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  • vor 23 Minuten

Kategorie

🎈
Spaß
Transkript
00:05Musik
00:29Also für mich ist ein gesunder Ausgleich zwischen Arbeit und Freizeit unverzichtbar.
00:34Eine Fünf-Tage-Woche kommt also nicht in Frage.
00:37Ja, ich bin ehrlich. Ich bin hier, um Erfahrung zu sammeln.
00:41Ja, um dann zu einer der großen Kanzleien zu wechseln, wo es dann wichtig zur Sache geht.
00:46Und um Fälle mit großen Streitsummen und wo nach Stunden abgelechnet wird.
00:51Für mich ist natürlich Gerechtigkeit an erster Stelle, aber auch die Umwelt. Vor allem die Umwelt.
00:57Außerdem wollen meine Freundin und ich gerne Kinder haben und ich will die auf jeden Fall mit ihr zusammen großziehen.
01:02Es sollte deshalb bereits im Vertrag festgelegt sein, dass eine Elternteilzeit möglich ist.
01:07Obwohl diese Kanzlei, wie ich doch annehme, weniger als 15 Angestellte hat.
01:14Ich würde auf gar keinen Fall MandantInnen vertreten, die gegen Umweltschutzauflagen verstoßen haben.
01:18Oder die Klagen gegen KlimaaktivistInnen anstrengen wollen.
01:23Und das Büro, in dem ich arbeite, das muss papierlos sein.
01:28Also ich sehe jetzt hier überall Akten. Das ist für mich Ressourcenverschwendung, an der ich mich nicht beteiligen kann.
01:37Und wenn Mandantenbesuche bei Ihnen der Regelfall sind, brauche ich natürlich einen angemessenen Dienstwagen.
01:50Dienstwagen.
01:54Obwohl.
01:56Nein.
01:59Also das war doch nur peinlich oder etwa nicht? Für was brauchen wir überhaupt einen weiteren Anwalt?
02:03Du solltest lieber die Chefin davon überzeugen, dass sie hier wieder mitarbeitet.
02:06Charlie, Isa hat das Recht, sich eine Auszeit zu nehmen und ich will sie nicht drängen.
02:10Aber wir müssen regelmäßig Mandanten ablehnen. Das können wir uns nicht leisten.
02:13Aber sie hat ja selbst vorgeschlagen, noch einen Anwalt einzuschieben.
02:18Ha, und dass Sie hier ständig auftauchen und was zu essen mitbringen, macht die Sache überhaupt nicht besser.
02:21Sie würden uns nämlich mehr helfen, wenn Sie hier wieder mitarbeiten, statt sich einen Lenz zu machen.
02:25Das heißt, Sie wollen keine belegten Brote?
02:26Doch, ich will belegte Brote. Ich bin stocksauer und gestresst.
02:29Das sorgt für die Ausschüttung von Adrenalin und Cortisol.
02:32Außerdem gibt die Leber mehr Zucker ins Blut.
02:33Das treibt den Insulinspiegel nach oben und es tut heißhunger.
02:38Guten Morgen.
02:38Guten Morgen.
02:40Was ist denn hier los?
02:41Er verliert seine Zulassung, die Kanzlei wird geschlossen und ich sitze ohne Job auf der Straße.
02:45Das ist zwar übertrieben, aber wir haben wirklich ein Problem.
02:48Wie wäre es, wenn wir jetzt erstmal uns hinsetzen?
02:52Ich habe dir doch von einem Freund erzählt, der Baumaschinen verkauft hat, die gar nicht existieren.
02:59Ehemaliger Freund.
03:00Ja, sowas von ehemalig.
03:02Ja, aber das Mandat hattest du doch abgelehnt.
03:04Ja, der behauptet jetzt, dass ich seine Unterlagen an die Staatsanwaltschaft weitergegeben habe und verklagt mich wegen Parteiverrat und Verstoß
03:13gegen meine Schweigepflicht.
03:14Ja, hast du aber doch nicht gemacht, oder?
03:16Natürlich nicht, aber was macht das für einen Unterschied?
03:18Aber der behauptet, dass er seine Firma ohne diesen Verrat hätte sanieren können und dass mein angeblicher Verrat also einen
03:26hohen finanziellen Schaden verursacht hat, den er von mir ersetzt haben will.
03:29Ja, wenn er mit dieser Klage Erfolg haben sollte, dann kommt als nächstes ein Zivilverfahren, in dem er wahrscheinlich einen
03:35sehr hohen Schadensersatz fordern wird, der uns ruinieren könnte.
03:37Charlie, du übertreibst.
03:39Na, also für mich hört sich das ernst an.
03:43Isa, seit es diese Kanzlei gibt, purzelt sie von einer Krise in die andere.
03:47Gangster sind ja eingedrungen, haben Menschen entführt, wir wurden von der russischen Mafia gejagt, unsere alte Kanzlei, die wurde abgebrannt.
03:54Und wir mussten uns vor einer kriminellen Clanfamilie in einem Musterhaus verkriechen und das ist eben eine weitere Krise, der
04:02garantiert noch diverse andere Folgen werden.
04:04Und nimm dir so viel Zeit, wie du brauchst.
04:08Ich hab alles im Griff.
04:10Und jetzt muss ich los.
04:12Um was geht es denn?
04:14Um Verkehrsdelikt.
04:15Ich muss mir nochmal den Unfallort angucken.
04:18Teddy, kommst du?
04:19Ja, also wenn es eng wird, dann sagst du mir Bescheid.
04:22Ja klar, versprochen.
04:23Ja, kommst du jetzt mal?
04:26Sag mal, was ist denn los?
04:29Hm?
04:29Komm mal her.
04:32Komm.
04:34Komm, bitte.
04:36Teddy, komm.
04:38So.
04:42So.
04:51Ich übertreibe?
04:53Er landet ja vor der Anwaltskammer und verliert seine Zulassung, aber ich übertreibe.
04:57Ich übertreibe.
05:10Musik
05:36Oh, hallo.
05:37Hallo.
05:38Hast du dir Verstärkung geholt?
05:41Charlie ist mit ihrer Strategie, die Sache mit dem Mandantenverrat einfach auszusitzen.
05:45Nicht glücklich.
05:46Was soll ich denn machen?
05:47Ich habe nicht getan, was mein ehemaliger Freund mir vorwirft.
05:50Und ich kann nicht beweisen, dass ich es nicht getan habe.
05:52Deswegen gibt es die Unschuldsvermutung.
05:55Gibt es neue Bewerber?
05:56Ja, vier Stück.
05:57Und ich habe dir noch mal alles zum Umbau an der Osterstraße zusammengefasst.
06:00Ach, geht es um den Taxifahrer?
06:02Ich verstehe nicht, dass ihr den Mann vertrete. Der hat ein Kind angefahren.
06:06Also, erstens können wir im Moment nicht wählerisch sein.
06:09Und zweitens wäre die Hälfte aller Anwälte arbeitslos, wenn sie nur Unschuldige vertreten.
06:14Und drittens ist die Schuldfrage nicht geklärt.
06:17Es gibt nämlich drei Angeklagte, wie ihr wisst.
06:20Haben wir noch mehrere von diesen Actioncamps?
06:22Ja, drei Stück.
06:24Ja, die brauche ich.
06:28Danke.
06:29Guten Tag.
06:30Moin.
06:30Kann ich Ihnen helfen?
06:33Ich werde verklagt.
06:34Meine Schafe haben Schaden verursacht.
06:38Tja, und nun brauche ich einen Anwalt.
06:41Ich muss mich für morgen vorbereiten.
06:43Kannst du das bitte übernehmen?
06:45Meine Mitarbeiterin kümmert sich um Sie.
06:47Erstmal alles aufnehmen und die Formalitäten erledigen.
06:51Und denk bitte daran, dass du keine anwaltliche Beratung vornehmen darfst.
06:56Ja, wir haben auch so schon Ärger genug.
06:58Ja.
06:59Tschüss.
07:02Sind Sie denn Anwältin?
07:03Nee, nicht mal in meinen schlimmsten Albträumen.
07:07Die junge Dame da, die wird das schon machen.
07:09Ich muss.
07:10Was?
07:11Werde ich jetzt mit einer Hilfskraft hier abgespeist?
07:15Lassen Sie die Hilfskraft erstmal Grund reinbringen und dann schauen wir mal, wann wir die Fachkraft brauchen.
07:19Das war ungeholt, war nicht so gemeint.
07:21Entschuldigung.
07:22Kein Problem.
07:23Kaffee?
07:24Schnaps wär mir lieber.
07:30Ey, ich will dich nicht.
07:30Sag mal.
07:54Meine Schafe haben Zaunpfahl abgeknickt und sind ausgeböxt.
07:59Und dann sind sie rüber in den Garten von der nächsten Villa und haben den angeblich verwüstet.
08:04Meine Zeit, die haben ein paar Pflanzen abgefressen, was übrigens blöde war.
08:08Denn die waren giftig und ein paar von den Schafen sind krank geworden.
08:12Und ein Schaf, meine Trude, die ist dann rüber in den Pool von dem reichen Typ.
08:18Ich weiß auch nicht, was sie sich dabei gedacht hat.
08:22Ja, und nun, nun sagt, hey, das Wasser muss abgelassen werden.
08:28Der Pool muss professionell gereinigt und neu befüllt werden.
08:33Lächerlich.
08:34Als ob die Kinder von dem da nicht auch regelmäßig reinpischern.
08:38Ja, mein Schaf, meine Trude ist fast ertrunken, weil die Wolle sich vollgesogen hat und Schafe nicht so gut schwimmen
08:46können.
08:47Ja, gut, macht sein, dass ja auch aus lauter Angst so ein bisschen was von sich gegeben hat.
08:53Aber das hätte man ganz leicht mit dem Kescher doch wieder rausfischen können.
08:57Wer hat denn das Schaf, wer hat Trude denn gerettet?
09:01Waren Sie vor Ort?
09:02Nee, nee, nee.
09:03Aber die Besitzer haben auch nichts getan.
09:04Die haben die Polizei gerufen und die haben dann Trude wieder rausgezogen.
09:08Natürlich auch gleich die Anzeige aufgenommen.
09:11Also, ich denke, es wäre das Beste, wenn ich mir das Ganze morgen mal vor Ort anschaue.
09:16Ah!
09:17Barbara, was tust du da?
09:19Ja, was tust du da?
09:21Du fährst doch jetzt schon das zweite Mal hier die Straße raus und drunter.
09:25Ich sammle Beweise für meinen aktuellen Fall.
09:29Ach, der Unfall mit Personenschaden?
09:32Kannst du dich warm anziehen?
09:34Heckner bewirkt sich mal wieder für den Posten des Oberstaatsanwalts.
09:37Und das Verfahren ist für ihn ein Festschmaß.
09:40Danke für den Tipp, aber ich muss weiter.
09:42Ich muss den Kram da irgendwie noch schneiden.
09:45Und was ist mit deinem Versprechen, dass wir uns bald in Ruhe aussprechen?
09:50Das würde ich gerne, aber im Moment weiß ich nicht, wo mir der Kopf steht.
09:57Markus?
09:58Ja?
10:00Wenn das nur eine Ausflucht ist und du, wenn du das mit uns beenden willst und einfach
10:07nur nicht weißt wie, dann lass mich nicht hängen.
10:11Ich mach's kurz.
10:12Nein, ich will das mit uns auf keinen Fall beenden.
10:18Ganz im Gegenteil.
10:20Gut.
10:24Au.
10:28Fahr vorsichtig.
10:30Mach ich.
10:32Mach Heckner fertig.
10:35Darauf kannst du dich verlassen.
10:41Ich verlasse mich drauf.
10:51Nein, das war bereit.
11:03Nein, es wird los.
11:07Also geht's mir nicht.
11:10Also geht's dich rein.
11:11Io entspannt das.
11:17Oh, my God.
11:58Herr Ismail Ayub wird angeklagt, im Bereich der Osterstraße auf Höhe des Hellkamps eine andere Person körperlich misshandelt und an
12:07der Gesundheit geschädigt zu haben,
12:09indem er sein Kraftfahrzeug führte, obwohl er hätte wissen können und müssen, dass er hierzu aufgrund von Übermüdung körperlich nicht
12:16in der Lage war.
12:17Er hat dadurch den siebenjährigen Paul Schmüser angefahren, der mit seinem Fahrrad vom Fahrradschutzstreifen auf die Straße ausgewichen ist, weil
12:26dort ein Fahrzeug parkte.
12:27Frau Nabiya Boafo wird angeklagt, im Bereich der Osterstraße auf Höhe des Hellkamps ihren Transporter unerlaubterweise auf dem Fahrradschutzstreifen geparkt
12:37zu haben.
12:38Aus diesem Grund musste Paul Schmüser auf die Mitte der Straße ausweichen, wo es zu dem Unfall mit Beinbruch kam.
12:46Der angeklagte Schmüser hat den Fehler begangen, zusammen mit seinem Sohn auf dem Fahrradschutzstreifen zu fahren, obwohl der Junge mit
12:52sieben Jahren noch hätte auf dem Bürgersteig fahren müssen.
12:55Er trägt dadurch eine, wenn auch nach Ansicht der Staatsanwaltschaft, geringe Mitschuld an dem Unfall, hat sich aber der fahrlässigen
13:02Körperverletzung durch Unterlassen schuldig gemacht.
13:07In den letzten Jahren wurde der Bebauungsplan geändert und nun schießen hier die Mehrfamilienhäuser und diese Villen die Pilze aus
13:14dem Boden.
13:14Und die beschweren sich dann über den Lärm der Schafe, als ob Schafe Lärm machen, über den angeblichen Gestank von
13:22Schafdungen.
13:24Ich sage immer, wenn es ihnen hier nicht passt, dann sollen sie noch in der Stadt bleiben, wo sie hingehören.
13:28Ähm, kriegt ein Schaf sowas überhaupt hin?
13:32Ja, die haben schon Kraft, besonders die Böcke.
13:36Bisher habe ich noch kein Elektrodraht eingesetzt, weil ich mir mal gedacht habe, der Zaun ist stabil genug.
13:43Aber der Pfahl muss in der Erde durchgerottet sein.
13:48Also mich wundert, dass nur dieser eine Zaunpfahl korrodiert ist.
13:51Das Ganze ist eine Katastrophe.
13:54Ich komme mal so gerade eben längst besser mir mit den Schafen die Rente auf.
13:58Schon ordentlich, was wir einen Tierarzt berappen müssen.
14:01Wenn da jetzt noch die Pflanzen und der blöde Pool dazukommen, kann ich meine Wiese wohl doch verkaufen.
14:09Und das ist dann auch das Ende von meiner Herde.
14:12Hat es denn Kaufangebote gegeben?
14:14Ja, ja, ja. Ich kriege ständig Angebote von so einer Baufirma.
14:17Die habe ich aber bisher alle abgelehnt.
14:21Können Sie sich denn vorstellen, dass das gar kein Unfall war, sondern dass jemand nachgeholfen hat, damit sie verkaufen müssen?
14:26Meinen Sie wirklich, dass es Menschen gibt, die sowas tun?
14:32Es war am frühen Morgen und noch dunkel.
14:36Ich bin die Osterstraße runtergefahren.
14:40Und vor mir war ein Fahrrad, das auf einen parkenden Transporter zugefahren ist.
14:47Ich dachte mir, er ist noch weit genug entfernt und wollte ihn überholen.
14:51Und genau in dem Moment ist ein anderes Fahrrad, das auf der anderen Seite fuhr und auch von einem parkenden
14:56Transporter blockiert wurde,
14:57auf die Straße gefahren und hat mich mit seinem Licht geblendet.
15:02Deshalb habe ich es zu spät gemerkt, dass zwei Fahrräder vor mir sind und nicht eins.
15:06Und nicht, weil ich angeblich zu müde war.
15:13Dann ist das vordere Fahrrad plötzlich auf die Straße gefahren.
15:18Es war ein Kind.
15:23Ich habe gebremst.
15:25Ich bin ausgewichen, aber ich habe das Fahrrad gestreift und das Kind ist leider gestürzt.
15:33Es war schrecklich.
15:36Wissen Sie, ich habe selber Kinder.
15:38Aber es ging alles so schnell, dass ich nicht...
15:42Es tut mir unendlich leid, dass der Junge sich ein Bein gebrochen hat.
15:46Das ist gut, dass es Ihnen leid tut.
15:48Aber es wäre besser gewesen, wenn Sie die nötige Sorgfalt hätten walten lassen.
15:51Auch wenn da, wo Sie herkommen, auf den Straßen eher das Gesetz des Stärkeren gilt.
15:54Ich verwahre mich gegen derart rassistische Äußerungen.
15:58Das hat nichts mit Rassismus zu tun.
16:00Es ist eine Tatsache, dass inzwischen ein Großteil der Taxifahrer in unserer Stadt,
16:04wie auch die Fahrer der Lieferdienste, Ausländer sind,
16:07die kaum der deutschen Sprache mächtig sind und deshalb auch unsere Verkehrsregeln nicht verstehen.
16:11Soweit sie sich überhaupt interessieren.
16:13Aber das ist doch wohl nicht Ihr Ernst.
16:14Also wo sind wir denn hier beim Volksgerichtshof?
16:15Frau Sievert, inzwischen sind Sie doch wohl erfahren genug,
16:20um zu wissen, dass so ein Tonbergericht nicht geduldet wird.
16:22Ja, tut mir leid.
16:24Ich komme übrigens aus Hamburg.
16:25Ja, und was Sie angeht, Herr Staatsanwalt,
16:29so möchte ich Sie doch bitten, solche Äußerungen zu unterlassen.
16:32Ja, Frau Richterin, Sie haben ausgesagt, dass Sie geblendet worden wären.
16:38Wäre das nicht der Moment gewesen, vom Gas zu gehen?
16:40Ja, das habe ich ja gemacht.
16:42Aber das war genau der Augenblick, wo das Kind einfach auf die Straße gefahren ist.
16:45Ah, das Kind ist einfach auf die Straße gefahren.
16:49Ja, dann ist ja alles klar.
16:50Das Kind hat Schuld, dann können wir alle nach Hause gehen.
16:52Herr Staatsanwalt, bitte, das reicht jetzt.
16:55Ich habe ohnehin keine Fragen mehr an den ganz offensichtlich völlig schuldlosen Angeklagten.
17:07Kanzlei Brede und Gellert,
17:09Wem sind wir denn auf die Füße getreten?
17:11Noch niemandem.
17:13Wir vertreten Ulf Kröger.
17:14Ach, der Schäfer?
17:16Das ist so ein urige Typ, erinnert mich ein bisschen an meinen Mann.
17:19Ja, seine Schafe sind ausgebrochen und haben einen erheblichen Schaden angerichtet.
17:23Ja, davon habe ich gehört.
17:24Tut mir auch sehr leid, aber was haben wir denn damit zu tun?
17:27Naja, Sie haben ihm mehrfach Angebote für seine Wiese gemacht.
17:32Ja, die er alle abgelehnt hat.
17:33Kluger Bursche.
17:35Ja, jetzt dachte ich, dass Sie den Schafen beim Ausbrechen geholfen haben, damit Herr Kröger
17:40finanziell in Bedrängnis kommt und Ihr Angebot annehmen muss.
17:43Das ist ja so eine lustige Idee.
17:45Schade, dass wir nicht drauf gekommen sind.
17:46Äh, Scherz.
17:47Nein, aber mal im Ernst.
17:49Wir sind eine Erschließungsfirma und haben Großprojekte in ganz Deutschland.
17:52Wir machen Gott-under-Welt-Angebote, da ist die Wiese Ihres Mandanten ja nur ein Klacks,
17:57für den wir mit Sicherheit nichts unternehmen würden, das uns mit dem Gesetz in Konflikt bringt.
18:01Da müssen Sie wohl woanders weitersuchen.
18:03Tut mir sehr leid, Frau von Brede.
18:05Brede reicht.
18:06Ja, dann bis dann und viel Glück.
18:15Ich, ähm, wollte nur meinen Sohn zur Schule bringen, bevor ich selbst zur Arbeit gefahren bin.
18:23Aber warum haben Sie zugelassen, dass Ihr Sohn auf dem Fahrradschutzstreifen fährt?
18:27Wussten Sie nicht, dass das nicht zulässig ist?
18:32Doch.
18:35Ja, doch.
18:36Klar.
18:39Ich, ich, da war früher ein ganz normaler Fahrradweg.
18:44Ich bin da immer mit meinem Sohn lang gefahren, als der noch kleiner war.
18:48Also ich auf dem Fahrradweg und er auf dem Gehweg direkt nebendran.
18:54Aber jetzt haben die alles umgebaut.
18:57Gibt kein Fahrradweg mehr, gibt nur noch diesen Schutzstreifen und zwischen dem Streifen und dem Bürgersteig,
19:04da stehen die Autos, da parken die Autos, da kann ich meinen Sohn ganz schlecht sehen.
19:08Also vor allem im Dunkeln.
19:10Auf diesen Umbau, da möchte ich später noch genauer eingehen, denn ich halte ihn für die eigentliche Ursache des Unfalls.
19:16Das sehe ich auch so.
19:18Deshalb habe ich auch den Referenten der entsprechenden Behörde als Zeugen benannt.
19:21Ich halte das Erscheinen dieses Zeugen für Zeitverschwendung.
19:25Er kann nichts zu den Tatsachen des Unfalls aussagen.
19:28Sie meinen nichts, was Ihnen in den Kram passt.
19:29Frau Sievert, achten Sie auf Ihren Ton.
19:32Außerdem befragen wir gerade Herrn Schmüser.
19:34Also, gibt es da noch Fragen?
19:36Nein.
19:37Gut, dann hört das Gericht jetzt den Zeugen Volkert.
20:03Ja, ich komme wegen des Schadens, den die Schafe angerichtet haben.
20:08Ach, naja, Sie sehen ja, was hier los ist. Die Gartenbaufirma ist gerade dabei, neu zu pflanzen.
20:12Aber bis das alles wieder festgewachsen ist, das dauert.
20:15Der Pool muss auch entleert und desinfiziert und neu befüllt werden.
20:18Das haben Sie, ich zeig Sie.
20:20Ja, Vorsicht, hier ist ein bisschen uneben.
20:22Muss auch gemacht werden hier noch.
20:23Also, das ist ja nicht nur ein Riesenschaden, den die Versicherung von diesem Schäfer garantiert nicht zahlt, wenn er überhaupt
20:28eine hat.
20:29Aber was das hier alles an Belästigung für meine Familie bedeutet, das ersetzt mir natürlich keiner.
20:34Aber wie ist denn die Herde überhaupt auf ihr Grundstück gekommen? Das ist doch massiv eingezäunt.
20:38Naja, wir machen das Tor natürlich jetzt nicht jedes Mal zu, wenn wir nur kurz wegfahren.
20:41Achtung, Stufe. Das ist ja wohl nicht gesetzlich vorgeschrieben.
20:48Aber wieso fragen Sie? Das haben Ihre Kollegen von der Schutzpolizei doch alles schon zu Protokoll genommen.
20:53Oh, nee, da haben Sie was falsch verstanden.
20:55Bin nicht von der Polizei, sondern von der Rechtsanwaltskanzlei, die den Schäfer vertritt.
20:58Herr Harder?
21:00Ach so ist das.
21:02Dann können Sie aber ganz schnell wieder verschwinden. Aber ganz schnell.
21:05Das gibt's doch nicht.
21:07Und Ihrem Mandanten können Sie sagen, dass wir uns das Geld für den Schaden wiederholen, ja?
21:10Und wenn wir seine verlausten Schafe eigenhändig verkaufen.
21:12Herr Harder?
21:13Ja?
21:13Haben Sie mal eine Minute?
21:14Ja, hab ich.
21:15Ich möchte es Ihnen was zeigen.
21:24Ich muss jetzt nicht heilen werden.
21:27Ja, ja, ja.
21:49Herr Volkert!
21:51Sie können doch Ihr Fahrrad nicht mit in den Gerichtssaal bringen.
21:55Wie haben Sie das überhaupt durch die Sicherheitskontrolle bekommen?
21:58Herr Polenz, nehmen Sie bitte dem jungen Mann das Fahrrad ab.
22:00Aber Herr Gellert hat mich doch extra gewillt, das Fahrrad mitzubringen.
22:03Ach, Herr Anwalt, es geht noch wirklich zu weit.
22:05Es tut mir leid, Frau Vorsitzende, aber es handelt sich hier um ein wichtiges Beweisstück.
22:09Das dürfte schwierig werden, das zu den Akten zu nehmen.
22:12Ja, dann nehmen Sie bitte Platz und stellen Sie Ihr Fahrrad...
22:16Ach, stellen Sie es einfach bei Herrn Gellert ab.
22:18Ja, bitte.
22:19Stellen Sie es hier ab.
22:22So.
22:22Ja.
22:24Bitte.
22:25Ihr Name ist Gernot Volkert, geboren am 05.07.1996, wohnhaft in Hamburg, Schanzenbrücke 2.
22:34Also Sie wissen, dass Sie als Zeuge vor Gericht die Wahrheit sagen müssen, sonst machen Sie sich strafbar.
22:39Aber Sie müssen nichts sagen, womit Sie sich selber belasten.
22:42Haben Sie das verstanden?
22:43Ja.
22:43Sie haben also den Unfall beobachtet?
22:47Ja.
22:47Ich war auf der anderen Straßenseite unterwegs und habe gesehen, wie er den Jungen angefahren hat.
22:51Wie konnten Sie denn das so genau sehen? Sie waren nur in Fahrt und mussten auf den Verkehr achten.
22:56Ich musste halten, weil auf meiner Seite ein Lieferwagen stand. Das ist da dauernd so.
23:00Ich meine, was nutzt der Fahrradstreifen, wenn da ständig Autos draufstehen? Aber das ist den Autofahrern scheißegal.
23:06Scheißegal.
23:07Wenn es dem Gericht recht ist, würde ich gern den Vorgang etwas genauer rekonstruieren.
23:13Von mir aus.
23:13Gut. Herr Polenz, bitte.
23:17So.
23:18Ja, kommen Sie rein.
23:26Was kommt als nächstes, Herr Anwalt? Ein Riesenrad und ein Kettenkarussell?
23:31Nein, danke.
23:32Danke. Das sind hier die Lieferwägen, die wir so platzieren. Da das Taxi, hier die Räder der Familie Schmüser.
23:43Herr Schmüser, stimmt das denn in ungefähr so? Der Abstand der Räder oder war Ihr Sohn noch weiter voraus?
23:53Ja, ich würde sagen, noch ein bisschen weiter weiter.
23:56Ich nehme an, Sie haben Ihren Sohn angewiesen, möglichst weit rechts zu fahren.
24:00Ja, ungefähr.
24:02Herr Anwalt, wird das jetzt ein Plauderstündchen? Ich dachte, wir vernehmen den Zeugen Volkert.
24:05Ja, natürlich. Herr Volkert, Sie haben hier hinter diesem Lieferwagen gestanden, bis Sie wieder auf die Fahrbahn fahren konnten. So
24:15oder so?
24:16So.
24:16Wie jetzt?
24:17Schräger.
24:19Herr Anwalt, führt das noch irgendwann zu irgendwas?
24:22Ja, ich denke schon, Frau Vorsitzende. Das ist ja ein tolles Ding. Diese Lampe.
24:30State of the art.
24:31Aha. Darf ich?
24:32Bitte. Leider die einzige Chance von so rücksichtslosen Autofahrern nicht pratt gemacht zu werden.
24:37So, dann stellen wir mal das Rad hier ungefähr hin. Stellen uns vor, dass das hier der Lieferwagen ist und
24:47das Fahrrad so schräg positioniert.
24:52Herr Anwalt, das reicht jetzt.
24:54Entschuldigen Sie, Frau Vorsitzende, blendet Sie das?
24:56Allerdings.
24:56Ja, das, äh, ups. Den Herrn Staatsanwalt. In § 67 der Straßenverkehrszulassungsordnung heißt es ausdrücklich, der Scheinwerfer muss so eingestellt
25:09sein, dass er andere Verkehrsteilnehmer nicht blendet.
25:12Das ist sicher eindeutig nicht der Fall. Wie wir gerade gesehen haben, die Halterung ist fest verschraubt, was bedeutet, dass
25:19Sie immer so unterwegs sind und andere Verkehrsteilnehmer blenden.
25:22So wie eben die arme Frau Vorsitzende. Offensichtlich sind also nicht nur Autofahrer rücksichtslos.
25:28Wie, bin ich jetzt hier schuld, oder was?
25:30Herr Anwalt, wir haben es verstanden. Aber was hat das nur mit unserem Fall zu tun?
25:34Ach, sehr viel. Herr Schmüser und sein Sohn, die fahren hier leicht versetzt, sodass mein Mandant von seiner Position aus
25:44nur den Rücken des Vaters sieht, aber nicht den vorausfahrenden Sohn.
25:47Der Vater ist aber, anders als der Sohn, noch ausreichend weit von dem parkenden Lieferwagen, dem Hindernis, entfernt.
25:55Gleichzeitig ist im Näherkommen des Taxis die Sicht meines Mandanten eingeschränkt durch die State-of-the-Art-Lampe des Zeugen
26:03Volkert, die ihm direkt ins Gesicht scheint.
26:06Und Sie glauben, das entbindet Ihren Mandanten von seiner Sorgfaltspflicht als Autofahrer?
26:10Nein, aber es erklärt die Umstände, wie es zu dem Unfall gekommen ist.
26:14Ich zitiere jetzt mal den Paragrafen 6 der Straßenverkehrsordnung.
26:19Muss ausgeschert werden, ist auf den nachfolgenden Verkehr zu achten und das Ausscheren sowie das Wiedereinordnen wie beim Überholen anzukündigen.
26:29Das hat ein siebenjähriger Junge natürlich nicht auf dem Schirm.
26:32Deswegen hat der Gesetzgeber ja auch festgelegt, dass Kinder diesen Alters nicht auf der Straße fahren dürfen.
26:39Ja, wie bequem, hier mal kurz das Opfer zum Täter zu machen.
26:43Also ich bitte die Anwälte, nochmal dieses Geplänkel jetzt mal zu lassen.
26:47Gut.
26:49Herr Gellert, bitte.
26:51Ja.
26:53So, gibt es noch Fragen an den Zeugen?
26:56Nein, nein.
26:59Dann ist der Zeuge hiermit entlassen.
27:03Und nehmen Sie bitte Ihr Fahrrad mit und bringen Sie schnellstmöglich Ihre State of was auch immer Lampe entsprechend den
27:12gesetzlichen Bestimmungen an.
27:17Das war gut, oder?
27:22Hallo.
27:25Und?
27:26Also, ich glaube nicht, dass die Baufirma irgendwas damit zu tun hat.
27:29Aber ich bin mir sicher, dass hier irgendwas nicht mit rechten Dingen zugeht.
27:33Was wird das, wenn es fertig ist?
27:35Das erkläre ich Ihnen später.
27:38Tschüss.
27:40Na, Trude, verstehst du das?
27:44So.
27:47Das ist die ursprüngliche Gestaltung der Osterstraße.
27:51Einer Geschäftsstraße, wo sich Läden und Restaurants dicht aneinanderreihen, sodass es auch ohne die Versanddienste jede Menge Lieferverkehr gibt, der
27:59natürlich hauptsächlich in der morgendlichen Hauptverkehrszeit stattfindet.
28:03Vor dem Umbau konnten diese Fahrzeuge in zweiter Spur parken und der Verkehr konnte weiter fließen.
28:15Das ist die Osterstraße nach dem Umbau.
28:21Der Bürgersteig ist jetzt doppelt so breit.
28:24Der Fahrradweg ist entfernt worden.
28:27Die Straße hat jetzt eine Fahrspur und einen sogenannten Fahrradschutzstreifen.
28:33Für Lieferdienstfahrer heißt das, dass sie entweder die Fahrspur blockieren oder aber den Fahrradschutzstreifen.
28:41Kurz, das war meiner Mandantin und ist auch keiner ihrer vielen Kollegen möglich, ihrer Arbeit nachzugehen, ohne eine Ordnungswidrigkeit zu
28:47begehen.
28:48Um jetzt nicht dem Druck der anderen Autofahrer ausgesetzt zu sein, entschließen sich deshalb die meisten Lieferfahrer, auf dem Fahrradschutzstreifen
28:56zu halten.
28:58Dadurch werden die Fahrradfahrer, vor allem in den Morgenstunden, ständig gezwungen, den Schutzstreifen zu verlassen und auf die Mitte der
29:07Fahrbahn zu fahren.
29:09Das ist eine durch Fehlplanung verursachte Gefährdung, die meiner Mandantin ja nicht zur Last gelegt werden kann.
29:32Bis morgen, Herr Jupp.
29:36Isa, was machst du denn hier?
29:39Ich brauchte mal ein bisschen Unterhaltung. Da habe ich gedacht, ich gucke dich mal in Action an.
29:43Also die Nummer mit dem Fahrrad, die war nicht schlecht.
29:47Naja, die gefällt mir. Voller Einsatz.
29:50Naja, bisschen ungeschliffen.
29:53Naja, das sagt der Richtige.
29:54Ich finde, die würde ganz gut zu uns passen.
29:58An der Kleiderordnung könnte man natürlich noch arbeiten.
30:01Und jetzt? Kaffee und Kuchen?
30:03Heute nicht. Ich habe Kurprobe.
30:06Ja.
30:07Ja.
30:08Ja.
30:35Ich hoffe, du versuchst nicht, unsere Kanzlei über Wasser zu halten, indem du Drogen produzierst.
30:41Nein. Das ist für den Fall mit dem Schäfer.
30:46Muss ich Details wissen?
30:47Nee. Ich glaube, das kriege ich alleine hin.
30:51Gut. Das Gericht hat sie nämlich vertackt und geht morgen früh weiter. Da kann ich meinen Schlussvortrag noch vorbereiten.
30:56Es läuft eine Klage gegen uns. Solltest du dich nicht lieber damit befassen, als mit irgendeinem Verkehrsunfall?
31:01Das ist nicht irgendein Verkehrsunfall. Für den Mandanten, da geht es um seine Existenzgrundlage.
31:06Für uns auch?
31:07Ja.
31:07Für uns auch?
31:10Für uns auch?
31:19Für uns auch?
31:20Für uns auch?
31:38Mir ist gar nicht klar, warum ich überhaupt hier bin.
31:40Ja, dann geht es Ihnen ähnlich wie mir.
31:42Es geht um die Frage, ob diese komische Umgestaltung der Straße mit dazu beigetragen hat,
31:46dass sich der Unfall ereignet hat, mit dem wir uns ja jetzt hier beschäftigen müssen.
31:50An dieser Umgestaltung ist gar nichts komisch. Und mit dem Unfall hat das auch nichts zu tun.
31:54Also ich habe auf der Webseite der Verkehrsbehörde gelesen, dass es bei dem Projekt neben der gerechteren Aufteilung des städtischen
32:00Raums auch um die Förderung des Fuß- und Radverkehrs ging.
32:03So ist es.
32:04Und ich bin Radfahrer und kenne die Straße von früher. Dort gab es Radwege jenseits der Straße, auf denen ich
32:10ziemlich sicher unterwegs war.
32:12Jetzt bin ich dort gezwungen, auf der Straße zu fahren.
32:16Dem Fahrradschutzstreifen.
32:17Ein irreführender Begriff, wenn Sie mich fragen. Fahrradschutzstreifen.
32:22Ich fühle mich da nämlich nicht geschützt, sondern dem Autoverkehr ausgesetzt.
32:26Untersuchungen haben ergeben, dass das nur ein subjektiver Eindruck ist.
32:29In Wirklichkeit ist das Fahren auf dem Schutzstreifen viel sicherer, weil sie besser von den Autos gesehen werden.
32:34Ja, wenn ich auf der Kühlerhaube eines Autos klebe, werde ich vom Fahrer auch sehr gut gesehen.
32:37Aber ich weiß gar nicht, ob mir der Gedanke so gefällt.
32:39Bitte, etwas mehr Sachlichkeit. Und Fragen, die etwas zur Erhellung der Umstände des Unfalls beitragen.
32:45Ja, dann werde ich mich mal bemühen, die Sache ein wenig zu erhellen.
32:49Ich habe mir die Mühe gemacht, mal ein wenig zu messen.
32:53Wenn ein großes Fahrzeug in der Mitte der Straße fährt und ein Fahrrad in der Mitte des ohnehin schmalen Schutzstreifens,
33:01dann kann der gesetzlich vorgeschriebene Mindestabstand von 1,50 Meter zwischen Fahrzeug und Radfahrer gar nicht eingehalten werden.
33:06Wenn das der Fall ist, dann schreibt das Gesetz vor, dass das Fahrzeug den Fahrradfahrer nicht überholen darf.
33:11Und läuft das im realen Leben so ab?
33:13Also auf Straßen ohne Schutzstreifen und ohne Mittelinsel, die das Ausweichen unmöglich machen?
33:19Meiner Erfahrung nach schon, auf dieser Straße nicht.
33:22Da fahren Laster und Busse auf Tuchfühlung an den Radfahrern vorbei.
33:26Es mag Ihnen nicht gefallen, aber das hat nicht zu dem Unfall geführt.
33:29Es geht mir darum, die Realitätsferne der Planung aufzuzeigen.
33:33Das Vorherbild zeigt die Reihen der parkenden Autos und daneben ein Lieferfahrzeug, was in zweiter Reihe steht.
33:41Das Nachherfoto zeigt jetzt die freie Straße, die aber einspurig ist mit dem Schutzstreifen.
33:47Bewusst ohne Lieferfahrzeug, um die Straße in ihrer neuen Pracht zu zeigen.
33:51Aber die Lieferfahrzeuge, die sind ja nicht wirklich verschwunden.
33:54Die stehen jetzt auf dem Fahrradschutzstreifen.
33:57Und da müssen die auch stehen, weil ja sonst niemand mehr vorbeifahren kann.
34:01Das Halten und Parken auf dem Fahrradschutzstreifen ist aber verboten.
34:04Auf der Straße ja auch.
34:05Wo sollen denn dann bitte Lieferdienstfahrer wie meine Mandantin ihre Fahrzeuge abstellen,
34:08wenn sie Pakete oder Waren ausliefern?
34:11Ja gut, aber es ist Aufgabe der anliefernden Firmen, dieses Problem zu lösen und nicht das meiner Behörde.
34:16Wir gehen bei unserer Planung natürlich davon aus, dass sich alle Beteiligten an die Gesetze halten.
34:20Ja, das Problem unserer Mandanten ist aber, dass sie nicht in ihrem Planungssandkasten leben, sondern in der Realität.
34:28Ja, ja.
34:29Bitte.
34:32Frau Richterin, ich protestiere gegen diese ständigen Showeinlagen, mit denen die Verteidigung das Verfahren eindeutig in die Länge zieht und
34:38die Zeit des Gerichts vergeudet.
34:40Herr Anwalt, trägt das wirklich dazu bei, das Unfallgeschehen besser zu verstehen?
34:44Ich denke, ja.
35:09Ich gehe nicht weg, bis er da ist.
35:12Ich gehe nicht weg, bis er da ist.
35:42Ich gehe nicht weg, bis er da ist.
35:43Auf der Osterstraße fährt und nicht mal im Berufsverkehr und bei Helligkeit.
35:48Also ich war am Ende froh, wieder heil zu Hause anzukommen.
35:52Auf einer Straße, in der trotz all dieser Verengungen und den damit verbundenen Gefahrenmomenten nicht etwa Tempo 30 vorgeschrieben ist.
36:00Wie schon gesagt, unsere Behörde kann nicht verhindern, dass sich Autofahrer nicht an die Straßenverkehrsordnung halten.
36:05Nee, aber Sie können bei Ihrer Planung davon ausgehen, wie die Wirklichkeit ist.
36:07Frau Vorsitzende, ich protestiere dagegen, dass der Mitarbeiter der Behörde, der so freundlich war hier zu erscheinen, obwohl er sicher
36:13Besseres zu tun hat, von den Anwälten hier derartig attackiert wird.
36:16Seine Behörde sitzt hier nicht auf der Anklagebank.
36:19Das halte ich für einen Fehler.
36:22Ja, ich denke, Sie haben Ihren Punkt klar gemacht. Gibt es noch Fragen an den Zeugen?
36:26Nein.
36:28Dann ist der Zeuge entlassen.
36:30Wenn es keine weiteren Zeugen gibt und Beweisanträge, dann ist die Beweisaufnahme hiermit abgeschlossen.
36:41Hallo.
36:43Hallo.
36:44Hast du was rausgefunden?
36:46Allerdings, ich habe gute Nachrichten.
36:49Der Zaunfall ist nicht von alleine zerbrochen.
36:52Den hat jemand so lange bearbeitet, bis er so morsch war, dass er einfach nachgegeben hat.
36:56Was soll daran gut sein?
36:58Dass ich weiß, wer es war.
37:00Kommen Sie.
37:01Ja.
37:02Ja.
37:08Na, kommt ihr gleich mit.
37:11Ein Kind kam zu Schaden.
37:15Die Hauptschuld trägt nach Ansicht der Staatsanwaltschaft der Angeklagte Ayub.
37:20Auch oder gerade, weil die Verkehrssituation für ihn unübersichtlich war, hätte er anders reagieren müssen.
37:26Deswegen beantrage ich ihn, wegen fahrlässiger Körperverletzung in Tateinheit mit einer Gefährdung des Straßenverkehrs
37:32zu einer Freiheitsstrafe von neun Monaten zu verurteilen, die zur Bewährung ausgesetzt wird.
37:37Und ihm den Führerschein für ein Jahr zu entziehen.
37:41Die Angeklagte Boafo hat sich nach Ansicht der Staatsanwaltschaft neben der Ordnungswidrigkeit des Parkens auf dem Fahrradschutzstreifen
37:48auch einer fahrlässigen Körperverletzung schuldig gemacht.
37:51Deswegen beantrage ich für Sie eine Strafe von 90 Tagessätzen.
37:56Lukas Schmüser, der Vater des verletzten Jungen, hat zwar den Fehler begangen, zusammen mit seinem Sohn auf dem Fahrradschutzstreifen zu
38:03fahren,
38:04aber den eigentlichen Unfall hat er nicht zu verantworten.
38:07Wenn er überhaupt etwas falsch gemacht hat, dann zu weit von seinem Sohn entfernt gewesen zu sein,
38:12sodass er nicht verhindern konnte, was geschehen ist.
38:15Damit hat er sich zwar der fahrlässigen Körperverletzung durch Unterlassen schuldig gemacht,
38:19aber da er durch den Unfall seines Sohnes an sich schon bestraft wurde,
38:22beantrage ich für ihn nur eine Strafe von 30 Tagessätzen.
38:29Auch wenn es dem Herrn Staatsanwalt irgendwie entgangen ist, hat die Verteidigung nachgewiesen,
38:36dass alle Beteiligten an diesem Unfall Opfer einer Fehlplanung geworden sind.
38:46Sagen Sie, was machen Sie denn jetzt hier?
38:49Also wenn Sie glauben, dass eine Entschuldigung mich dazu bringen könnte, meine Klage zurückzuziehen,
38:52ja dann haben Sie sich aber getäuscht.
38:56Also, Sie sind es, der sich täuscht.
38:59Ach ja?
38:59Ja, ich habe nämlich festgestellt, dass der Zaunfall durch Schwefelsäure nach und nach morsch gemacht worden ist.
39:07Das ist genau die Schwefelsäure, die als pH-Senker für Ihren Pool benutzt wird.
39:11Und wenn Sie glauben, dass Sie jetzt hier mit irgendwelchen haltlosen Beschuldigungen antanzen können,
39:14dann haben Sie sich aber getäuscht.
39:15Das sind aber keine haltlosen Beschuldigungen.
39:18Das kann jedes Labor mit einfachsten Mitteln nachweisen.
39:21Was denn für ein Labor?
39:22Ja, von mir aus, sonst weisen Sie doch nach, was Sie nachweisen wollen.
39:25Wissen Sie was?
39:26Ich werde jetzt meinen Anwalt anrufen, dann können Sie sich mit dem mal unterhalten.
39:29Gerne.
39:30Ich werde auch telefonieren.
39:31Mit der Polizei.
39:35Was hat denn die Polizei jetzt damit zu tun?
39:39Naja, Sie haben sich diverser Straftaten schuldig gemacht.
39:42Was denn für Straftaten?
39:45Erstens, falsche Anschuldigung.
39:48Zweitens, Falschaussage bei der Polizei.
39:51Drittens, Sachbeschädigung.
39:52Viertens, und das, das wird wahrscheinlich das Teuerste,
39:55eine Klage der Umweltbehörde, weil Sie einen hochgiftigen Stoff in den Boden eingebracht haben.
40:02Selbst wenn das derselbe Stoff war.
40:04Sie können gar nicht nachweisen, dass ich das gemacht habe.
40:06Ja, aber die Polizei hat da so ihre Möglichkeiten.
40:10Ich wette, Sie hatten Ihr Telefon dabei, als Sie am Zaun unseres Mandanten waren.
40:14Und dann wird die Polizei anhand Ihrer Verbindungsdaten ein Bewegungsprofil erstellen und dann sind Sie dran.
40:19Dann gibt es auch keinen Deal mehr, ne?
40:21Dann werden Sie wegen der ganzen Latte angeklagt.
40:29Was denn für ein Deal?
40:31Herr Krüger ist bereit, auf seine Anzeige zu verzichten, wenn Sie die Tierarztkosten übernehmen,
40:35die angefallen sind, weil seine Schafe ihre für sie giftigen Pflanzen gefressen haben.
40:40Außerdem müssten Sie die Reparatur des Zauns zahlen und natürlich Ihre Klage zurücknehmen.
40:45Außerdem müssten Sie die Kosten für die Poolreinigung und die Neubepflanzung selber tragen.
40:49Das kommt überhaupt nicht in Frage.
40:51Na gut.
40:52Kommen Sie, Herr Krüger.
40:56Okay, warten Sie, warten Sie.
41:05Na gut, Deal.
41:07Darüber hinaus ist noch eine Entschädigung von 2000 Euro fällig.
41:10Und natürlich die Anwaltskosten.
41:13Sie sind doch völlig verrückt.
41:14Na ja.
41:16Also wenn Sie einen kurzen Moment darüber nachdenken, dann werden Sie feststellen, dass das eigentlich wirklich nur gerecht ist.
41:20Nach dem, was Sie unserem Mandanten alles angetan haben.
41:22Und für jemanden wie Sie sind das doch Peanuts.
41:24Genau.
41:32Na gut.
41:33Gut.
41:35Hier sind die Kontodaten von Herrn Kröger und eine Aufstellung der Kosten.
41:39Wir erwarten den Eingang der Zahlung dann morgen auf seinem Konto und unsere Rechnung geht dann direkt an Sie.
41:56Ich wollte ja nur, dass diese stinkenden, die Schafe da verschwinden.
41:59Wenn Ihnen der Geruch hier nicht passt, warum ziehen Sie denn überhaupt aufs Land?
42:02Bleiben Sie doch in der Stadt und atmen dort Abgase und Feinstaub ein, wenn Ihnen das besser gefällt.
42:07Sie haben mir recht.
42:09Ach so, wenn das Geld morgen nicht auf den Konten ist, dann müssen wir das Ganze leider gerichtlich klären.
42:13Ja, ja.
42:14Schönen Tag noch.
42:17Können Sie ihm das wirklich alles anhängen können, was Sie da eben gesagt haben?
42:20Keine Ahnung.
42:21Ich bin doch gar keine Anwältin.
42:25Aber jetzt geglaubt, das ist die Hauptsache.
42:28Auch nicht schlecht für so eine Hilfskraft.
42:31Vielen Dank mit dir.
42:40Im Namen des Volkes ergeht folgendes Urteil.
42:42Der Angeklagte Ayub wird vom Vorwurf der fahrlässigen Körperverletzung und der Gefährdung des Straßenverkehrs freigesprochen.
42:51Die Angeklagte Boavo wird vom Vorwurf der fahrlässigen Körperverletzung freigesprochen.
42:58Sie hat durch das Halten auf dem Fahrradschutzstreifen eine bloße Ordnungswidrigkeit begangen.
43:03Und wie die Verteidigung sehr klar verdeutlicht hat, lassen ihr die Umstände in dieser Straße keine andere Möglichkeit.
43:11Beim angeklagten Schmüser folgt das Gericht dem Antrag der Staatsanwaltschaft.
43:17Der Angeklagte hat seinen Sohn auf der Straße fahren lassen und dann noch zugelassen, dass er sich so weit von
43:24ihm entfernte, dass er nicht mehr in das Geschehen eingreifen konnte.
43:28Er wird zu einer Geldstrafe von 30 Tagessätzen verurteilt.
43:38Und?
43:40Charlie, sind Sie denn verrückt, mich so zu erschrecken?
43:44Na ja, Sie sind ja hier reingeschlichen und haben in unseren Unterlagen geschnüffelt.
43:47Bin ich geschlichen? Schnüffelt habe ich auch nicht.
43:51Mach mir Sorgen.
43:52Zu Recht. Also?
43:55Hm. Verfahrene Sache.
43:57Ihr Vater hatte diese geheimen Unterlagen bei sich zu Hause.
44:01Und dann hatte er Besuch von seiner Freundin, der Staatsanwalt.
44:04So.
44:05Hat er ihr was davon erzählt?
44:07Hat er ihr was gezeigt?
44:09Er sagt ja nein, aber dafür gibt es keine Beweise.
44:12Dafür gibt es die Unschuldsvermutung.
44:14Mein Vater muss nicht beweisen, dass er unschuldig ist, sondern die müssen ihm nachweisen, dass er es getan hat.
44:19Charlie, wenn das immer so einfach wäre.
44:23Tatsache ist aber, dass die Sache nicht gut aussieht.
44:28Und dann nimmt er denn was dagegen.
44:30Ich fürchte, er will die Sache einfach aussitzen.
44:33Das ist keine gute Idee.
44:35Ja.
44:36Was wäre denn eine gute Idee?
44:41Tja.
44:47Ja, aber sagen Sie ihm bloß nicht, dass ich da war, ja?
44:55Teddy?
44:58Teddy?
44:59Kommst du bitte?
45:01Vielen, vielen Dank.
45:02Gerne.
45:03Also was den Schaden angeht, da wird Ihre Versicherung wegen der Gefährdungshaftung trotzdem einen Teil tragen müssen.
45:10Was sicher dazu führt, dass Sie hochgestuft werden.
45:12Ja.
45:13Hauptsache ich habe meinen Führerschein und kann weiterarbeiten.
45:16Nochmals Dank.
45:17Sehr gerne.
45:19Psst.
45:20Psst.
45:22Ha?
45:24Wenn ich Heckners finsteres Gesicht richtig interpretiere, dann war er das Unfallopfer bei der ganzen Sache?
45:29Ja, definitiv.
45:31Wir müssen das unbedingt irgendwann Gebühren feiern.
45:39Na, voilà.
45:41Sie scheinen hier ja gut vernetzt zu sein.
45:42Na, Sie haben sich da drin auch ganz gut geschlagen, Frau Sievert.
45:45Ach, danke.
45:46Aber Sie waren auch nicht schlecht.
45:47Das ist ein ziemlicher Aufwand für einen solchen Fall.
45:49Ja, wenn es darum geht, statt sein bald Heckner am Bein zu stellen, scheue ich keine Mühe.
45:52Ja, das kann ich gut verstehen.
45:54Mir tut es nur leid, dass der Vater bestraft wurde.
45:56Ja, mir auch.
45:56Was hat die Richterin Gruber gemeint, als sie sagte, Sie sind ja wohl inzwischen erfahren genug?
46:02Ach so, weil ich noch nicht so ganz lange fertige Rechtsanwältin bin.
46:06Und sie weiß das, weil ich eine Station meines Referendarjards bei ihr gemacht habe.
46:09Ach.
46:10Ich wollte zwar nach dem Abi schon Jura studieren, aber dann musste ich erstmal was ganz anderes tun.
46:14Also dafür sind Sie ziemlich gut.
46:15Na, dann erzählen Sie doch mal der Kanzlei, bei der ich angestellt bin.
46:18Da langweile ich mich nämlich zu Tode.
46:20Die lassen mich hauptsächlich Recherchen machen.
46:22Also das war jetzt mal eine Ausnahme, weil einer der Partner krank geworden ist.
46:26Vielleicht hätten Sie ja Lust, sich neu zu orientieren.
46:33Bitte.
46:34Danke.
46:34Hallo, das ist Nora Sieber.
46:36Die hat eben im Verfahren einen anderen Angeklagten vertreten.
46:40Charlie, äh, Charlene Runge.
46:42Freut mich.
46:43Hallo.
46:44Hallo.
46:47Das ist hier unser Empfangsbereich.
46:54Das ist die Küche.
46:56Ja, ein Esstisch.
46:57Das sind die Büros der Anwälte.
47:01Hätte ich mir jetzt schon ein bisschen anders vorgestellt, aber ich kann es ja mal probieren.
47:06Ach so, draußen auf dem Schild steht Brede und Gellert.
47:08Wer ist denn Brede?
47:09Von Brede.
47:10Das ist meine Partnerin.
47:12Die nimmt sich gerade eine Auszeit.
47:14Ach so, aber ich werde jetzt hier nicht nur als Aushilfe gebraucht, bis sie wieder da ist.
47:17Nein.
47:19Wie ist denn gelaufen?
47:22Äh, gut.
47:23Der Willenbesitzer hat die Schafe selber aus der Umzäunung gelassen.
47:26Er wird dem Schäfer den Zaun, die Tierarztkosten und natürlich eine Entschädigung zahlen.
47:31Und das Anwaltshonorar, was entsprechend hoch ausfallen sollte.
47:34Sie sind auch Anwältin?
47:36Äh, nein, das ist unsere, äh, Sekretärin.
47:40Aus solcher Aufgaben übernimmt bei Ihnen die Sekretärin?
47:42Ja, wir sind eben eine spezielle Kanzlei.
47:46Ja, das scheint mir auch so.
47:53Gut.
47:55Ja, wenn das für Sie in Ordnung ist, dann würde ich erst mal zur Probe anfangen und dann entscheide ich,
47:59ob ich bleibe?
48:01Ah, einverstanden.
48:30Ja, das ist das für Sie in Ordnung.
48:31Untertitelung des ZDF für funk, 2017

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