00:00Ich glaube nichts fasst das neue Action-Horror-Samurai-Spiel von Capcom so gut zusammen wie diese beiden Szenen direkt
00:08nebeneinander.
00:09Denn in seinen besten Momenten ist Unimusha Way of the Sword wunderschön und genau der Serienneustart, den ich mir seit
00:1620 Jahren wünsche.
00:18Auf der anderen Seite wirkt der mittlerweile fünfte Teil der Reihe einfach, naja, etwas steif und ungelenk.
00:24Nach rund 30 Stunden Spielzeit muss ich nämlich leider auch sagen, dass sich dieses Unimusha viel zu oft selbst im
00:30Weg steht.
00:31Wie genau und wo Way of the Sword auftrumpfen kann, das seht ihr in den folgenden Minuten. Auf geht's!
00:47Beschreiben das Jahr, ich weiß es jetzt auch nicht so genau, aber irgendwann zur Edo-Zeit im alten Japan.
00:52Der Samurai Miyamoto Musashi will dem Weg des Schwertes folgen und fordert jeden starken Meister heraus.
00:59Niemand konnte ihn bislang besiehen.
01:04Ja gut, also bis zu diesem Moment hatte Musashi zumindest immer gewonnen.
01:09Naja, aber er ist noch nicht Geschichte, sondern er hält lediglich einen Onihandschu und jagt fortan die dämonischen Genma.
01:15Diese Monster laufen nämlich überall in der Stadt Kyoto herum und einer muss die Bösen ja mal in Schach halten.
01:21Übrigens, ihr müsst keinen Vorgänger gespielt haben, Way of the Sword erzählt eine völlig eigenständige Geschichte und hat mit den
01:27anderen Teilen nichts mehr wirklich zu tun.
01:29Die Story vom neuen Unimusha ist an sich wirklich gut.
01:32Vor allem die Bösewichte sind so richtig herrlich theatralisch böse.
01:37Und in den Zwischensequenzen stimmt die Harmonie zwischen Musashi und seiner Kyoto-Crew.
01:41Und diese Szenen sehen dann auch noch richtig schick aus.
01:43Ich meine, schaut hier einfach mal auf die Nase des Helden.
02:00Die Geschichte leidet nur unter einem ganz grundsätzlichen Problem, dem Pacing.
02:04Zu Beginn lässt mich Onimusha kaum selbst spielen und haut mir die Cutscenes nur so um die Ohren.
02:09Sobald ich dann in Kyoto unterwegs bin, gibt's hingegen fast nur noch solche zählen Ingame-Gespräche,
02:14die dann aber wegen ziemlich steifer Animationen auch wirklich im Vergleich zu den schicken Zwischensequenzen ziemlich stark abfallen.
02:20Und dann streckt Onimusha seine eigentlich doch sehr überschaubare Story auch noch unnötig in die Länge.
02:25Keine Sorge, ich verrate jetzt nicht wirklich was Großes.
02:28Nur so viel, viel zu oft schiebt die Kampagne unnötige Ausflüge ein, die man eigentlich ohne Probleme aus der Story
02:33hätte streichen können.
02:34Die Bösewichte erhalten hingegen teilweise viel zu wenig Aufmerksamkeit und können ihr Potenzial damit kaum abrufen.
02:41Und ich finde das alles doppelt und dreifach schade, weil Onimusha anders als zum Beispiel der vierte Teil der Serie
02:45wieder deutlich mehr in die Horrorrichtung zurückgeht.
02:48Es gibt da wirklich ein paar herrlich eklige Szenen, auf die ihr euch echt freuen könnt.
02:53Nur reißt das Spiel diese Highlights mit der Struktur immer wieder viel zu weit auseinander.
03:13Die Story kann also leider nicht ihr komplettes Potenzial abrufen.
03:17Viel schlimmer ist aber noch, dass dieses Pacing nicht nur die Geschichte nach unten zieht, sondern auch das Gameplay.
03:22Ich erkläre euch einfach mal ganz kurz, wie das Spiel genau aufgebaut ist und dann seht ihr auch genau, was
03:25ich meine.
03:26Also, Way of the Sword orientiert sich am ehesten an Onimusha 2 und dem vierten Teil Dawn of Dreams.
03:32Das bedeutet, es gibt eine Hubwelt, die ich nach und nach vergrößere und in der ich dann durch neue Fertigkeiten
03:37wie etwa einen Wandlauf auch neue Bereiche erreiche.
03:40Und dann reise ich in der Kampagne außerdem noch in lineare Abschnitte, durch die ich mich dann bis zu einem
03:45Boss durchkämpfe.
03:46In diesen Levelabschnitten gibt es dann auch keine richtigen Rätsel, aber so zumindest kleine Auflockerungen wie diese rollenden Baumstämme.
04:00Und jetzt kommt erneut das große Pacing, aber das Spiel findet bei diesen Abschnitten einfach nicht das richtige Maß.
04:06Gerade die letzten beiden linearen Gebiete ziehen sich zum Beispiel ganz schön in die Länge und die Hubwelt bietet nur
04:12sehr austauschbare und gleichförmige Inhalte.
04:15Jede Neben- und sogar Hauptquest läuft letztlich immer aufs Gleiche hinaus.
04:20Gehe da hin, haue Gegner um, rede mit Kollege Takamura oder einem anderen NPC.
04:25Abwechslung gibt es bis auf die kleinen und durchaus seltenen Auflockerungen in den linearen Abschnitten wirklich nie.
04:31Und das ist ebenfalls sehr schade, weil die Neben-Missionen teilweise richtig spannende Mythen und Geschichten aufmachen.
04:37Das dann aber meistens nur in so schnöden Texten.
04:40Nur diese süßen Doggos, die habe ich wirklich unglaublich gern eingesammelt.
04:44Die sind aber auch süß.
04:53Und trotzdem klappre ich diese ganzen Neben-Missionen alle ab, weil ich nützliche Ressourcen und Items als Belohnung erhalte, mit
04:59denen ich dann Waffen, Spezialattacken, Buff-Talismane und Co. upgraden kann.
05:04Und hier komme ich auch wirklich zu einem ganz kleinen Makel.
05:06Leute, das klassische Leisten-Auffüllen mit meinen gesammelten Seelen, das gibt es in der Form leider nicht mehr.
05:23Und als wäre das alles nicht schon genug, kocht Unimusha auch technisch offenbar eher auf Sparflamme.
05:28Nicht falsch verstehen, die Designs der Feinde und der Figuren sind wirklich super.
05:32Und auch wie sich Säulen aus dem Boden herausschälen ist wirklich sehr, sehr schick.
05:36Aber Way of the Sword sieht insgesamt sehr ausgeblichen aus und auch weniger detailliert als zum Beispiel ein Pragmater.
05:42Auf dem PC gibt es übrigens auch keine Path-Tracing-Option, was gerade in Sachen Beleuchtung auch einen ordentlichen Unterschied
05:47gemacht hätte.
05:47Auf der Haben-Seite lief das Spiel technisch sehr rund, ich hatte also keine Probleme, keine Abstürze und vor allem
05:53keine Framerate-Einbrüche,
05:54was bei den Gefechten, wo ich wirklich schnell reagieren muss, auch absolut wichtig ist.
06:07Klingt bis hierhin ein bisschen durchwachsen, aber in einer Sache macht Unimusha fast alles richtig, nämlich beim Kampfsystem.
06:14Das vereint altbekannte Serienmechaniken mit ein paar sehr coolen neuen Ideen.
06:18Wie in einem modernen Actionspiel visiere ich einzelne Gegner an und kann mit leichten oder schweren Attacken zuschlagen.
06:23Ist ein Genma kaputt, sauge ich seine Seelen mit dem Oni-Handschuh ein.
06:27Rote Seelen sind für die bereits angesprochenen Upgrades wichtig,
06:30gelbe füllenden Teil meiner Lebensleiste auf und blaue meine Oni-Anzeige.
06:35Spezialangriffe sind nämlich serientypisch an bestimmte Oni-Waffen gebunden, die ich dann auf Knopfdruck entfessle.
06:40Der Speer zieht etwa viel Schaden ab, die Doppelklinge wirbelt Gegner durcheinander und die Hammer...
06:46Hammer... Hammere... Hammow... äh...
06:48Die Knüppel kürzen die Haltungsleiste der Feinde um ein beachtliches Stück herunter.
06:53Denn ja, richtig gehört, genau wie zuletzt bei Mortal Shell 2 liegt ein großer Fokus bei Unimusha auf dem Brechen
06:58der roten Haltungsleiste.
07:00Ist die leer, löse ich einen Finisher aus.
07:02Das bringt gerade bei Bossen sogar ein kleines taktisches Element hinein,
07:05weil da kann ich bei einem Finisher bestimmte Zonen auswählen und entweder ziehe ich sehr viel Lebensenergie ab,
07:10oder ich erhalte sehr viele Seelen, womit ich mich zum Beispiel dann auch heilen kann.
07:14Ich muss also immer wieder abwägen, was für mich jetzt in meiner Situation Sinn ergibt.
07:18Wenn die Genma hingegen mich attackieren, kann ich entweder ausweichen, parieren oder blocken.
07:23Hebe ich mein Schwert im genau richtigen Moment, kontert Musashi direkt.
07:31Ich musste mich am Anfang wirklich etwas ins System hineinfinden,
07:35weil die Fenster für den perfekten Block und fürs Ausweichen teils wirklich, wirklich klein sind.
07:40Wenn man aber einmal drin ist, dann kann man vor allem gegen Ende regelrechte Anime-Kampfchoreografien ausführen.
07:46Denn die Bosse haben bestimmte Angriffe, die ich nur mit einer bestimmten Aktion auch aufhalten oder kontern kann.
07:51Ich muss also im Bruchteil einer Sekunde wie bei Steinscherepapier richtig entscheiden und die passende Aktion auswählen.
07:57Und wenn das dann klappt, meine Güte, fühlt sich das großartig an.
08:01Vor allem das große Finale ist durch dieses System ein Gefecht an, das ich mich wirklich noch unglaublich lang erinnern
08:07werde.
08:08Da brilliert das neue Onimusha wirklich auf ganzer Linie.
08:21Klingt super, aber ich habe bewusst vor allem von Bossen gesprochen.
08:24Denn fürs normale Gegnerfußball kann ich diese Tiefe die meiste Zeit eigentlich ignorieren.
08:29Die Standard-Genma haue ich einfach per Buttonmashing aus den Socken, wenn überhaupt.
08:32Denn in Kyoto kann ich theoretisch ab einem gewissen Punkt auch einfach an ihnen vorbeilaufen, weil es mich nur unnötig
08:38aufhalten würde.
08:39Das ist wirklich, wirklich schade, denn die alten Onimusha-Teile haben auch davon gelebt, dass ich auf spannende Gegner-Konstellationen
08:45gestoßen bin, wo ich dann taktisch überlegen musste.
08:47Welcher Gegner ist am gefährlichsten und welchen muss ich zuerst angreifen?
08:50Welche kann ich auf Distanz halten?
08:52Diese Fragen habe ich mir in Wave Resort vielleicht an zwei, drei Stellen überhaupt gestellt.
08:56Bei den Standard-Gefechten ist dieser Teil mit Abstand der einfachste der gesamten Reihe.
09:01Und kurioserweise gilt das nicht für die Bosse, die sind gerade gegen Ende sogar richtig knackig.
09:06Auch mit so einem tollen System findet Onimusha hier einfach nicht das richtige Maß.
09:10Und das gilt sogar dafür, wie die Bosse verteilt sind.
09:13Denn so toll mir die Gefechte gefallen, so sehr ich den finalen Boss wirklich geliebt habe, so sehr übertreibt es
09:20Onimusha mit seinem Boss-Recycling.
09:22Diesen zerfledderten Kollegen hier, den habe ich bestimmt zehnmal im Laufe der Kampagne erlegt, das ist einfach viel zu viel.
09:43Ich möchte zum Schluss nochmal ganz klar machen, weil es dann insgesamt doch sehr negativ klingen kann, Onimusha Way of
09:49the Sword ist kein schlechtes Spiel.
09:51Im Gegenteil. In seinen besten Momenten ist es in Sachen Atmosphäre, Story und vor allem bei den Kämpfen exakt der
09:57Soft-Reboot, den ich mir seit 20 Jahren gewünscht habe.
10:00Zur Wahrheit gehört aber auch, dass Onimusha eben leider ein Spiel der verpassten Chancen und unnötigen Stolpersteine geworden ist.
10:06Die ganze Kampagnenstruktur, der schwankende Anspruch und die vielen Wiederholungen bei Gefechten und Missionen knabbern einfach konstant am Spielspaß.
10:13Ganz ehrlich, diese 20 bis 30 Stunden Spielzeit, die hätte das Abenteuer wirklich überhaupt nicht gebraucht.
10:19Damit ist Onimusha Way of the Sword ein gutes Spiel, das sich aber vor allem selber im Weg steht und
10:23sein Potenzial nie komplett abrufen kann.
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