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  • vor 17 Minuten
Ein Spaziergänger entdeckt einen halb vergrabenen Rollkoffer
mit einer Leiche. Die Identität der Toten ist zunächst unklar.
Die Kripo wendet sich an "Aktenzeichen XY... Ungelöst".

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Transkript
00:00Was gucken wir uns heute Abend an?
00:07Wir haben die Suche.
00:12Du bist aber früh.
00:16Hilfe! Hilfe! Hilfe!
00:42Ein Feld in der Nähe von Jena. Hier wird 2018 eine Leiche entdeckt.
00:48So stark verwest, dass niemand sagen kann, wer dieser Mensch ist.
00:52Keine Hinweise, keine Spur zur Identität, niemand, der diese Person vermisst.
00:56Für die Ermittler geht es um mehr als nur einen Namen.
01:00Es geht darum, herauszufinden, was hier geschehen ist.
01:03Ein Detail liefert einen Ansatzpunkt, die Zähne.
01:07Ein erster Schritt, um dem Opfer seine Identität zurückzugeben
01:10und um ein Verbrechen aufzuklären.
01:18Karin Sauer ist 49 Jahre alt und lebt zurückgezogen in Berlin.
01:22Sie ist bereits früh pensioniert und hat nur sporadisch Kontakt zu ihren Nachbarn.
01:34Das ging aber schnell.
01:40Tag, Frau Sauer.
01:42Hallo, Frau Karnowski.
01:45War ich schon so früh unterwegs?
01:47Ja, ich komme gerade vom Impfen.
01:49Impfen?
01:50Ja.
01:51Ich war bald in Urlaub.
01:54Seit wir uns kennen, waren Sie noch nie in Urlaub.
01:57Florida.
01:58Florida.
02:00Gleich so weit weg?
02:01Und ganz allein?
02:03Ähm.
02:05Im September geht es schon los.
02:06Zwei Wochen.
02:08Mensch, das wird sicher toll.
02:10Und ich freue mich für Sie, dass Sie mal rauskommen.
02:13Und ich mich auch.
02:31Kleine Nachrichten vorhanden.
02:37Mika.
02:39Ja, Mika.
02:40Ja, komm her.
02:42Ja.
02:42Oh, Schätzchen.
02:44Ja.
02:45Mama ist wieder da.
02:47Ja.
02:48Ja, du hast dich ja unterstützt.
02:50Hm?
02:51Ja.
02:52Hm.
02:53Schätzchen.
03:01So, Mika.
03:02Ja.
03:03Was gucken wir uns heute Abend an?
03:06Hm?
03:14Wir haben die Suche.
03:20Du bist aber früh.
03:22Äh, komm rein.
03:25Du magst was zum Trinken.
03:27Ich habe aber nicht wieder.
03:33Es ist der 5. Juli 2018 in Thüringen.
03:37Ein extrem heißer Sommer.
03:42Lola, komm.
03:44Hierher.
03:46Lola, was hast du denn da?
03:49Komm mit zwei Fuß.
03:51Oh Gott.
03:53Sofort weg da.
03:58Die Kriminalpolizei Jena übernimmt den Fall.
04:08Ja.
04:08Sag die Herren.
04:09Na, hallo?
04:11Der Verwesungsprozess ist schon ziemlich weit fortgeschritten.
04:15Kannst du irgendwas zu Todeszeitpunkt mit Ursache sagen?
04:17Ad hoc nicht.
04:18Männlich oder weiblich?
04:19Kann ich dir noch nicht sagen.
04:21Ich muss erst das Becken noch eins kennen.
04:22Okay.
04:24Keine Schuhe und ein Loch wurde auch nicht gegraben.
04:27Sieht nach Ablageort aus.
04:28Mhm.
04:30Wiege Zeit haben kannst du auch nicht bestimmen?
04:32Nee, unmöglich.
04:33Aber hoffentlich der Entomologe.
04:35Diese Insekten stammen aus dem Leichnam.
04:37Die Entwicklungsstadien der Larven werden uns Rückschlüsse geben.
04:40Okay, und sonst habt ihr nichts, was uns helfen könnte, die Leiche zu identifizieren?
04:44Bislang nicht.
04:45Okay.
04:46Dann sollen sich die Kollegen der Bereitschaft die mal umschauen.
04:48Die berühmte Suche nach der Nadel im Heuhaufen.
04:54Herr Marquardt, Sie haben damals die Ermittlungen geleitet.
04:57Hier an diesem Feldweg wurde die Leiche entdeckt.
05:00Was sind die ersten Fragen, die Ihnen durch den Kopf gingen?
05:04Also wir haben ja hier eine stark verweste, teileingegrabene Leiche gefunden.
05:09Und die zwei Fragen, die sich natürlich aufdrängen, ist A, wer ist das? Und B, was ist passiert?
05:14Aber darauf hatten Sie nicht sofort eine Antwort?
05:16Gar nicht.
05:17Wir haben natürlich dann auch unseren Schwerpunkt bei der Spurensicherung darauf gelegt,
05:21um zu gucken, ob es Gegenstände gibt, die uns zur Identifizierung weiterhelfen.
05:26Irgendwelche persönlichen oder personengebundenen Gegenstände.
05:29Handys, Ausbrechen.
05:30Das haben wir leider alles gar nicht gefunden.
05:32Wir haben nicht mal Schuhe gefunden.
05:34Für die Spurensicherung war es auch nicht so leicht in diesem Sommer.
05:38Wir haben die Leiche Anfang Juli gefunden.
05:41Es waren hochsommerliche Temperaturen, die schon seit Tagen und Wochen angedauert haben.
05:45Es waren wirklich Temperaturen über 30 Grad, was natürlich für die eingesetzten Beamten,
05:50man kann sich das vorstellen, mit diesem weißen Overwalls auch sehr beschwerlich war.
05:54Und in den späten Nachmittagsstunden, frühen Abendstunden,
05:57hat dann der lange ausstehende Starkregen eingesetzt.
05:59Was natürlich für einen Leichenfund dort im Freien auch absolut das Schädlichste ist,
06:04was man sich vorstellen kann.
06:05Die Tatsache, dass die Leiche halb eingegraben war, was hat Ihnen das gesagt?
06:10Das ist schon eine Besonderheit, ne?
06:11Das ist ja auch der Umstand, der uns hat hellhörig werden lassen.
06:14Ein Mensch kann natürlich auch hier sterben und liegen bleiben,
06:18dann ist er aber halt nicht eingegraben.
06:21Man kann auch eines natürlichen Todes sterben und irgendeiner verbringt einen später und gräbt einen ein.
06:27Das ist aber eher unüblich, weil warum sollte man das tun?
06:30Und dann war die sich aufdrängendste Variante, dass da ein Tötungslieb im Hintergrund steht.
06:36Also halten wir fest, Sie und Ihre Kollegen hatten bislang nichts zur Todesursache und auch nichts zur Identität.
06:42Also ruten die Hoffnungen auf der Obduktion der Leiche.
06:46Es handelt sich um eine Frau, geschätzt irgendwas zwischen 40 und 60,
06:51circa 1,74 Meter groß, Haarfarbe braun.
06:54Okay. Kannst du was zum Todeszeitpunkt sagen?
06:57Nein, leider unmöglich, das noch zu bestimmen. Genauso wie die Todesursache.
07:01Was ich sagen kann, es ist nichts gebrochen und es gibt keine Hinweise auf eine Schussverletzung.
07:07Mehr oder nicht.
07:07Ja, du hattest uns gestern eh schon vorgewarnt.
07:11Äh, Fingerabdrücke, irgendeine Chance?
07:13Nichts.
07:13Das Gewebe ist schon zu stark beschädigt.
07:16Nur DNA.
07:17Na gut, damit können wir arbeiten.
07:19Ja, dann jage ich das gleich mal durch die Datenbank.
07:21Gut. Danke.
07:23Okay.
07:26Und?
07:28Was gibt's Neues?
07:30Keine DNA in der Datenbank.
07:33Wäre auch zu schön gewesen.
07:37Ich hatte einen Spusi-Bericht erhalten, aber es gibt leider keine Neuigkeiten.
07:41Was denkt ihr, wer soll mir eine Pressemitteilung rausgeben?
07:43Hat das Sinn?
07:45Ich denke, Versuch ist es allemal wert.
07:47Das war ja genau unser großes Problem, dass wir eben nicht wussten, wer das war,
07:52wer da vor uns lag und dann natürlich eben nicht gezielt in irgendeine Richtung ermitteln konnten.
07:58Wir konnten eben keine Nachbarn befragen, keine Kollegen.
08:02Wir wussten nicht, welchen Ort wir ermitteln sollten und und und.
08:07Das war genau unser großes Problem, dass wir unsere übliche Polizeiarbeit,
08:11diese Maschinerie, die da dranhängt, eben nicht aufbauen konnten und eben nicht durchführen konnten.
08:16Vielleicht stammt die Frau auch aus dem Ausland.
08:18Der Fundort ist in Autobahnnähe und in anderthalb Stunden bist du in Tschechien.
08:23Ich hab die Suche schon im Operat ausgedehnt, aber bisher keine Treffer.
08:27Glaubst du nicht? Keiner hat die Frau vermisst gemeldet. Die muss doch immer gekannt haben.
08:45Auch wenn wir den genauen Todeszeitpunkt nicht kennen, was wir wissen ist, dass die Unbekannte schon einige Zeit dort gelegen
08:50hat.
08:52Das waren die Kollegen der Bereitschaft. Die haben auch nichts Neues, trotz Spülhunden und dem ganzen Tamtam.
08:58Verdammt, das gibt's doch gar nicht, oder?
09:01Anscheinend schon.
09:02Gut, machen wir weiter mit dem Zahnstatus.
09:04Die forensische Zahnmedizin kommt vor allem dann zum Einsatz, wenn eine Leiche nicht identifizierbar ist.
09:11Denn die Zähne verwesen deutlich langsamer als der Rest des Körpers.
09:17Herr Professor Lessig, wie machen Sie das? Wie geben Sie einem Toten seine Identität zurück?
09:22Das ist ein Teil der Obduktion, die wir durchführen, dass dieser Zahnstatus erhoben und dokumentiert wird.
09:29Und dann wird die Kriminalpolizei darüber informiert, dass sie bitte schauen soll, ob es irgendwelche Hinweise gibt,
09:36dass derjenige bei einem Zahnarzt Behandlung war, wo in Behandlung war.
09:42Oder wenn es länger nicht zum Erfolg führt, dann muss die Polizei gegebenenfalls auch mal an die Fachöffentlichkeit gehen.
09:49Das heißt also in zahnärztlichen Zeitschriften das Rundenbild oder den Zahnstatus publizieren,
09:54dass man hofft, dass ein Zahnarzt seinen Patienten wiedererkennt.
09:59Ich sehe hier vorne ein Röntgenbild. Wollen wir da einmal draufschauen?
10:02Dann können Sie mir vielleicht noch mal zeigen, was denn da aus Ihrer Sicht so unverwechselbar ist?
10:08Also hier haben wir eigentlich aus meiner Sicht ein sehr schönes Beispiel,
10:11weil wir sozusagen die verschiedenen Möglichkeiten, die der Zahnarzt bei der Behandlung und zum Zahnersatz hat.
10:18Also wir sehen hier ein Implantat zum Beispiel.
10:21Da kommen dann Kronen noch drauf, die dann die Lücke wieder schließen.
10:24Hier haben wir eine Brücke zum Ersatz eines fehlenden Backenzahnes.
10:28Und hier kommt zusätzlich noch dazu, das ist extrem selten, dass man einen überzähligen Backenzahn hat und davon auch nur
10:35noch eine Wurzel da ist.
10:37Das ist also das Bild, was vom Zahnarzt käme.
10:40Sie haben das Gegenstück dann im besten Fall, denn Sie haben ja die Leiche untersucht.
10:45Wir haben die Dokumentation der Befunde, gegebenenfalls haben wir auch eine CT-Untersuchung gemacht, wo wir so ein Bild erstellen
10:52können.
10:53Und dann können wir das sehr schön abgleichen.
10:54Vielen Dank, Herr Professor Lessig.
10:57Voraussetzung ist also, dass die Person mal beim Zahnarzt war und darauf hoffen auch die Ermittler im Fall der unbekannten
11:04Toten.
11:05Einige Tage nach dem Leichenfund bringt der Zahnstatus die Ermittlung schließlich einen großen Schritt weiter.
11:12Jede Menge Implantate hochwertig angefertigt und mit Identifikationsnummer.
11:17Ah, perfekt.
11:18Soll ich die Fotos und die Nummer direkt in die Presse rausgeben?
11:21Naja, wir brauchen uns mit mehr Reichweite und das schnell.
11:24Lass uns gleich zu Aktenzeichen XY gehen.
11:28Am 25. Juli 2018, nur knapp drei Wochen nachdem die unbekannte Leiche gefunden wurde, berichtet Aktenzeichen XY ungelöst über den
11:38mysteriösen Fall.
11:42Schatz, Essen!
11:43Herzlich Willkommen!
11:46Das Essen ist fertig!
11:50Der Zahnstatus der Frau ist recht...
11:52Kommst du?
11:54Die Nudeln werden kalt!
11:56Ganz konkret die Bitte an alle Zahnärzte nicht zuschauen.
11:58Schauen Sie sich dieses Röntgenwirt bitte nochmal ganz genau an.
12:06Alles klar, danke.
12:08Und?
12:09Das war eine Firma aus Berlin, die haben sich direkt gemeldet nachdem sie die Sendung gesehen haben.
12:13Wahrscheinlich sind die Implantate von denen.
12:15Wieso wahrscheinlich?
12:16Die müssen sie erst noch überprüfen.
12:18Hauptsitz in der Schweiz.
12:19Ich schicke denen gleich alles per Kurier.
12:21Okay.
12:21Dann ging es Schlag auf Schlag.
12:23Die Firma hat uns gesagt, wo diese Implantate, an welchen Zahnarzt die ausgeliefert wurden.
12:29Und der Zahnarzt hat uns dann relativ schnell geantwortet und gesagt, bei wem, bei welcher Person er diese verbaut hat.
12:37Am 9. August, genau fünf Wochen nach dem Leichenfund, wissen die Ermittler endlich, wer die Tote ist.
12:45Karin Sauer, 49, Frühprinsionärin, allein lebend aus Berlin.
12:49Beschieden?
12:50Nee, Kinder auch keine.
12:52War natürlich ein schönes Gefühl, nachdem man ungefähr fünf Wochen, wie gesagt, ins Leere gelaufen ist und auf der Stelle
12:58getreten hat.
12:59Ich frage mich, wie ist die von Berlin hierher gekommen?
13:04Von Berlin nach Jena sind es ungefähr 250 Kilometer.
13:07Und warum hat sie keiner vermisst gemeldet?
13:10Ich hoffe, das finden wir raus.
13:11Das hoffe ich auch.
13:13Also, auf nach Berlin.
13:17Jetzt?
13:17Ich habe mich schon angemeldet.
13:20Die Kripo in Jena, die hat einen Durchsuchungsbeschluss für die Wohnung von Frau Sauer bekommen.
13:26Das heißt, von der Staatsanwaltschaft Gera.
13:29Und es war eigentlich angedacht, dass man da recht zügig reingeht, um weitere Erkenntnisse dann zu bekommen.
13:35Und das haben wir uns dann gemeinsam in Berlin überlegt, ob das so schlau ist, sofort reinzugehen.
13:40Wir haben morgen einen Durchsuchungsbeschluss für Karin Sauers Wohnung bekommen, aber wir warten noch.
13:44Wir gehen noch nicht rein.
13:45Wenn unsere Theorie stimmt, dass sie wirklich ermordet wurde, dann starb der Täter vermutlich aus ihrem näheren Umfeld.
13:50Und wenn wir jetzt Anwohnerbefragungen durchführen, dann schrecken wir den Täter womöglich nur auf.
13:54Genau. Deshalb observieren wir und wundschaften die Umgebung aus.
13:58Karin Sauers Leiche wurde vor knapp fünf Wochen gefunden in der gesamten Zeit.
14:01Und auch davor hat niemand sie als vermisst gemeldet.
14:04Wenn jemand so lang weg ist, dann müsste doch eigentlich der Briefkasten überquillen, oder?
14:08Das sei denn, jemand lehrt ihn.
14:09Genau.
14:10Ihr zwei überprüft das bitte und schaut euch auch die Wohnungstür an, ob sich daran jemand zu schaffen gemacht hat.
14:15Alles klar.
14:16Ich habe heute übrigens nur eine kleine Pension bekommen. Ich schätze mal, reich war sie nicht.
14:20BG?
14:21Müssten wir uns mal die Konten anschauen.
14:23Ja, ich check's up.
14:24Haben wir sonst noch was?
14:26Vor fünf Jahren ist ihre Mutter gestorben und seitdem hat sie ziemlich zurückgezogen gelebt.
14:30Okay, also kaum soziale Kontakte.
14:33Menschen ohne soziales Netz sind gefährdeter Opfer eines Verbrechens zu werden.
14:38Denn zunächst fällt es niemandem auf, so wie in unserem Fall.
14:41Darüber spreche ich jetzt mit dem Soziologen Dr. Janosch Schubin.
14:45Hallo, Herr Schubin.
14:46Hallo, Herr Faust.
14:48Sagen Sie, welche Gefahren bestehen für Menschen, die sozial isoliert leben?
14:52Also wenn man auf Verbrechen schaut, ist es halt so, dass Menschen, die vereinsamt sind, häufig starke soziale Bedürfnisse haben
14:59nach Liebe, nach Zugeeinigung, nach Kontakt.
15:01Und das lässt sich ausnutzen. Also für so bestimmte Betrugsmaschen sind die, wenn man so will, prädestinierte Opfer.
15:07Fehlt Menschen, die einsam sind, einfach auch diese Referenz, dass einem jemand mal sagt, das, was du gerade machst, ist
15:15Blödsinn oder passt da mal auf?
15:17Ich sag mal, das ist so ein bisschen wie in der Notfrist der Teufel fliegen. Einsamkeit muss man sich so
15:21ein bisschen wie einen sozialen Hunger vorstellen.
15:23Und wenn man großen Hunger hat, dann nimmt man auch Sachen, die man normalerweise vielleicht nicht essen würde, als Festmahl
15:28an.
15:28Und so ähnlich ist das hier auch. Das heißt, das Bedürfnis, das, was man da braucht, das überschreibt dann gewissermaßen
15:34auch das natürliche Misstrauen.
15:35Kann man sich denn vor Einsamkeit und Vereinsamung schützen? Das ist jetzt zugegebenermaßen ein sehr, sehr großes Thema.
15:42Naja, am besten ist, wenn man das nicht selber machen muss. Am besten ist tatsächlich, wenn es, ich sag mal,
15:46eine lokale Stützstruktur gibt.
15:48Wenn es zum Beispiel eine Nachbarschaft gibt, die einen trägt, wenn man eingebunden ist in das Soziale um einen herum,
15:53dann ist es wesentlich schwieriger, dass einem so etwas passiert.
15:56Wir haben in Deutschland ziemlich viele Initiativen aktuell, die das probieren. Also im Rahmen zum Beispiel von Quartiersarbeit, Quartiersmanagementprogrammen.
16:04Teilweise machen das auch Hausmeister mittlerweile in Wohnungsbaugenossenschaften, die sich dann wirklich so um das Soziale kümmern und gucken, dass
16:10keiner irgendwie hinten runterfällt.
16:12Und sowas braucht man letzten Endes.
16:13Und es muss auch nicht immer zu einem Verbrechen kommen. Einsamkeit alleine ist schon schlimm.
16:17Ja, tatsächlich. Ich meine, die meisten Risiken, die einsame Menschen haben, sind tatsächlich relativ banal.
16:24Also wenn man vereinsamt lebt und ständig einsam ist, dann ist der Organismus gestresster.
16:29Man wird leichter krank, man kriegt leichter zum Beispiel Herz-Kreislauf-Erkrankung.
16:32Und wenn dann zum Beispiel was alleine in der Wohnung passiert und man liegt da, dann kommt niemand.
16:37Also wir haben eine starke Zunahme von Menschen, die alleine versterben und die am Ende keine Angehörigen haben, die sie
16:42noch bestatten.
16:43Und wir haben halt mehr sogenannte Wohnungsleichen tatsächlich.
16:46Also Menschen, die einfach lange liegen, bevor auffällt, dass sie verstorben sind.
16:52Und das hängt mit Vereinsamung zusammen.
16:55Vielen Dank, Herr Schubin.
16:56Vielen Dank für das Gespräch.
16:58Karin Sauer lebte in Berlin, mitten in der Großstadt, mitten in einem riesigen Wohnkomplex mit vielen Mietern.
17:04Und doch hat sie niemand vermisst.
17:06Warum das so war, das müssen die Ermittler erst noch klären.
17:18Hartgeschosswohnung.
17:22Ist leer.
17:23Ich geh rein.
17:25Ich tu die Testzeitung rein.
17:32Wir haben ein eigenes Werbeblättchen, wie es in jedem Berliner Bezirk sowas gibt, dann auch in den Briefkasten gelegt.
17:39Um dann festzustellen, ob diese Zeitung dann irgendwann rausgenommen wurde.
17:44Von wem wissen wir natürlich nicht.
17:47Aber unsere Hoffnung war, dass der mögliche potenzielle Täter diesen Briefkasten leert und dann vielleicht mit der Zeitung unterm Arm
17:55aus dem Haus kommt.
18:04Keine erkennbaren Einbruchsspuren.
18:10Guten Tag. Kann ich helfen?
18:12Guten Tag. Wir sind von der Versicherung. Wir haben die Anlage überprüft. Die Türe offen.
18:17Ach, davon wusste ich überhaupt nicht. Brauchen Sie noch was?
18:21Nein. Wir sind gerade fertig. Scheint alles in Ordnung zu sein.
18:23Danke.
18:34Es gibt keine Anzeichen für einen Einbruch. Aber der Briefkasten wurde geleert. Vielleicht vom Täter.
18:41Oder eine Nachbarin.
18:43Sollen wir die Nachbarn befragen?
18:44Nein, nein, nein. Zieht euch erstmal wieder zurück. Bis später.
18:50Und? Wie sollen wir weitermachen?
18:52Naja, wenn wir niemanden aufscheuchen wollen, bleibt ja nur noch eine Möglichkeit.
18:56Observieren.
18:57Genau.
18:58Diese technische Observation war für uns sehr wichtig, um festzustellen, wer wohnt in diesem Haus, wer ist vielleicht nur Besucher.
19:08Und wer geht nur kurz ins Haus, vielleicht an einem Briefkasten, nimmt was raus und geht dann wieder raus.
19:15Und dann auch zu bestimmten Zeitpunkten. Und haben natürlich die große Hoffnung gehabt, dass derjenige, der für den Tod von
19:23Frau Sauer verantwortlich ist, auch ins Haus geht.
19:26Und wir die Person möglicherweise auch danach identifizieren können.
19:33Zwei Tage später, am 13. August, haben die Ermittler bereits erste verdächtige Bilder vorliegen.
19:40Das könnte unser Mann sein. Er geht rein, kurz danach wieder raus und ist um 5.42 Uhr.
19:45Bisschen ungewöhnliche Zeit, um den Briefkasten zu leeren.
19:49Das heißt, man möchte nicht gesehen werden.
19:52Wir müssen wissen, ob das unsere Testzeitung mit der herausgekommen ist. Kannst du das bitte überprüfen?
19:56Klar, mach ich.
19:58Auf den Videoaufnahmen war schon nach kurzer Zeit eine männliche Person zu sehen, die ins Haus reinging und nur kurz
20:06drin blieb, wieder rauskam mit Post in den Händen.
20:09Und die war für uns markant und interessant, weshalb wir nicht ausschließen konnten, dass es sich tatsächlich um die Person
20:17handelt, die den Briefkasten von Frau Sauer lehrte.
20:21Karin Sauer hatte noch eine Tante. Wie die Polizei ermittelt, gab es zwischen beiden aber nur wenig Kontakt.
20:27Die Tante ist 80 und lebt am anderen Ende der Stadt. Ich würde sagen, damit scheidet sie als Verdächtige aus.
20:32Unwahrscheinlich, dass sie den Briefkasten leert.
20:35Wir müssen sie trotzdem befragen. Sarah, kannst du das bitte machen?
20:38Ja, vielleicht kann sie uns ja noch mehr zu ihrer Nichte sagen und zu ihren Kontakten.
20:44Was ist passiert?
20:46Wir wissen es noch nicht. Aber wir glauben, ihre Nichte wurde Opfer eines Gewaltverbrechens.
20:53Ich kann mir nicht vorstellen, dass irgendjemand Karin etwas angetan hat.
20:59Auch wenn wir schon lange keinen Kontakt mehr hatten, aber das ist schrecklich.
21:06Wissen Sie, nach dem Tod meiner Schwester, also Karins Mutter, nachdem sie gestorben ist, haben wir uns irgendwie auseinandergelebt.
21:35Das war Karin, als sie klein war. Sie war oft hier.
21:38Ja, hätte ich mich nur mal gemeldet. Ich mache mir solche Vorwürfe.
21:47Das müssen Sie nicht. Fällt Ihnen noch irgendetwas ein, das uns helfen könnte?
21:52Wissen Sie, ob ihre Nichte in einer Beziehung war?
21:55Nicht, dass ich wüsste.
21:58Wissen Sie, Karin hat eigentlich immer mehr für sich gelebt.
22:03Ja, aber etwas war da.
22:07Sie wollte eine Reise machen nach Florida mit einem Nachbarn.
22:16Ich fand das auch merkwürdig.
22:18Warum?
22:19Also, er war verheiratet, hieß es, und seine Frau hatte Flugangst und wollte deshalb nicht mitreisen.
22:28Also, ich fand es auch komisch.
22:30Wissen Sie denn den Namen des Nachbarn?
22:34Nein.
22:35Eigentlich.
22:40Diese Florida-Geschichte ist doch komisch, oder?
22:44Wollen wir nicht doch alle männlichen Nachbarn abchecken?
22:46Nein, nein, nein.
22:47Falls es diesen Nachbarn tatsächlich gibt und er irgendwas mit der Sache zu tun hat, dann würden wir ihn ja
22:52einfach nur unnütz warnen.
22:53Wir müssen erstmal rausfinden, wer dieser Mann ist.
22:58Die Bank war schnell. Ich hab die Kontodaten von Karin Sauer.
23:03Und jetzt haltet euch fest.
23:0520 Abbuchungen von ihrem Konto von Ende Juni bis heute.
23:09Ach.
23:10Und was auffällig ist, bis zum Juni hat die Frau regelmäßig nur kleinere Beträge abgehoben.
23:17Am 22. Juni um 10.23 Uhr waren es noch 90 Euro und dann plötzlich 600 Euro am selben Tag
23:27um 12.30 Uhr.
23:28Wahrscheinlich wurde sie zwischen halb elf und halb zwölf auch getötet und der Täter ist dann direkt los und hat
23:33das Geld abgehoben.
23:33Mhm.
23:34Wie viel Geld wurde insgesamt abgehoben?
23:37Etwa 8.000 Euro. Der Dispo ist komplett aufgebraucht.
23:40Das ist auch nicht alles. Sie hat im Mai eine Kreditkarte beantragt. Die erste in ihrem Leben.
23:47Vermutlich für die Reise. Die Frau wollte angeblich nach Flaude da.
23:52Okay, ja mit der Kreditkarte wurden auch nochmal 8.000 Euro abgehoben.
23:56Okay, also insgesamt 16.000 Euro. Da hat ja wohl jemand dringend Geld gebraucht.
24:01Ja.
24:03Gute Arbeit, BG.
24:06Auf das Konto wurde im Zeitraum vom 22. Juni bis 14.8. 2018 insgesamt 69 Mal zugegriffen.
24:1738 Mal hat der Zugriff dann nicht geklappt, aus unterschiedlichen Gründen.
24:21Aber bei allen anderen Malen wurden mehrere hundert Euro abgehoben.
24:26BG, wir brauchen das Überwachungsmaterial der unterschiedlichen Geldautomaten.
24:29Ich habe schon einen gefragt.
24:31Okay, also irgendjemand räumt immer wieder die Konten der Toten leer.
24:34Aber ist das auch derselbe, der den Briefkasten leert?
24:37Und ist derjenige auch dieser Nachbar, mit dem sie angeblich verreisen wollte?
24:42Wer auch immer dieser Mann hier ist, falls er unser Täter ist, kommt er wieder.
24:47Wir können nicht riskieren, dass jemand misstrauisch wird wegen eines Überquellen im Briefkastens.
24:53Wir wollten noch nicht in die Wohnung reingehen, weil einfach die große Gefahr immer noch da war, dass er etwas
24:59von dem Polizeieinsatz mitbekommt und dann möglicherweise Beweismittel verschwinden lässt.
25:04Die technische Observation lief weiter und er kam tatsächlich ein zweites Mal, auch wieder in den frühen Morgenstunden.
25:10Die Ermittler behalten Recht mit ihrer Taktik. Nur fünf Tage später, am 18. August, ist der Mann wieder da.
25:20Das ist er wieder.
25:22Hat Biggie schon was rausgefunden mit den Überwachungsvideos von den Banken?
25:26Die ist noch dran.
25:37Ich bin's. Ich hab was.
25:41Der Mann auf den Bildern, sowohl bei der Observation am Haus als auch die Bankbilder, war eine männliche Person, mehr
25:51auch nicht.
25:52Deswegen konnten wir natürlich auch nicht sagen, ob es sich um den mutmaßlichen Täter handelt, ob es eine Person aus
25:58dem Umfeld von Frau Sauer ist.
26:00Auch sowas wäre nicht ausgeschlossen, dass jemand möglicherweise auch berechtigt ihre Karte benutzt.
26:05Tja, das ist eindeutig derselbe Typ.
26:08Und ich wette, der ist auch Frau Sauers Nachbar, mit dem sie wegfliegen wollte. Sollen wir jetzt die Anwohner befragen?
26:13Nee, nee, nee. Lass uns erst mal nur den Hausmeister ins Boot holen. Vielleicht kennt er den Mann ja. Guck
26:18mal, hast du dich drum?
26:18Mach ich.
26:22Wir haben dann den Hausmeister erneut aufgesucht dort und der Hausmeister wurde befragt.
26:28Ihm wurde aber nicht viel vom Sachverhalt erzählt, lediglich, dass Frau Sauer vermisst wird.
26:32Und wir versuchen sie zu finden, Hinweise zu bekommen, er darüber bitte nicht sprechen solle und wir ihm gerne ein
26:39Bild vorlegen wollen.
26:41Kennen Sie diesen Mann?
26:42Ja, klar. Das ist der Lars. Lars Kleinert. Netter Mann. Und auch hier in der Siedlung ein Haus weiter mit
26:50seiner Familie.
26:51Lars Kleinert, da sind Sie sicher?
26:53Ja, ganz sicher. Hat ja etwa was mit dem Verschwinden von der Frau Sauer zu tun.
26:57Geben Sie uns noch die genaue Hausnummer?
26:59Ja, sicher. Das ist die 4B da hinten.
27:03Danke.
27:04Unser Ziel war auch jetzt nicht, noch mehr zu erfahren, sondern uns war wichtig, dass die Person identifiziert wird.
27:11Lars Kleinert, 41, verheiratet zwei Kinder. Seit ein paar Jahren arbeitslos. Außerdem ist er hoch verschuldet.
27:20Damit wäre ein wirkliches Motiv Geld.
27:23Sonst noch was?
27:252015 ist Kleinert verurteilt worden wegen kleinerer Delikte.
27:30Mord gehört jedenfalls bisher nicht dazu.
27:33Und wir haben immer noch keinen Beweis, dass er Karin Sauer getötet hat.
27:38Letztlich könnte sie sogar eines natürlichen Todes gestorben sein.
27:41Wir nutzen als Überraschungsmoment.
27:45Also fahren wir richtig groß auf.
27:46Das ganze Orchester.
27:48Wenn er wirklich der Täter ist, muss er das Gefühl haben, dass er aus der Nummer nicht mehr rauskommt.
27:52Das sagen, er redet.
27:54Wir mussten natürlich dann auch überlegen, wie können wir ihm die Tat nachweisen.
27:59Und auch aus Erfahrung ist es oft gut, einen Täter zu überraschen.
28:06Also man hätte ihn jetzt nicht unbedingt vorgeladen und er soll zur Dienststelle kommen und wir hätten ihn befragt, ob
28:13er Frau Sauer kennt.
28:14Sondern hier gab es schon Verdachtsmomente, weshalb eine Festnahme gerechtfertigt war.
28:22Es ist der 21. August 2018, als die Ermittler um 6 Uhr morgens zugreifen.
28:32Polizei! Polizei! Fühlt sich sicher!
28:36Polizei!
28:38Wurden Sie werden gesichert! Keine Bewegung!
28:40Hände!
28:45Herr Kleinert, Sie stehen unter dringendem Verdacht, Frau Karin Sauer.
28:49Was ist hier los? Lars!
28:51Frau Kleinert! Was ist hier los? Was macht das mit meinem Mann?
28:53Was soll das denn? Meine Kinder!
28:56Meine Kollegin kümmert sich um Ihre Kinder.
28:58Wo sind Ihre Kinder?
28:59Papa!
29:00Herr Kleinert, ich bin Kriminalhauptkommissar Holländer.
29:03Mein Kollege Mark hört von der Kripo Jena.
29:06Ich habe mich schon gefragt, wann Sie endlich kommen.
29:08Gegen Sie liegt ein Haftbefehl vor.
29:10Sie werden verdächtigt, Frau Karin Sauer getötet zu haben.
29:12Sie sind hiermit festgenommen.
29:16Aufstehen!
29:18Wie, Herr Brücken?
29:22Wir wollten ihn deswegen überrumpeln, weil wir ja wussten, dass er bestimmte Gegenstände des Opfers bei sich hat.
29:31Dass die in seinem Besitz sind.
29:32Beispielsweise eine Bankkarte, mit der er die Abhebung gemacht hat.
29:35Und wir wollten natürlich keinen Beweismittelverlust vor Ort.
29:38Und deswegen geht man natürlich schnell in die Wohnung rein, sichert die, dass also durch Täterseite keine Veränderungen mehr durchgeführt
29:45werden.
29:46Herr Kleinert, die Bankkarten von der Frau Sauer, die sind nicht zufällig hier?
29:50Da ist alles drin.
29:53In der Tasche?
30:08Sind das die Schüssel zur Wohnung von Frau Sauer?
30:12Alles klar. Nehmen wir ihn mit.
30:16Und meine Frau?
30:18Die werden wir auch vernehmen.
30:43Hier drin sind der Wohnungsschlüssel und die Bankkarten der Drücken.
30:45Gibt es irgendwas Konkretes von nach wie so?
30:48Blut, eine mögliche Tatwaffe. Leider kennen wir die Todesursachen noch nicht.
30:53Alles klar. Wir drehen alles auf links.
30:55Super.
30:59Von der Einsatzdurchführung war das von den Berliner Kollegen gut vorbereitet und letztendlich auch dann überschaubar.
31:07Wir haben also den Zugriff gemacht, die Festnahme. Und als wir dann mit ihnen aus der Wohnung raus waren, haben
31:13die Berliner Kollegen ganz sauber ihre Wohnung abgearbeitet und ganz sauber getrennt von dem anderen seine Wohnung.
31:28Ich habe sie nicht wegen dem Geld umgebracht.
31:31Sondern?
31:33Das war ein Streit.
31:35Wir.
31:37Wir hatten ein Verhältnis.
31:40Ich habe sie letztes Jahr ganz zufällig kennengelernt.
31:47Warten Sie, ich helfe Ihnen. Moment.
31:50Das haben wir gleich.
31:51Danke.
31:54Müssen Sie noch weit?
31:56Ich wohne gleich da.
31:59Ach, hier gleich.
32:01Schöner Zufall.
32:02Haben wir uns noch gar nicht gesehen?
32:06Komisch.
32:07Ist auch nicht.
32:09Jetzt.
32:11Geht das so?
32:13Ja, Dankeschön.
32:14Ich geh dann.
32:20Guten Appetit.
32:22Danke.
32:24Da bin ich immer mal wieder zu ihr und ich habe ihr auch mal was geholfen, wenn sie was zu
32:28reparieren hatte.
32:31Sie war sehr einsam.
32:34Ich hatte keine Freunde.
32:37Nur ihre Katze.
32:40Er hat sie abgöttisch geliebt.
32:49Das arme Tier.
32:54Ich gebe dem Tierheim Bescheid.
32:56Ich bin einfach sehr allein und...
33:00Wissen Sie, ich hatte schon seit längerem Probleme mit meiner Frau.
33:07Dann seit diesem Jahr habe ich die Affäre angefangen.
33:11Wo ist die Ehefrau davon?
33:16Nein.
33:18Die Ehefrau von Herrn Kleinert ist aus allen Wolken gefallen, dass da eine nähere Beziehung zu dieser Frau stattgefunden haben
33:28soll, dass da eventuell so intime Momente stattfanden und dass ihr Ehemann eine Reise geplant hat, die in die USA
33:37gehen sollte.
33:38Wissen Sie, Frau Sauer ist eigentlich gar nicht mein Typ.
33:41Frau Sauer?
33:43Also, äh, Karin meinte ich.
33:46Ich stehe ja eigentlich auf ganz andere Frauen.
33:50Aber es hat mir geschmeichelt, dass sich meine Nachbarin, also Karin, so für mich interessiert hat.
34:00Er hatte in der Vernehmung ganz selten ihren Namen benutzt.
34:04Was mir den Eindruck gemacht hat, dass die beiden gar nicht so eng gewesen sind, wie er uns das suggerieren
34:12wollte.
34:12Für mich war es nur eine Affäre.
34:15Aber für sie...
34:18Für sie war es mehr.
34:20Also letztendlich für diese Liebesbeziehung gab es wohl keine richtigen Zeugen.
34:26Es war so ein, wenn eine Geschichte zwischen den beiden, die es ja auch bewusst geheim gehalten haben, eben weil
34:31er verheiratet war.
34:33Wenn es nur eine Affäre war, warum wollten sie dann mit ihr verreisen?
34:38Wollte ich nicht.
34:40Ich hab sie nur hingehalten.
34:44Aber sie hat es einfach nicht gut sein lassen.
34:48Sie hat mich immer wieder bedrängt, dass ich meine Frau verlasse.
34:51Sie wollte mit mir richtig zusammen sein.
34:54Aber ich...
34:56Ich hatte nie die Absicht, meine Frau zu verlassen.
35:02Deshalb haben sie sie getötet.
35:08Jan wollte an dem Tag zu meiner Frau gehen und ihr die Wahrheit sagen.
35:13Sie ließ sich nicht aufhalten und dann...
35:17Dann sind mir die Nerven durchgegangen.
35:23Du bleibst dir, ich hab's klar!
35:25Du bleibst dir, ich hab's klar!
35:26Du bleibst dir!
35:26Ich hab's gesagt, du bleibst dir!
35:28Du bist deine Frau!
35:29Du bleibst dir!
35:33Du bleibst dir!
35:34Du bleibst dir!
35:35Du bleibst dir!
35:36Du bleibst dir!
35:37Du bleibst dir!
35:38Ich hab's so stark zugedrückt, dass ich am nächsten Tag Muskelkarte hatte.
35:45Ich wollte das nicht.
35:48Er hat sehr offen und sehr intensiv über die Tat gesprochen.
35:52Er hat also keine für ihn negativen Momente ausgelassen.
35:57Aber er hat sich ganz klar dagegen verwehrt, dass er diese Tötung im Vorfeld schon geplant hatte.
36:03Wann war das?
36:05Der Tag, an dem Sie Karrensauer getötet haben?
36:08Weiß ich nicht mehr.
36:10Irgendwann im Juni.
36:11Aber wir wissen es.
36:14Am 22. Juni morgens um circa halb zehn wurden von Frau Sauers Konto noch 90 Euro abgehoben.
36:21Das war sie selber, weil sie immer nur kleinere Beträge entnommen hat.
36:24Um 12.30 Uhr wurden von ihrem Konto dann 600 Euro abgehoben.
36:30Vermutlich von Ihnen.
36:33Sie können Sie also gar nicht im Affekt getötet haben?
36:38Warum?
36:38Weil Sie erstmal Zeit gebraucht hätten, um damit klar zu kommen.
36:42Sie wären nicht so schnell losgegangen und hätten Geld geholt.
36:46Ich weiß nicht mehr, was wann wie war.
36:50Über was ich weiß.
36:51Ich habe danach einfach die Situation ausgenutzt.
36:54Ausgenutzt?
36:55Ja.
36:57Meine Nachbarin brauchte das Geld ja jetzt nicht mehr.
36:59Und außerdem, wenn ich sie gefragt hätte, dann hätte sie mir das Geld doch eh gegeben.
37:05Sie hätte mir sogar meinen Computer geschenkt.
37:07Ich hätte sie doch wegen dem Geld nicht umbringen müssen.
37:10Ich hätte nur fragen müssen.
37:12Okay, was haben Sie dann mit der Leiche gemacht?
37:17Erstmal nichts.
37:19Ich wusste nicht, was ich tun sollte.
37:25Ich habe dann meine Nachbarin, also Karin, erst mal in die Badewanne gelegt.
37:34Ich habe sie dann zwei Tage liegen gelassen und mir dann ein gebrauchtes Auto gekauft und einen großen Rollkoffer.
37:44Da habe ich sie dann reingepackt, um sie aus der Wohnung zu kriegen.
38:02Dann bin ich erst mal rumgefragt.
38:06Dann musste ich nicht, wo ich sie ablegen sollte.
38:10Bis ich dann irgendwann in Jena gelandet bin und dieses Feld gefunden habe.
38:16Ich hatte keinen Spaten da.
38:18Da habe ich alles mit den Händen gemacht.
38:22Na ja.
38:38Das war ja alles nicht geplant.
38:42Sie müssen mir glauben, ich wollte das alles nicht.
38:47Was haben Sie da mit dem Rollkoffer gemacht?
38:50Den habe ich zerschnitten und an einer Raststätte abgelegt.
38:54Dann bin ich heim.
38:56Sagen Sie, hat sich Ihre Frau nicht gewundert, dass Sie plötzlich so viel Geld hatten?
39:01Schon.
39:03Aber ich habe ihr erzählt, ich arbeite zwei bis dreimal die Woche als Kurierfahrer.
39:07Ich bin dann, damit meine Frau mir das abnimmt, immer in die Wohnung meiner Nachbarin, die Katze geführt hat.
39:14Und wenn die Zeit um war, bin ich wieder heim.
39:22Endlich konnte ich meiner Familie mal was Gutes tun.
39:25Also er hat dann Essen gekauft, auch für die Familie.
39:29Er hat auch mal zum Essen eingeladen, ist mal ausgegangen.
39:33Was vielleicht vorher im Rahmen seiner knappen finanziellen Möglichkeiten nicht so häufig der Fall war.
39:38Er hat auch das eine oder andere G gekauft.
39:42Bekleidung, was für ein Haushalt.
39:45Aber vorrangig hat er Geld für Computerspiele.
39:49Und vereinzelt war er auch wohl bei Prostituierten, hat dort Geld ausgegeben.
39:53Sie müssen mir glauben.
39:55Es war nur im Affekt.
39:58Ich bin kein Börder.
39:59Wir haben dann nach seinem Geständnis alle Informationen zusammengetragen.
40:05Ihn dann vor einen Richter auch vorgeführt.
40:09Und die Anregung von mir war dann auch, dass er wegen Mordes aus Habgier einen Haftbefehl erhalten sollte.
40:18Dieser Haftbefehl ist dann auch ergangen.
40:20Und entsprechend war auch die Anklage der Staatsanwaltschaft.
40:23Weil in den weiteren Ermittlungen sich natürlich herausgestellt hat, wie sehr er sich bereichert hat.
40:29Und dass möglicherweise seine Aussage dieses Streits eine Schutzbehauptung sein könnte.
40:36Ob wir Mord nachweisen können?
40:39Für ein geringeres Strafmaß könnte er uns das alles aufgetischt haben.
40:42Totschlag statt Mord.
40:44Wäre ich der Erste mit der Strategie.
40:48Gibt's noch irgendwas Relevantes von der Spurensicherung, was wir noch nicht wissen?
40:51Es läuft noch. Bislang keine tatrelevanten Spuren.
40:56Dann überprüfen wir mal seine Aussage und schauen, ob er die Wahrheit gesagt hat.
40:59Okay.
41:01Herr Isenberg, Herr Holländer, gab es aus Ihrer Sicht irgendwelche Hinweise darauf,
41:05dass es eine Liebesbeziehung gab zwischen Täter und Opfer?
41:09Unsere Ermittlungen haben keine Hinweise für eine Liebesbeziehung ergeben.
41:15Also weder in Ihrer Wohnung noch in seiner Wohnung haben wir irgendwas gefunden.
41:17Das Einzige, was wir hatten, war seine Aussage, dass es eine Liebesbeziehung gegeben haben soll.
41:25Herr Holländer, die Art und Weise, wie er das Opfer getötet hat, was hat Ihnen das gesagt?
41:30Wir haben seine Aussage, dass es eine Affekttat war, dass er offensichtlich Angst davor hatte,
41:35dass die Beziehung, die er mit ihr hatte, die er uns erzählt hat,
41:39dass die von der Geschädigten offengelegt wird,
41:42dass damit seine Ehe und seine ganze Zukunft gefährdet ist.
41:45Und ob man ihm diese Affekttat abnehmen kann, das fragt mich.
41:49Was für uns sehr ungewöhnlich war, dass ein Täter nach einer solchen wirklich schrecklichen Tat
41:54nicht erst mal sich zurückzieht, sondern sofort mit der Bankkarte des Opfers
41:59zum Bankschalter geht und 600 Euro abhebt, ist schon wirklich sehr ungewöhnlich
42:03und spricht dann doch eher für eine Planung, dass man ja tötet, um Geld zu bekommen
42:10und nicht nach einem Konflikt überrascht ist und sagt, ja, jetzt ist sie tot,
42:15jetzt kann ich auch das Geld holen.
42:16Die eigentliche Tat, nämlich erwürgen, spricht nicht unbedingt für eine Planung,
42:21sondern oft im Konflikt, dass dann tatsächlich das, was man zur Verfügung hat,
42:27nämlich die körperliche Kraft, dann auch als Tatwerkzeug, nämlich die Hände eingesetzt werden.
42:31Und deswegen ist es möglicherweise tatsächlich eine Affekttat,
42:36weil die Planung nach der eigentlichen Tötung ist katastrophal.
42:40Ja, also wenn ich so einen Plan gehabt hätte, die Frau zu töten, wäre ich anders vorgegangen.
42:44Ich hätte zum Beispiel schon den Koffer gehabt, den er ja erst hinterher gekauft hat
42:48in einem nahegelegenen Laden. Ich hätte mich genau informiert, wo lege ich den Leichnam ab.
42:52Und wenn ich den Leichnam so ablegen will, wie er das nachher gemacht hat,
42:57dann lege ich die Leiche nicht so ab, dass die halb bedeckt im Erdreich liegt
43:01und ansonsten offen. Dann nehme ich mir einen Spaten mit oder sehe zu,
43:05dass ich die irgendwo vergrabe, wo vielleicht nicht ein Hund oder ein Spaziergänger langläuft.
43:10Herr Isenberg, Herr Holländer, vielen Dank.
43:13Anfang April 2019 beginnt vor dem Landgericht Berlin der Prozess gegen Lars Kleinert.
43:19Ein Mord kann ihm das Gericht nicht nachweisen, denn es gibt kaum Zeugen und niemanden,
43:24der sagen kann, ob es tatsächlich eine Liebesbeziehung zwischen Täter und Opfer gab.
43:29Wegen Totschlags und Plünderung der Konten wird Lars Kleinert zu elf Jahren Haft verurteilt.
43:35Das war XY gelöst. Mein Name ist Sven Voss.
43:51leisaat ordereden.
43:53Erwer ist einsser Verschuldigung an und Satellen der Krage Lux.
43:54dough setz dich aus.
43:54cualquier Katastyn, der permet die Leicheや Stdauern des Militärs fingers Han�.

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