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  • vor 9 Minuten
In unserer Reihe Young & Faithful stellen wir junge religiöse Menschen aus ganz Europa vor. Dieses Mal begleiten wir Yuval, einen in Berlin geborenen Juden.

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Transkript
00:04Meine Religion gibt mir unglaublich viele unterschiedliche Dinge, dass ich immer das Gefühl habe, ich kriege Unterstützung, dass ich immer
00:14was habe, woran ich mich festhalten kann.
00:17Wie fühlt es sich an, in Berlin jüdisch zu sein? Und warum trägt Yuval draußen immer eine Cap?
00:24Hi, mein Name ist Yuval, ich bin 18 Jahre, ich komme aus Berlin und ich bin jüdisch und heute zeige
00:30ich euch einen Tag in meinem Leben.
00:33Yuval hat gerade das Abitur in der Tasche. Er lebt noch bei seinen Eltern, als mittleres von drei Kindern einer
00:38jüdisch-konservativ-traditionellen Familie.
00:41Seit seiner Kindheit trägt er eine Kippa.
00:43Das hier ist jetzt eine Kippa, eine jemenitische Kippa, aufgrund von meiner Herkunft halt. Meine Vorfahren kommen aus dem Jemen.
00:53Die Kippa zu tragen bedeutet an sich, dass ich anerkenne, dass man sich Gott unterordnet, dass man ihn anerkennt.
01:00Und das ist auch der Grund, warum ich sie trage. Und ich trage sie eigentlich immer, außer beim Sport beispielsweise,
01:07wenn ich Fußball spielen gehe mit meinen Freunden.
01:09Wenn ich rausgehe, ziehe ich mir auch normalerweise eine Kippie drüber, dass man die Kippa nicht sieht.
01:14Warum er einen Teil seiner Identität versteckt, erzählt er uns noch.
01:18Doch erstmal geht's in den jüdischen Supermarkt. Yuval kauft für den Schabbat ein, den wöchentlichen Ruhetag im Judentum.
01:26Das ist am Türrahmen eine Mesuzah. Die findet man normalerweise an Hauseingängen und Eingängen zu Zimmern in jüdischen Einrichtungen, Häusern
01:37oder auch in privaten Wohnungen.
01:39Und es soll böse Energien, quasi schlechte Energien draußen halten.
01:43Im Geschäft gibt es koschere Lebensmittel. Das Wort koscher ist hebräisch und bedeutet den religiösen Vorschriften entsprechend.
01:50Ob eine Speise koscher ist, bestimmen die religiösen Gesetze der Tora, der Heiligen Schrift, der Juden. Schweinefleisch ist zum Beispiel
01:57tabu.
01:57In Berlin leben etwa 35.000 jüdische Menschen.
02:01Seit dem Terrorangriff der Hamas auf Israel am 7. Oktober 2023 haben antisemitische Vorfälle weltweit zugenommen, auch in Deutschland.
02:10Doch Yuval versteckt seine Kippa schon länger.
02:13In der Öffentlichkeit setze ich meine Käppi über die Kippa auf, weil ich nicht mit der Kippa einfach so gesehen
02:19werden möchte.
02:20Weil es ist ein gewisses Risiko durch einige antisemitische Vorfälle.
02:24Ich habe persönlich auch schon die ein oder andere Erfahrung gemacht.
02:28Und deswegen ist es einfach aus Sicherheitsgründen und auch, dass ich mich wohler fühle, dass man das mir nicht offen
02:34ansieht, dass ich jüdisch bin.
02:41Yuval bereitet das in seiner Familie traditionelle Pita-Brot für den Schabbat zu.
02:45Aus Mehl, Zucker, Salz, Hefe, Wasser und noch ein, zwei Zutaten mehr, die er uns nicht verraten möchte.
02:52Weil das ein Familienrezept ist und ich das nicht so einfach weitergeben werde.
02:57Nicht alle gläubigen Juden leben streng nach den koscheren Gesetzen.
03:00Doch für Yuval ist es wichtig, die Regeln einzuhalten.
03:03Nicht nur, weil er so aufgewachsen ist.
03:05Jede Handlung erinnert ihn, achtsam zu leben.
03:08Für mich bedeutet jüdisch sein vor allem, mich an die moralischen Grundsätze des Judentums zu halten.
03:16Das bedeutet also beispielsweise, dass man jedem mit Respekt begegnen soll.
03:20Aber für mich bedeutet das natürlich auch eine Art von Community, eine Gemeinschaft.
03:25Mittlerweile ist er echter Profi im Pita-Brot backen.
03:29Durch das Hochwerfen wird der Teig gleichmäßig dünn und das Ergebnis schön fluffig.
03:34Yuval bereitet eine größere Menge für seine Familie zum Schabbat vor.
03:37Das Brot hält sich mehrere Tage.
03:40Schabbat bedeutet Ruhe, wird jeden Freitag abends gefeiert und endet am Samstagabend bei Sonnenuntergang.
03:46Vor dem Kosten mit Hummus segnet er das Brot als Dank an Gott.
03:59Berlin hat eine über 750-jährige jüdische Geschichte, war aber auch Ort des Grauens.
04:05Rund 12.000 Stolpersteine, Messing-Tafeln im Gehweg vor den letzten Wohnorten der Opfer erinnern an Menschen, die von den
04:12Nazis verfolgt und ermordet wurden.
04:14Für Jüdinnen und Juden ist Berlin kein Ort wie jeder andere.
04:18Jüdisch zu sein in Berlin bedeutet für mich in erster Linie, dass es eine der größten jüdischen Communities in Deutschland
04:25ist, was uns, also den jüdischen Personen in Berlin, gute Optionen bietet, das Judentum gut auszuleben.
04:32Natürlich ist in Berlin das auch noch wirklich die Geschichte sichtbar an sehr vielen Ecken, was halt im Holocaust passiert
04:41ist.
04:42Nicht nur was den jüdischen Personen passiert ist, sondern generell den Opfern des Holocaust.
04:46Es tut natürlich schon weh, wenn man an diese Geschichte ständig erinnert wird, aber trotzdem ist es natürlich eine gute
04:52Sache, dass man immer wieder sieht, dass die Opfer nicht vergessen sind.
04:57Zurück zu Hause.
04:59Juwal und sein jüdischer Freund Noam treffen sich, um aus der Tora zu lesen, beziehungsweise zu singen.
05:08Und wie oft betet Juwal?
05:11Allgemein gibt es im Judentum eigentlich drei Gebete am Tag. Eins, was morgens ist, eins nachmittags, mittags, nachmittags, eins abends.
05:19Und für mich ist es sehr wichtig, das am Schabbat zu tun. Am Schabbat haben wir noch ein zusätzliches viertes
05:24Gebet. Da bin ich dann auch regelmäßig in der Synagoge.
05:28Wenn Zeit bleibt, trifft Juwal sich am Abend mit Kumpels zum Kicken.
05:32Die Freunde gehören verschiedenen Religionen an, einige sind nicht gläubig.
05:38Was sagt er zu der Frage, ob seine Partnerin jüdisch sein sollte?
05:42Es ist so gewünscht, sage ich mal, dass man eine jüdische Partnerin oder einen jüdischen Partner hat, je nachdem für
05:49wen jetzt natürlich.
05:51Und mir persönlich ist es auch wichtig, vor allem weil ja das Judentum über die Frau weitergegeben wird.
05:57Und es mir persönlich auch wichtig ist, dass meine Kinder auch jüdisch aufwachsen, mit den Traditionen aufwachsen und auch so
06:04erzogen werden.
06:05Für Juwal hat das Leben in der jüdischen Gemeinschaft einen hohen Stellenwert.
06:11Das war ein Tag in meinem Leben. Ich hatte einen sehr tollen Tag. Ich hoffe, euch hat der kleine Einblick
06:16gefallen.
06:17Und ich wünsche euch noch einen schönen Tag. Ciao!
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