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Transkript
00:02Islam und Muslime aus der Sicht Martin Luthers
00:05Erster Teil
00:06Türkengefahr in den Tagen Luthers
00:09Die größte Kathedrale wird zur Moschee
00:12Nur 30 Jahre vor der Geburt Martin Luthers eroberten die Türken Konstantinope.
00:18Die Einnahme des Zentrums des Oströmischen Reiches Byzanz am Bosporus 1453
00:24war ein tiefer Schock für das christliche Abendland.
00:27In der damals größten Kathedrale der Christenheit, der Hagia Sophia,
00:32sollte von nun an zu Allah gebetet werden.
00:36Seit der Schlacht von Tour und Poitiers in Frankreich,
00:39bei der Karl Mattel 732 die Araber vernichtend geschlagen hatte,
00:44waren die Muslime den Europäern noch nie so bedrohlich nahe gewesen.
00:51Heiliger Krieg im christlichen Abendland
00:53Die türkischen Stämme hatten erst gegen Ende des 11. Jahrhunderts Anatolien besiedelt.
01:00Im 15. Jahrhundert waren sie schon eine Regionalmacht in Südosteuropa.
01:05Die Europäer nannten ihre neuen Nachbarn Türken oder türkisches Reich.
01:10Die Türken selbst bezeichneten es als das Reich der Söhne Osmanens.
01:15Daraus wurde später Osmanisches Reich.
01:19Bereits vor der Eroberung Konstantinopels
01:22hatten sich die Türken fast den gesamten Balkan einverleibt.
01:271382 nahmen sie Saloniki ein,
01:30vier Jahre später Sofia
01:31und 1433 war ganz Albanien türkisches Herrschaftsgebiet.
01:37Die Gründer dieses türkischen Reiches waren felsenfest davon überzeugt,
01:42Allah habe sie für die Verbreitung des Isams im Westen auserkoren.
01:45Sie betrachteten sich als das Schwert Allahs,
01:49um den Koran zum alleinigen Gesetz der Erde zu machen.
01:53Ihr Leitsatz war der Koranvers.
01:56Kämpft gegen sie, bis die Religion gänzlich Allahs ist.
02:00Europa war das Haus des Heiligen Krieges geworden.
02:05Eine Türkenschrift war das erste Buch der Druckerpresse.
02:10Mit dem Fall Konstantinopels 1453 schlugen in Westeuropa buchstäblich die Alarmglocken.
02:17Ein Jahr später wurde ein Ablassbrief zugunsten des Krieges gegen die Türken gedruckt.
02:23Nicht die Bibel, sondern diese Türkenschrift war das erste Buch der Druckerpresse in Europa.
02:29Im selben Jahr ordnete Pax Kalix III. das Türken-Glocken und das Mittagsgebet wieder den Türken an.
02:37Es wurden in den Kirchen Messe kontra Turkas, also Messen gegen Türken, zelebriert,
02:43um die Christen angesichts der türkischen Gefahr wachzurütteln.
02:46Doch selbst in dieser Ära hatten die Türken mit Venedig und Frankreich eine Art Bündnis
02:52und zeitweise sogar gute diplomatische Beziehungen mit den Päpsten.
02:57Mit Beginn des 16. Jahrhunderts schien das Schicksal Europas endgültig besiegelt.
03:041521 eroberten die Türken Belkart, vier Jahre später viel Ungarn.
03:10Als das Heer des Sultans 1529 vor den Toren Wiens stand, wusste Luther, damals 46 Jahre alt und ein renommierter
03:19Theologe,
03:20dass das nächste Ziel wohl Deutschland sein würde.
03:24Nachrichten von Gräueltaten der Türken und einem massenhaften Abfall der Christen in den besetzten Gebieten erreichten Luther täglich.
03:32Darüber hinaus gab es inmitten Deutschlands Sympathie für Türken.
03:37Luther wusste, wie manch ein Landmann der Türken Ankunft und Herrschaft begehrte.
03:48Große Verwirrung herrschte auch in den Köpfen über das Wesen des Islam.
03:52Die Kirchenführer und Theologen des Mittelalters in Europa hatten keine klare Vorstellung von dieser Religion.
03:59Während die Mehrheit der Theologen Europas den Islam für eine christliche Ehrlehre hielt,
04:05fehlte es auch damals nicht an naiven, positiven Bewertungen der Lehre Allahs.
04:10Namhafte Theologen, wie der deutsche Nikolaus von Kuhs, entdeckten da Wahrheitssplitter im Islam,
04:17deuteten alles Antichristliche im Koran zu einem Missverständnis Mohammeds um
04:22und wiesen auf angebliche Gemeinsamkeiten zwischen Islam und Christentum hin.
04:28Nikolaus von Kuhs 1401 bis 1464 träumte in seinem Werk
04:34De Batsche Fidei, also vom Frieden durch Glauben, von einem universalen Frieden der Weltreligionen,
04:41deren Vertreter auf einer himmlischen Synode sich miteinander einvernehmlich austauschen.
04:47Am Ende sollte eine gemeinsame Religion bei bestehender und tolerierter Vielfalt entstehen.
04:59Die naive Idee des Weltfriedens durch den interreligiösen Dialog hat bereits im Mittelalter ihren Ursprung.
05:06Der Glaube an den einen Gott müsse ausreichen, um den Weltfrieden stiften zu können, hieß es.
05:13Wenn die Religionsgemeinschaften erkennen würden, dass sie eigentlich ein und denselben Gott anbeten,
05:19würden sie niemals gegeneinander Krieg führen.
05:21Während Nikolaus von Kuhs in jeder Religion Wahrheitssplitter erkennt,
05:27gibt es für Luther außerhalb des Evangeliums nur eine Vielfalt des Unglaubens.
05:34Luthers Beschäftigung mit dem Islam
05:37Die Muslime schienen zur Zeit Luthers die größte militärische Macht zu sein,
05:42und die Gefahr rückte immer näher.
05:44Die Welt sieht so aus, schrieb der Reformator, als schneite es mit Schülern des türkischen Glaubens.
05:51Unter diesen Umständen war der Islam für Luther kein nebensächliches Thema.
05:56Er sammelte alle erhältlichen Schriften zum Islam und begann den türkischen Glauben zu studieren.
06:04Luthers Beschäftigung mit dem Islam entsprang nicht einem polemischen Interesse,
06:08sondern seelsorgerlichen Überlegungen.
06:11Er sah im Islam nicht nur eine fremde Religion,
06:14sondern eine akute Gefahr, die mitten in die Kirche hineinreicht.
06:23Da der Türke und seine Religion vor der Tür stehen,
06:27sollte man die Gemeinde warnen und sie mit notwendigem Wissen ausstatten,
06:31damit unsere Leute nicht Christus verleugnen und Mohammed folgen.
06:36Pfarrer und Prediger sollten über den Islam unterrichtet werden.
06:50Schon 1528 schreibt Luther, dass er einiges aus dem Koran gelesen habe
06:55und dass er dieses Buch ins Deutsche übersetzen werde,
06:58damit jedermann sieht, welch ein faul-schändliches Buch es ist.
07:03Er wunderte sich darüber, dass im Westen sehr wenig über den Islam bekannt war
07:08und dass der Koran ziemlich spät übersetzt wurde.
07:11Das hätte aber laut Luther längst geschehen sollen,
07:14da der Islam schon seit 900 Jahren regierte.
07:17Die Christen hätten längst erfahren müssen, dass Mohammed ein Feind von Christus ist.
07:23Luther scheute keine Mühe, sich möglichst umfassend über den Islam zu informieren.
07:28Er holte sein Wissen über den Islam und die Muslime nicht nur aus Büchern.
07:33Vermutlich erhielt er auch sehr viele Nachrichten aus Kreisen der Kaufleute,
07:37Besucher und ehemaliger türkischer Gefangener.
07:41Luther war einer der wenigen Gelehrten in Europa, die den gesamten Koran studieren konnten.
07:47Je mehr und je intensiver er sich mit dem Islam beschäftigte,
07:51desto schärfer wurde sein Urteil über diese Religion.
07:54Christen sollten unbedingt den Koran lesen, um zu sehen,
07:58Wes Geisteskind die Lehrer, Mahomets und seines Allahs ist.
08:03Dank Luthers energischen Eingreifens konnte die lateinische Übersetzung des Koran 1543
08:10mit einem Vorwort des Reformators in Basel nachgedruckt werden.
08:16Hören Sie nächsten Donnerstag den zweiten Teil,
08:19warum der Islam ein Machwerk Satans ist.

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