- vor 18 Stunden
Ein unbekannter Mann macht Jagd auf Frauen. Über Jahre sucht
er seine Opfer auf der Straße, verfolgt sie und greift an.
Fast 60 Fälle schreibt die Polizei ihm zu.
er seine Opfer auf der Straße, verfolgt sie und greift an.
Fast 60 Fälle schreibt die Polizei ihm zu.
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00:23Ah, hallo.
00:24Guten Abend.
00:25Na?
00:26Wie gehts?
00:26Lange nicht gesehen.
00:27Ja gut, und selbst?
00:28War nicht klar, bei dem Sommer, was wollen wir mehr?
00:31Na ja, wenn der ganze Sommer mal so schön wird wie heute.
00:35.
00:53Was für ein verstörender Fall.
00:55Mehr als sieben Jahre lang fährt ein Mann wieder und wieder durch die Nacht auf der Suche nach Frauen, die
01:01allein unterwegs sind.
01:02Immer mit dabei ein großes Messer.
01:05In den Medien wird dieser Serientäter auch der Frauenjäger genannt.
01:09Mehr als 60 Mal schlägt er Deutschland weit zu, bis er hier in Bochum endlich gestoppt werden kann.
01:17Sphirische Musik
01:18Herrquart Táh.
01:21Muziek
01:21Warte mal, den ich gerade zufällig getroffen hab.
01:26Den Philipp.
01:27Meinen ehemaligen Arbeitskollegen.
01:30Bochum, 20. Juli 2000.
01:32Katrin Hoffmann hat auf einer 80er-Jahre-Party gefeiert.
01:39Vielleicht verabreden wir uns einfach mal so.
01:43Ich muss Schluss machen. Ich steh beim Auto.
01:51Bis morgen.
01:54Kurz vor 1 Uhr nachts macht sich die 35-Jährige auf den Heimweg.
02:13Die Veranstaltung hat in Bochum-Langendreher stattgefunden.
02:17Katrin Hoffmann ist in rund 20 Minuten zu Hause.
02:26Die Veranstaltung wird in den Hügel.
02:49Und der Veranstaltung wird in den Hügel.
03:11Und ist jemand bestimmt denn? So spät noch?
03:13Ja.
03:23Hilfe!
03:45Was ist da los?
03:48Ich bewege mich.
03:49Ich rufe den Notarzt.
03:52Die Geschädigte ist schwerverletzt mit einem Notarztwagen ins Krankenhaus gebracht worden.
03:58Hier hatte man erst die Schwere der Verletzung festgestellt.
04:01Und zwar sind drei Messerstiche in den Rücken eingedrungen.
04:06Und sie wurde notoperiert.
04:09Und dann hat man auch am nächsten Morgen uns eingesetzt als Mordkommission.
04:14Immer dann, wenn eine lebensgefährliche Verletzung vorliegt, muss die Mordkommission die Arbeit übernehmen.
04:26Morgen, Christian.
04:27Morgen, Susan.
04:28Und was kannst du uns sagen?
04:31Tja, ein Angriff aus dem Hinterhalt. Drei Messerstiche in den Rücken. Opfer ist schwerverletzt.
04:37Hier draußen?
04:38Hier draußen. Aber auch da drin.
04:41Ah.
04:42Kommt rein.
04:48Und konnte euch das Opfer noch was sagen, bevor man sie in die Klinik gebracht hat?
04:52Ja, nicht viel. Sie steht natürlich unter Schock.
04:55Aber das Wichtigste, sie hat dem Täter direkt in die Augen geschaut.
04:59Aber sie kennt ihn nicht, hat sie gesagt.
05:01Also kein Ansatzpunkt für eine Fahndung?
05:03Nein.
05:05Und sonst? Spuren?
05:08Bisher nix.
05:12Und Zeugen?
05:14Es gibt natürlich ein paar Hausbewohner, die haben Schrei gehört, aber leider nichts gesehen.
05:19Sie können natürlich in der Nachbarschaft herumfragen, aber das ist jetzt eure Aufgabe.
05:24Das machen wir. Aber zuerst fahren wir mal in die Klinik.
05:31Wir mussten sie notoperieren. Ein Stich hat einen Lungenflügel durch Bord, der dadurch kollabiert ist.
05:36Die anderen Stiche haben zum Glück keine inneren Organe verletzt.
05:40Hätten nicht viel gefehlt und sie wäre gestorben.
05:42Aber sie schafft es.
05:43Wenn sich keine Infektion bildet. Sie ist noch nicht über den Berg.
05:48Hier sind wir.
05:50Können wir mit ihr sprechen?
05:52Wenn es sein muss. Aber nur kurz, sie ist noch sehr schwach.
05:57Ja, in Ordnung. Dann gehe ich am besten alleine rein.
06:13Ich bin Kriminalhauptkommissar.
06:15Ich bin Kriminalhauptkommissar.
06:16Ich kann nichts sagen.
06:19Ich weiß nicht, wer das war.
06:25Okay. Es tut mir leid. Ich komme wieder, wenn es Ihnen besser geht. Gute Besserung.
06:41So weit der Stand der Dinge. Lasst uns hoffen, dass sich Frau Hoffmann schnell wieder erholt.
06:47Wenn Sie den Täter nicht kennt, wenn er tatsächlich der große Unbekannte ist, dann haben wir eine mächtige Aufgabe vor
06:55uns.
06:55Aber das muss ich euch ja nicht sagen.
06:56Nächster Schritt. Wir gehen Klinken putzen. Vielleicht gibt es Zeugen in der Nachbarschaft.
07:02Was denkst du, war das Motiv für diesen Angriff?
07:05Ein sexuelles Motiv? Raub? Keine Ahnung.
07:08Die Mordkommission unter der Leitung von Axel Pütter nimmt ihre Arbeit auf.
07:13Die Befragung in der Nachbarschaft, das sogenannte Klinken putzen, bringt dann auch schnell die ersten Hinweise.
07:19Meine Mann und ich, wir sind circa ein Uhr ins Bett. Das Fenster im Schlafzimmer hatten wir gekippt. Da war
07:27eigentlich alles ruhig.
07:29Aber als ich fast eingeschlafen bin, da waren diese Schreie. Furchtbare Schreie. Es war schrecklich.
07:38Ich bin sofort zum Fenster und habe geschaut durch die Jalousien und ist vorne an der Straße ein Auto weggefahren.
07:44Ziemlich schnell.
07:46Was für ein Auto? Das kann ich nicht genau sagen, aber es war rot.
07:50Haben Sie die Person am Steuer gesehen?
07:53Leider nicht. Es war zu dunkel, zu weit weg.
07:57Gesehen habe ich nichts, aber ich habe die Schreie von der Frau gehört. Und gleich danach ein Auto. Ein Opel
08:02Astra.
08:02Einen Opel Astra? Das haben Sie so genau gehört.
08:06Das glaubst du mir jetzt nicht, oder?
08:09Aber ich habe jahrelang hier in Bochum im Opelwerk gearbeitet. Da lege ich mich hundertprozentig fest.
08:16Okay.
08:19Ja, Herr Pütter, das war schon ziemlich kurios und klingt für mich eher nach Wetten, dass, dass jemand am Motorengeräusch
08:25das Fahrzeug zuordnen kann.
08:26Wie zuverlässig war diese Aussage?
08:28Ja, wir haben immer wieder Menschen, die sich in einem Mordfall wichtig tun wollen.
08:32Und wir mussten versuchen, diese Aussage zu bewerten. Er hatte uns aber erklärt, dass er über Jahrzehnte schon bei Opel
08:42gearbeitet hat.
08:43Und dieser Opel Astra wurde in Bochum hergestellt. Und von daher klang es sehr seriös. Und wir hatten die große
08:50Hoffnung, dass er recht hatte.
08:51Aber Sie haben diese Informationen zum Tatfahrzeug noch nicht an die Öffentlichkeit rausgegeben. Warum nicht?
08:57Nein, da waren wir ein bisschen vorsichtig, weil wir eben alle Zeugen haben wollten, die ein rotes Fahrzeug gesehen haben.
09:04Und nicht nur Leute, die einen roten Astra gesehen haben.
09:07Jetzt hatten Sie relativ konkrete Angaben zum Fahrzeug. Aber Sie wussten noch nichts vom Täter. Den hatte nur Katrin Hoffmann
09:13gesehen. Wann konnten Sie mit ihr sprechen?
09:16Ja, es hatte etwas gedauert, weil sie ja schwer verletzt war. Und die Kollegen sind ins Krankenhaus gefahren, etwa drei
09:22Tage später, und haben dann Katrin auch vernehmen können.
09:25Als ich den Schmerz im Rücken gespürt habe, da dachte ich zuerst, er hat mich nur geschlagen.
09:35Aber dann wurde mir schwindelig. Und mir war klar, hier passiert gerade etwas viel Schlimmeres.
09:46Plötzlich war ich am Boden.
09:51Und er hat sich über mich gebeugt.
09:55Und er dachte, jetzt ist es vorbei.
10:02Jetzt vergewaltigt er mich.
10:07Und dann bringt er mich um.
10:13Jetzt habe ich geschrien.
10:15So laut, ich konnte.
10:18Das hat Ihnen wahrscheinlich das Leben gerettet.
10:23Frau Hoffmann,
10:25der Täter war nicht maskiert.
10:27Sie haben sein Gesicht gesehen.
10:30Aber Sie sagen, Sie kennen ihn nicht.
10:32Sind Sie sich da ganz sicher?
10:34Ganz sicher.
10:37Ich habe den noch nie zuvor gesehen.
10:41Würden Sie ihn wiedererkennen?
10:49Denk schon.
10:54Könnten Sie uns helfen, ein Phantombild von ihm zu zeichnen?
10:57Jetzt?
10:59Nein.
11:00Wir lassen einen Spezialisten vom LKA in Düsseldorf kommen.
11:04Könnte morgen hier sein.
11:06Der zeichnet dann mit Ihrer Hilfe das Bild auf seinem Computer.
11:16Der Spezialist des LKA reist am Sonntag an.
11:20Da Katrin Hoffmann noch geschwächt ist,
11:22erstreckt sich die Arbeit über zwei Tage.
11:25Am Montag, vier Tage nach der Tat,
11:27ist das Phantombild fertig.
11:38Toll gemacht.
11:39Sieht fast aus wie ein richtiges Foto.
11:42Aber irgendwie auch ein Allerweltsgesicht.
11:45Der Kollege vom LKA war sehr zufrieden.
11:47Er hat gesagt, dass ich Frau Hoffmann sehr gut erinnern konnte.
11:50Er sieht halt aus, wie er aussieht.
11:51Genau.
11:52Dieses Foto geben wir morgen in einer zweiten Pressemitteilung raus,
11:55zusammen mit einer textlichen Beschreibung des Täters.
11:57Was hat denn Frau Hoffmann dazu gesagt?
12:01Alter 20 bis 30, Größe 1,80 bis 1,90 m.
12:07Stämmige Figur, Haarfarbe, Dunkelblond.
12:10Gut.
12:12Eins noch für den Moment.
12:14Spuren am Tatort gibt es keine.
12:16Keine Fingerspuren, keine Fasern, keine DNA.
12:19Nichts.
12:23In ein paar Tagen darf ich nach Hause.
12:25Prima.
12:26Das freut mich.
12:27Frau Hoffmann, meine Kollegin und ich,
12:30wir würden heute gerne eine Lichtbildvorlage mit Ihnen machen.
12:34Es ist gut möglich, dass der Täter schon mal straffällig geworden ist.
12:37Wir haben unseren Computer gefüttert.
12:40Und es wurden mehr als 400 Personen ausgespuckt,
12:43die theoretisch in Frage kommen würden.
12:45Wir haben dann die Kandidaten mit den meisten Übereinstimmungen
12:48zu Ihrem Fall aussortiert und Ihnen die Fotos zusammengestellt.
12:56Ich würde Sie bitten, dass Sie sich diese Fotos einmal ansehen.
12:59Mit etwas Glück ist der Täter dabei.
13:05Wie viele sind es denn?
13:0790.
13:0890.
13:13Ich habe verstanden.
13:31Da war's.
13:34Ja.
13:38Da war's.
13:43Zu 99 Prozent.
13:51Vielen Dank, Frau Hoffmann.
13:53Diese Person war nur wegen kleiner Delikte in Erscheinung getreten.
13:58Und wir haben festgestellt, dass die Person eben Gärtner war in einer nicht allzu weit vom Tatort entfernten Gärtnerei.
14:09Und wir hatten auch ermitteln können, dass er seiner Arbeitskollegin einmal beim Umzug geholfen hat.
14:17Und es stellte sich heraus, dass die Arbeitskollegin direkt neben der Tatwohnung quasi gelebt hat.
14:23Und er hat dann beim Umzug geholfen.
14:25Also hatten wir eigentlich auch einen Bezug dieser Person zum Tatort.
14:30Hinzu kommt, dass die Person auch dem Phantombild unglaublich ähnlich sah.
14:36Und da hatten wir natürlich die große Hoffnung, möglicherweise ganz schnell zum Erfolg zu kommen.
14:41Guten Tag, Herr Lechneck.
14:43Lechneck.
14:51Bitte.
15:09Ich bin nicht der Mann auf dem Phantombild. Ich hab auch gar kein Auto.
15:12Sie könnten sich eins besorgt haben.
15:13Extra für diese Nacht.
15:15Warum nicht?
15:21Ich habe nichts zu tun mit dieser Sache. Das müssen Sie mir glauben.
15:27Ich war das nicht. Wirklich nicht.
15:30Auf dem aktuellen Foto hat sie ihn nicht erkannt. Leider.
15:35Aber mein Bauchgefühl sagt mir auch, er war es nicht.
15:38Er hat zwar kein Alibi, aber ansonsten klingt er für mich glaubwürdig.
15:42Er hat jede Frage beantwortet. Oder es zumindest versucht.
15:46Hat sich nicht widersprochen.
15:48Und vor allem hat er die ganze Zeit Blickkontakt gehalten.
15:51Einer, der etwas vertuschen oder verheimlichen will, der schafft das normalerweise nicht.
15:56Ja, und was heißt das jetzt?
15:57Wir behalten ihn auf dem Schirm, aber lassen ihn erstmal gehen und machen weiter.
16:07Am 2. August 2000, 13 Tage nach dem Überfall auf See, wird Katrin Hoffmann aus dem Krankenhaus entlassen und kehrt
16:15nach Hause zurück.
16:26Wirklich?
16:28Wirklich?
16:33Wirklich?
16:44Wirklich?
16:48Wirklich?
16:52Wirklich?
16:56Wirklich?
16:58Wirklich?
16:58Wirklich?
17:01Florian Stöck ist Psychologe und Kriminologe.
17:06Herr Stöck, was bedeutet das für Menschen, die Opfer einer schweren Straftat geworden sind, wenn sie wieder mit dem Ort
17:12des Geschehens konfrontiert werden?
17:15Das kann eine sehr belastende Situation sein.
17:18Das Ereignis wird mit den Eindrücken abgespeichert, mit den Gefühlen, mit den Emotionen, mit allem, was da passiert ist.
17:26Und das wieder dorthin kommen, an diesen Ort des Geschehens, kann dazu führen, dass die Person plötzlich wieder mittendrin ist.
17:33Am Tag des Ereignis, mitten im Geschehen und natürlich eben auch mit den belastenden Eindrücken, die dort passiert sind.
17:39Gibt es auch Opfer, die das Vertrauen in sich selber verlieren, die sich dann sogar vielleicht Vorwürfe machen, dass sie
17:45in der Situation falsch reagiert haben?
17:47Schuld ist ein wichtiges Element. Das sehen wir immer wieder, dass Menschen sich schuldig fühlen.
17:53Dass Menschen sich die Frage stellen, was hätte ich anders machen können? Hätte ich mich anders verhalten müssen?
17:57Also welchen Anteil habe ich eigentlich daran, was passiert ist?
18:00Bei Schuld geht es um die Frage der Verantwortung und der Kontrolle.
18:03Und in dem Moment, wo ich sagen kann, ich habe selber einen Anteil gehabt, kann ich auch die Kontrolle, die
18:07ich in so einer Situation verloren habe, auch ein Stück weit wiedergewinnen.
18:09Also es ist ein Schutzmechanismus, der aber natürlich nicht gut funktioniert, weil es eigentlich keine Frage der Schuld ist.
18:16Also das Opfer ist nicht schuld daran, dass ihm was passiert ist.
18:20Drei Wochen nach dem Angriff auf Katrin Hoffmann bringt eine Zeugin, wir nennen sie Claudia Wolf, neue Bewegung in die
18:27Ermittlungen.
18:27Und sie rückt damit den Fall in ein ganz neues Licht.
18:35Ja bitte?
18:37Das ist Frau Wolf, die vorhin eingerufen hat.
18:40Ja. Schön, dass Sie gleich kommen konnten.
18:43Hallo.
18:44Hallo.
18:45Setzen Sie sich bitte.
18:52Was können Sie uns erzählen?
18:54Das war vor ein paar Wochen. Noch vor der Sache, von der ich in der Zeitung gelesen habe.
18:59Aber ich bin dir sicher, das ist der Mann. Der sieht fast genauso aus wie der Typ auf dem Phantombild.
19:06Ich bin abends von einer Party nach Hause gefahren mit dem Auto. Allein.
19:11Ja, ich wohne im Norden von Bochum. Und da stand plötzlich dieser rote Wagen neben mir an der Ampel.
19:16Mit diesem Mann hinterm Steuer. Als die Ampel grün wurde und ich bin da weitergefahren, da war der direkt hinter
19:23mir mit seinem Wagen.
19:25Ich habe gedacht, der verfolgt mich doch. Der ist einfach an mir dran geblieben.
19:30Der hat Sie die ganze Zeit verfolgt?
19:33Ja, die ganze Zeit. Bis zu mir nach Hause. Ich habe ihn im Rückspiegel beobachtet. Und habe richtig Angst bekommen.
19:44Als ich dann bei mir war, habe ich an der Straße angehalten und habe mich geduckt. Da hat er dann
19:49an mir vorbeigerauscht. Gott sei Dank.
19:54Ich bin trotzdem schnell ausgestiegen und zu mir nach Hause gerannt.
20:15Er stand einfach vor meiner Tür und hat mich weiterhin angestört.
20:21Danach ist er einfach weiter spaziert. Als ob nichts gewesen wäre.
20:25Und dann habe ich das Phantombild in der Zeitung gesehen. Ich habe gedacht, das ist der Mann.
20:30Wer weiß, was passiert wäre, wenn ich, wenn ich nicht rechtzeitig es ins Haus geschafft hätte.
20:37Wie es aussieht, handelt es sich um einen Serientäter.
20:40Ein Mann mit rotem Auto, der nachts Frauen verfolgt und sie vor ihrer Haustür angreift.
20:45Ein gefährlicher Täter, also der jederzeit wieder zuschlagen kann und dann womöglich mit tödlichem Ausgang.
20:51Es gibt im Fall eine völlig neue Dimension. Wir sollten damit schnell an die Öffentlichkeit gehen.
20:56So können wir die Frauen in Bochum oder eigentlich im ganzen Ruhrgebiet warnen und den Täter hoffentlich schnell schnappen.
21:02Also, an die Arbeit!
21:07Wenn Frauen nachts alleine unterwegs sind, hatten wir dann auch die Hoffnung, dass die Frauen dann gewarnt sind und vielleicht
21:13ihr Umfeld besser im Blick haben.
21:17Was die Beamten in Bochum noch nicht wissen, sie haben es tatsächlich mit einem Serientäter zu tun.
21:23Und er schlägt wieder zu, im 80 Kilometer entfernten Venlo in den Niederlanden.
21:49Was die Beamten?
22:12Der Vorfall in Venlo bleibt der Polizei in Bochum zunächst verborgen.
22:17Diese führt nun auch mit Claudia Wolf eine wahre Lichtbildvorlage durch.
22:24Das ist er. Das ist der Mann.
22:26Sind Sie sicher? Vielen Dank, Frau Wolf.
22:32Wieder der Gärtner.
22:36Ist der Gärtner tatsächlich der gesuchte Serientäter?
22:39Die Mordkommission entscheidet sich für eine Gegenüberstellung.
22:44Hallo, gibst du mir bitte die fünf? Danke.
22:51Hallo, Herr Leschnik.
22:53Jetzt gehe ich also 20 Jahre in den Knast für etwas, was ich nicht getan habe?
22:57Wie kommen Sie darauf?
22:58Wenn mehrere Frauen mich als Täter identifizieren, welche Chance habe ich da noch?
23:03Sie sind die Nummer fünf. Wenn Sie sich bitte in die Reihe stellen, die anderen Herren sind alles Kollegen von
23:09uns.
23:31Das ist die fünf. Das ist die Nummer fünf.
23:38Nummer fünf bitte vortreten.
23:44Wie sicher sind Sie sich?
23:46Ich würde sagen, zu 90 Prozent.
23:55Danke. Sie dürfen wieder zurücktreten.
24:02Der Typ mit der Nummer fünf. Das ist er.
24:06Wie sicher sind Sie?
24:09Ziemlich sicher. Wenn Sie eine Zahl hören wollen. 90 Prozent.
24:14In Ordnung. Vielen Dank.
24:16Das war's?
24:17Das war's. Meine Kollegin bringt Sie raus.
24:22Wir sind fertig.
24:25Bringst du ihn bitte in den Besprechungsraum. Wir kommen gleich nach.
24:31Zweimal 90 Prozent. Das ist viel, aber es reicht nicht.
24:36Vor Gericht kommen wir damit jedenfalls nicht durch.
24:39Dazu kommt, dass auf ihn gar kein Auto zugelassen ist. Auch sonst haben wir nichts gegen ihn in der Hand.
24:44Mein Bauchgefühl hat sich auch nicht geändert.
24:46Für mich klingt er nach wie vor glaubwürdig.
24:48Oder er ist einfach ein sehr, sehr guter Schauspieler.
24:51Was meinst du?
24:52Keine Ahnung.
24:54Auf jeden Fall müssen wir mit der Staatsanwaltschaft sprechen.
24:58Herr Leschnick, Sie dürfen gehen.
25:02Wirklich? Wirklich?
25:06Okay.
25:07Okay.
25:09Mir ist klar, dass ich damit nicht raus bin und Sie mich weiter auf den Kieker haben.
25:12Aber wenn ihr den richtigen Täter habt und ich wieder ein normales Leben führen kann,
25:15dann, das verspreche ich, gebe ich einen Kasten Bier aus.
25:22Zum zweiten Mal war die ehemals heiße Spur Gärtner kalt geworden, Herr Pütter.
25:27Aber nachdem Sie auf der Pressekonferenz gesagt haben, dass es sich um einen Serientäter handelt,
25:31haben sich unglaublich viele Frauen gemeldet.
25:34Und zwei Hinweise waren besonders interessant.
25:36Einer aus Herdecke und einer hier aus Dortmund.
25:38Was ist hier passiert?
25:39Eine Frau aus Dortmund berichtete, dass sie über die Innenstadt hier Richtung Ablabeck gefahren ist.
25:46Und sie sagte, sie hatte auch den Verfolger hinter sich gesehen.
25:50Da sie sich auskannte, ist sie dann hier stehen geblieben vor der Wache und ist dann in die Wache hinein
25:56geflohen
25:57und hat den Beamten Kenntnis gegeben, dass sie von einem Fahrzeug verfolgt wird.
26:01Der Vorfall ereignete sich ein Jahr vor dem Angriff auf Katrin Hoffmann.
26:07Der ist bestimmt schon weg.
26:08Ja, wer weiß.
26:09Vielleicht hat er nicht gesehen, dass hier eine Polizeiwache ist.
26:12Hey, schau mal.
26:14Das Auto da drüben.
26:16Da sitzt doch einer drin, ohne Licht.
26:32Guten Abend.
26:33Was machen Sie denn hier?
26:34Wieso?
26:36Eine Frau ist bei uns eben auf der Wache gekommen.
26:38Die hat gesagt, dass sie in ihrem Auto von einem anderen Wagen verfolgt wurde.
26:41Waren Sie dort?
26:42Nein, ich habe niemanden verfolgt.
26:44Wenn ich hinterher gefahren bin, dann war das pure Zufall.
26:49Haben mich ein bisschen verfahren.
26:50Ich bin das vor kurzem hierher gezogen und kenne mich nicht so aus.
26:54Warum stehen Sie dann hier, ohne Licht?
26:59Kleine Pause.
27:00Bin ein bisschen müde.
27:02In ein paar Minuten fahre ich wieder los, wenn ich mich neu orientiert habe.
27:06Führerschein und Fahrzeugpapiere bitte.
27:14Danke schön.
27:22Steigen Sie mal bitte aus dem Wagen aus und machen Sie den Koffer rum auf, ja?
27:43Klebeband, Paketschnur, Kabelbänder.
27:48Brauchen Sie das für?
27:50Das habe ich alles für meinen Umzug gebraucht.
27:52Es liegt bloß noch Soda drin.
27:54Manfred Schauer, ein Messer.
27:56Messer?
27:57Sie bei ihm?
27:57Treten Sie vom Fahrzeug zurück.
28:16Was ist in der Tasche?
28:19Nicht.
28:20Aufmachen bitte.
28:32Zurücktreten.
28:34Das ist alles für einen Umzug, ja?
28:36Ja.
28:37Es stellt sich heraus, der Mann war tatsächlich gerade erst ins Ruhrgebiet gezogen.
28:41Die Beamten mussten ihm glauben.
28:43Dennoch wird der Vorfall aktenkundig.
28:45Das heißt, man hatte dann Namen.
28:47Wir nennen ihn Dirk Esser bei uns und man hatte das Fahrzeug.
28:51Richtig.
28:51Was war es für eins?
28:53Es war ein Opel Astra, so wie es eben auch unser Zeuge in Buchen schon gesagt hatte.
28:58Also das war der Fall in Dortmund und dann geht es noch weiter nach Herdecke.
29:08Im selben Jahr, also 1999, meldete sich hier in Herdecke eine Krankenschwester.
29:14Was war ihr passiert?
29:16Ja, die Krankenschwester hat uns angerufen und mitgeteilt, dass sie auch verfolgt worden
29:19ist, auch von einem Mann in einem roten Fahrzeug.
29:23Und sie berichtete, dass sie Spätschicht gehabt hat, ist vom Krankenhaus zum Parkplatz
29:31gegangen, ins Auto eingestiegen und dann hätte sie schon wenig später ein Fahrzeug hinter
29:35ihr bemerkt.
29:36Der Fahrer hätte auch gestikuliert und das kam ja alles sehr komisch vor, sodass sie
29:42dann unterwegs ihren Freund angerufen hat und hat ihn gebeten, er möge vor der Haustür
29:46stehen, damit sie, wenn sie ankommt, dann nicht alleine ist.
29:49Und so haben sie es dann auch durchgeführt.
29:51Als sie angekommen ist, hat auch der Verfolger angehalten und er merkte jetzt, da ist da
29:58noch ein Mann und war wohl etwas unsicher und hat dann gesagt, ja der hintere rechte Reifen,
30:03der wäre platt.
30:04Und dann hat man gemeinsam geschaut, aber der Reifen war noch nicht platt.
30:09Nur am nächsten Morgen, als sie wieder zur Arbeit fahren wollte, da war dann der Reifen
30:13tatsächlich ohne Luft.
30:14Also das kann kein Zufall sein und dann wird es noch spektakulärer, denn die Krankenschwester
30:19hat das dann im Krankenhaus ihren Kolleginnen erzählt.
30:22Ja genau, denn als sie das erzählt hat, hat sich eine weitere Kollegin von ihr gemeldet
30:27und hat berichtet, dass sie genau das gleiche erfahren habe, dass auch sie verfolgt worden
30:32ist und auch bei ihr wurde der Reifen zerstochen und dann hatte man im Krankenhaus natürlich
30:38die Befürchtung, dass da draußen einer ja möglicherweise Frauen verfolgt und vielleicht
30:44Reifen zersticht und ähnliches mehr, hat eine Anzeige erstattet und ist dann zur Polizei
30:49gegangen.
30:49Ja, dann haben sich nämlich ihre Kollegen in Herdecke auf die Lauer gelegt.
30:53Die haben eine Observation durchgeführt und stellten auch nicht allzu lange später
30:59fest, dass ein Fahrzeug auf dem Parkplatz fuhr, aber keiner ausgestiegen ist.
31:13Danach hat man abgewartet, was passiert ist, da nichts passierte, hat man den Menschen
31:17kontrolliert und dann hat man ihn mit den Taten konfrontiert, er hat es aber abgestritten,
31:24man konnte ihm das auch nicht beweisen und so ist das Ganze im Sande verlaufen, strafrechtlich,
31:29aber wir hatten einen Bericht der Kollegen, die dann eben auch seinen Namen bei der Kontrolle
31:36festgestellt hatten.
31:37Die Fälle in Herdecke und Dortmund liefen aber dann erst bei Ihnen zusammen.
31:41Wie haben Sie das dann kombiniert?
31:42Als wir bemerkt haben, dass tatsächlich hier ein Zusammenhang besteht, war auch klar,
31:46dass wir es mit dem Serientäter zu tun haben und dass der Frauen verfolgt und wir
31:51hatten aber auch jetzt Gott sei Dank einen Namen.
31:53Er arbeitet als technischer Zeichner in einem Ingenieurbüro hier in der Nähe von Bochum.
31:59Ich schlage vor, wir besuchen ihn dort, überraschend.
32:03Wann willst du das durchziehen?
32:04So schnell wie möglich, ich möchte keine weiteren Opfer riskieren. Am liebsten gleich morgen.
32:10Morgen? Ist doch nicht dein Richtfest?
32:12Schon, aber das ist kein Problem. Ihr macht das ja.
32:16Ihr haltet mich einfach telefonisch auf dem Laufenden, wenn irgendwas ist, ich kann sofort kommen.
32:22Am 22. August 2000, fünf Wochen nach dem Überfall auf Katrin Hoffmann,
32:28suchen die Beamten der Mordkommission Dirk Esser an seinem Arbeitsplatz auf.
32:33Sie haben ihm nicht gesagt, wer wir sind?
32:35Nur, dass zwei Besucher für ihn da sind. Mehr nicht. Und Sie können mir nicht sagen, worum es geht.
32:43Leider nicht.
32:45Ja, bitte. Das sind die beiden Herren, die mit Ihnen sprechen wollen.
32:52Mein Name ist Schindler. Das ist mein Kollege Fuchs, Kripo Bochum Mordkommission.
32:59Herr Esser, Sie müssen uns bitte nach Bochum ins Präsidium begleiten.
33:05Na gut.
33:07Es war so, dass ich einen privaten Termin hatte. Ich war mitten im Hausbau und den konnte ich auch nicht
33:13mehr absagen.
33:13Es war für mich natürlich sehr ungünstig, aber ich habe jede Entwicklung, die sich getan hat, auch sofort erfahren.
33:23Also, dass ihr so gut durchkommt, Respekt.
33:26Oh, Entschuldigung.
33:31Hallo?
33:33Robert hier, grüß dich. Wie läuft dein Fest?
33:35Unwichtig. Erzähl, wo seid ihr?
33:37Zurück im Präsidium. Hans hat ihn gerade in den Vernehmungsraum gebracht.
33:41Okay, wie war es bis jetzt?
33:42Als wir auf ihn gewartet haben und er reinkam, da sind uns fast die Augen aus dem Kopf gefallen.
33:47Der Mann sieht praktisch eins zu eins aus wie der auf den Phantombildern.
33:51Das ist schon mal gut für uns. Wie hat er reagiert?
33:53Er hat fast nichts gesagt. Auch nicht auf dem Weg hierher.
33:56Nicht gefragt, was eigentlich los ist, nicht protestiert, nada.
34:00Ich meine, so reagiert doch keiner, der nichts verbrochen hat, oder?
34:03Normalerweise nicht. Hoffentlich bleibt er nicht so stumm, sonst sehen wir alt aus.
34:07Ja, wir geben uns alle Mühe.
34:08Ja, wunderbar. Wenn irgendwas ist, melde dich, ne?
34:11Okay, tschüss.
34:15Kommen wir zur Sache.
34:17Sie haben eine Frau in Dortmund und zwei Frauen in Herdecke mit ihrem Auto verfolgt.
34:22In Herdecke haben sie außerdem die Reifen der beiden Frauen angestochen,
34:25um sich so einen Grund zu verschaffen, ihnen nachzufahren.
34:28Was viel schwerer wiegt.
34:30Wir gehen davon aus, dass sie am 20. Juli diesen Jahres hier in Bochum eine weitere Frau verfolgt
34:35und sie anschließend mit ihrem Messer vor der Haustür niedergestochen haben.
34:41Was sagen Sie dazu?
34:42Ich war noch nie in Dortmund oder Herdecke. Und ich war noch nie in Bochum. Bis heute.
34:49Aber die Vorfälle in Dortmund und Herdecke sind aktenkundig.
34:55Da gibt's gar nichts dran zu rütteln.
34:59Wie kann er das abstreiten? Ich mein, Bochum okay, aber Dortmund und Herdecke?
35:04Das ist doch irre.
35:05Versteh ich auch nicht.
35:06Vor allem, weil er sich dadurch umso verdächtiger macht.
35:08Ist der so eine harte Nuss oder hält er uns einfach für dumm?
35:11Keine Ahnung.
35:13Ich geh wieder rein, ja?
35:17Also nochmal von vorne.
35:19Ich hab natürlich mitgefiebert. Ob man dabei ist oder einen privaten Termin hat,
35:23das spielt ja überhaupt keine Rolle. Da ist man voll am Ball.
35:26Wollen Sie uns nicht vielleicht noch mehr erzählen?
35:29Mein Kollege und ich, wir haben viel Zeit.
35:35Also gut.
35:38Ich bin an Frauen in Dortmund und Herdecke nachgefahren.
35:42Und ich war auch schon mal hier in Bochum.
35:44Aber nur zum Shoppen.
35:47Gemacht habe ich hier sonst nichts.
35:49Nur geshoppt.
35:55Auch über diesen Schritt wird Axel Pütter sofort informiert.
35:58Seine Kollegen im Präsidium kommen weiterhin nur sehr langsam voran.
36:02Die Vernehmung dauert bis in den Abend hinein.
36:05Ohne konkretes Ergebnis.
36:07Aber dann.
36:13Ich geh mal austreten.
36:27Ich weiß schon, was ihr wissen wollt.
36:33Ihr wollt von mir hören, dass ich die Frau in Bochum niedergestochen hab.
36:40Das war ich auch.
36:42Und ich hab noch viel mehr gemacht.
36:43Ja.
36:45Jetzt schreibt man auf.
36:49Mach dich auf den Weg.
36:51Er hat gestanden.
36:52Ich erzähl dir alles, wenn du da bist.
36:53Du wirst es kaum glauben.
36:55Wahnsinn.
36:55Ruf alle zusammen.
36:56Ich komm sofort.
37:01Ich hab echt gedacht, den knacken wir nie.
37:03Aber plötzlich.
37:05Als ich mal draußen war.
37:06Da hat er losgelegt.
37:08Ich bin kaum mitgekommen mit dem Schreiben.
37:10Er hat sechs Angriffe auf Frauen gestanden.
37:13Hat sie mir alle kurz und knapp diktiert.
37:16Im Telegram-Stil.
37:17Wie wenn man einen Einkaufszettel diktiert.
37:21Ohne Emotionen.
37:23Ich lese mal vor, wie ich's mir aufgeschrieben hab.
37:25Alles fängt an 1993.
37:27Also vor sieben Jahren.
37:29Und geht bis heute.
37:32Im Januar 1993 setzte ich mich neben eine Frau ins Auto, um sie mit dem Messer niederzustechen.
37:39Das war in Delmenhorst.
37:41Die schrie aber laut und hupte.
37:43Ich bin dann weggelaufen, ohne dass etwas passiert wäre.
37:47Im Oktober 1998 habe ich auf eine Frau in Enten mehrmals eingestopfen.
37:53Die sagte danach zu Boden.
37:55Im Juli 1999 habe ich eine Frau in Wuppertal bis zu ihrer Haustür verfolgt und ihr mit einem Radmutterschlüssel auf
38:04den Kopf geschlagen.
38:07Und dann die Tat im Juni 2000.
38:10Da bin ich einer Frau in Münster bis zu einem Studentenwohnheim gefolgt und habe sie mit mehreren Messerstichen verletzt.
38:17Dann kommt der Angriff auf Katrin Hoffmann hier in Bochum.
38:22Den hat also auch gestanden.
38:24Einen Monat später war ich in Venlo, Holland.
38:27Da wollte ich eine Frau mit dem Messer angreifen.
38:30Die hat das wohl geahnt und sich heftig gewehrt.
38:33Nach einem Tritt von ihr bin ich dann abgehauen.
38:37Warum auf einmal dieses Geständnis? Was ist da passiert?
38:40Kann ich mir beim besten Willen nicht erklären.
38:42Ich war auch völlig überrascht.
38:43Na ja, vielleicht hat er gemerkt, dass es für ihn eng wird und er wollte selbst einen Schlussstrich ziehen.
38:48Oder er dachte, dass er so vor Gericht besser dasteht.
38:51Oder aber er hat final eingesehen, dass irgendwas mit ihm nicht stimmt und jetzt hofft er, dass er Hilfe bekommt.
38:58Seien wir froh, dass wir ihn aus dem Verkehr gezogen haben.
39:00Ja. Da hat er wahrscheinlich immer weitergemacht.
39:02Hat er gesagt, warum er das alles getan hat? Also, sein Motiv?
39:06Nein. Nichts.
39:13Was passiert jetzt?
39:14Wir nehmen Sie heute Nacht in Polizeigewahrsam.
39:17Alles andere entscheiden wir morgen.
39:22Gute Arbeit.
39:28Es war riesengroßes Glück, dass die Frauen überlebt haben.
39:32Er hätte den Tod der Frauen in Kauf genommen.
39:34So muss man das von der Tathandlung her beurteilen.
39:37Er selbst hat irgendwann im Prozess gesagt, dass es mindestens 60 Frauen gewesen seien,
39:44die er verfolgt hat, wo er dann entschieden hat, ob er was tut oder nicht.
39:48Ich denke mal, da gibt es noch ein riesengroßes Dunkelfeld,
39:50dass da noch viel mehr Frauen da waren, die er verfolgt hat.
39:54Möglicherweise auch Opfer.
39:57Ich habe immer noch Schmerzen.
40:02Und Albträume.
40:07Ich habe immer noch Angst im Dunkeln, wenn ich alleine bin.
40:15Ich mache jetzt eine Therapie.
40:19Und ich habe überlegt, hier wegzuziehen, weil...
40:22jedes Mal, wenn ich heimkomme oder rausgehe, in diesem Eingang vorbei...
40:30Kann ich sehr gut verstehen.
40:33Eine Frage hätte ich noch an Sie.
40:35Ja?
40:36Warum hat er mir das angetan?
40:40Und den anderen Frauen?
40:42Das kann ich Ihnen nicht sagen.
40:45Dazu hat er uns gegenüber kein einziges Wort gesagt.
40:47Ich könnte da nur mutmaßen.
40:49Aber das möchte ich hier nicht tun.
40:58Über seine Motive hat Dirk Esser erst später gesprochen,
41:01nämlich mit dem psychiatrischen Gutachter,
41:03die das Gericht bestellt hatte.
41:04Welche Motive waren das?
41:06Ich selbst habe mit dem Täter nicht gesprochen.
41:09Was ich allerdings lesen konnte, war, dass es ihm vor allem um Macht ging.
41:12Macht und eben sich am Leid der Betroffenen zu ergötzen
41:16und eben diesen Moment auszukosten und zu sehen,
41:18wie andere unter dem, was er tut, zu leiden haben.
41:21Er hat sich ausschließlich weibliche Opfer gesucht.
41:24Ich würde generell mit Ihnen, Herr Stöck,
41:26über das Thema Gewalt gegen Frauen reden.
41:28Was zeigt uns dieser Fall im Hinblick darauf?
41:31Ja, es zeigt ein bisschen, wie manche Männer quasi,
41:34welche Haltung sie gegenüber Frauen haben.
41:36Nämlich eine abgestufte Haltung,
41:39dass Frauen auf einer niedrigeren Stufe stehen
41:41und ein Stück wird das zum Ausdruck gebracht,
41:43was dann eben auch zu Gewalt führen kann,
41:45weil das Teil ist eben der Rolle, die man sich selber zuschreibt,
41:48bis hin eben auch zur Tötung einer Frau.
41:52Dann sprechen wir von einem sogenannten Femizid.
41:54Kann man das in Zahlen fassen?
41:56Also wie häufig kommt das vor, dass aus Gewalt gegen Frauen
41:59auch die Tötung von Frauen wird?
42:01Ja, wir wissen, dass circa alle zwei bis drei Tage
42:03ein tödlicher Übergriff gegenüber einer Frau stattfindet.
42:07Was aber viel wichtiger ist,
42:08dass es täglich und da mehrfach zu Angriffen
42:12und auch Verletzungen und schweren Verletzungen kommt.
42:15Das sind wirklich schreckliche Zahlen
42:17und ich kann mir vorstellen, dass es da auch eine hohe Dunkelziffer gibt,
42:20weil Frauen sich nicht trauen, diese Gewalt gegen sie anzuzeigen.
42:23Also wir wissen, die Dunkelziffer ist enorm.
42:26Wenn wir das wissenschaftlich untersuchen,
42:28dann sehen wir, dass circa neun von zehn Fällen eben nicht angezeigt werden,
42:32in einem von zehn Fällen eine Anzeige erfolgt.
42:34Was aber auch zu sagen ist, dass häufig diese Anzeigen auch wieder zurückgezogen werden.
42:38Vielen Dank, Herr Stöck, für diese Einblicke.
42:41Die Festnahme von Dirk Esser und das Ausmaß seiner Straftaten
42:44wurden in einer weiteren großen Pressekonferenz bekannt gegeben.
42:48Und für die Beamten der Mordkommission hatte dieser Fall so etwas wie ein kleines Nachspiel.
42:57Versprochen, versprochen.
43:09Was ist denn das?
43:10Das ist der Kasten Bier, den uns der Gärtner versprochen hat.
43:14Ich frag mich nur, wie er damit so unbehelligt durchs Präsidium laufen konnte.
43:24Am 22. Mai 2001 wird Dirk Esser vor dem Landgericht Bochum wegen versuchten Mordes
43:31in Tateinheit mit gefährlicher Körperverletzung und gefährlicher Körperverletzung in vier Fällen
43:37zu insgesamt zwölf Jahren Haft verurteilt.
43:40Anschließend wird er in einer psychiatrischen Klinik untergebracht.
43:43Kathrin Hoffmann hat noch jahrelang unter den Folgen der Tat gelitten.
43:48Aber wie uns Kriminalhauptkommissar Axel Pütter erzählt hat,
43:52hat sie mittlerweile gelernt, damit zu leben.
43:55Das war XY gelöst. Mein Name ist Sven Voss.
43:58Amen.
44:13Rufe von Oswald