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  • vor 6 Wochen
Fehlende Notunterkünfte, Hitze und Gewalt: Obdachlose Pariser leben illegal unter den Brücken der Stadt. Wenn die Polizei ein Lager räumt, entsteht anderswo sofort ein neues.

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Transkript
00:01Das ist wie Ferithof, wie Grab.
00:05Es ist, als würdest du in einem Backofen leben.
00:08Tausende Menschen leben in Paris auf der Straße.
00:11Unter Brücken und in Zelten versuchen sie Schutz zu finden.
00:14Sie reden mit uns.
00:15Manche wollen ihre Gesichter nicht zeigen.
00:18Warum aber werden diese Menschen nicht in Notunterkünften untergebracht und solche Lager geduldet?
00:23400 Menschen, darunter 150 Kinder, harren tagelang vor diesem Pariser Bezirksrathaus aus.
00:29Im dahintergelegenen Park trocknen Kleidung und Decken, durchnässt von sommerlichen Gewittern.
00:35Wir haben keinen Zugang zu Duschen, zu Sanitäranlagen.
00:39Es gibt zwar Toiletten im Park, aber die sind nicht ausreichend.
00:42Es ist schwierig für eine Frau, dort alleine ihren Notdurft zu verrichten.
00:46Man muss in einer Gruppe hingehen, sonst könnte man dort vergewaltigt oder überfallen werden.
00:52Hitze, Regen, Gewalt.
00:54Mitte Juli waren viele der Bewohner noch hier.
00:57Direkt neben der Stadtautobahn im Süden, auf dem Parkplatz des sozialen Notdienstes Samui Social.
01:03Der Notdienst, der den Leuten eigentlich ein Dach über dem Kopf vermitteln sollte.
01:08Doch 850 Unterbringungsplätze pro Tag wurden zu Sommerbeginn gestrichen.
01:13Mitarbeiter des Notdienstes solidarisieren sich, lassen die Menschen auf ihrem Parkplatz ihr Camp aufschlagen.
01:21Um uns herum stehen jede Menge Zelte.
01:24Seit Juli lebt Adam auf der Straße.
01:27Er ist vor knapp sechs Jahren mit seiner Mutter aus Nordafrika nach Paris gekommen.
01:31Zuletzt wohnten die beiden in einem, laut ihren Angaben, maroden Hotelzimmer, das vom Staat gestellt wurde.
01:38Ich erinnere mich, dass meine Mutter, als wir ankamen, erst einmal alle Bettwanzen entfernt hat, die sich auf dem Bett
01:43befanden.
01:45Aber aus der provisorischen Unterkunft müssen sie wieder heraus, landen auf der Straße.
01:50Mit Folgen für Mutter und Kind.
01:54Jemand hat mir mein Handy gestohlen. Jemand hat mir mein Geld gestohlen.
01:58Man hat versucht, mich zu vergewaltigen.
02:04Selbst für Notfälle ist in den Unterkünften oft kein Platz.
02:11Vier Tage und dann haben sie uns rausgeschmissen.
02:14Ich bin im fünften Monat schwanger.
02:15Vor ein paar Tagen hat mich der Krankenwagen abgeholt.
02:19Ich bin wegen der Hitze hier zusammengebrochen.
02:24Auch die Mitarbeiter von Hilfsorganisationen stellen fest, die Situation wird immer schlimmer.
02:31Früher, vor zehn Jahren, sind wir bei unseren Streifengängen fast nie Frauen begegnet.
02:35Man traf fast keine Kinder, keine Familien.
02:37Jetzt wird das wirklich immer häufiger.
02:38Und das werden ihnen wirklich alle sozialen Akteure bestätigen.
02:41Säuglinge, schwangere Frauen und Menschen mit Krebs.
02:43Das gab es früher auf der Straße nicht.
02:46Dehydrierung, Müdigkeit, aber auch Infektionskrankheiten und chronische Leiden.
02:50Ärzte leisten hier im Camp medizinische Ersthilfe.
02:53Sie gehören zu einer französischen Nichtregierungsorganisation,
02:56die eigentlich auf internationale Krisenherde spezialisiert ist.
03:00Wir nennen das den Teufelskreis der Lager,
03:03in denen sich der Gesundheitszustand der Menschen verschlechtert,
03:06ihre soziale Lage sich verschlechtert und ihre Integration beeinträchtigt wird.
03:11Im Norden von Paris unter der Metrolinie 2 ein weiteres Camp.
03:16Es existiert mit Unterbrechungen seit über zehn Jahren.
03:20Das Zeltlager wird geduldet.
03:22Hunderte Männer leben hier unter prekärsten Bedingungen.
03:25Die Zelte werden zu Brutkästen bei Temperaturen von über 40 Grad.
03:31Wenn man eine dieser Flaschen füllt und mitnimmt, wird sie richtig heiß.
03:36Man muss das Getränk mit normalem Wasser abkühlen.
03:39Das war also ziemlich mühsam.
03:53Die Stadt Paris finanziert zwar über 2000 Schlafplätze,
03:58aber dieses Angebot reiche bei weitem nicht aus, meint auch Ophélie Marlinier.
04:03Sie ist Vorsitzende des Sozialausschusses der Stadt Paris.
04:07In Paris wurde Anfang 2026 die Zahl der Obdachlosen ermittelt.
04:12Es sind 4000 Menschen.
04:14Es liegt in der Zuständigkeit und Verantwortung des Staates,
04:18allen, die in Frankreich auf der Straße leben, eine Unterkunft anzubieten.
04:21Der Staat kommt seinen Verpflichtungen nicht nach.
04:25Mitte August greift der Staat im Lager im Süden durch.
04:28Es wird evakuiert.
04:29Die Bewohner sollen übergangsweise in die Provinz gebracht werden.
04:33Ich weiß nicht, wie ich das machen soll.
04:35Bald muss mein Sohn doch wieder zur Schule.
04:39Nach der Evakuierung werden Mira und ihr Sohn Adam
04:42eine Woche in einem Pariser Vorort ausgelagert.
04:45Nun hat man sie wieder vor die Tür gesetzt.
04:47Es blieb ihnen nur das neue Lager vor dem Rathaus.
04:51Manchmal habe ich Migräne.
04:53Das Auge hier tut mir dann weh.
04:55Aber Paracetamol hilft, dann vergeht das.
04:59Das Wetter hat sich inzwischen gedreht.
05:01Nach dem dritten heftigem Regenschauer binnen einer Woche
05:04steht den Menschen dort erneut eine durchnässte Nacht bevor.
05:09Es gibt dort noch sehr kleine Kinder, sogar Babys, die erst wenige Monate alt sind.
05:14Mit nassen Decken zu schlafen ist extrem gefährlich.
05:16Dasselbe gilt für kranke Menschen.
05:19Angesichts der Untätigkeit des Staates tun wir, was wir können.
05:22Wir haben in ganz Paris acht Turnhallen geöffnet
05:24und haben dort bereits 2600 Menschen aufgenommen.
05:26Und wir wollen weitere öffnen, falls wir keine Lösung für die Menschen hier finden.
05:31Am Morgen wird auch das Lager vor dem Rathaus aufgelöst.
05:34Die Stadt bringt den Großteil der Menschen in den Turnhallen unter,
05:38auch Adam und seine Mutter.
05:40Mehrere Städte, darunter Straßburg,
05:42haben den französischen Staat bereits wegen des Umgangs mit Obdachlosen verklagt.
05:47Auch die Stadt Paris erweckt jetzt rechtliche Schritte.
05:50Untertitelung des ZDF für funk, 2017

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