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  • vor 4 Wochen
Seit Jahrhunderten erzählen sich die Menschen Osteuropas Geschichten von Vampiren, Untoten und geheimnisvollen Wesen, die nachts aus ihren Gräbern zurückkehren sollen. Doch was steckt hinter den alten Legenden? Ein Team aus Forschern und Ermittlern begibt sich auf eine Reise durch abgelegene Dörfer und Regionen Osteuropas, um den Spuren der sogenannten **Vampirkiller** zu folgen. Alte Berichte, rätselhafte Gräber und überlieferte Rituale werfen dabei Fragen auf, die bis heute nicht vollständig beantwortet sind.

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Transkript
00:01In dieser Folge von Mysterien der Menschheit, im Mittelalter hinterließ ein beschauliches englisches Dorf ein schauriges Rätsel.
00:11Zwei Kinder tauchten plötzlich aus dem Nichts auf. Sie sprachen eine fremde Sprache und ihre Hautfarbe war grün.
00:23Doch zunächst der älteste vermeintliche Vampir der Welt.
00:29Ein 4000 Jahre altes Mysterium am Rande Osteuropas, welches in der Furcht vor Vampiren noch heute fortbesteht.
00:39Es heißt, die Toten hätten sein Herz gegessen und die Vampirjagd am Leben hält.
01:07Der Historiker Gabriel Roney ist in die tschechische Hauptstadt Prag gereist.
01:15Hier will er ein archäologisches Fundstück untersuchen, das sich als ältester Vampir der Welt herausstellen könnte.
01:33Roney trifft sich mit dem Archäologen Dr. Ratko Sedlacek.
01:40Sedlacek gelang bei einer Ausgrabung in der Nähe des Dorfes Mikolovice, östlich von Prag, eine bemerkenswerte Entdeckung.
01:49Sehen Sie sich das an.
01:51Das also ist die untypische Grabstätte von Mikolovice.
01:58Sedlacek stieß auf 200 Skelette aus der Bronzezeit, 4000 Jahre alt.
02:03Alle wurden sie auf die gleiche Weise bestattet.
02:07Sie zeigten mit dem Gesicht nach Süden und ruten auf der rechten Seite.
02:13Bis auf ein Skelett.
02:20Der Kopf weist nach Norden und der Körper liegt auf der linken Seite.
02:28Mit ihm wurde genau gegenteilig zu den anderen verfahren.
02:36Außerdem lag das Skelett in einiger Entfernung zu den anderen.
02:44Der Tote wurde nicht in einem Grab bestattet, sondern in einer Sedimentgrube.
02:54Wir müssen annehmen, dass die Gemeinschaft in dieser Person eine Art Verbrecher, einen Abtrünnigen gesehen hat.
03:03Dieses Verhalten weicht komplett von den Grundsätzen ab, die eine Gemeinschaft ausmachen.
03:13Roney ist besonders von einem Merkmal des Grabes angetan.
03:18Von dem großen Stein, der auf dem Skelett liegt.
03:25Offensichtlich wurde das Skelett mit einem großen Stein auf der Brust beschwert.
03:33Wahrscheinlich wollte man die Leiche auf den Boden drücken.
03:41Daran wird die Bedeutung der Grabstätte offenbart.
03:48Wer auch immer der Tote war, die Sippe aus der Bronzezeit fürchtete seine Wiederkehr und wollte ihn daher mit einem
03:55Gewicht festhalten.
03:59Dieses Verhalten lässt für Roney nur einen Schluss zu.
04:03Die Furcht vor einem vermeintlichen Vampir.
04:08Könnte er mit seinem Verdacht richtig liegen?
04:17Er will das Skelett mit eigenen Augen sehen.
04:26In der tschechischen Wissenschaftsakademie ist die Andropologin Dr. Petra Stranska mit der Untersuchung der Knochen betraut.
04:44Ist dies das Skelett von Mikulowitsa?
04:54Sehr beeindruckend.
04:57Was können Sie aus diesen Überresten schließen?
05:03Es war ein Mann, zwischen 20 und 35 Jahre alt.
05:10Doch die forensische Analyse deckt Verstörendes auf.
05:19Am Schläfenknochen verläuft ein Schnitt, oberhalb des Kiefers von rechts nach links.
05:28An dieser Stelle wurde er so heftig getroffen, dass der Schnitt bis in die Knochen ging.
05:35Die Untersuchung deckt einen weiteren heftigen Schlag auf.
05:42Der Schädel weist Spuren stumpfer Gewalteinwirkung auf.
05:48Können Sie schon sagen, ob dieser brutale Schlag zum Tod geführt hat?
05:56Danach lebt er höchstens noch ein paar Minuten.
06:05Sah seine Sippe in dem Toten womöglich einen Vampir?
06:10Zur Klärung dieser Frage muss Roney denken und fühlen wie ein Vampirjäger.
06:18In einigen abgelegenen Dörfern Rumäniens ist die Furcht vor Vampiren bis heute präsent.
06:25Außerdem existieren Berichte von in der Gegenwart durchgeführten Vampirtötungen.
06:32Daher fährt Roney nach Süden, durchquert die Region, in der die Dracula-Legende verwurzelt ist, Transsilvanien.
06:40Und nähert sich der rumänischen Hauptstadt Bukarest.
06:46Dort trifft er sich mit dem fremden Führer Tudor Valimarescu.
06:53Mit ihm setzt er seine 200 Kilometer lange Reise ins Herz Rumäniens fort, die ihn in das abgelegene Dorf Marotino
07:02de Sous führt.
07:05Hier sollen die Dorfbewohner im Jahr 2004 das Grab eines Mannes namens Petre Toma geöffnet haben.
07:13Sie gruben seinen verwesenden Leichnam aus und schnitten ihm das Herz heraus.
07:19Roney will wissen, welche Menschen für diese Tat verantwortlich sind und was sie dazu veranlasst hat.
07:30Als er den abgeschiedenen Friedhof gefunden hat, beginnt es bereits zu dämmern.
08:00Roney und Valimarescu beobachten einen alten Mann bei der Grabpflege.
08:06Er verbrachte sein ganzes Leben im Dorf und kannte den Toten gut.
08:23Nach Petres Tod erkrankte ein Verwandter von ihm.
08:27Wer war das?
08:29Jemand aus der Familie.
08:32Es heißt, man erkrankt an Herzschmerzen, wenn die Toten das Herz verzehrt haben.
08:46Man erzählt sich, der Tote wurde auf der Seite liegend gefunden und ihm war ein langer Bart gewachsen.
08:57Weiß er, was in der Nacht passiert ist?
09:01Wir haben gehört, dass jemand kam und sein Herz durchbohrte.
09:04Mit zwei Pflöcken?
09:08Man muss die Leiche ausgraben, das Herz entnehmen und etwas trinken.
09:14Ich weiß es nicht genau.
09:16Was muss man trinken?
09:20Und es verbrennen.
09:22Das Herz verbrennen?
09:23Ja, und die Asche trinken.
09:29Nach der Verbrennung von Petre Thomas' Herz lösten die Vampirjäger die Asche in Wasser und tranken sie.
09:41Meine Herren, am besten fragen Sie Petres Frau.
09:44Sie kann Ihnen alles erzählen.
09:48Die beiden Männer folgen seinem Rat und suchen im Dorf nach der Witwe des vermeintlichen Untoten.
10:17Ich heiße Tudor.
10:21Schön, Sie kennenzulernen.
10:23Was wollen Sie?
10:24Schon gut, wir wollen Sie nicht belästigen.
10:30Dieser Mann hier untersucht...
10:33Hören Sie, ich muss da lang, Sie dort lang.
10:36Vielen Dank.
10:37Entschuldigen Sie.
10:54Wir möchten uns nur mit der Frau unterhalten.
10:56Mein Freund und ich sind an ihrer Geschichte interessiert.
11:00Das ist sieben oder acht Jahre her.
11:02Ich weiß.
11:06Acht Jahre.
11:07Wieso lassen Sie die Vergangenheit nicht ruhen?
11:14Die Dorfbewohner verweigern jede Auskunft und lassen die Fremden mit offenen Fragen zurück.
11:21Auf dem Rückweg wagen sie einen letzten Versuch.
11:30Ich werfe dir einen Stein an den Kopf.
11:34Wir wollten doch nur wissen, dürfen wir fragen.
11:38Wir machen euer Auto kaputt.
11:40Was wissen Sie über Ihre Nachbarin?
11:42Welche?
11:43Frau Petra.
11:45Euch zeige ich's, hört ihr?
11:48Okay, gehen wir.
11:50Soll ich euch die Scheiben einschlagen?
11:58In dieser abgelegenen Gemeinschaft bestehen die alten Vampirmythen offensichtlich noch heute fort.
12:06Doch die Dorfbewohner brechen ihr Schweigen nicht.
12:09Und Roney bleibt mit seinen Fragen auf sich gestellt.
12:15Wie spüren Vampirjäger vermeintliche Untote auf?
12:21Benutzen sie Steine zur endgültigen Vernichtung eines Vampirs?
12:31Roney fährt zurück nach Prag.
12:33Dort wird das älteste bekannte Buch aufbewahrt, das sich mit Vampirjagd beschäftigt.
12:42Im Jahr 1706 verfasste der österreichische Anwalt Karl Ferdinand Scherz die Magia Postuma.
12:51Darin schreibt er über Fälle, in denen man Menschen ein angebliches Vampirdasein vorwarf und sie deswegen verurteilte.
13:01Ein berühmter Fall handelt von einem Mann namens Arnold Paole.
13:10Angeblich hat man ihn nach seinem Tod dabei beobachtet, wie er jede Nacht vom Friedhof zurückgekommen ist, um mit seiner
13:16Frau zu schlafen und ihr Blut zu trinken.
13:22Er wurde des Vampirdaseins für schuldig befunden.
13:27Nach seinem Schuldspruch wurde er exhumiert und mit einem Pflock durchs Herz gepfällt.
13:36Der historische Text berichtet vom Gebrauch von Pflöcken sowie von Verbrennungen der Beschuldigten, jedoch nicht von Steinen.
13:48Allerdings führt er mit Toden zum Aufspüren eines vermeintlichen Vampirs auf.
13:57Die Vampirjäger und Vampirtribunale suchten im Mund einer Leiche nach eventuellen Blutspuren und überprüften die Beweglichkeit der Gliedmaß.
14:13Manchmal schob man die Bestattung auch sechs Wochen auf, damit sie an dem Leichnam die Fäulnis beobachten konnten.
14:27Offenbar glaubten Vampirjäger in verwesenden Körpern, mögliche Untote zu erkennen.
14:33Daher will Rony mehr über den Verwesungsprozess erfahren.
14:40Am Institut für Pathologie in Bukarest trifft der Dr. Dan Dermenju.
14:48Er kann ihm erklären, warum man in frühen Verwesungsstadien irrtümlich auf vermeintliche Vampirmerkmale schließen kann.
15:33Redaktiviertelung
15:44Rony mehr über den Verwesungsstilien
15:48Bei uns lagern Leichen in verschiedenen Verwesungsstadien. An ihnen kann man die Veränderungen nach dem Tod erkennen.
16:00Hier zum Beispiel.
16:06Hier erkennen wir die interessante, wenn auch gruselige Wandlung des menschlichen Körpers.
16:14In dem Leichnam vermehren sich Bakterien, die große Mengen an Gas produzieren.
16:23Das Gas reichert sich in allen Körperregionen und in den inneren Organen an.
16:34Dadurch erfolgt ein Druckanstieg, infolgedessen der Körper auch platzen kann.
16:43Oh Gott, wie grauenhaft.
16:47Ich habe noch ein paar Bilder.
16:50Exhumierte Leichname, die man für Vampire hielt, wurden oft als aufgedunsen und rot beschrieben.
16:58Darin sah man den Beweis für das Blutsaugen.
17:02Dr. de Manjou liefert allerdings eine wissenschaftliche Erklärung.
17:09Das Körpervolumen nimmt zu, nicht das Gewicht.
17:12Das erhöhte Volumen erzeugt den Eindruck, der Leichnam hätte an Gewicht gewonnen.
17:21Gewichtszunahme?
17:21Ja, während er sich im Grab befindet.
17:24Es wird angenommen, der Tote sei wohlgenährt, weil er sich an Menschenblut labe.
17:34Unter Umständen können sich bei dem aufgedunsenen Leichnam auch die Gliedmaßen verlagern.
17:41Als bewege er sich.
17:43Als wäre der Körper dem Grab entstiegen und zurückgekehrt.
17:49Wenn man die Haut durchstößt, mit einem Flock, wenn man sie mit einem Flock durchstößt, entweichen die Gase.
17:57Dieses erschreckende Geräusch klingt wie der Schmerzensschrei eines Vampirs.
18:02Der Schmerzensschrei eines Vampirs.
18:11Vielleicht haben schon die Vampirjäger der Bronzezeit diesen natürlichen Verwesungsprozess beobachtet.
18:18Vor 4000 Jahren.
18:23Möglicherweise lässt sich dadurch ihre Furcht vor der möglichen Wiederkehr des Toten erklären.
18:35Es gibt noch einen weiteren Fund, der Rohnys Nachforschungen voranbringen könnte.
18:43In der tschechischen Wissenschaftsakademie befinden sich Aufzeichnungen über die Entdeckung des sogenannten Vampirfriedhofs.
18:53In Sekalowice wurden im Jahr 1966 die Skelette von 14 Menschen aus dem 10. Jahrhundert freigelegt.
19:04Die Historikerin Dr. Nadja Profantova leitet das Archiv.
19:10Die Ausgrabungen verdeutlichen das brutale Vorgehen der Vampirjäger.
19:20Die Archäologen fanden Holzreste von Pflöcken in der Brust.
19:26Als hätte man sie in die Brust, also das Herz, gestoßen, um ihre mögliche Rückkehr als Untote zu verhindern?
19:33Ja.
19:39Gnadenlos verrichteten die Jäger ihr Werk.
19:42Sie verstümmelten das Herz der Verdammten, damit sie nicht zu den Lebenden zurückkehren konnten.
19:48Und ein Skelett beweist, dass auch Steine zu ihren Werkzeugen gehörten.
19:57Wozu dienen der große Stein auf der Brust und der ebenfalls recht große auf dem Kopf?
20:07Kopf und Herz wurden als lebensnotwendige Körperteile angesehen.
20:12Deshalb schien es ratsam, die Körperteile festzuhalten, die als besonders gefährlich galten.
20:21Geist, Herz und Füße wurden gelähmt.
20:30Der Vampirfriedhof stellt sich als das gesuchte Bindeglied heraus.
20:37Vielleicht können die Beschreibungen auch enthüllen, zu welchem Zeitpunkt die Vampirjäger zum Töten vom Stein zum Pfahl übergingen.
20:48Damit sieht es Rony als erwiesen an, dass der Vampirglaube mindestens 4000 Jahre zurückreicht.
20:57Diese Erkenntnisse machen den Fund aus der Bronzezeit für ihn tatsächlich zum ältesten vermeintlichen Vampir der Welt.
21:12Völlig unerwartet erfährt Rony von einer erneuten möglichen Vampirtötung in Rumänien.
21:22Dort hat sich seine Suche nach neuzeitlichen Vampirjägern herumgesprochen.
21:30Bei Tudo Vali Marescu hat sich ein Mann gemeldet, der welche gesehen haben will.
21:39Zusammen mit Vali Marescu begibt sich Rony in das abgeschiedene Dorf Leu, wo sie ein alter Mann erwartet.
21:49Vor etwa vier Jahren wurde auf diesem Friedhof ein Vampir ausgegraben.
21:57Dieser Fall soll bisher nicht an die Öffentlichkeit gelangt sein.
22:02Der alte Mann führt sie zu dem besagten Grab.
22:06Rony interessiert sich für alle Einzelheiten der Vampirjagd.
22:16Ich habe es so verstanden, dass vor vier Jahren eine Dorfbewohnerin starb und begraben wurde.
22:23Dann verließ sie ihr Grab und suchte ihre eigene Familie heim.
22:30Mehrere Verwandte.
22:33Und sie trank ihr Blut.
22:37Ganz richtig, das hat er uns erzählt.
22:42Was wurde unternommen?
22:44Sie holten sie raus.
22:45Sie gruben sie aus?
22:47Ja.
22:47Dann schnitten sie ihr Herz heraus.
22:52Wurde es verbrannt oder nur herausgeschnitten?
22:57Wurde das Herz auch verbrannt?
22:59Das weiß ich nicht.
23:01Das weiß er nicht.
23:03Wurde sie gefehlt?
23:06Im Herz?
23:07Nein, sie vierteilten sie.
23:09Sie vierteilten sie?
23:11Damit sie tot bleibt.
23:15An ausgegrabenen Vampiren sieht man oft, dass sie sich auf die Seite gedreht haben.
23:20Sie liegen dann auf der Seite?
23:23Und sie sind rot wie Blut.
23:30Durch die Geschichte des alten Mannes hat Rony noch mehr Details über die Vampirjagd erfahren.
23:37Das war unglaublich.
23:39Und so unerwartet.
23:41Besser kann man es sich gar nicht wünschen.
23:47Rony's Erkenntnisse erweisen sich als Bindeglied zwischen zwei Gemeinschaften, die 4000 Jahre voneinander trennen.
23:56Beide verbindet Angst.
24:17Die Angst vor Vampiren ist schon uralt, besteht aber bis heute fort.
24:24Praktisch alle bekannten Gesellschaften kennen diese Furcht.
24:29Den Kampf gegen Vampire machten sie zum Zentrum ihres Glaubens.
24:43Dr. Sedlacek, der Entdecker des Vampirs aus der Bronzezeit, führt Rony zu seiner Ausgrabungsstelle.
24:51Die Archäologen sind inzwischen längst weitergezogen und um das Vampirgrab ist eine Wohnsiedlung entstanden.
25:06Beim Anblick dieses bronzezeitlichen Grabes frage ich mich, wie viele hier unentdeckt blieben.
25:12Das lässt sich schwer sagen, aber es gibt weitere Grabstellen.
25:18Allerdings können sie nur durch zukünftige Ausgrabungen freigelegt werden.
25:25Uns bleiben nur Spekulationen. Aber an einer Antwort wäre ich sehr interessiert.
25:34Die stete Vergrößerung der Siedlung macht künftige Grabungen nach Vampirgräbern jedoch immer unwahrscheinlicher.
25:42Und die Anwohner ahnen nicht, welche Abgründe sich womöglich unter ihren Häusern auftun.
25:55Im Mittelalter wurde ein typisches englisches Dorf zum Schauplatz mysteriöser Vorgänge.
26:02Vor über 850 Jahren sollen hier plötzlich zwei merkwürdige Kinder aufgetaucht sein.
26:08Den Dorfbewohnern erschienen sie fremdartig. Außerdem soll ihre Haut vollkommen grün gewesen sein.
26:17Handelt es sich bei der Geschichte um eine Legende oder hat sie sich wirklich zugetragen?
26:34Der Autor Duncan Loonen will die merkwürdigen Ereignisse aufklären,
26:38die sich im 12. Jahrhundert in einem kleinen englischen Weiler abgespielt haben sollen.
26:47Chronisten berichten von zwei Kindern, einem Jungen und einem Mädchen,
26:52die dort ohne Erklärung wie aus dem Nichts auftauchten.
27:00Laut den Aufzeichnungen waren die Kinder alles andere als gewöhnlich.
27:07Keiner der Einwohner hatte jemals zuvor solche Kleidung gesehen.
27:11Auch konnte niemand ihre Sprache verstehen.
27:14Und das war noch nicht alles.
27:22Es heißt, sie seien von Kopf bis Fuß grün gewesen.
27:29Seit über 40 Jahren beschäftigt sich Loonen mit diesem angeblichen Märchen.
27:35Er vermutet dahinter mehr als nur eine einheimische Legende.
27:42Dabei beruft er sich auf ein Schriftstück, welches das Corpus Christi College der Universität von Cambridge verwahrt.
27:51Das 800 Jahre alte Manuskript ist eine frühe Kopie der Geschichte englischer Angelegenheiten von William of Newburgh.
28:00Der mittelalterliche Chronist hielt Englands Geschichte fest, von Wilhelm dem Eroberer bis Richard Löwenherz.
28:07Daher ist das Manuskript eine wichtige Quelle für frühe englische Geschichte.
28:13Auch die grünen Kinder sind darin beschrieben.
28:17Angeblich nach einem Augenzeugenbericht.
28:20Loonen erhält zum ersten Mal Zugang zu einer der ältesten bekannten Kopien von Newburghs Text.
28:27Das Manuskript aus dem 13. Jahrhundert bestätigt die Legenden in allen Details.
28:34Grün am ganzen Körper, hellgrün sogar.
28:39In Bezug auf die Hautfarbe der Kinder ist der Bericht eindeutig.
28:44Laut Loonen muss Verides in diesem Zusammenhang als helle grüne Farbe übersetzt werden.
28:55Sie trugen Kleidung von bisher unbekannter Farbe und Material.
29:10Er schreibt, dass sie Nahrung verweigerten.
29:17Das ist ungewöhnlich.
29:21Zwei fast verhungerte Kinder lehnen alle angebotenen Nahrungsmittel ab.
29:27Es ist schon ungewöhnlich genug, dass sie keines der Lebensmittel kannten.
29:35Dem Text ist zu entnehmen, dass William of Newburgh selbst keinen Zweifel am Wahrheitsgehalt der beschriebenen Ereignisse hegte.
29:48Ich bin überwältigt von so vielen und so fähigen Zeugen.
29:57Er hat sich nicht einfach von ein paar Leuten für ein Bier Geschichten erzählen lassen, sondern war von ihren Aussagen
30:03vollkommen überzeugt.
30:18Loonen reist zum Ort des Geschehens, ins Örtchen Woolpit.
30:23Dort will er nach einer Erklärung suchen.
30:28Dafür ist umsichtiges Vorgehen nötig.
30:34In englischen Dörfern rufen Fremde bei Einheimischen schnell Misstrauen hervor.
30:39Besonders, wenn diese nach unerklärlichen alten Geschichten fragen.
30:46In einem Zimmer im örtlichen Pub bereitet er seine Nachforschungen vor.
30:57Die grünen Kinder von Woolpit faszinieren mich seit den 60ern, als ich in meiner Studentenzeit zum ersten Mal davon hörte.
31:07Ich will ja auf den Grund gehen.
31:10Es wird Zeit, dass die Wahrheit dahinter aufgedeckt wird.
31:20Am nächsten Morgen trifft sich Loonen mit dem Lokalhistoriker John Wiley.
31:31Bei ihm will sich Loonen nach dem Ort des Geschehens erkundigen.
31:36Ich interessiere mich für die Legende der grünen Kinder.
31:40Also, auf der Karte ist einer der beiden Orte zu sehen, an denen die Kinder aufgetaucht sein könnten.
31:46Der eine ist hier und der andere dort drüben.
31:51Das ist der Wahrscheinlichere.
31:53Aus diesem alten Wald sind sie wahrscheinlich gekommen.
31:57Was glauben Sie?
31:58Durch den Wald zieht sich ein uralter Graben.
32:01Dort könnten auch Wolfsgruben gewesen sein.
32:08Der Name Woolpit leitet sich von Pits ab, Englisch für Gruben.
32:13Rund um das Dorf befanden sich im Mittelalter Gruben, die zum Fangen der Wölfe dienten,
32:18die damals die anliegenden Gehöfte heimsuchten.
32:28Im Bericht der mittelalterlichen Chronisten heißt es, die Kinder seien aus einer dieser Gruben emporgestiegen.
32:35Auf der alten Karte sind auch in diesem Wald Wolfsgruben verzeichnet.
32:40Oder zumindest ein Graben.
32:51Wenn ich die Karte richtig deute, hat John Wiley von dieser Stelle gesprochen.
32:58Hier müsste sich ein Graben befinden, aber ich sehe keinen.
33:06Aber hier links haben die Pflanzen eine andere Farbe.
33:10Sie scheinen in einem Kreis zu wachsen.
33:14Die Grube könnte aufgefüllt worden sein.
33:17Je nachdem, wie tief sie einst war, könnten sich darin vielleicht auch Kinder versteckt haben.
33:23Vielleicht ist sie das.
33:28Die Waldwanderung war nicht so aufschlussreich, wie Luhnen es sich erhofft hatte.
33:39Zurück im Dorf erfährt er, dass sein lang erwartetes Buch eingetroffen ist.
33:47Dieses Buch erschien im Jahr 1621, 400 Jahre nach der ursprünglichen Chronik.
33:55Auch darin werden die grünen Kinder erwähnt.
33:59Die Anatomie der Melancholie ist das Werk des Renaissance-gelehrten Robert Burton.
34:06Anfang des 17. Jahrhunderts, zur Zeit des schnellen wissenschaftlichen Fortschritts,
34:12liefert Burton eine neue und überraschende Erklärung für die vielen Auffälligkeiten der grünen Kinder.
34:21Und womöglich kamen die beiden grünen Kinder, die vom Himmel fielen, auch von dort.
34:29In der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts war die Vorstellung von intelligentem Leben im Universum eine neue, aufregende Entwicklung.
34:38Er vermutet eindeutig, dass die Kinder aus einer anderen Welt gestammt haben könnten.
34:51Laut der Überlieferung soll eines der Kinder früh verstorben sein und das andere, das Mädchen, seine grüne Farbe verloren und
34:59später einen Einheimischen geheiratet haben.
35:03Noch Jahrhunderte später sollen ihre Nachkommen in der Gegend gelebt haben.
35:11Doch was hat es mit der Theorie von der extraterrestrischen Herkunft auf sich?
35:17Loonen verabredet sich mit einem Experten für die Geschichte der Astronomie, Dr. Alan Chapman.
35:23Gab es in jener Nacht, als die grünen Kinder in Woolpit erschienen, ungewöhnliche Vorkommnisse am Himmel?
35:30Etwas, das die ausgefallene Theorie von einer anderen Welt womöglich bestätigen könnte?
35:39Chapman zieht die Himmelsbeobachtungen von Gervais of Canterbury heran, einem Chronisten des Mittelalters.
35:48Das ist die Chronik von Gervais of Canterbury.
35:52Er schreibt
36:01Mitten in der Nacht kam ein Licht vom Himmel und es schien rot.
36:05Robis, das ist rot.
36:07Und es kam aus dem Westen, mitten in der Nacht, etwa zwei Uhr morgens.
36:13Mit Blitzen und Lancia, also erschienen Sonnenstrahlen am Himmel.
36:21So werden auch durch einen Sonnensturm erzeugte Polarlichter beschrieben.
36:261173 fällt in eine Periode maximaler Sonnenaktivität.
36:30Dabei entstehen häufig Polarlichter.
36:33Uns liegt hier ein wunderschön detaillierter Bericht über ein Naturschauspiel vor, das seit dem Mittelalter bekannt ist.
36:41Chapman glaubt in Gervais of Canterbury's Beschreibung, eine ungewöhnlich helle Aurora Borealis, ein Nordlicht zu erkennen.
36:51Und womöglich noch ein weiteres spektakuläres Himmelsereignis.
36:58Vielleicht ist während dieses fabelhaften Schauspiels auch noch ein Meteor aufgetaucht.
37:05Aber legt Canterbury's Bericht nicht noch eine andere Deutung nahe?
37:10Ob es sich um außerirdische Wesen handelte?
37:14Dazu sage ich ganz klar, laut und unmissverständlich, nein.
37:19Nein.
37:27Experten weisen die Möglichkeit einer außerirdischen Herkunft der Kinder rigoros von sich.
37:35Also sucht Luhnen nach rationalen Erklärungen für die Auffälligkeiten, die der mittelalterliche Chronist aufführt.
37:46Zunächst widmet er sich dem hervorstechendsten Merkmal der Kinder, ihrer Hautfarbe.
37:52Könnte eine mittelalterliche Krankheit die Hautverfärbung verursacht haben?
38:00Prof. Helen King ist eine führende Expertin auf dem Gebiet der Medizingeschichte.
38:07Sie weiß von einigen seltenen Hautkrankheiten und erklärt sich zu weiteren Recherchen bereit.
38:17Die Aufzeichnungen, die im Archiv des britischen Ärztebundes in London lagern, sind viele Jahrhunderte alt.
38:25Sollte es infolge einer Krankheit zu grünen Hautverfärbungen gekommen sein oder aufgrund anderer natürlicher Ursachen, wird sie es hier nachlesen
38:35können.
38:39Währenddessen widmet sich Luhnen in Woolpit einer anderen Besonderheit der Kinder, ihrer Sprache, die niemand verstehen konnte.
38:48Der pensionierte Museumskurator John Clark ist bei den Nachforschungen behilflich.
38:55Er hat einen zweiten zeitgenössischen Bericht über die grünen Kinder aufgespürt.
39:00Der Verfasser Ralph of Cogeshall bestätigt William of Newburghs Bericht in allen Einzelheiten und erwähnt ebenfalls die seltsame Sprache.
39:14Cogeshall weist darauf hin, dass niemand die Sprache der Kinder verstand. Er drückt es ganz einfach aus.
39:23Niemand verstand ihre Sprache.
39:26Eine solch unverständliche Sprache könnte Flämisch gewesen sein, aus dem heutigen Belgien und den Niederlanden.
39:33Flämisch ist mit dem Englischen verwandt, klingt aber völlig anders.
39:41Im Mittelalter bestand tatsächlich eine Verbindung zwischen dieser Region und den Flamen.
39:48Flämische Söldner sollten damals beim Sturz des Königs von England helfen.
39:56Bei einer großen Schlacht in Thornham, etwa 10 Kilometer westlich von Woolpit, starben die Flamen oder ergriffen die Flucht.
40:07Vielleicht suchten einige in der Gegend von Woolpit Zuflucht, aber von Kindern weiß ich nichts.
40:14Das war 1173?
40:171173.
40:18Und welcher Monat?
40:19Im September.
40:22Nach den vorliegenden Beschreibungen müssen die Kinder Ende Juli aufgetaucht sein.
40:26Und die Schlacht war wann?
40:28Im September?
40:29Im September.
40:31Nun ja.
40:33Laut beider Berichte fand man die Kinder, als die Bohnenernte noch bevorstand, also im Juli oder August.
40:40Die Schlacht fand aber erst im September statt.
40:44Für Lunen spricht aber auch ein anderer Grund dagegen.
40:47Engländer und Flamen standen damals in einer regen Handelsbeziehung.
40:53Händler und Pilger überquerten regelmäßig die Nordsee und ihr Weg nach Walsingham oder Cambridge führte sie vermutlich auch durch Woolpit.
41:05Woolpit war eine Marktstadt auf der größten Pilgerroute Englands.
41:09Flämische Pilger müssen hier durchgekommen sein.
41:12Die Einheimischen hätten das Flämische vom Hören kennen müssen.
41:15Die Flämischen Kinder sind nicht sehr überzeugend.
41:22Alle Auffälligkeiten erklärt sie zwar nicht, aber vollkommen ausschließen lässt sich die Flamentheorie auch nicht.
41:29Aber was führte zum seltsamen Aussehen der Kinder?
41:33In London stieß Professor Helen King auf interessante Krankheitsfälle.
41:43Sie will sich mit Lunen treffen.
41:50Es gibt eine verheißungsvoll klingende Krankheit, Chlorose, die seit 1619 bekannt ist.
41:57Chloros bedeutet auf Griechisch grünlich-gelblich.
42:00Vor 1619 nannte man die Krankheit jedoch grünes Leiden.
42:09Professor King hat ein Bild von einer jungen Frau gefunden, die am grünen Leiden erkrankt sein soll.
42:16In ihrem Gesicht sehen sie verschiedene ungewöhnliche Farben.
42:20Hier ist es fast violett.
42:22Die Wangen sind leicht gerötet und dort blass.
42:25Sie ist eindeutig krank, aber nicht grün.
42:33Dr. King hält das grüne Leiden für einen Sammelbegriff, der verschiedene Beschwerden junger Frauen bezeichnet.
42:46Ich denke nicht, dass sich das grüne Leiden bei Mädchen auf die Farbe Grün bezieht.
42:51Es ist eine Metapher.
42:52Ja, genau. Grün steht für jung, unerfahren, unreif.
42:58William of Newburgh's Bericht heißt über die grünen Kinder.
43:02Viridis bezeichnet hellgrün.
43:05Wieso galt dieser Fall als Besonderheit?
43:08Wieso erschien er den Menschen so fremdartig?
43:11Sie waren wohl grüner als beim grünen Leiden.
43:15Es passt nicht.
43:22Zunächst klang das grüne Leiden bzw. Chlorose nach einer möglichen Begründung für das Aussehen der Kinder.
43:32Doch wieder reicht die Beweiskraft der Theorie nicht aus.
43:36Erneut bleibt Duncan Loonen ohne eine plausible Erklärung für das merkwürdige Phänomen zurück.
43:42In dem alten Wald, aus dem die fremden Kinder angeblich kamen, grübelt er über seine bisherigen Erkenntnisse nach.
43:53Fest steht, zwei Chronisten des Mittelalters hielten die spektakuläre Geschichte der Kinder fest.
44:00Und andere zuverlässige Quellen beschreiben ungewöhnliche Erscheinungen, die zum Zeitpunkt ihrer Ankunft am Nachthimmel erstrahlten.
44:18Bisher haben mich die Ergebnisse noch nicht dazu veranlasst, die Geschichte als Legende abzutun,
44:23obwohl keine bekannte Krankheit eine grüne Hautverfärbung verursacht.
44:28Und dann bleibt auch noch die Tatsache, dass sie alle angebotenen Speisen ablehnten.
44:36Es ist und bleibt ein Mysterium. Es gibt noch viel herauszufinden.
44:47Untertitelung des ZDF, 2020

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