der Abteilungsleiter im Ministerium heißt Gerald Hennenhöfer.
37:45Und er schaltet das zuständige Fachreferat einfach aus.
37:51Stattdessen lässt Hennenhöfer auf mageren drei Seiten eine der wichtigsten atompolitischen Entscheidungen des Landes verschicken.
37:58Quasi ohne Begründung sollen die Kernkraftwerke stillgelegt werden.
38:04Ganz allgemein ist nur von einem Gefahrenverdacht die Rede.
38:08Aber kein Wort davon, worin diese Gefahr eigentlich bestehen soll.
38:13Kein Wort über die Mängel der alten Atomreaktoren.
38:17RWE klagt dagegen. Und das Verwaltungsgericht Kassel entscheidet?
38:21Hennenhöfers Begründung ist rechtswidrig.
38:24Daraufhin fordern die Atomkonzerne Schadenersatz von mehreren hundert Millionen Euro von Bund und Ländern.
38:32Für Wolfgang Renneberg ist klar.
38:34Das Ministerium hat den Konzernen wenigstens fahrlässig in die Hände gespielt.
38:39Warum?
38:41Ich kann darüber nur spekulieren, aber es gibt für mich eigentlich nur eine Antwort.
38:47Man wollte keine sicherheitstechnischen Mängel in die Begründung der Anordnung hineinschreiben.
38:54Und sicherlich auch deshalb, um gerade das zu ermöglichen, was jetzt passiert, nämlich Schadenersatzforderungen der Betreiber zu ermöglichen.
39:05Wollte Gerald Hennenhöfer den Konzernen bewusst zu Klagemöglichkeiten verhelfen?
39:10Heute sagt er nein, denn seine Begründung sei ja nicht bindend gewesen.
39:15Das war ein Vorschlag, der von den Landesbehörden auszufüllen war.
39:19Aber Sie haben nicht gehandelt im Interesse der Energieversorgungsunternehmen?
39:22Ich habe im Staatsinteresse gehandelt, denn dazu war ich und bin ich als Beamter verpflichtet.
39:29Und nochmal tritt Hennenhöfer in Aktion.
39:32Es geht um die nun anstehende Überprüfung der Sicherheit der Kernkraftwerke durch Wissenschaftler und Vertreter der Atomkonzerne.
39:40Hennenhöfer entscheidet, aus dem Ministerium soll das niemand beaufsichtigen.
39:45Ein zweites Mal schaltet er das Fachreferat aus.
39:49Die Herrschaften wollten lieber ohne Aufpasser aus dem Ministerium diskutieren, begründet Hennenhöfer seine Entscheidung.
39:57Diese Abteilung ist diejenige, die für die Sicherheit auch gerade stehen muss.
40:02Und diese Abteilung dann als lästigen Aufpasser zu bezeichnen, das ist mir in meiner politischen Zeit noch nicht vorgekommen, so
40:10etwas.
40:10Ich frage mich, wer dann die Verantwortung übernimmt.
40:13Gerald Hennenhöfer jedenfalls nicht.
40:17Uns teilt er mit, die Bundesregierung habe eben eine unabhängige Bewertung der Sicherheit haben wollen.
40:27Im Juni 2011, noch während des Moratoriums, beschließt die Regierung unter Kanzlerin Merkel, dann doch, endgültig aus der Atomkraft auszusteigen.
40:38Das Atomgesetz wird novelliert.
40:41Damit wird bis 2022 die Nutzung der Kernenergie in Deutschland beendet.
40:52Den Atomausstieg wollen die Konzerne nicht einfach hinnehmen. Sie klagen dagegen. Und zwar gleich doppelt.
41:01Hier in Washington findet derzeit ein eigenartiges Verfahren statt.
41:05Eine Verhandlung vor einem internationalen Schiedsgericht.
41:09Hier verklagt der Vattenfallkonzern die Bundesrepublik Deutschland auf die sagenhafte Summe von 4,7 Milliarden Euro.
41:18Schadenersatz wegen des Atomausstiegs.
41:22Aber die Chancen von Vattenfall stehen nicht schlecht.
41:25Denn die Bundesrepublik muss Laienrichtern erklären, warum man das Recht hatte, aus der Atomkraft auszusteigen.
41:31Am Ende zählt die Einschätzung eines Amerikaners, eines Briten und eines Niederländers.
41:38Deutsches Recht gilt hier nichts.
41:41Gut möglich also, dass Vattenfall Milliarden aus der deutschen Staatskasse bekommt.
41:49Zweite Klage. Schauplatz Bundesverfassungsgericht.
41:53Im März 2016 findet hier die mündliche Verhandlung statt.
41:57Es klagen E.ON, RWE und Vattenfall.
42:00Auch hier geht es um Schadenersatz in Milliardenhöhe wegen des Atomausstiegs.
42:05Trotz jahrzehntelanger Gewinne der Konzerne mit Atomstrom.
42:09Wollen Sie noch mal so viel Geld wie möglich rausschlagen?
42:13Entschuldigung, können Sie fragen?
42:14Wollen Sie noch mal so viel Geld wie möglich rausschlagen, jetzt wo die Zeit der Atomkraftwerke zu Ende geht?
42:21Ich hatte ja schon mal gesagt, es geht uns heute nicht um Herausschlagen von irgendwelchen Schadensersatzansprüchen,
42:27sondern es geht uns darum, ob unsere Rechte gemäß Grundgesetz gewahrt worden sind durch die 13. Atongesetznobel.
42:35Kein Schadenersatz? Falsch.
42:38Tatsächlich geht es hier um viele Milliarden Euro, die der Staat den Konzernen zahlen soll.
42:44Das Gerichtsverfahren.
42:45Damals ist es auch eine imposante Drohkulisse, um Druck auf die Regierung auszuüben.
42:52Denn es geht um die Kosten des Atomausstiegs.
42:57Erstmals wird nun deutlich, wie teuer das Atomzeitalter wirklich ist.
43:02Die Milliarden für Forschungen, Finanzhilfen oder Steuererleichterungen haben die Konzerne ja schon bekommen.
43:08Jetzt geht es um die Kosten für den Rückbau der Atomkraftwerke und für die Entsorgung tausender Tonnen hochradioaktiven Atommülls,
43:17die sicher für eine Million Jahre gelagert werden müssen.
43:20Beides müssen die Konzerne nach dem Verursacherprinzip komplett bezahlen.
43:25In ihren Bilanzen haben sie dafür Rückstellungen in Höhe von 40 Milliarden Euro gebildet.
43:31Geld, das in der Zukunft anfällt. Mindestens.
43:34Beim Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung zeigt Energieexpertin Claudia Kempfert allerdings,
43:41dass diese 40 Milliarden Euro niemals reichen werden.
43:45Denn durch Inflation und Preissteigerungen kosten Rückbau und Entsorgung nach offiziellen Zahlen nicht 40 Milliarden,
43:51sondern bis 2100 169 Milliarden Euro.
43:57Um auf diese enorme Summe zu kommen, rechnen Regierung und Industrie mit einem Trick.
44:02Wir brauchen sehr viel mehr Geld.
44:04Also man rechnet im Moment mit einer Größenordnung von ungefähr 169 Milliarden Euro.
44:11Und um da hinzukommen, ist es notwendig, in der Tat, das sind diese 40 Milliarden, die Sie gerade erwähnt haben,
44:18die Rückstellungen, die ja gebildet wurden bei den Konzernen, das sind 40 Milliarden.
44:23Und man kommt da hin, indem man jetzt einen bestimmten Prozentsatz annimmt, wo man dieses Geld verzinst.
44:30Das sind die 4,58 Prozent.
44:33Und dann kommt man auf die 169 Milliarden Euro.
44:37Hört sich immer viel an.
44:38Es hört sich viel an.
44:39Und im Moment hat man auch einen sehr viel geringeren Zinssatz am Kapitalmarkt.
44:43Das heißt, es wäre eher realistisch anzunehmen, dass man einen geringeren Zinssatz annimmt an dieser Stelle.
44:50Das heißt, man müsste hier sehr viel mehr Geld einbezahlen, nämlich ungefähr 75 Milliarden,
44:56um eben bei einem realistischeren Zinssatz von ungefähr 2 Prozent auf diese 169 Milliarden zu kommen.
45:04Das heißt, das Geld reicht eigentlich hinten und vorne nicht?
45:07Das Geld reicht hinten und vorne nicht.
45:09Also nochmal, weil niemand derzeit 4,58 Prozent Zinsen bekommt und schon 2 Prozent optimistisch sind,
45:17bräuchte man heute schon fast doppelt so viel Geld.
45:20Und noch ein Schönheitsfehler.
45:22Denn die Konzerne haben auch die 40 Milliarden Euro nie krisensicher zur Seite gelegt.
45:27Trotz Milliarden Gewinnen.
45:29Sie haben mit dem Geld spekuliert.
45:31Die große Gefahr, wenn man es braucht, ist es vielleicht gar nicht mehr da.
45:35Man hätte es längst sichern müssen. Also eigentlich zu Beginn, als man mit der Atomenergie angefangen hat,
45:41so wie andere Länder auch, hätte man einen Fonds eingerichtet, wo Geld eingezahlt wird.
45:46Zumindest Teile dieser Rückstellung. Aber das hat man versäumt.
45:49Und heute geht es einigen der Konzerne wirtschaftlich sehr schlecht.
45:54Sie behaupten, Schuld daran sei der Atomausstieg.
45:58Aber die Geschäftsberichte entlarven einen anderen wichtigen Grund.
46:01Hier stehen die Dividendenzahlungen, also das Geld, das die Konzerne an ihre Aktionäre verteilt haben.
46:08Und es zeigt sich, mit vollen Händen haben sie es ausgeschüttet.
46:15Alleine E.ON und RWE seit 2000 fasst insgesamt 50 Milliarden Euro.
46:21Dieses Geld ist weg und steht für Rückbau und Entsorgung nicht mehr zur Verfügung.
46:26Die Gefahr, wenn die Konzerne pleite gehen, müsste am Ende der Staat zahlen.
46:31Genau davor geht bei der Bundesregierung die Angst um.
46:36Deshalb hat man hier beim Bundeswirtschaftsministerium eine Kommission eingerichtet.
46:49Die Sitzungen der Atomkommission sind nicht öffentlich.
46:53Obwohl es um eine der teuersten und wichtigsten volkswirtschaftlichen Entscheidungen unseres Landes geht.
46:58Hinter verschlossenen Türen verhandelt man über Milliarden.
47:02Und die Frage, wie sichert man das Geld der Konzerne für Rückbau und Entsorgung, sodass nicht am Ende der Steuerzahler
47:09einspringen muss.
47:11Vorsitzender ist einer der entschiedensten Atomkraftgegner im Land.
47:15Jürgen Trittin, einst Bundesumweltminister und Verhandler des ersten Atomausstiegs.
47:21Neben ihm leiten Matthias Platzeck von der SPD und Ole von Beust von der CDU die Sitzungen.
47:28Mit am Tisch ein alter Bekannter.
47:31Der ehemalige Abteilungsleiter Gerald Hennenhöfer.
47:35Heute arbeitet Hennenhöfer für eine Anwaltskanzlei, die Atomkonzerne vertritt.
47:39In den Fragen Rückbau und Entsorgung.
47:42Mal Bund, mal Industrie.
47:44Aber für wen verhandelt Hennenhöfer hier eigentlich?
47:48Welches Ziel verfolgen Sie hier in der Kommission? Was wäre das bestmögliche Ziel?
47:52Das bestmögliche Ziel wäre, dass wir gemeinsam einen Entsorgungskonsens bekommen, der für die Unternehmen, den Staat und die Gesellschaft Sicherheit
48:01schafft.
48:02Wessen Interessen verfolgen Sie hier in der Kommission?
48:05Das Interesse des Staates, der Gesellschaft und der Unternehmen zu einem solchen Konsens zu kommen.
48:12Wieder soll der Staat den Konzernen entgegenkommen. Und das, obwohl sie ihn gleichzeitig auf Schadenersatz verklagen.
48:20Es ist völlig unmöglich, dass der Staat finanzielle Risiken der Atomkonzerne übernimmt und gleichzeitig von diesen Konzernen verklagt wird auf
48:30Entschädigungszahlung.
48:31Das geht überhaupt nicht.
48:32Das ist ein gutes Geschäft gewesen für die Energiekonzerne. Sie haben an der Atomkraft gut verdient.
48:38Das war betriebswirtschaftlich ein Erfolgsmodell. Den Schaden hat die Volkswirtschaft. Volkswirtschaftlich ist es ein ökonomisches Desaster.
48:47Im April 2016 stellen die drei Vorsitzenden der Kommission ihren Abschlussbericht vor.
48:53Der Vorteil? Die Konzerne sollen nun Geld für die Entsorgung des Atommülls an den Staat überweisen. In einen Fonds.
49:00Zum ersten Mal also echtes und festgelegtes Geld. Der Nachteil? Damit wären sie aus dem Schneider.
49:08Alle Kosten darüber hinaus soll in Zukunft der Steuerzahler zahlen. Ein glasklarer Deal. Zu Lasten der Gesellschaft.
49:16Denn die Entsorgung des Atommülls ist völlig ungeklärt. Keiner weiß, wie teuer sie am Ende wird.
49:22Die Vorsitzenden und auch Gerald Hennenhöfer scheinen trotzdem zufrieden.
49:26Mit dem Ergebnis kann die deutsche Gesellschaft auch leben.
49:30Unterm Strich ein gutes, ein faires Ergebnis.
49:32Das Ergebnis rechtfertigt alle Mühen.
49:36In Zahlen sieht das so aus. Die Unternehmen erhöhen ihre Rückstellungen von bisher 40 Milliarden auf dann 46 Milliarden Euro
49:44durch eine Risikoprämie von gerade mal 6 Milliarden Euro, damit das Geld später reicht.
49:50Dabei ist jetzt schon klar. Um die Kosten von mindestens 169 Milliarden Euro bezahlen zu können, wären heute schon 75
49:58Milliarden Euro nötig.
50:00Aber davon sind die Konzerne meilenweit entfernt. Diese Lücke bleibt offen.
50:06Am Ende würde also der Staat zahlen. Denn der soll das große Kostenrisiko übernehmen. Kompromiss nennt sich das.
50:18Ist das ein guter Kompromiss für die Gesellschaft oder ist das ein guter Kompromiss für die Industrie?
50:23Es ist eindeutig ein guter Kompromiss für die Energieunternehmen und ein schlechter für die Gesellschaft, weil die Gesellschaft letztendlich die
50:31hohen Risiken weiterhin trägt.
50:33Die Konzerne können sich hier freikaufen. Sie zahlen einen bestimmten Betrag, sind noch nicht mal für die Nachhaftung verantwortlich.
50:39Und all diese Risiken muss jetzt die Gesellschaft tragen und deswegen ist es schlecht.
50:44Aber warum so ein schlechter Kompromiss? Ausgehandelt, ausgerechnet von einem Grünen, dem Atomkraftgegner Jürgen Trittin.
50:52Warum ist er den Konzernen so entgegengekommen?
50:55Wir haben uns sehr eingehend mit der ökonomischen Situation der Unternehmen beschäftigt und sind zu der Schlussfolgerung gekommen,
51:03dass wir das Schicksal dieser Kosten der Entsorgung entkoppeln müssen vom Schicksal der Unternehmen,
51:10weil eine Vorstellung, dass es die im Jahre 2099 noch gibt, die würde ich nicht unterschreiben.
51:18Das heißt, das Risiko liegt dann...
51:19Wir haben gegen die Zahlung einer Risikoprämie, übernehmen wir dieses Risiko und natürlich ist das ein Risiko,
51:26nur dieses Risiko ist drastisch geringer, als es vorher war.
51:28Das heißt, aus Angst vor deren Pleite springt der Staat ein und übernimmt von den Unternehmen das Kostenrisiko.
51:37Die kommen so an frisches Geld. Ein gewollter Effekt.
51:41Im Kommissionsbericht steht ganz offen, man wolle den Betreibern einen ökonomischen Vorteil in der Bewertung ihrer Unternehmen
51:48und beim Zugang zu den Finanzmärkten verschaffen.
51:53Wieder eine milliardenschwere Subvention für die angeblich so angeschlagenen Unternehmen.
51:58Sie sind damit aus dem Schneider. Aber sind die Konzerne tatsächlich so angeschlagen?
52:07Juni 2016, Aktionärsversammlung bei E.ON. Hier wird das Kommissionsergebnis als großer Erfolg gefeiert.
52:17Dies kommt insbesondere, meine Damen und Herren, Ihnen, unseren Aktionären zugute.
52:23Da wir erst in Dekaden wissen werden, wie viel mehr es kosten könnte oder ob Geld überbleibt.
52:29Aber diese große Ungewissheit über die Dekaden oder ein Jahrhundert rein politisch zu entscheiden,
52:36Die Risiken werden endgültig auch von Ihnen, von der Aktie genommen.
52:42Und dem Steuerzahler aufgebürdet. Und dann bekommen die Aktionäre noch ein großes Geschenk.
52:48Wieder eine Milliarde Euro an Dividenden. Und alle hier sind zufrieden.
52:55Wir hören immer wieder von den angeschlagenen Energieversorgungsunternehmen.
52:59Wie passt es dazu, dass Sie hier fast eine Milliarde Euro an Dividenden an die Aktionäre ausschütten?
53:04Also wir glauben, unsere Dividendenentscheidungen sind gut vertretbar und gerechtfertigt.
53:08Haben auch heute wieder eine Zustimmung von weit über 99 Prozent erhalten.
53:11Es gibt Untersuchungen, die sagen, fast 200 Milliarden Euro Subventionen für die großen Energiekonzerne über die Jahre auch mit Steuersubventionen
53:19oder Erleichterungen.
53:21Man hat den Eindruck, der Staat zahlt und dann schütten die Konzerne die Gewinne an die Aktionäre aus.
53:30Also jetzt, sagen wir mal, an dem heutigen Tag nochmal die gesamte deutsche Kernenergiegeschichte aufzuarbeiten, scheint mir nicht sachgerecht.
53:36Natürlich hat der Staat in die Grundlagentechnologieforschung beträchtlich investiert.
53:40Aber heute nachträglich, sag ich mal, in Rosinen abzurechnen, das wird weder dem Thema, das wird auch der Zukunft nicht
53:47gerecht.
53:48Lassen Sie uns jetzt die Zukunft angehen, die ist sicherlich grüner, dezentraler und bürger- und kundennäher.
53:54Und die wollen wir uns jetzt erarbeiten und wir werden uns nicht in endlosen Diskussionen von vorgestern aufhalten.
53:59Die Zukunft soll unbeschwert sein. Und heute noch nachhalten, wer sich welche Rosinen aus dem Kuchen gepickt hat, ach, lieber
54:06nicht.
54:09Das Bundesverfassungsgericht.
54:13Anfang Dezember 2016 entscheidet das Bundesverfassungsgericht, den Konzernen steht eine Entschädigung wegen des Atomausstiegs zu.
54:22Dem Bund drohen Milliardenzahlungen. Nur weil die Merkel-Regierung die Laufzeiten der Atomkraftwerke erst ohne Grund verlängert und dann wieder
54:30verkürzt hatte.
54:31Und die Konzerne haben noch mehr Grund zur Freude. Denn Mitte Dezember 2016 wird im Bundestag das neue Atomgesetz verabschiedet,
54:39vorgelegt von Wirtschaftsminister Gabriel.
54:42Abermals kommt die Regierung den Konzernen entgegen, beim Rückbau der Atomkraftwerke. Und der wird noch Jahrzehnte dauern.
54:52Im vergangenen Jahr haben sich sowohl E.ON als auch RWE aufgespalten. E.ON hat die Konzerntochter Uniper gegründet, RWE
55:00die Tochter Energy.
55:02Die Tochterunternehmen erhalten die Sparten Wasser und Gas, beziehungsweise Wind- und Solarenergie.
55:08Aber die Kernkraftwerke mit den Kostenrisiken bleiben bei den Mutterkonzernen.
55:12Schon jetzt sind die Tochterunternehmen zu Großkonzernen geworden. Und nach dem neuen Gesetzentwurf ist klar, wenn die Mutterkonzerne nur noch
55:21Verluste machen und irgendwann ungewollt oder auch gezielt pleite gehen, sind die Töchter fein raus.
55:27Sie müssen dann nicht mehr für den Rückbau der Atomkraftwerke haften.
55:32Die sind nicht haftbar für den Rückbau. Und der Rückbau wird sich lange hinziehen in die Zukunft hinein. Also da
55:38sehen wir zwei, drei Jahrzehnte entgegen.
55:41Und das heißt, dass auch diese Kosten dann beim Staat landen würden.
55:45Am Ende nochmal ein enormes finanzielles Risiko, für das der Staat bereit ist.
55:50Euch aber muss es zuerst um sein Reich und um seine Gerechtigkeit gehen.
55:57Dann wird euch alles andere dazugegeben.
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