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Transkript
00:00Die wirkungslosen Kanonenkugeln
00:02Die Bürger der noch jungen amerikanischen Kolonien standen vor einem Rätsel.
00:09Die meisten Auswanderer aus dem alten Europa waren besonders fleißig und fromm,
00:15und sie fanden geradezu ideale Möglichkeiten vor,
00:19sich in der neuen Welt eine eigene Existenz aufzubauen.
00:24Trotzdem begannen einige Siedler, ihr Leben entgegen aller Vernunft
00:30durch unmäßigen Alkoholkonsum zu ruinieren.
00:34Besonders beunruhigt waren über diese Entwicklung die damaligen Ärzte.
00:39Hatten sie Alkohol doch mangels effektiver Medikamente
00:43geradezu als Allheilmittel, zum Beispiel gegen Fieber, Durchfall,
00:48Seekrankheit und Wundinfektionen angesehen.
00:52Warum also entschieden sich Menschen ohne äußere Not
00:56in so selbstzerstörerischer Weise für den Alkohol?
01:01Dem von 1743 bis 1813 in Philadelphia lebenden Arzt Benjamin Rush
01:09gelang erstmals eine überzeugende Antwort auf diese Frage.
01:14Anders als alle Gelehrten seiner Zeit
01:18betrachtete er die Trunksucht nicht als Sünde oder Verbrechen,
01:23sondern er bezeichnete sie als eine schleichende Krankheit des Willens.
01:29In seinem später berühmt gewordenen Buch schrieb er im Jahre 1774,
01:47Um seinen verblüfften Zeitgenossen zu verdeutlichen,
01:52wie stark das Verlangen nach Alkohol für einen Alkoholiker sein kann,
01:56gab Rush das folgende äußerst eindrückliche Beispiel.
02:01Als ein Gewohnheitstrinker von einem Freund gedrängt wurde,
02:06die Trinkerei aufzugeben, sagte dieser,
02:09wäre ein Fläschchen mit Rum in der Ecke des Raumes
02:13und würde ein Geschütz ununterbrochen Kugeln zwischen ihm und mir abfeuern,
02:19könnte ich mich trotzdem nicht zurückhalten
02:22und würde versuchen, an dem Geschütz vorbeizukommen,
02:26um an den Rum zu gelangen.
02:29Bis heute haben sich trotzdem viele Vorurteile
02:33über eine Alkoholabhängigkeit erhalten.
02:37Viele Menschen glauben, ein Alkoholiker,
02:40das sei der Penner unter der Brücke.
02:43Das ist aber nicht wahr.
02:45Natürlich gibt es alkoholabhängige Obdachlose,
02:49aber es gibt genauso viel alkoholabhängige Manager oder sogar Ärzte.
02:56Alkoholabhängigkeit ist nicht mit einer bestimmten sozialen Schicht verbunden.
03:02Dann denken viele Menschen,
03:04ein Alkoholiker muss häufige Räusche haben.
03:07Auch das ist nicht der Fall.
03:10Natürlich gibt es Alkoholabhängige, die häufig betrunken sind.
03:14Aber es gibt genauso Betroffene,
03:17die noch nie oder nicht häufiger als andere Menschen auch einen Rausch gehabt haben.
03:22Und schließlich glauben viele Menschen,
03:25einen Alkoholiker an der Trinkmenge erkennen zu können.
03:29Häufig wird man gefragt,
03:30wenn jemand jeden Abend einen Liter Wein trinkt,
03:34ist er dann schon Alkoholiker?
03:36Ehrlicherweise muss man sagen,
03:38daran kann man es nicht erkennen.
03:41Stattdessen gibt es mindestens vier Formen von Alkoholabhängigkeit
03:46mit jeweils ganz unterschiedlichem Trinkverhalten.
03:51Spiegeltrinker sind Menschen,
03:53die über den Tag verteilt
03:55immer wieder eine bestimmte Menge Alkohol zu sich nehmen,
04:00damit ihr Blutalkoholspiegel nicht zu sehr sinkt,
04:04weil sonst unangenehme körperliche oder psychische Zustände eintreten.
04:10Spiegeltrinker haben keinen Kontrollverlust.
04:15Wenn sie ihr Quantum getrunken haben,
04:17können sie jeden weiteren Alkohol problemlos stehen lassen.
04:22Ein Spiegeltrinker fällt eher auf,
04:25wenn er nicht trinken kann.
04:28Dann wird er unruhig, nervös und körperlich auffällig.
04:33Diese Form der Abhängigkeit gibt es bei Alkohol,
04:38bei Medikamenten, bei Rauchern und bei Drogenabhängigen.
04:43Aber es ist nur eine Form der Sucht.
04:48Rauschtrinker haben einen ganz anderen Konsum.
04:52Sie nehmen sich immer wieder vor,
04:54nur eine kleine Menge Alkohol zu trinken
04:57und enden dann immer wieder im Rausch.
04:59Ein Rauschtrinker, der hat den Kontrollverlust.
05:04Es gelingt ihm nicht, wenig zu trinken.
05:07Aber diese Form der Abhängigkeit gibt es eigentlich nur bei Alkohol.
05:13Es gibt keine Medikamentenabhängigen,
05:16die sich bewaffnet mit ihrer Büchse Beruhigungsmittel
05:20vor den Fernseher setzen, einen spannenden Film anschauen
05:23und in Gedanken versunken immer wieder eine Tablette nehmen.
05:27Und es gibt auch keine Raucher,
05:30die aus Versehen innerhalb von wenigen Stunden
05:33vier oder fünf Packungen Zigaretten rauchen würden.
05:37Dann gibt es die Konflikttrinker.
05:41Konflikttrinker würden sagen,
05:42bei mir ist das ganz anders.
05:44Es ist nicht immer gleich.
05:47Wenn es mir gut geht,
05:48dann brauche ich keinen Alkohol.
05:50Aber wenn es mir schlecht geht,
05:52psychisch oder körperlich,
05:54dann benutze ich den Alkohol.
05:57Diese Form der Abhängigkeit
06:00ist bei Frauen häufiger als bei Männern.
06:03Sie gibt es bei Alkohol,
06:05bei Medikamenten,
06:06bei Rauchern und bei Drogen.
06:09Und schließlich
06:10gibt es die periodischen Trinker,
06:13die man früher Quartalsäufer genannt hat.
06:16Ein periodischer Trinker
06:17würde stolz darauf verweisen,
06:20dass er ja aufhören kann.
06:22Eine ganze Zeit lang trinkt er nichts.
06:26Ohne, dass er sich erklären kann,
06:28warum, fängt er dann aber doch wieder an,
06:30hat dann eine Phase mit hartem Konsum
06:33und hört dann von ganz alleine wieder auf.
06:37Diese Form der Abhängigkeit
06:39gibt es eigentlich nur bei Alkohol.
06:43Entscheidend ist also,
06:45dass das Konsumverhalten
06:46von Abhängigen
06:48ganz verschieden sein kann
06:50und dass man deswegen
06:52Abhängige nicht daran erkennen kann.
06:55Woran kann man sie dann erkennen?
06:58Es sind lediglich zwei Dinge.
07:02Man kann sagen,
07:05suchtmittelabhängig ist eine Person,
07:07wenn sie entweder ihren Konsum
07:10nicht beenden kann,
07:12ohne dass unangenehme Zustände eintreten.
07:16Oder
07:17wenn sie doch immer wieder
07:19so viel von ihrem Suchtmittel nimmt,
07:22dass sie sich oder anderen schadet.
07:25Den zweiten Teil der Definition
07:28möchte ich Ihnen
07:29an einem einfachen Beispiel erläutern.
07:32Stellen Sie sich vor,
07:34ein Mensch nimmt einen blanken Draht
07:37und steckt ihn in eine Steckdose,
07:40sodass er einen Schlag bekommt.
07:42Wir würden uns wundern.
07:44Normalerweise weiß man das doch.
07:47Nehmen wir nun an,
07:49die Person erholt sich,
07:50aber am nächsten Tag
07:52kommt sie wieder mit ihrem Draht
07:54und steckt ihn in die Steckdose
07:56und bekommt wieder einen Schlag.
07:59Nun würden wir sagen,
08:01der hellste ist er nicht,
08:02das hätte er lernen müssen.
08:05Wenn die Person nun ein drittes Mal
08:07ihren Draht in die Steckdose steckt
08:10und einen Schlag bekommt,
08:12dann gäbe es nur noch zwei Möglichkeiten.
08:15Entweder sie wäre bescheuert
08:17oder sie wäre stromsüchtig.
08:21Wenn also ein Betroffener
08:23mit seinem Suchtmittel
08:24über viele Jahre
08:26immer wieder erlebt,
08:28dass er sich und anderen schadet,
08:31aus diesem Schaden
08:32aber nicht mehr klug wird,
08:35dann gibt es nur zwei Möglichkeiten.
08:37Entweder oder.
08:40Die zweite Frage,
08:42die viele Menschen beschäftigt, ist,
08:44was sind die Ursachen
08:46einer Sucht?
08:47Auch darüber gibt es viele Vorurteile.
08:51Viele Menschen glauben,
08:53es sei die Persönlichkeit
08:55oder der Charakter eines Menschen.
08:58Man nimmt an,
08:59derjenige ist so labil,
09:01willensschwach.
09:03Hier kann ich sie beruhigen.
09:05Mit einer Persönlichkeit
09:07hat eine Abhängigkeit
09:09nichts zu tun.
09:11Man hat über viele Jahre
09:13große Studien unternommen,
09:14um zu sehen,
09:16ob Süchtige
09:17einen bestimmten
09:19Persönlichkeitszug haben,
09:21der sie von anderen Personen
09:22unterscheiden würde.
09:24Und man hat nichts gefunden.
09:26Natürlich gibt es
09:27willensschwache Abhängige,
09:29aber es gibt auch
09:31sehr sture,
09:32willensstarke Abhängige.
09:35Dann glauben viele Menschen,
09:37es sei Vererbung,
09:39Genetik.
09:40Der Vater war Alkoholiker,
09:42der Großvater war Alkoholiker,
09:43dann ist es doch kein Wunder,
09:45wenn der Betroffene
09:45auch Trinker wird.
09:47Tatsächlich haben die Kinder
09:50von Alkoholabhängigen
09:52ein etwas höheres Risiko,
09:55auch abhängig zu werden,
09:57aber nur,
09:58wenn sie über einen längeren
10:00Zeitraum größere Mengen
10:01Alkohol trinken.
10:03Ob sie das tun,
10:04ist aber nicht genetisch bedingt.
10:07So dass insgesamt
10:09der Einfluss der Genetik
10:11eher gering ist
10:12und die Mehrheit
10:13der Kinder von Alkoholabhängigen
10:16nicht alkoholabhängig wird.
10:18Und schließlich
10:20glauben viele Menschen,
10:22schwere Schicksalsschläge
10:24oder schlimme Kindheit
10:25seien die Ursache
10:27einer Sucht.
10:29Das glauben viele Betroffene
10:31selber,
10:31das glauben auch
10:32viele ihrer Therapeuten.
10:35Entsprechend,
10:36wenn ein Betroffener
10:37erzählt,
10:38dass er in seinem Leben
10:39viele Probleme hatte,
10:41schauen ihn alle
10:42mitleidig an
10:43und sagen kein Wunder,
10:45dass er abhängig geworden ist.
10:47Aber wer ein Betroffener
10:49sagt,
10:49Probleme hatte ich eigentlich nie,
10:51mein einziges Problem
10:52ist, dass ich trinke,
10:53dann fallen alle
10:55über ihn her,
10:56behaupten,
10:56er sei nicht ehrlich,
10:58er müsse doch Probleme
10:59gehabt haben,
11:00denn von nichts
11:01kommt nichts.
11:03Wenn wir mit einem Satz
11:05die Ursachen
11:06einer Sucht
11:07erklären wollten,
11:08dann müssten wir sagen,
11:10da muss viel
11:11zusammenkommen.
11:12Aber so ein Satz
11:14nützt keinem Betroffenen.
11:16Ich will Ihnen
11:18daher die Entstehung
11:19einer Sucht
11:20an dem Beispiel
11:21einer Modelleisenbahn
11:23verdeutlichen.
11:25Stellen Sie sich
11:26einen Schienenkreis vor,
11:28in der ein Zug
11:29mit seinen Waggons
11:31im Kreis
11:32herumfahren kann.
11:34Meistens
11:35hat man irgendwo
11:36eine Weiche,
11:37wo man auch
11:38eine Abkürzung
11:40durch einen Tunnel
11:41nehmen kann.
11:43Nehmen wir an,
11:44immer wenn der Zug
11:45die Abkürzung
11:47durch den Tunnel
11:48nimmt,
11:49soll es bedeuten,
11:50dass ein Betroffener
11:51Alkohol
11:52oder andere
11:53Suchtmittel
11:54zu sich nimmt.
11:55Wenn der Zug
11:56dagegen den äußeren
11:58Schienenkreis
11:59benutzt,
12:00etwas länger
12:01und ausführlicher,
12:02dann soll es bedeuten,
12:04dass der Betroffene
12:05keinen Alkohol
12:06und keine Suchtmittel
12:08zu sich nimmt.
12:09Nun nehmen wir
12:11einen 14-jährigen
12:13Jugendlichen,
12:14der noch nie
12:15in seinem Leben
12:16Alkohol getrunken hat.
12:18Das heißt,
12:19der noch nie
12:20mit seinem Zug
12:21den einfachen Weg
12:23durch den Tunnel
12:24genommen hat.
12:24Dann kann er natürlich
12:26nicht abhängig sein.
12:28Wie kann dieser Mensch
12:30nun auf die Idee kommen,
12:32zum ersten Mal
12:33in seinem Leben
12:34Alkohol zu trinken?
12:36Hier spielen
12:37fast immer
12:39Modellpersonen
12:39eine Rolle.
12:41Nehmen wir an,
12:42es ist Samstagnachmittag.
12:44Er trifft
12:45auf seine Clique
12:46und seine Freunde
12:47sagen,
12:48schau her,
12:49heute Abend
12:49gehen wir in eine Disco,
12:50kommst du mit?
12:51Nehmen wir an,
12:52er selbst war
12:53noch nie in einer Diskothek.
12:55Er wird nach Hause gehen,
12:56er wird duschen,
12:57die Haare waschen,
12:58vorm Spiegel stehen,
13:00Mitesser ausdrücken,
13:01Gel in die Haare tun,
13:03Rasierwasser
13:04vom Vater nehmen
13:04und sich ordentlich,
13:06wie der Bayer
13:06sagen würde,
13:07aufbrezeln.
13:09Nun trifft er
13:10auf seine Clique,
13:11sie schauen ihn an
13:11und sagen,
13:12naja, geht so
13:13und nehmen ihn mit.
13:15Wenn wir
13:16an einen Ort kommen,
13:18an dem wir
13:18noch nie waren,
13:20dann haben
13:21Modellpersonen
13:22den größten
13:23Einfluss.
13:24Wir beobachten,
13:25wie sich andere
13:25Menschen verhalten
13:26und machen es nach.
13:29Wenn nun
13:29seine Clique kommt
13:30und sagt,
13:31komm her,
13:32Kleiner,
13:32bevor wir hier reingehen,
13:33wird erstmal
13:34einer gezischt,
13:35hier gibt's
13:35Cola-Schuss
13:36oder ein ordentliches
13:37Bier,
13:38dann ist die
13:39Wahrscheinlichkeit
13:40relativ groß,
13:42dass er zum ersten Mal
13:43selbst Alkohol
13:44trinken wird.
13:45Denn
13:46natürlich
13:47weiß er schon
13:49viel
13:49über Alkohol.
13:51Er hat gesehen,
13:52dass Erwachsene
13:53bei Partys
13:54und Festlichkeiten
13:55gerne Alkohol
13:57trinken
13:57und dass das
13:58die Stimmung
13:58hebt.
13:59Er hat in Filmen
14:00gesehen,
14:01dass die harten
14:02Westernhelden
14:03auch immer
14:03Alkohol trinken.
14:05Nehmen wir also an,
14:07er trinkt zum ersten Mal
14:08Alkohol,
14:09das heißt,
14:10er fährt mit seinem Zug
14:11die Abkürzung
14:13durch den Tunnel.
14:14Nehmen wir
14:15zu seinen Gunsten an,
14:17er trinkt nicht
14:17besonders viel.
14:19Dann wird
14:20der Alkohol
14:21ihn in angenehmer
14:22Weise enthemmen.
14:24Vielleicht kann er
14:25besser tanzen,
14:26findet leichter Kontakt
14:28oder macht bessere
14:29Witze.
14:30Nach ein, zwei Stunden,
14:32wenn er mit seinem Zug
14:33aus dem Tunnel
14:34wieder herauskommt,
14:35wird die Wirkung
14:36des Alkohols
14:37nachlassen,
14:38es wird keine
14:39schreckliche
14:39Nachwirkung geben,
14:41die ganze Woche
14:42trinkt er nichts
14:43und fühlt sich
14:44völlig normal.
14:46Wenn es ihm
14:47in der Diskothek
14:48gefallen hat,
14:50dann ist allerdings
14:50die Wahrscheinlichkeit,
14:52dass er am nächsten
14:53Samstag
14:54wieder dorthin will,
14:56ein bisschen größer
14:57als beim ersten Mal.
14:59Wenn er aber
15:00wieder in die Diskothek
15:01geht,
15:02ist auch die Wahrscheinlichkeit,
15:04dass er dort
15:05wieder Alkohol trinkt,
15:06ein bisschen größer
15:07als beim letzten Mal,
15:09denn die gute Erfahrung
15:11war ja an den Alkohol
15:13gekoppelt.
15:15Allmählich wird sich
15:17auf diese Weise
15:18eine Gewohnheit
15:20ausbilden.
15:21In bestimmten Situationen
15:23wird es für ihn
15:24normal und automatisch
15:26werden,
15:27dass er Alkohol
15:28trinkt,
15:29zum Beispiel,
15:30wenn er auf Partys
15:31geht,
15:32zu Festen geht
15:33oder sich mit seinen
15:34Freunden
15:35in einer Kneipe
15:36verabredet.
15:38Auf die Dauer
15:39hat dies
15:40Auswirkungen
15:41auf die Beschaffenheit
15:43der Gleise.
15:45Das Gleis
15:46durch den Tunnel
15:47wird durch die
15:48wiederholte Benutzung
15:49allmählich
15:50eingeschliffen.
15:52Es blitzt
15:53in der Sonne,
15:54es ist gut
15:55eingefahren.
15:56Das Alternativgleis
15:58außen herum
15:59wird aber
16:00allmählich
16:01verrosten
16:02und zuwachsen.
16:03Es wird ja
16:04seltener benutzt.
16:07Diese Phase
16:08im Umgang
16:09mit Suchtmitteln
16:10haben fast
16:11alle Menschen
16:12in unserem Land
16:13erreicht.
16:14Zu bestimmten
16:15Gelegenheiten
16:16trinken sie
16:17automatisch
16:18Alkohol.
16:19Wenn sie
16:20aus irgendwelchen
16:21Gründen
16:21auf Alkohol
16:22verzichten müssen,
16:23dann klingt
16:24das so,
16:25gib mir bitte
16:25ein Bier,
16:26ach nein,
16:26das geht ja
16:27nicht,
16:27also,
16:28was dann,
16:29na,
16:30dann gib mir
16:30ein Wasser.
16:31Man merkt,
16:32automatisch hätten
16:34sie Alkohol
16:34getrunken,
16:35natürlich
16:36können sie
16:36auf Alkohol
16:37verzichten,
16:38aber da müssen
16:39sie erst
16:40einen kleinen
16:40Moment
16:41überlegen.
16:43Wenn nun
16:44der Zug
16:44über einen
16:45längeren
16:46Zeitraum
16:47ausschließlich
16:48das Gleis
16:50durch den Tunnel
16:50benutzt,
16:51das heißt,
16:52der Betroffene
16:53in bestimmten
16:53Situationen
16:54immer Alkohol
16:55trinkt
16:56und mit seinem
16:57Zug
16:57niemals
16:58mehr
16:59den äußeren
17:00Schienenkreis
17:01benutzt,
17:02dann
17:02wird das
17:04Alternativgleis
17:05allmählich
17:06immer mehr
17:07zuwachsen
17:08und verrotten.
17:10Irgendwann
17:10ist der Punkt
17:11erreicht,
17:12wo es
17:13für den
17:13Betroffenen
17:14mit seinem
17:14Zug
17:15gar nicht
17:15mehr
17:16sichtbar
17:16ist.
17:17Und das
17:18ist der
17:18Moment,
17:19wo wir
17:20von einer
17:20Abhängigkeit
17:21reden.
17:22Denn nun
17:23ist es
17:23ganz egal,
17:24ob es
17:25in dem
17:25Tunnel
17:25noch
17:26schön
17:26ist,
17:27ob
17:27also
17:27mit
17:27Alkohol
17:28angenehme
17:29Dinge
17:29passieren
17:30oder
17:30vielleicht
17:31sogar
17:31schlimme
17:32Dinge
17:32passieren.
17:34Egal,
17:35ob der
17:35Betroffene
17:35sich
17:36vornimmt,
17:37keinen
17:37Alkohol
17:38zu
17:38trinken.
17:39Er
17:39fährt
17:39mit
17:40seinem
17:40Zug
17:40auf
17:41die
17:41Weiche
17:41zu,
17:42er
17:42sieht
17:43nur
17:43das
17:43Gleis
17:44in
17:44den
17:44Tunnel,
17:45die
17:45Alternative
17:46ist
17:46nicht
17:46mehr
17:46sichtbar
17:47und
17:48ohne
17:48dass
17:48er
17:48sich's
17:49versehen
17:49hat,
17:50hat er
17:50dann
17:50eben
17:51doch
17:51wieder
17:51Alkohol
17:52getrunken,
17:53ist
17:53doch
17:58An
17:59diesem
18:00Beispiel
18:00soll
18:00verdeutlicht
18:01werden,
18:02dass
18:02man
18:02keine
18:03Ursachen
18:04braucht,
18:05um
18:05eine
18:05Abhängigkeit
18:06zu
18:06entwickeln.
18:07Wenn
18:08ein
18:08Betroffener
18:09nur
18:09lange
18:09genug
18:10in
18:10bestimmten
18:11Situationen
18:12immer
18:12wieder
18:13Alkohol
18:13trinkt,
18:14das
18:14heißt
18:15mit
18:15seinem
18:15Zug
18:16in
18:16den
18:16Tunnel
18:17fährt,
18:18dann
18:19wird
18:19irgendwann
18:20das
18:20Alternativgleis
18:21nicht
18:22mehr
18:22sichtbar
18:23sein
18:23und
18:24er
18:24automatisch
18:25immer
18:25weiter
18:26Alkohol
18:27trinken.
18:27Im
18:28Prinzip
18:29kann
18:29also
18:29jeder
18:30Mensch
18:30alkoholabhängig
18:32werden.
18:33Die
18:34Menschen
18:34unterscheiden
18:35sich lediglich
18:36darin,
18:36wie schnell
18:37es zu
18:38dieser
18:38Entwicklung
18:39kommen
18:39kann.
18:40Hier
18:41kann man
18:42drei
18:42Einflussfaktoren
18:44unterscheiden.
18:45Zum
18:45einen
18:46kommt es
18:47auf die
18:47Geschwindigkeit
18:48des
18:48Zuges
18:49an.
18:49Stellen
18:50Sie
18:50sich
18:50vor
18:51ein
18:51ICE
18:52mit
18:52200
18:53Stundenkilometern.
18:54Dieser
18:55übersieht
18:56natürlich
18:57ein
18:57halb
18:58verdecktes
18:58Alternativgleis
18:59eher,
19:00als wenn
19:01wir
19:01mit
19:01einer
19:02handbetriebenen
19:03Dresine
19:03unterwegs
19:04sind
19:04und
19:05immer noch
19:05rechtzeitig
19:06abbiegen
19:07können.
19:08Entsprechend
19:09können
19:09Menschen
19:09mit
19:10einer
19:10geringen
19:11Frustrationstoleranz,
19:12die schon
19:13immer
19:13hippelig
19:14waren
19:15und
19:15nicht
19:15warten
19:16können,
19:17schneller
19:17abhängig
19:18werden
19:18als
19:19Menschen,
19:20die
19:20viel
19:20Geduld
19:21haben
19:21und die
19:21Ruhe
19:22selbst
19:22sind.
19:24Zweitens
19:25hängt es
19:26vom
19:26Klima
19:26und der
19:27Wetterlage
19:28ab.
19:29Stellen
19:29Sie
19:30sich
19:30ein
19:30subtropisches,
19:32feuchtes,
19:32schwüles
19:33Klima
19:34vor.
19:34Hier
19:35verrottet
19:35das
19:35Alternativgleis
19:37natürlich
19:37schneller,
19:38als wenn
19:38es
19:39in einer
19:39trockenen
19:40Wüste
19:40liegt.
19:41Entsprechend
19:42wenn
19:42ein
19:43Betroffener
19:43in einem
19:44feucht-fröhlichen
19:45Umfeld
19:46aufwächst,
19:47wo alle
19:47viel
19:47trinken,
19:48kann er
19:49schneller
19:49Alkoholiker
19:50werden,
19:51als wenn
19:51er
19:51zwischen
19:52lauter
19:52Abstinenzlern
19:53aufwächst.
19:54Und
19:55schließlich
19:55hängt es
19:56an der
19:57Beschaffenheit
19:57und Qualität
19:58der
19:58Gleise.
19:59Ein
20:00Gleis
20:00mit
20:01breiter
20:01Trasse,
20:03sorgfältig
20:03verlegt
20:04und bestem
20:05Stahl
20:05wird nicht
20:06so schnell
20:07verrotten
20:07wie ein
20:08Gleis,
20:09was hastig
20:09verlegt
20:10wurde
20:10und schlechte
20:11Qualität
20:12hat.
20:13Entsprechend
20:14können
20:15Menschen,
20:16die sich
20:16in einer
20:16Situation
20:17angewöhnen
20:18Alkohol
20:19zu trinken,
20:20die sie
20:20ohne
20:21Alkohol
20:21noch nie
20:22richtig
20:23bewältigt
20:23haben,
20:24schneller
20:25abhängig
20:25werden,
20:26als wenn
20:27sie
20:27Alkohol
20:27in einer
20:28Situation
20:28erstmals
20:29trinken,
20:30die sie
20:30ohne
20:31Suchtmittel
20:32schon
20:32vielmals
20:33erfolgreich
20:34bewältigt
20:35haben.
20:35Aber
20:36alle
20:37diese
20:37drei
20:37Faktoren
20:38können
20:39die
20:39Entwicklung
20:40einer
20:40Sucht
20:41lediglich
20:42beschleunigen.
20:43Sie
20:43sind
20:43keine
20:44Ursachen.
20:45Man
20:45kann
20:45auch
20:46ohne
20:46sie
20:46abhängig
20:47werden.
20:48Die
20:54Untertitelung des ZDF, 2020