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  • vor 3 Tagen
Ein siebenjähriges Mädchen verschwindet auf dem Weg zur
Schule. Zwölf Tage später wird ihre Leiche gefunden – in einem
Weiher. Das Kind wurde vor seinem Tod sexuell missbraucht.

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Transkript
00:23Ein Wald, etwa 30 Kilometer entfernt von Magdeburg, fernab von Straßen und Häusern.
00:29Hier in diesem Gebiet gibt es mehrere Hochstände, die seit Jahrzehnten von Jägern und Förstern genutzt werden.
00:35Einer dieser Hochstände wurde Tatort eines Verbrechens.
00:39Ein Verbrechen, das bis heute kaum zu begreifen ist, dass eine Familie zerstörte und unzählige Menschen über zehn Jahre lang
00:46in Angst und Schrecken versetzt hat.
00:48Dass auch der Polizei alles abverlangte, bis dieses Verbrechen schließlich aufgeklärt werden konnte.
00:58Das gibt's doch nicht! Irgendwo muss es doch sein!
01:02Claudia? Claudia?
01:04Was fehlt denn?
01:05Auch mein rotes Arbeits-Sweatshirt, das ich immer drunter ziehe, wenn es frisch fährt.
01:08Vielleicht noch in der Schlafzimmer abwurde?
01:10Nee, da hab ich schon geschaut.
01:12Aber das verschwindet doch nicht einfach. Lass mich nochmal suchen.
01:16Was sucht ihr denn?
01:18Papas rotes Sweatshirt, das er immer zur Arbeit mitnimmt. Was hast denn du da an?
01:23Ich bin eine Prinzessin.
01:24Mit einem roten Umhang. Manfred, die Prinzessin hier hat ein Sweatshirt.
01:30Was?
01:31Nein!
01:36Ich glaub, das ist gar keine Prinzessin. Das ist eine ganz durchtriebene Diebin, die sich nur als Prinzessin verkleidet hat.
01:42In den Kerker mit ihr!
01:46Alle waren hinterher! Sie holt ab!
01:49Herbst 1995. Leonie ist sieben Jahre alt und geht in die erste Klasse. Sie hat zwei ältere Schwestern.
01:56Wir leben glücklich bis zum Ende ihrer Tage.
02:00So, ich muss jetzt los. Das ist eine ordentliche Strecke diesmal.
02:04Wie lang bist du auf?
02:06Wie heißt das nochmal?
02:08Auf Montage. Zwei Wochen lang, mein Schatz.
02:12Oh, meine Mama.
02:13So, ihr zwei auch. Ab ins Bett.
02:16In den Wald.
02:17Wenn ich wieder da bin, dann machen wir was Schönes zusammen. Kino oder so.
02:20Ich bring dich noch schnell zur Tür.
02:22Tschüss, Mädels.
02:23Gute Nacht, ihr Süßen.
02:24Gute Nacht.
02:25Tschüss, Papa.
02:26Tschüss.
02:30Eine ganz normale Familie mit Eltern, die ihre drei Töchter umsorgen.
02:34Leonie, die Jüngste, liebt Prinzessinnen und liebt es, sich zu verkleiden.
02:39Die Siebenjährige ist ein glückliches Kind.
02:41Und niemand, wirklich niemand wird später begreifen können, was hier am Morgen des 3. November 1995 wie aus dem Nichts
02:49passiert.
02:50Ja, heute haben wir wieder Mathe bei Herr Krause in der Schule und ich freue mich überhaupt nicht drauf, weil
02:55er ist immer so streng und schimpft mit uns.
02:59Tschüss, viel Spaß in der Schule. Bis später.
03:03Leonie, hast du alles? Nimm deinen Schirm mit, es soll vielleicht regnen, ja? Bei euch alles gut?
03:08Uta hat die Marmelade leer gemacht, was sollen wir essen?
03:10Ihr findet schon was. Wir haben noch Wurst, ja?
03:14Denkst du dran, dass Tante Rosi heute Geburtstag hat?
03:16Ich hole dich nach der 6. Stunde bei der Schule ab, dann gehen wir direkt zu ihr, ja?
03:20Freust du dich?
03:21Mhm.
03:22Tschüss, Mama.
03:23Tschüss, mein Schatz. Viel Spaß in der Schule.
03:24Das Brot ist auch alle.
03:31Es ist 7.10 Uhr, als Leonie an diesem Morgen das Haus verlässt.
03:41Ihr Weg führt durch eine belebte Wohngegend im Ortskern. Die Schule ist nur knapp 500 Meter entfernt.
03:58Ja, bitte?
04:00Frau Schäfer?
04:01Ja?
04:02Reinhold hier, die Direktorin der Grundschule.
04:06Ist Ihre Tochter Leonie, ist sie krank?
04:08Krank? Nein, wieso fragen Sie?
04:12Weil Leonie nicht in der Schule ist.
04:15Aber sie ist heute Morgen ganz normal aus dem Haus gegangen. Und zwar zur Schule.
04:20Nein, hier ist sie aber nicht. Und gerade hat ein Mann angerufen. Er sagt, er hätte einen Schuhranzen gefunden. Mit
04:28Büchern aus unserer Schule, in denen Leonies Name steht.
04:33Leonies Schulhefte? Wie kann das denn sein?
04:38Ach, das weiß ich nicht, Frau Schäfer. Ich fahre jetzt zur Polizei. Können Sie bitte auch dorthin kommen?
04:46Ich...
04:48Ja, ja. Ja, natürlich.
04:56Gut vier Stunden, nachdem Leonie das Haus verlassen hat, findet ein Autofahrer den Schulranzen und den Regenschirm des kleinen Mädchens.
05:04Und zwar hier, an dieser Landstraße, gut 15 Kilometer von Leonies Zuhause entfernt.
05:09Wie die Sachen hierher gekommen sind und wo sich Leonie befindet, das weiß zu diesem Zeitpunkt niemand.
05:19Hier sind die Fundsachen.
05:26Ja, ja, das ist Leonies Schulranzen.
05:33Und ihre Hefte.
05:36Wo haben Sie das her?
05:39Das hat einen Zeuge abgegeben.
05:44Wo ist meine Tochter?
05:47Was ist mit dir passiert?
05:50Bitte.
05:51Bitte.
05:52Sie müssen was unternehmen.
05:55Bitte.
05:59Wir sind von Anfang an von einem Gewaltverbrechen ausgegangen.
06:04Weil die Art und Weise des Vermisstseins des Kindes war so, dass der Abgangsort und der Auffindeort der Schulsachen, also
06:15des Schulranzens und des Regenschirms, sehr weit auseinanderliegen und sehr ungewöhnlich waren.
06:21Ja, kleines Mädchen, sieben Jahre, seit heute Morgen verschwunden.
06:24Ihre Schulsachen wurden 15 Kilometer entfernt gefunden.
06:27Wo sie ist, keine Ahnung.
06:29Ich weiß, es sieht nicht gut aus, aber wir müssen alles versuchen.
06:33Vielleicht irrt sie allein durch die Gegend oder wird irgendwo festgehalten.
06:38Wir müssen sofort an die Öffentlichkeit ran.
06:39Vielleicht hat irgendjemand was gesehen.
06:42Kannst du das koordinieren?
06:45Ich hole das LKA mit ins Bordok.
06:47Bis dann.
06:56Während die Kripo Stendal die Suche nach dem Mädchen koordiniert, schickt das LKA seine Spurensicherer zum Haus der Familie.
07:04Zum Team gehört auch der Kriminalhauptkommissar Michael Ullrich.
07:08Hier.
07:09Leonis Haarwüste.
07:15Ich war damals seit vier Jahren bei der Tatortgruppe des LKA Sachsen-Anhalt.
07:19Wir waren auf der Suche nach Material, was es uns ermöglicht, die Person zu identifizieren.
07:23Also einen Vergleich herbeizuführen.
07:25Und der Vergleich erfolgt typischerweise über Fingerabdrücke.
07:28Also haben wir Material gesucht, wo möglicherweise Fingerabdrücke von ihr drauf ist oder wo auch DNA-Spuren vorhanden sind.
07:35Das ist Ihre Zahnlüste.
07:39Auch wenn wir den Umständen entsprechend davon ausgehen mussten, dass hier ein Verbrechen passiert ist,
07:43da war man natürlich voller Hoffnung, dass das Mädchen sich auch lebend wieder anfindet.
07:48Vielen Dank, Frau Schäfer.
08:00Unsere ersten Maßnahmen lagen darin, dass wir sofort entschieden haben, Öffentlichkeitsverhandlungen durchzuführen.
08:05Wir haben unmittelbar Lautsprecherwagen der Polizei eingesetzt mit Mikrofonen und Durchsagen,
08:12dass das Kind am frühen Morgen auf dem Schulweg vermisst wurde.
08:18Ein erster Erfolg.
08:20Noch am selben Abend meldet sich ein 13-jähriger Junge als Zeuge.
08:25Und später zudem eine 15-jährige Schülerin, die ebenfalls etwas Wichtiges gesehen hat.
08:31Heute Morgen war ich auf dem Weg zur Schule.
08:34Hey, lass mich los!
08:35Kommst du jetzt mit?
08:36Lass mich los!
08:37Es kam mir schon komisch vor.
08:41Aber ich dachte, es wäre der Vater von dem Mädchen.
08:44Dass sie streiten.
08:48Ich wollte gerade über die Straße, aber dann kam da plötzlich ein Auto angefahren.
08:55Ein rotes Auto mit einem Mann hinter dem Steuer.
08:59Und hinten drin war es das Mädchen.
09:04Das Kind hat gegen die Scheibe geschlagen und geschrien.
09:07Aber ich wusste natürlich nicht, was da los war.
09:10Konntest du dir das Nummernschild merken?
09:12Nein, leider.
09:14Es ging ja alles so schnell.
09:16Habe ich was falsch gemacht?
09:19Nein.
09:22Nein.
09:40Es ist ein absoluter Albtraum.
09:42Am 3. November 1995 wird Leonie auf ihrem Schulweg entführt.
09:47Frau Lange, Sie erinnern sich natürlich noch sehr gut an diesen Fall.
09:50Sie sind Kriminaldirektorin im Ruhestand und waren viele Jahre Leiterin der Kriminalpolizei in Stendal.
09:56Wenn wir jetzt nochmal Leonies Schulweg gehen, was geht Ihnen da durch den Kopf?
10:02Immer wieder, wenn ich mit diesem Ort konfrontiert werde, entweder wenn ich hier bin oder den Ort höre,
10:10ist es das Unbehagen, was mir durch den Kopf geht.
10:14Frau Lange, auf der einen Seite sind Sie eine erfahrene Kriminalbeamtin, auf der anderen Seite auch Mutter.
10:19Und Sie hatten auch schon Enkelkinder zu dem Zeitpunkt.
10:22Wie emotional ist dann sowas für Sie gewesen?
10:26Heute noch emotional.
10:27Immer wieder, wenn ich daran denke, an diesen Ort denke, an den Fall denke, mich damit befasse
10:33oder ich höre, dass vermisste Kinder gesucht werden, dann ist die Emotionalität immer wieder hoch.
10:41Und die verschwindet auch nicht, die bleibt.
10:43Unabhängig davon müssen wir professionell arbeiten.
10:47Das ist wichtig, aber wir müssen auch die Emotionen zeigen können.
10:51Wenn ein Kind verschwindet, auf dem Schulweg verschwindet, von jetzt auf gleich weg ist,
10:56dann löst das sicherlich auch hier im Ort einiges aus.
11:00Wie ging es den Menschen?
11:02Es war eine gewisse Unruhe, die insbesondere bei Eltern, die ihre Kinder auf den Schulweg geschickt haben, vorhanden war.
11:12Aber das ist ja auch das Ungewöhnliche.
11:14Ich meine, Leonie ist diesen Weg jeden Morgen gegangen.
11:16Es sind andere Kinder da, Fußgänger, Autos, die da langfahren.
11:20Und trotzdem verschwindet ein Kind, ist von jetzt auf gleich einfach weg.
11:25Ja, wie sowas überhaupt passieren kann, kann man sich im Grunde genommen gar nicht vorstellen.
11:29Weil es ist viel Betrieb um diese Zeit.
11:32Die Schüler sind sicherlich unbedarft den Schulweg gegangen.
11:36Derjenige, der eben die Leonie mitgenommen hat, hat sich wahrscheinlich auf sich selbst fokussiert,
11:43hat sich überhaupt keine Gedanken gemacht, du wirst jetzt vielleicht beobachtet.
11:46Er war in sich selbst und er musste sicherlich auch das Mädchen mitnehmen.
11:54Also Leonie verschwindet vor allen Augen auf ihrem Schulweg.
11:58Und noch ist nicht klar, ob es sich beim Täter um einen Unbekannten handelt oder ob Leonie den Täter vielleicht
12:04sogar kannte.
12:06Und Ihnen fällt wirklich niemand ein, auf dem die Beschreibung dieses Mannes passt.
12:10Dunkle Haare, Schnauzer, rotes Auto.
12:15Vielleicht ein entfernter Bekannter oder irgendjemand, der Ihnen irgendwo mal aufgefallen ist.
12:20Beim Einkaufen oder so.
12:24Herr Schäfer, ein Arbeitskollege vielleicht, Sie kommen beruflich ja viel rum.
12:27Ich, ähm, nee, da fällt mir niemand ein.
12:33Was tun Sie jetzt, um Leonie zu finden?
12:36Alles, was wir können, das versprechen wir.
12:38Wir haben Hubschrauber und Spürhunde im Einsatz.
12:42Alle Kräfte, die wir aufbringen können, sind an der Suche nach Leonie beteiligt.
12:46Und wir lassen ein Phantombild des Täters anfertigen.
12:51Sobald es fertig ist, wird es in sämtlichen Medien veröffentlicht.
12:55Und außerdem lassen wir Plakate drucken und aushängen.
12:58Wir haben die Hoffnung, dass irgendjemand diesen Kerl erkennt.
13:02Wir sind davon ausgegangen, aufgrund der Gesamtumstände, dass es sich um einen Täter handeln muss,
13:09der aus der unmittelbaren Gegend kommt, der sich auskennt.
13:13Denn diese Verbindungsstraße, wo die Gegenstände aufgefunden wurden, ist kaum befahrbar von fremden Personen.
13:25Da bist du ja wieder.
13:29Die Kleine hat vorhin die ganze Zeit geweint.
13:32Magst du mal nachher gucken?
13:37Nee, keine Zeit.
13:39Na, danke.
13:49Das Gebiet, was als Suchgebiet eingegrenzt wurde, war relativ groß.
13:56Die Suchkräfte waren natürlich hochmotiviert.
14:01Und der Druck, wann finden wir Leonie, wie finden wir Leonie, und kann ich das aushalten, wie wir sie finden,
14:09der war natürlich enorm, sodass auch mit den entsprechenden Suchkräften Gespräche geführt werden mussten.
14:20Zwölf Tage nach Leonies Verschwinden finden Polizeitaucher in einem abgelegenen Weiher einen blauen Müllsack.
14:28Er ist verschnürt, mit einem Stück grüner Wäscheleine.
14:32Im Inneren des Müllsacks befindet sich etwas Schweres.
15:07Ich habe den Sack dann geöffnet.
15:08Und das sind natürlich dann Eindrücke, die man nicht vergisst.
15:11Also dieses getötete Kind, was mit wenig Bekleidung dort geknebelt und gefesselt mit Klebeband in einer hockenden Position in diesem
15:19Sack war.
15:20Das sind Bilder, die vergisst man nicht.
15:38Der grausame Sexualmord an einem kleinen Mädchen.
15:41Wir sind jetzt an dem Weiher, in dem Taucher den Müllsack geborgen haben, in dem der Täter die Leiche von
15:48Leonie versteckt, man kann fast sagen, entsorgt hat.
15:51Herr Ulrich, wie hat sich das damals dargestellt?
15:54Also in der Zeit liefen ja seit Verschwinden des Mädchens koordinierte Suchmaßnahmen durch die örtlich zuständige Polizeiinspektion Ständen.
16:02Die Kollegen haben dann diesen Müllsack dort im Gewässer aufgefunden, haben ihn geborgen und hier am Ufer abgelegt.
16:08Wir konnten dann hier unsere ersten Maßnahmen beginnen.
16:11Bei diesen ersten Maßnahmen spielt sicherlich eine Rolle, dass die Leiche ja eine Zeit lang im Wasser gelegen hat.
16:17Ja, das ist richtig. Also das ist nicht unbedingt etwas, was man sich als Spur und Sicherer wünscht.
16:21Eine Wasserleiche bietet für uns immer besondere Herausforderungen.
16:24Erstmal vom Zustand des Körpers an sich, aber natürlich wird durch die Lagerung im Wasser auch das Verpackungsmaterial, in diesem
16:30Fall der Müllsack und die Bekleidung, gewissen Veränderungen unterworfen.
16:33In dem Moment, wo Sie den Sack geöffnet haben, welche Rückschlüsse gab es da auf die Tat?
16:38Wir haben festgestellt, dass das Mädchen bekleidet war, leicht bekleidet. Sie war gefesselt und geknebelt.
16:44Und für uns ist in einer solchen Situation dann natürlich erstmal wichtig, die vorhandenen Spuren, eventuell Mikrospuren, so zu fixieren
16:52oder auch schon zu sichern, dass sie nicht verloren gehen.
16:54Sie haben in Ihrer Karriere wahrscheinlich schon viele Leichen gesehen. In diesem Moment geht es um eine Kinderleiche. Wie schafft
17:00man es da, die Emotionen aus dem Spiel zu lassen?
17:04Also ich stand damals noch ziemlich am Anfang meiner beruflichen Karriere. Und das war schon eine besondere Herausforderung.
17:09Und das ist tatsächlich heute immer noch bei Kinderleichen so. Es ist keinem damit gedient, wenn wir die Emotionen in
17:16dieser Situation freien Lauf lassen.
17:19Also wir müssen funktionieren. Das, was wir nicht finden, was wir nicht feststellen, das ist verloren für das Verfahren.
17:24Das sind natürlich Umstände, die erstmal in den Hintergrund treten, wenn man professionell arbeiten will.
17:28Aber die Emotionen kommen, aber die kommen später. Die kommen nicht vor Ort.
17:33Zwölf Tage nach dem Verschwinden von Leonie haben Sie die Leiche gefunden. In dieser Zeit ist auch viel passiert. Das
17:40hat auch viel mit den Menschen hier gemacht.
17:41Wie groß war der Druck auf Sie und Ihre Tatortgruppe, möglichst schnell auch Klarheit zu haben in diesem Fall?
17:48Ja, also das Verschwinden eines Mädchens auf dem Schulweg ist natürlich ein Ereignis, was die Region in Unruhe versetzt.
17:54Und das ist auch spürbar gewesen, auch durch den Mediendruck, der da war.
17:58Und natürlich haben wir jeden Tag die Gedanken daran gehabt, wann ist es soweit.
18:03Wann wird sie endlich gefunden, dass wir mit den Ermittlungen weiter fortsetzen können.
18:07Vielen Dank, Herr Ulrich.
18:09Also zwölf Tage nach der Entführung die traurige Gewissheit, Leonie wurde sexuell missbraucht und getötet.
18:16Die Polizei sucht nun fieberhaft nach Leonies Mörder.
18:44Zwei Tage später wird die Polizei von einem Jäger auf einen Hochstand aufmerksam gemacht,
18:49der sich in einem Wald knapp sieben Kilometer entfernt befindet.
19:00Auf dem Hochstand wurden Blutspuren gefunden.
19:03So wie ein Stück der grünen Wäscheleine, mit der auch der Müllsack im Weiher verschnürt gewesen ist.
19:11Das dort gefundene Blut ließ sich dem ermordeten Mädchen zuordnen.
19:15Das Ergebnis der Obduktion und unsere neuen Erkenntnisse sprachen dafür, dass der Hochstand der Tat dort war.
19:20Aus dem Verletzungsbild konnten wir ganz eindeutig auf ein ziemlich brutales Sexualdelikt schließen.
19:26Also es sind erhebliche Verletzungen zugeführt worden und es hat hier auch ein Missbrauch stattgefunden.
19:34Zurück beim LKA in Magdeburg machen sich Michael Ullrich und seine Kollegen auf Spurensuche.
19:41Herr Stefan, schon was gefunden?
19:52Darf ich mal?
19:54Natürlich hatten wir die große Erwartung an der Stelle, auch Fingerabdrücke zu finden.
19:58Aber diese Fingerabdrücke verändern sich eben im Laufe der Zeit durch die Umweltbedingungen, gerade im Wasser.
20:03Es ist auch gelungen, Reste eines Fingerabdrucks sichtbar zu machen, der sich aber dann leider nicht als auswertbar herausstellte.
20:09Und wir hatten die große Hoffnung, dass wir an den gesicherten Haaren natürlich eine DNA erheben konnten.
20:15Nun müssen wir uns ins Jahr 1995 versetzen und damals war es eben nicht möglich, an ausgefallenen Haaren,
20:20die keine Wurzelscheidezellenanhaftung hatten, dort eine DNA zu erheben.
20:24Wir brauchten also ausgerissene Haare, wo diese Wurzelzellen noch dran waren.
20:28Und tatsächlich waren dort auch welche dabei.
20:31Die haben dann aber leider nicht dazu geführt, dass wir eine auswertbare DNA und recherchierbare DNA gefunden haben.
20:44In der Zeit danach, dann auch in den nächsten Jahren, gab es ja immer wieder Durchsuchungsmaßnahmen bei potenziell tatfältigenden Personen.
20:50Wir sind also bis nach Bayern unten in den Süden des Landes gefahren und haben dort Fahrzeuge untersucht,
20:55haben Wohnhäuser durchsucht und wurden immer wieder enttäuscht.
20:58Ich hatte zu dieser Zeit zwei Kinder und das ist schon schwer, dann war wirklich der Verstand zu finden.
21:07Hallo! Hey!
21:10Hallo!
21:10Hallo, komm mal her!
21:13Ich bin so froh, euch zu sehen. Geht's euch gut?
21:15Ja.
21:15Ja? Habt ihr Hunger? Habt ihr schon gegessen?
21:17Nein.
21:18Nee, ich auch nicht.
21:18Wenn man dort nicht zurechtkommt, wir dort nicht zurechtkommt, dann suchen wir uns auch professionelle Hilfe durchaus bei einem Kriseninterventionsteam
21:26oder einem Polizeiseelsorger.
21:28Also tatsächlich ist mir der Fall auch deshalb in Erinnerung, weil es einer der wenigen ist, wo ich dann auch
21:33zu Hause öfter mal in der Nacht aufgewacht bin.
21:36Hast du das bedacht? Irgendwelche Aspekte, die man vielleicht nicht so vordergründig betrachtet hat.
21:40Das ist schon etwas Besonderes. Das kommt nicht immer vor.
21:57Die psychischen und emotionalen Belastungen sind zu viel für die Familie.
22:06Ein Jahr nach dem Mord an Leonie trennen sich ihre Eltern.
22:23Alles wird immer teurer. Ich weiß gar nicht, wie sie sich das denken, wer das alles bezahlen soll.
22:29Essen, Kleidung, Miete, Benzin, alles eigentlich.
22:32Die haben ihn bis heute nicht gefunden. Das heißt, dieser Kerl läuft normal frei herum.
22:38Also mir macht das wirklich Angst.
22:41Die Kripo erhält rund 300 Hinweise auf verdächtige Personen. Doch der Täter ist nicht dabei.
22:49Wenn es so weitergeht, ich weiß auch nicht, wo das dann enden soll.
22:52Sag doch auch mal was. Mach dir jetzt gar keine Sorgen.
22:55Stimmt. Du hast vollkommen recht. Jetzt komm, wir lassen es weitergehen.
23:00Sucht der Mörder schon nach seinem nächsten Opfer? Und wie kann ich mein eigenes Kind schützen?
23:05Das sind Fragen, die sich viele Eltern damals stellen.
23:09Frau Dr. Alwang, Sie sind Fachärztin für psychosomatische Medizin und beschäftigen sich mit Menschen in psychischen Krisen.
23:15Was hat das damals bei den Eltern ausgelöst?
23:18Also das macht mit dem einzelnen Menschen was. Das macht in Familien was. Und natürlich auch in der Gesellschaft.
23:24Das löst Sorge aus und Angst. Bei manchen vielleicht bis hin zu Panik.
23:28Was ist da passiert? Passiert es wieder?
23:30Dieser Schulweg ist ja auch so ein gewisser Schutzraum. Man denkt, das Kind geht morgens aus der Tür und kommt
23:35in der Schule an.
23:36Wenn auf diesem Weg was passiert, dann löst das ja ganz besondere Bilder aus, vermute ich.
23:42Ja, weil das was ist, wo Kinder ja unter der Woche jeden Tag hin müssen.
23:46Und genau deswegen muss man überlegen, wie gestalte ich den vielleicht sicherer, nachdem sowas passiert ist.
23:52Genau. Was sind das für Möglichkeiten, die Eltern haben, um diesen Schulweg aus ihrer Sicht sicher zu machen?
23:57Also zunächst mal würde ich in der Familie drüber sprechen, was ist da passiert, angepasst an das Alter der Kinder.
24:04Und dann schauen, wie kann man jetzt für die nächsten Wochen, Monate das anders gestalten als zuvor, indem man Gruppen
24:10bildet.
24:11So Kinder gehen nicht mehr alleine, sondern mit Freundinnen, Freunden, vielleicht gerade am Anfang auch begleitet mit einem Erwachsenen.
24:17Wenn man über diesen Schulweg redet und man sagt, man will alle Gefahren ausschließen, was ja ganz schwierig ist, besteht
24:25dann auch die Gefahr der Überbehütung?
24:27Ja, weil also alle Gefahren aus dem Leben fernhalten kann man nicht.
24:31Wichtig finde ich, Kindern beizubringen.
24:33Wie schütze ich mich, um Hilfe zu rufen, wenn jemand plötzlich auftaucht, den man nicht kennt?
24:38Also sich um sich selber zu kümmern.
24:41Der Fall rund um den Mord von Leonie spielte in einer Zeit, als es noch keine Smartphones gab.
24:46Wie sieht heute so eine Angst und so eine Schutzfunktion aus?
24:50Auch das ist natürlich sehr unterschiedlich unter verschiedenen Eltern, aber das Smartphone ist zum einen was Gutes.
24:56Ich kann meine Kinder erreichen, die können mich auch erreichen.
24:59Auf der anderen Seite besteht die Gefahr, dass man da zu viel Kontrolle auch ausüben möchte.
25:04In unserem Fall haben sich die Eltern von Leonie getrennt.
25:08Wie muss man das bewerten?
25:09Ist das vielleicht sogar eine logische Folge?
25:11Also logisch auf keinen Fall, aber es ist schon so, dass man sieht, dass Paare, in denen ein Tod eines
25:17Kindes passiert ist, durch Krankheit, durch Unfall, durch Mord, sich häufiger trennen als andere Paare.
25:23Und vielen Dank, Frau Dr. Allwang.
25:24Sehr gerne.
25:26Die Ehre der Eltern zerbricht und die Suche nach Leonies Mörder zieht sich unerträglich lang hin.
25:33Vier Jahre nach dem Verbrechen übernimmt Kriminaldirektorin Anita Lange die Leitung der Kripo Stendal.
25:39Auch sie lässt dieser Fall nicht los.
25:41Eine der ersten Amtshandlungen von Anita Lange, sie bittet die Einheit für operative Fallanalyse beim LKA Sachsen-Anhalt um Unterstützung.
25:49Ein Täterprofil wird entwickelt, um neue Ermittlungsansätze zu finden.
25:53Was wissen wir vom Täter? Dass es sich um einen Bekannten der Familie handelt, können wir ausschließen.
25:59Also ist er mutmaßlich ein Fremder.
26:02Zum Tatzeitpunkt geschätzt 35 bis 45 Jahre alt, wahrscheinlich Deutscher.
26:09Er hat einen Führerschein, Fahrpraxis und wir vermuten, dass er hier in der Region verwurzelt ist, vielleicht sogar nach wie
26:16vor hier lebt.
26:17Er ist triebgesteuert und wir gehen davon aus, dass er als eher sozial schwach einzustufen ist und in der Vergangenheit
26:27Sexualstraftaten begangen haben dürfte.
26:32Aber an Kindern lässt sie nicht sagen.
26:35Mit der Einschätzung der operativen Fallanalyse wurde uns natürlich auch die Aussage des Profilers, der 1997 das Täterprofil erstellt hat,
26:47bestätigt.
26:48Wir haben uns turnusmäßig immer wieder getroffen.
26:51Und dabei habe ich Frau Lange natürlich auch als eine sehr hartnäckig und energisch hinterfragende Person nicht kennengelernt,
26:57sondern erlebt, die auch immer wieder uns getrieben hat, hier an diesem Fall dran zu bleiben.
27:04Lange?
27:06Michael Ullrich, LKA.
27:08Herr Ullrich, schön Sie zu hören. Was gibt's?
27:10Ja, vielleicht gibt's was Sensationelles.
27:12Ich habe gerade erfahren, dass in Sachen DNA-Auswertung Fortschritte gemacht wurden.
27:16Es gibt eine neue Methode, die das BKA jetzt anwendet.
27:19Von welcher Methode sprechen Sie konkret?
27:21Sie erinnern sich im Fall Leonie, dass fast alle Haare, die wir gefunden hatten, keine Haarwurzeln aufwiesen?
27:27Mittlerweile ist es möglich, die Merkmale einer DNA auch ohne Haarwurzeln nachzuweisen.
27:31Das ist zwar nicht in jedem Fall erfolgreich, aber es wäre eine Chance.
27:34Das wäre in der Tat ein Lichtblick.
27:36Wie lautet Ihr Plan?
27:37Als uns dann diese Methode bekannt wurde, haben wir das natürlich mit den Ständerer Kollegen und mit Frau Lange auch
27:42diskutiert.
27:43Und wir haben uns dafür entschieden, jetzt nochmal auf die Suche zu gehen, was von den ursprünglich gesicherten Haaren,
27:48die ja auch schon alle in der Untersuchung waren, in verschiedensten Institutionen eigentlich noch da ist.
27:53Und da sind wir letztendlich auf einer Summe von 17 Haaren gekommen.
27:56Die ich dann auch persönlich eingesammelt habe.
27:59Es dauert fast ein Jahr, bis das Ergebnis der DNA-Auswertung durch das BKA vorliegt.
28:05Anita Lange setzt sich daraufhin mit dem Leiter der Rechtsmedizin in Magdeburg in Verbindung.
28:10Ja, ich habe den Ausdruck hier.
28:12Also, in dem Gutachten steht schwarz auf weiß, das immerhin eines der Haare zu einem auswertbaren Ergebnis geführt hat.
28:18Heißt das, wenn wir dieses Ergebnis mit der DNA eines Tatverdächtigen abgleichen könnten,
28:23dann wüssten wir, ob er als Täter in Frage kommt?
28:26Zumindest mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit.
28:28Herr Professor, das ist mehr, als wir erwarten konnten.
28:31Danke.
28:32Die Typisierung des Spurenhaares war für uns gut.
28:38Wir hatten jetzt noch weitere Informationen in der Hand und Spurenfeststellungen in der Hand, wo wir handeln konnten.
28:46Aber aufgrund der Untersuchung und des Vergleichs der bisher abgenommenen Speichelproben haben wir leider keine Ergebnisse erreicht.
28:59Es war negativ.
29:03Oh, langsam. Du hebst ja noch einen Bruch.
29:06Ich kann den Umzug nicht alleine stellen, wenn du ausfällst.
29:08Nee, geht schon.
29:10Nee, ehrlich. Es ist ja Wahnsinn, wie du Gas gibst.
29:13Ich könnte meinen, du hast es eilig, hier wegzukommen.
29:22Eine DNA-Reihenuntersuchung. Eine andere Möglichkeit sehe ich nicht.
29:25Eine DNA-Reihenuntersuchung?
29:28Ja. Du hast selbst gesagt, mit hoher Wahrscheinlichkeit stammt Leonies Mörder aus der näheren Umgebung des Tatorts.
29:34Wenn wir dort möglichst viele Männer in der entsprechenden Altersgruppe zu einer Speichelprobe bewegen könnten,
29:41dann finden wir ihn vielleicht. Zumindest hätten wir eine Minimalschance.
29:45Sie hätten unsere volle Unterstützung. Wir von der Rechtsmedizin übernehmen gerne die Auswertung sämtlicher DNA-Proben.
29:52Und in welchem Radius soll das Ganze stattfinden?
29:55Ich meine, wir können ja schlecht alle Männer im ganzen Landkreis testen lassen.
29:58Leider müssen wir uns begrenzen.
30:00Daher würde ich vorschlagen, wir beschränken uns auf die vier nächstgelegenen Ortschaften rund um den Tatort.
30:05Und was ist, wenn der Tita Eindorf weiter wohnt?
30:07Dann finden wir ihn wahrscheinlich nicht. Wie gesagt, es wäre nur eine Minimalschance.
30:112.3
31:09Untertitelung des ZDF, 2020
31:14Ich darf Ihnen nicht zu viel verraten, aber ich kann Ihnen sagen, dass wir einen neuen Ansatz verfolgen, von dem
31:21wir uns einiges erhoffen.
31:25Frau Schiefer, wie geht's Ihnen denn?
31:35Ich... ich muss immer daran denken, wie gern Leonie Prinzessin gespielt hat.
31:40Ich habe mal zu ihr gesagt, dass ich mich darauf freue, sie im Brautkleid zu sehen, wenn sie irgendwann mal
31:47heiratet.
31:51Das wird nie passieren.
31:57Wir hatten allerdings auch seitens des Datenschützers unseres Landes Gegenwind.
32:05Insofern, dass er medienwirksam in der Prosse zu dieser Speichelreihenuntersuchung sich geäußert hat.
32:13Das war eigentlich immer unser Credo.
32:17Wir geben nicht auf.
32:19Wir bleiben dran.
32:20Wir machen das alles, was gemacht werden muss.
32:23Und insofern habe ich mich damals auch persönlich gegenüber dem Datenschutzbeauftragten geäußert und ihm gesagt,
32:32wir haben es hier mit einem grausamen Mord zu tun, an einem siebenjährigen Mädchen.
32:37Ich will Ihnen gar nicht beschreiben, wie die Tatdurchführung war, was der Gerichtsmediziner festgestellt hat.
32:45Und wir haben es nicht mit einem Fahrraddiebstahl zu tun.
32:49Also Frau Lange hat sich sehr energisch für diesen Massenspeicheltest eingesetzt.
32:52Und hat dort auch Widerstände überwunden, hat dort viel Überzeugungsarbeit geleistet.
33:01Bitte Mund öffnen.
33:03Am 9. Mai 2003, siebeneinhalb Jahre nach dem Mord an Leonie, beginnt die erste DNA-Reihenuntersuchung in der Geschichte von
33:11Sachsen-Anhalt.
33:13Leonies Vater geht mit gutem Beispiel voran. Er ist der Erste, der sich testen lässt.
33:18Danke, Herr Schiefer.
33:23Eine so hohe Bereitschaft von fast über 1600 männlichen Personen, die freiwillig zur Speichelprobe.
33:31Wir kommen sind. Das war für uns sehr erfreulich einerseits.
33:36Aber auch hat uns gezeigt, wie hoch die Bereitschaft war, den Fall aufzuklären.
33:45Einer dieser Personen, die zur Speichelprobe erschienen sollten und die zum damaligen Zeitpunkt im Einsuchsbereich gewohnt haben,
33:54war zum Zeitpunkt der Speichelreihenuntersuchung bereits verzogen in die Landeshauptstadt Magdeburg.
34:01Und wurde dann von uns über die zuständige Polizeidienststelle Magdeburg aufgefordert, eine Speichelprobe abzugeben.
34:10Was hast du denn da?
34:11Nix.
34:13Der Mann kommt der Aufforderung nach.
34:15Mitte 2004 waren die Untersuchungen der 2400 Speichelproben erstmals abgeschlossen.
34:27Mit einem Ergebnis, was Professor Krause uns dann auch mit Abschluss mitgeteilt hat.
34:37Die Speichelprobe mit der Nummer 2089 weist bei vier von fünf Systemen Übereinstimmungen mit der Kern-DNA des mutmaßlichen Täters
34:46auf.
34:46Das ist gut, oder?
34:47Ja, aber leider nicht gut genug.
34:49Ja, vier von fünf? Das könnt ihr auch auf andere Personen zu treffen. Auf einen Verwandten des Mannes zum Beispiel.
34:54Das heißt, er ist verdächtig. Aber für einen Haftbefehl oder eine Verurteilung würde das niemals ausreichen.
34:59Und was machen wir jetzt?
35:01Ich hätte da vielleicht eine Idee.
35:04Hier hatte Professor Krause aus der Rechtsmedizin Magdeburg dann die Idee, an diesen Proben nochmal die mitochondrale DNA zu untersuchen.
35:12Die mitochondrale DNA unterscheidet sich von der klassischen DNA-Analytik etwas.
35:17Wir richten uns also hier nicht an den Zellkern, sondern an die Mitochondrien.
35:20Diese Form der Analytik ist nicht so allgemein gebräuchlich, aber sie hat die Eigenschaft, dass sie also mütterlicherseits ganz weit
35:28vererbt wird.
35:29Das war eine neue Methode, die nur Professor Krause erstmals angewendet hat in einem Strafverfahren.
35:38Wir waren uns sicher, vielleicht kommen wir jetzt richtig zum Täter.
35:46Herr Professor hat lange nichts gehört. Gibt es etwa Neuigkeiten?
35:50Kann man so sagen. Auch die mitochondriale DNA weist auf die Speichelprobe mit der Nummer 2089 hin.
35:57Ernsthaft? Dann ist der Mann unser Tatverdächtiger und wir können Haftbefehl beantragen.
36:00Ich würde sagen, Sie sind nun doppelt abgesichert.
36:03Herr Professor, ich weiß gar nicht, was ich sagen soll.
36:05Ein Dankeschön genügt.
36:07Ich habe genauso wie Sie ein großes Interesse, dass so ein furchtbares Verbrechen aufgeklärt wird.
36:11Wir haben den Beschluss zur Durchsuchung bekommen, sind zum Haus, zum Wohnort des Tatverdächtigen gefahren.
36:22Und diese Person, dieser Tatverdächtige, der seine Wohnungstür geöffnet hat und drei unserer Beamten vor der Tür standen und ihn
36:33gesehen haben,
36:34waren total überrascht. Es war so eine große Ähnlichkeit mit dem Phantombild zu erkennen, sodass die drei schon wussten, das
36:47ist er.
36:50Was ist hier los? Was hast du gemacht? Was hast du gemacht?
36:55Am 25. August 2005, fast zehn Jahre nach Leonies Tod, wird der Tatverdächtige verhaftet.
37:02Er ist 48 Jahre alt und Vater dreier Kinder.
37:05Diese Aufklärung, die haben wir eigentlich der Untersuchungsmethode der Rechtsmedizin Magdeburg zu verdanken.
37:14Mir war klar, dass Sie irgendwann kommen.
37:17Möchten Sie uns etwas über den 3. November 1995 erzählen?
37:24Ich wollte es nicht.
37:27Ich habe schon immer diesen Drang.
37:31Ich war in dem Morgen auf dem Weg zur Arbeit.
37:35Ich sollte helfen, bei einer Renovierung vom alten Haus.
37:40Ich habe das nicht gebelahnt.
37:44Es kam so über mich.
37:47Ich habe geparkt und bin ausgestiegen.
38:16Hey du, nicht erschrecken.
38:18Du, ich bin Freund deiner Eltern.
38:20Die haben mich geschickt, weil die Schule heute ausfällt.
38:22Total überraschend.
38:23Und die haben gesagt, wir zwei, wir sollen jetzt Kuchen kaufen und dann bringe ich die.
38:26Zuerst hat sie mir geglaubt und dann nach ein paar Metern.
38:30Stopp!
38:31Lass mich los!
38:31Nein, jetzt komm mit.
38:32Lass mich los!
38:33Wir gehen schön Kuchen kaufen jetzt.
38:34Lass mich los!
38:35Komm mit.
38:36Lass mich jetzt los!
38:38Lass jetzt deine Klappung, kommst mit.
38:39Lass mich los!
38:40Wir gehen jetzt Kuchen essen.
38:42Lass mich los!
38:43Komm rein hier.
38:44So.
38:45Lass mich los!
38:59Irgendwie habe ich sie ins Auto geschöpft.
39:09Als alles vorbei war, habe ich sie im Wasser versenkt.
39:14Auf dem Rückweg habe ich den Ranzen weggeworfen.
39:21War das Ihre erste Tat?
39:23Nein.
39:26Da waren schon mal zwei Mädchen, als ich noch jünger war.
39:32Aber die habe ich nicht getötet.
39:35Der Mann gesteht weitere Sexualstraftaten an Kindern und Jugendlichen.
39:40Angezeigt wurde er dafür nie.
39:43Wir waren alle erst mal erleichtert.
39:47Dranbleiben ist alles.
39:49Wichtig ist, die Aufgabe erfüllen.
39:53Wichtig ist, die Verantwortung, die uns übertragen ist, wahrzunehmen.
39:59Und das zu tun, was letztendlich dazu führt,
40:04den oder die Täter festzustellen und der Gerichten Strafe zuzuführen.
40:14Michael-Ollrich, hallo?
40:19Okay, danke schön.
40:22Also das ist wirklich ein Gefühl, was sehr schwer zu beschreiben ist.
40:24Es ist eine große Erleichterung, jetzt endlich am Ziel zu sein,
40:28endlich Gewissheit zu haben, dass die Gefahr nicht mehr besteht.
40:30All die Arbeit, die man im Laufe der Jahre selbst auch investiert hat,
40:34all die Überlegungen, das ist schon ein sehr starkes Gefühl,
40:37was einen da bewegt in solchem Moment.
40:38Man hat so lange überlegt über diesen ganzen Vorgang.
40:41Das ist ja das Grundlegende unseres Handwerks eigentlich,
40:45dass wir so eine gedankliche Rekonstruktion des Täterhandelns vornehmen.
40:49Und hier die Bestätigung zu bekommen,
40:50dass wir mit unseren Überlegungen gar nicht so falsch waren,
40:53aber es eben aufgrund dieser Gesamtumstände so lange gedauert hat,
40:55das war schon sehr, sehr bedeutsam für mich.
41:09Ja?
41:10Frau Schäfer, ich bin's, Anita Lange.
41:13Wir haben den Mann verhaftet, der ihrer Tochter das angetan hat.
41:18Frau Schäfer?
41:21Ja?
41:24Danke, Frau Lange.
41:28Danke.
41:41Für mich selbst war der Fall ein besonderer Fall.
41:46Weil es ein Kind war, welches auf dem Schulweg war.
41:49Weil sie das ganze Leben noch vor sich hatte.
41:52Und ich auch persönlich immer daran denken musste,
41:57es hätte auch ein Enkelkind sein können, was zur Schule geht.
42:02Das war für mich auch im Nachgang noch eine schwere Zeit.
42:09Am 7. April 2006 wird der Täter wegen des Mordes
42:13an Leonie zu lebenslanger Haft verurteilt.
42:15Mit anschließender Sicherungsverwahrung.
42:19Er stirbt zwei Jahre später im Gefängnis an einem Herzinfarkt.
42:25Es hat mehr als zehn Jahre gedauert,
42:28den Mord an der kleinen Leonie aufzuklären.
42:31Dass dies überhaupt gelingen konnte,
42:32war dem Durchhaltevermögen, der Akribie
42:34und dem Einfallsreichtum der ermittelnden Personen zu verdanken,
42:38die zu keiner Sekunde die Hoffnung aufgegeben haben.
42:41Am Ende war es ein einzelnes Haar, das den Ausschlag gegeben hat.
42:45Das war XY gelöst. Mein Name ist Sven Voss.
42:52Das war Ballonius, نے los
43:06Bis zum nächsten Mal.
43:06Am Ende bis zum nächsten Mal.
43:06Vielen Dank.

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