00:04Unfassbar eigentlich, dass das beste Strategiespiel zu Game of Thrones bis heute eine Mod für Crusader
00:09Kings 3 ist. Ob das so bleibt? Nun, zumindest gibt es bald die Chance auf Veränderung. Denn
00:16mit War for Westeros soll 2027 doch tatsächlich ein waschechtes Echtzeitstrategiespiel rund um
00:22Game of Thrones erscheinen, das auch kein billiges Mobile-Spielchen sein wird. Sondern,
00:27und das haben die Entwickler offen gestanden, obwohl der Titel schon Hinweis genug war,
00:31ein Game of Thrones Spiel, das als würdiger Nachfolger des RTS-Meilensteins Schlacht um
00:37Mittelerde aufgefasst werden soll. Bislang fehlte umfassendes Gameplay, das diesen Thronanspruch
00:43glaubhaft untermauert. Aber jetzt ist es endlich soweit. Das in Wilder Studio ließen mich und
00:48einige Kollegen auf eine erste Demo einer frühen Spielversion los, in der ich prompt etwa vier
00:54Stunden verbracht habe. Auf dem Bildschirm seht ihr außerdem einige neue Spielszenen zu
00:58War for Westeros, die wie bei unserer großen Fing-Show auf der Gamescom enthüllen durften.
01:03Schauen wir also mal, ob War for Westeros das Spiel der Throne gewinnen könnte oder dabei stirbt.
01:10Ein wenig passt es ja ins Bild eines Spiels zu Game of Thrones, dass mich War for Westeros zu Beginn
01:18unterwältigt. Die spielbare Demo erlaubt lediglich kleine Scharmützel auf zwei kleinen Karten und zur
01:23Auswahl stehen auch nur zwei der zum Release geplanten vier Fraktionen. Die Starks und die
01:29Lannisters. Die anderen beiden sind übrigens das Haus Targaryen und die weißen Wanderer,
01:34angeführt vom Nachtkönig. Und was mich dann in den ersten Zügen der ATS-Partie erwartet,
01:38ist absoluter Genre-Standard. Bei den Lannisters sammelt eine Mine Gold, bei den Starks eine Windmühle,
01:45Beide bilden Einheiten aus, wobei einige davon andere kontern. Sperrkämpfer sind zwar gut gegen
01:50Reiter und Monster, während die Kavallerie Bogenschützen niedertrampelt. Neben Minen sorgen
01:56Einflussgebäude für, naja, Einfluss halt. Der wird vor allem für Heldeneinheiten benötigt,
02:02aber auch für einige Gebäude oder um die nächste Technologiestufe zu erreichen. Das spielt sich
02:07unaufgeregt, fühlt sich aber immerhin sehr atmosphärisch an, vor allem dank der stimmungsvollen,
02:11von der Serie stark inspirierten Musik, den guten englischen Synchronsprechern und der ansprechenden
02:21Optik. Dass War for Westeros sich zu Beginn so profan anfühlt, liegt aber auch an der Vorlage.
02:27Selbst wenn Starks und Lannisters in einer Fantasy-Welt existieren, ist Westeros zur Zeit von
02:33Das Lied von Eis und Feuer anfänglich noch unmagischer als Urigellas Besteckschublade. Da kämpfen auf den
02:40Schlachtfeldern letztlich eben doch stinknormale, mittelalterliche Armeen gegeneinander. Dabei bleibt
02:45es allerdings nicht. Lannisters und Starks mögen zu Beginn gleichförmig erscheinen, in Wahrheit sind
02:49sie das aber gar nicht. Ihr solltet zwar nicht unbedingt eine Fraktionsvarianz wie bei StarCraft
02:54erwarten, aber immerhin mehr, als man zunächst denkt. Spätestens ab der Mitte der Partie tun sich
02:59schon die ersten Klüfte auf. Das geht allein damit los, dass es einen kleinen Unterschied zwischen den
03:04Mühlen der Starks und den Minen der Lannisters gibt. Letztere werfen mehr Gold ab, dafür gehen den
03:10Minen nach einiger Zeit die Rohstoffe aus. Die Windmühlen der Starks sind behäbiger, sammeln aber
03:16unaufhörlich. Vor allem dürfen die Lannisters aber Gold gegen Einfluss tauschen und umgekehrt, sowie mittels
03:21freischaltbarer Technologie, sogar Schulden machen. Damit sind die Blonden Löwen ab der Mitte einer Partie
03:27unheimlich anpassungsfähig und geraten so gut wie nie in einen echten Ressourcenengpass. Sie können
03:33sogar für einiges an Gold mächtige Söldnerregimenter wie die Goldene Kompanie auf der Stelle ausheben,
03:39ausgesprochen nützlich. Ein Highlight der Lannisters sind im Endgame die Seefeueroptionen.
03:45Triboke verschießen dann Kugeln, die grüne Flammenexplosionen auslösen. Es gibt aber auch
03:49Pyromanen, die das Zeug werfen oder damit Sprengfallen bauen. Die Starks auf der anderen Seite glänzen vor allem
03:56mit Einheitenvielfalt, starken Verteidigungsanlagen und Masse. Ab der zweiten Technologiestufe könnt ihr
04:03euch als Starkspieler überlegen, ob ihr lieber auf die Wildlinge oder die Nachtwache setzt. Die
04:08Wildlinge gewähren günstige Einheiten, die sich gegenseitig buffen und einige Hinterhaltfähigkeiten
04:12mitbringen. Und wem das nicht reicht, der sollte die Wildlinge allein für den Zugriff auf waschechte
04:17Riesen in Erwägung ziehen, die wahlweise sogar auf dem Rücken eines Mammuts in die Schlacht stampfen.
04:23Da wirken die Soldaten der Nachtwache im Vergleich etwas unspektakulär, wobei ihr die reine
04:30Kampfkraft der schweren Fußsoldaten und Reiter ebenfalls nicht unterschätzen solltet. Letztlich
04:35ist die Wahl jedoch nicht super ausschlaggebend, da ab der dritten Technikstufe die Starks die
04:40Nordische Allianz freischalten und sich auf diese Weise Wildlinge und Nachtwache doch noch einig
04:46werden. Im fertigen Spiel sollen laut Game Director Ryan McMahon über einen Fraktionsskilltree noch mehr
04:52Entscheidungen auf euch zukommen. Das soll ein wenig an die Spezialfähigkeiten aus Schlacht
04:57und Mittelerde 2 erinnern, also die Zauber, mit denen ihr etwa Tom Bombadil oder die Armee
05:02der Toten rufen durftet. Der Skilltree soll allerdings keine exakte Kopie des Systems aus
05:07Mittelerde werden, sondern die politische Dynamik von Game of Thrones irgendwie abbilden. So richtig
05:12vorstellen kann ich mir darunter aber noch wenig. Was War for Restaurants auf jeden Fall nicht braucht,
05:17sind noch mehr passive Buffs. Insbesondere deshalb, da auch den Heldeneinheiten im Spiel bislang noch
05:23ein bisserl der Punch fehlt. Das ist ebenfalls auf das Szenario zurückzuführen, da weder Tywin Lannister
05:29noch Robb Stark mal eben dutzende Truppen mit einer Schockwelle wegfegen wie Gandalf. Aber in Schlacht
05:35um Mittelerde kamen selbst Figuren wie Aragorn oder Gimli dann doch ein wenig besser zur Geltung. Wobei die
05:40verschiedenen Rollen der Helden thematisch gut gewählt sind. Tywin bufft als Stratege im Hintergrund Einheiten,
05:46während Jaime Lannister als Heldenkiller agiert. Jon Snow fühlt sich an der Seite von Fußsoldaten an der
05:52Front am wohlsten, Robb Stark hingegen ist darauf ausgelegt, Feinde zu schwächen. Die Starks bekommen in der
05:58Demo zudem noch Verstärkung von den Schattenwölfen Geist und Grauwind. Gerade Grauwind ist aber eher dafür
06:04gedacht, Robb zu unterstützen. Das wirkt auf mich wie eine vertane Chance. Der Wolf wäre in meinen Augen als
06:10automatischer Gefährte oder zeitweise Beschwörung deutlich eindrucksvoller. Das hätte meiner Ansicht nach etwas mehr
06:16spielerisch interessante Möglichkeiten geboten als die paar Debuff-Fähigkeiten von Robb. Zumal die
06:21Aufeinandertreffen von Armeeverbänden in War of Westeros aktuell noch ziemlich schnell ablaufen. Da fühlen
06:26sich aktive Einheitenwaffs in der Regel nicht derart befriedigend an, wie ein aktiver Skill, der wirklich
06:31Schaden anrichtet oder andere spielerische Vorteile bietet. Klassische RTS-Gefechte sind für sich schon nie
06:36super realistisch. Da wäre ich als Fan jetzt nicht sturmgelaufen, nur weil Robb mal einen Wolfsrudel
06:41herbeizaubert oder Tywin einen Teil der Karte durch Spionageaktionen oder so aufdeckt. Vor allem,
06:47da die Targaryens mindestens einen Drachen in die Schlacht rufen dürfen und der Nachtkönig eine
06:51untote Horde erhebt. Vielleicht erfüllen aber ja bisher noch nicht spielbare Helden diesen Wunsch.
06:56Für die Lannisters durften wir bei der Fing Show auf der Gamescom etwa den hühnenhaften Berg
07:01Gregor Clegane präsentieren. Der sollte aus offensichtlichen Gründen in Gegnergruppen einschlagen,
07:06wie ein ungebremster Güterzug. Die Starks bekommen mit Arya zudem noch eine quasi-magische Heldin,
07:13die sich in erdeutschte Feinde verwandeln kann, um den Gegner zu infiltrieren. Wie gut sich das in
07:17der Praxis eines oftmals hektischen RTS-Gefechtes aber einfügt, ist noch ein wenig unklar. Game of
07:23Thrones hat als RTS also spürbar mehr Hürden zu überwinden als der Hedringer. Doch das bringt auch
07:29Chancen. Zum Beispiel bei den tatsächlichen Gefechten, die spürbar taktischer angelegt sind als im Genre
07:35üblich. Hier sollen Positionierung und Formation durchaus eine größere Rolle spielen. Das erkennt
07:40ihr daran, dass War for Westeros auch viel mit Flankierungsboni arbeitet. Falle ich einem Feind
07:46in den Rücken, wirkt sich das spürbar auf den Verlauf des Scharmützels aus. Obendrein verfügen
07:51Einheiten und Helden über einen Moralwert. Erlischt die Moral, wird die Einheit erschüttert und verliert
07:56dadurch einige ihrer Fähigkeiten, richtet weniger Schaden an und bewegt sich auch langsamer. Dieser
08:01strategische Ansatz findet sich auch bei den Siegbedingungen. Hier muss ich nicht zwangsweise
08:05den Feind komplett vernichten. Es reicht, wie bei Company of Heroes den größten Teil der Kontrollpunkte
08:10zu halten. Dadurch wird es deutlich schwerer, sich vollständig einzugraben und abzuwarten.
08:15Einigeln ist natürlich trotzdem eine valide Taktik, deswegen gibt es ja auch Mauern im Spiel,
08:20aber wer überhaupt nicht expandiert, verliert. Das typische Mauern war in der Demo aber insgesamt
08:25recht umständlich und unfertig, hat sich also da gleich doppelt nicht gelohnt. Trotzdem wirken
08:31Gefechte in den besten Momenten bereits in der Demo glaubwürdiger, als ich das sonst von
08:34Age of Empires oder auch Schlacht um Mittelerde kenne, wo ja meist ein gewisses Chaos regiert.
08:39Allerdings passiert das meiste davon noch zu selten. In der Demo waren Konter-Einheiten zu
08:44überlegen, weshalb sich kaum mal ein längeres Geplänkel aus Schlachtreihen bilden konnte.
08:48Dadurch kam die taktische Tiefe nie ganz zur Geltung und die vielen Buff-Fähigkeiten der Helden
08:54verpufften auch regelrecht. Ein Problem war in der Demo zudem die KI. Selbst auf dem höchsten
08:59Schwierigkeitsgrad ist die bislang nämlich lächerlich ausrechenbar. Sie passt ihre Strategie
09:03nie an und ich weiß immer schon vorher, welche Kontrollpunkte sie sich um jeden Preis schnappen
09:09will. Eine lückenlose Verteidigungslinie über die ganze Map war daher nie notwendig,
09:14genauso wenig wie das Ausspionieren von Truppenbewegungen mit ein paar Späheinheiten.
09:19Folglich reizt die KI die taktischen Möglichkeiten nie aus und bringt höchstens mal versehentlich
09:24ein Flankenmanöver zustande. Die Entwickler haben die KI aber wohl im Blick und wollen
09:29nachbessern. Die Rede war von Spielstilen, durch die die Computergegner in jeder Partie
09:34anders agieren. Dass sich die Kämpfe trotzdem glaubhaft anfühlen, lag in der Demo eher am
09:39Impact der Einheiten. In War for Westeros hat jede Einheit ein spürbares Gewicht und wenn
09:44eine Kavallerieeinheit einschlägt oder ein Riese die Keule schwingt, dann entfaltet das
09:49eine sehr spürbare Wucht. Schön für ein echt episches Schlachtgefühl wäre jetzt noch
09:55eine größere Einheitengrenze. In der Demo blieben die Armeen recht klein. Doch das soll
10:00sich in jedem Fall noch nach oben korrigieren lassen im fertigen Spiel. Die Demo war also
10:04ein stetes Auf und Ab. Mir fällt es danach zumindest schwer, mir vorzustellen, dass War for
10:10Westeros einer Spiel wie Schlacht um Mittelerde tatsächlich das Wasser reichen kann, allein
10:13wegen des Settings. Westeros eignet sich in meinen Augen nicht optimal für diese Art ATS. Zumindest
10:19nicht, wenn man gleichzeitig den eher bodenständigen, fantastischen Realismus der Vorlage beherzigen
10:24will. Ich denke nach wie vor, dass es Strategie-Genres gibt, die sich für die Welt besser eignen.
10:29So etwas wie Dune Spice Wars hätte ich mir gut vorstellen können und offensichtlich
10:33Crusader Kings. Diplomatie und Intrigen sind schlicht zu wichtig für das Universum, wie
10:38ich finde. Das fehlt in der Demo komplett. Es soll zwar noch die Sandbox-Kampagne kommen,
10:43in der ich laut Entwickler meine eigenen Geschichten schreibe und auch Intrigen und Verrat
10:48vorkommen. Mehr Details verraten wollten sie dazu aber noch nicht. Und trotzdem hatte ich
10:53durchaus Spaß mit War for Westeros. Die taktischen Gefechte bieten Potenzial und man merkt die
10:58Leidenschaft für die Vorlage. Fans von Game of Thrones dürfen also zumindest endlich einmal
11:03darauf hoffen, ein alles in allem unterhaltsames Strategiespiel zu ergattern.
11:07Bis zum nächsten Mal.
11:10Bis zum nächsten Mal.
11:10Bis zum nächsten Mal.
Kommentare