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  • vor 4 Stunden
Immer mehr Schüler und Studenten in Frankreich schließen sich den Protesten für bessere Lernbedingungen an. Viele engagieren sich zum ersten Mal politisch. Was bedeutet das für die kommende Präsidentschaftswahl?

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Transkript
00:02Bilder, die um die Welt gehen, Straßenschlachten in Paris und anderen französischen Städten.
00:07Ihren Ursprung haben die Unruhen jedoch in hauptsächlich friedlichen Protesten von Schülern,
00:12die seit Wochen für bessere Lernbedingungen kämpfen.
00:16Die 17-jährige Lina Metouchy, eine der Schülerinnen, demonstriert für eine bessere Zukunft.
00:22Sie sollen aufhören, die Kinder und den öffentlichen Dienst zu opfern.
00:27Es fing an mit solchen Videos in den sozialen Netzwerken, Ratten und desolate Zustände in Schulen armer Pariser Vorstädte,
00:35deren Schüler gingen auf die Barrikaden. Andere schlossen sich ihnen an, wie hier in Anier, einer etwas besser gestellten Vorstadt.
00:44Die Jugendlichen sind verärgert, dass die Regierung auch nach wochenlangen Protesten nicht auf sie eingeht.
00:50Der 18-jährige Idriss Moussouni war bis vor kurzem Schüler hier und geht jetzt zur Universität.
00:57Es ist traurig. Die Regierung versteht die Jugend nicht und versucht das auch gar nicht.
01:02Stattdessen machen sie sich uns zu Feinden. Wir sind wütend. Es ist, als ob wir in ihren Augen nicht existierten.
01:08Wir haben Wasserschäden, die Heizung funktioniert nicht, im Sommer ist es super heiß,
01:12aber man schenkt uns nur Aufmerksamkeit, wenn es zu Ausschreitungen kommt.
01:16Ich heiße die Gewalt nicht gut, aber wir müssen doch zeigen, dass wir unzufrieden sind.
01:20Die Linksaußenpartei LFI hat sich seit Beginn der Proteste mit den Schülern in Szene gesetzt
01:25und wurde dafür von anderen Parteien kritisiert.
01:28Lina ist für jede Unterstützung dankbar und erkennt sich in der LFI durchaus wieder.
01:34Wir brauchen die LFI nicht, um zu protestieren, aber es ist gut, dass sie uns unterstützen.
01:38Wir wollen, dass alle Parteien das tun. Ganz Frankreich sollte uns zuhören, nicht nur eine Partei.
01:44Die 17-Jährige ist seit Anfang der Proteste ganz vorne mit dabei.
01:49Guten Morgen, Mama.
01:50Guten Morgen, mein Kind.
01:51Sie will heute an der bisher größten Demo teilnehmen.
01:54Zum ersten Mal seien sie, die Schüler, Hauptakteure einer Bewegung,
01:57die sich inzwischen für generell bessere Lebensbedingungen einsetze, sagt sie.
02:01Ich gehe um 13 Uhr zur Demo.
02:05Pass auf dich auf.
02:11Wir tun das auch für euch. Heute vereinen sich alle Protestbewegungen.
02:15Schüler, Bauern, Gelbwesten, Arbeitslose, alle werden da sein.
02:19Wir haben ein Restaurant und es wird immer schwieriger zu überleben.
02:22Die Produkte werden immer teurer, die Menschen haben immer weniger Geld und geben immer weniger aus.
02:28Ihre Tochter kämpft für eine bessere Zukunft für sie.
02:31So ist es.
02:32Die Eltern der 17-Jährigen sind in den 90er Jahren aus Algerien angewandert.
02:37Für Lina geht es so nicht nur um ein sozialeres Frankreich,
02:41sondern auch um eins, in dem Einwanderer und deren Kinder ihren Platz haben.
02:45Sie macht sich, wie viele Schüler, gegen die immigrationsfeindliche Rechtsaußenpartei
02:49Rassemblement National von Marine Le Pen stark.
02:52Die liegt in Umfragen für die Präsidentschaftswahlen nächstes Jahr vorne.
02:58Wir haben unseren Kindern immer gesagt, seid stolz, Franzosen zu sein.
03:01Aber vergesst auch eure Wurzeln nicht.
03:05Durch die Rechtsradikalen fühlen wir uns nicht mehr sicher.
03:08Für mich ist es wichtig, zu verteidigen, wer ich bin.
03:11Ich bin stolz, Französin zu sein, aber auch auf meine algerischen, kabylischen Wurzeln.
03:17Es ist wichtig, heute Präsenz zu zeigen, auch wenn wir dabei gut auf uns aufpassen müssen.
03:23Dies sind nicht die ersten Schülerproteste in Frankreichs Geschichte.
03:26Und doch sind sie in gewisser Hinsicht einzigartig, sagt der Soziologe Patrick Sangoulany.
03:33Vorher gab es immer eine strikte Trennung zwischen der jugendarmer Vorstädte und der von Paris.
03:37Doch diesmal zeigen sich Elite-Schüler mit den Schülern aus Problemvierteln solidarisch.
03:42Es gibt ein Gefühl der tiefen Verbundenheit angesichts einer ungewissen Zukunft,
03:46was die wirtschaftlichen Perspektiven, aber auch das Klima angeht.
03:49Die Jugend politisiert sich und an diesen Moment werden sie sich ihr Leben lang erinnern.
03:54Die Schülerproteste könnten das ohnehin gespaltene Frankreich weiter polarisieren,
03:59die politischen Ränder weiter stärken.
04:01Sie könnten der Linksaußenpartei LFI Aufwind geben und auch dem RN, vor allem nach den jüngsten Ausschreitungen.
04:09Die Rechtsaußenpartei versucht, sich als Hüter der Ordnung auf den Straßen Frankreichs darzustellen.
04:14Es herrscht das Gefühl, dass die Eliten sich reproduzieren, ohne dass das irgendwas an den Lebensbedingungen der Franzosen ändert.
04:21Man kann davon ausgehen, dass die aktuellen Ereignisse den Extremen zugutekommen werden.
04:26Nicht nur Lina und Idris hoffen dennoch, dass durch die Proteste das Pendel nach links ausschlägt.
04:32Auch, wenn nur Idris bei den anstehenden Wahlen schon wählen darf.
04:37Ich denke, dass viele Leute sich uns anschließen werden, wenn sie sehen, dass wir uns alle gegen die extreme Rechte
04:43stark machen.
04:45Ich hoffe, dass die Schüler nach mir in ordentlichen Schulen lernen können, wo es nicht zu heiß ist und es
04:50nicht dauernd Wasserschäden gibt.
04:51Und ich hoffe auf ein inklusives Frankreich, wo jeder unabhängig von seiner Religion und seinen Wurzeln seinen Platz hat.
04:59In jedem Fall will Lina in den nächsten Wochen weiter demonstrieren,
05:03bis die Regierung endlich massive Investitionen in den Bildungssektor verspricht.
05:14Und ich hoffe, dass die Schüler nach dem Bildungssektor verspricht.

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