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  • vor 2 Monaten
Einmal VW, immer VW. Das galt jahrzehntelang, die Jobs waren sicher. Doch jetzt will der Konzern 100.000 Stellen streichen. Und möglicherweise Werke dichtmachen. Da stehen schnell ganze Regionen auf der Kippe.

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Transkript
00:00Also wenn man das Werk jetzt komplett schließen würde, dann könnte man die Deiche öffnen, ja.
00:04Dann könnte man das ganze Land überfluten, weil das hat ja dann so fast keinen Sinn mehr, weil wir davon
00:08alle abhängig sind.
00:09Da hängt eine Hausfinanzierung dran, da hängen Verbindlichkeiten dran, da hängt eine Lebenswirklichkeit hier in Ostfriesland dran.
00:17Die Bedeutung für die Stadt und für die Region, dass VW zumachen würde, wäre eine Katastrophe.
00:26Die haben Angst, die haben richtig, richtig Angst.
00:29Können Sie morgens noch zu Ihrem Betrieb gehen und so weiter oder ist da schon der ganze Laden zu?
00:39Sie sind enttäuscht und wütend, die Beschäftigten von Volkswagen im ostfriesischen Emden, ganz im Norden Deutschlands.
00:47Kurz vor Beginn der Werksferien im Juli haben sie erfahren, dass ihr Betrieb auf einer Liste von vier VW-Standorten
00:54steht, denen das ausdroht.
00:56Nicht von ihrem Arbeitgeber, sondern aus den Medien.
01:00Heute hat sich VW-Vorstandschef Oliver Blume angekündigt, will auf einer Betriebsversammlung sprechen.
01:08Als die Wagenkolonne des Vorstandsvorsitzenden vorbeirauscht, hoffen sie, dass er sie und ihre Sorgen wenigstens wahrnimmt.
01:19Also die Belegschaft und ich ganz besonders auch, erwarten natürlich klare Aussagen, klare Äußerungen, was passiert mit dem Emden-Werk
01:25hier, was wird sein, was haben sie vor, was ist deren Strategie.
01:30Und dass sie endlich mal mit klaren Tatsachen draufkommen und nicht immer nur die Floskeln.
01:33Michael de Vries montiert seit 17 Jahren Autos bei Volkswagen.
01:39Der 48-Jährige sagt, die Stimmung sei nicht nur bei den 7500 VW-Mitarbeitern extrem schlecht.
01:47Angst, Angst, Unsicherheit, was passiert mit uns, was passiert mit unseren Familien auch.
01:52Wir haben natürlich auch viele, die auch in anderen Branchen tätig sind und auch irgendwo alle abhängig von uns sind.
01:57Und das ist natürlich sehr große Angst.
01:59Und überall, wo man hinkommt, egal ob beim Bäcker oder beim Schlachter, überall wird gefragt und so, wie sieht es
02:03aus, wie läuft es weiter.
02:05Auch Emdens Oberbürgermeister ist zum Werkstor gekommen.
02:09Dass die Betroffenen die Pläne der Volkswagen-Chefetage bisher vor allem aus den Medien erfahren haben, nennt er beschämend und
02:16völlig inakzeptabel.
02:18Wer ein Weltkonzern ist, hat auch Weltkonzernverantwortung.
02:21Und die Menschen dann über einen so langen Zeitraum im Unklaren zu lassen, das ist nicht menschlich, das ist perfide.
02:28Und von daher muss sich an der Kommunikation von Volkswagen dringend etwas ändern.
02:32VW ist der wichtigste Arbeitgeber der ganzen Region.
02:36Und eigentlich ist das Emdener Werk eines der modernsten des Konzerns.
02:40Vor Jahren schon lief hier der letzte Verbrenner vom Band.
02:43Seit 2019 bauen sie ausschließlich Elektroautos.
02:47Doch E-Autos von Volkswagen verkaufen sich schlecht, vor allem im wichtigen Markt China.
02:52Sie sind zu teuer und treffen dort oft nicht den Geschmack der Kunden.
02:57Während im Werk die Betriebsversammlung beginnt, fahren wir ins Stadtzentrum von Emden.
03:03Taxifahrer Stefan Visser sagt, die Krise bei VW, sie ist hier Gesprächsthema Nummer eins.
03:09Denn jeder sei irgendwie betroffen.
03:17Das sind die Zulieferer, die Firmen, die in Emden ansässig sind und von den Mitarbeitern die Kaufkraft brauchen.
03:27Und wenn die Kaufkraft wegfällt, dann können die auch durchmachen.
03:34Eine Meinung, die wir häufig hören, im beschaulichen Emden.
03:38Und in vielen Läden hier spüren sie schon heute, dass die Menschen ihr Geld zusammenhalten und sich zweimal überlegen, was
03:45sie kaufen.
03:48Dann werden Prioritäten gesetzt.
03:49Gebe ich es aus für Urlaub, gebe ich es aus für Bekleidung, gebe ich es aus für Schmuck, Drogerieartikel.
03:56Irgendwo werden dann nachher im Prinzip Punkte gesetzt, wo man sagt, darauf verzichte ich.
04:01Also wenn das Werk hier in Emden zugemacht werden würde, denke ich, dass wir bestimmt einen Umsatzeinbruch von 40 Prozent,
04:09denke ich, auf jeden Fall haben würden.
04:13Würde sich eben halt auch die ganze Geschichte hier gar nicht mehr rechnen.
04:17Vom VW-Werk über die Zulieferer, Händler und den Hafen von Emden, in dem viele der hier produzierten Autos verschifft
04:25werden,
04:25hängen in der Region insgesamt 40.000 bis 50.000 Arbeitsplätze ab.
04:31Schätzen Politiker und Gewerkschaften gleichermaßen.
04:34Und Emdens Bürgermeister sagt, einen möglichen Verlust des Volkswagenwerkes würde die Region auf Jahrzehnte nicht verkraften.
04:43Ich kriege die Rückmeldung von unseren Vereinen aus den Fußballmannschaften,
04:46dass die jungen Leute sich eben teilweise dazu entscheiden, woanders hinzugehen, eine Ausbildung zu machen außerhalb Ostfriesland.
04:53Und das ist natürlich etwas, was für so eine Region fatal ist, weil auf einmal die Stadtgesellschaft sich verändert, die
05:00jungen Menschen fehlen.
05:02Ja, und das ist ja in Summe eben einfach eine sehr große Bedrohungslage für uns.
05:08Inzwischen ist Michael de Vries von der Betriebsversammlung mit VW-Vorstandschef Oliver Blume zurück.
05:14Die drängenden Fragen nach der Zukunft des Werkes habe der Chef aber nicht beantwortet.
05:20Dafür gab es auch Bu-Rufe, sagt der VW-Mitarbeiter.
05:23Das Vertrauen, das ist sehr gering. Also das wird nicht mehr richtig akzeptiert.
05:32Ich denke mal, da werden sie sehr stark daran arbeiten müssen, dass sie dieses Vertrauen wieder aufbauen können.
05:40Das wird nicht einfach werden. Also das Vertrauen ist, ich würde sagen, man zerstört.
05:47Zwischen Deich und Hafen versucht Michael de Vries an solchen Tagen den Kopf freizubekommen.
05:53Die ständige Angst, sagt er, mache etwas mit den Menschen.
06:00Ja, auch die Zukunft. Wie sieht die Zukunft aus? Wie ist das für unsere Kinder?
06:03Unsere Kinder, unsere Enkelkinder, haben die hier dann noch irgendwann mal eine Perspektive, hier in Ostfriesland leben zu können, zu
06:09dürfen?
06:11Das macht eine große Sorge. Wir haben alle Kinder. Ich habe selber einen kleinen Sohn im Namen.
06:15Ich wünsche mir natürlich auch ganz gerne, dass der vielleicht in Papas Fußstapfen tritt.
06:19Und deshalb will er kämpfen, um weiter Autos bauen zu können für seinen Job, für eine Zukunft und für das
06:27VW-Werk in Emden.
06:29Körerei
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