- vor 8 Stunden
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00:00Was ist eine Therapie?
00:03Unter einer Therapie können sich viele Betroffene nichts vorstellen.
00:08Was können sie zu Recht von ihrem Therapeuten erwarten?
00:13Und was müssen sie in einer Therapie selbst leisten?
00:17Darüber gibt es viele Witze.
00:20Einer lautet, wie viel Therapeuten braucht man, um eine Schraube in die Wand zu drehen?
00:25Die Antwort lautet, im Prinzip reicht einer, aber die Schraube muss von selber in die Wand.
00:32Macht also der Therapeut gar nichts und muss alles der Patient tun?
00:38Noch komplizierter wird die Situation, wenn es nicht die erste Behandlung ist.
00:44Vielleicht hat der letzte Therapeut ganz andere Vorstellungen gehabt
00:48und das Gegenteil von dem gesagt wie der jetzige Therapeut.
00:53Wem soll man also trauen?
00:56Zur Erläuterung möchte ich daher nochmals auf das Beispiel mit der Modelleisenbahn zurückkommen.
01:03Sie erinnern sich.
01:05Es gab ursprünglich zwei Möglichkeiten.
01:09Der Zug konnte außen herum fahren, das heißt keinen Alkohol trinken,
01:14und er konnte den einfacheren Weg durch den Tunnel wählen, das heißt Alkohol trinken.
01:20Im Laufe der Zeit hat er sich angewöhnt, immer häufiger den Weg durch den Tunnel zu nehmen,
01:27entsprechend blitzte dieses Gleis in der Sonne, und das Alternativgleis ist allmählich verrottet.
01:35Irgendwann war der Zeitpunkt erreicht, dass man das Gleis gar nicht mehr sehen konnte.
01:40Nun war der Zug gezwungen, immer durch den Tunnel zu fahren, das heißt Alkohol zu trinken,
01:46selbst wenn dies schreckliche Folgen in seinem Leben hatte.
01:51Wie kann man einem Abhängigen helfen?
01:55Wenn man versuchen würde, ein Hindernis auf das Gleis zu legen, damit der Zug nicht mehr in den Tunnel fahren
02:02kann,
02:02dann würde man erleben, dass der Zug mit großem Karacho auf dieses Hindernis stößt und es Würde Verletzte geben.
02:09Das müssen die Angehörigen von Abhängigen oftmals mühsam lernen.
02:14Man kann mit Gewalt niemand von seinem Suchtmittel fernhalten.
02:19Wie also kann man dann helfen?
02:22Entscheidend ist, dass man den Zug zum Anhalten bringt.
02:27Das bedeutet, dass man zunächst einmal Warnschilder aufstellt.
02:32Warnschilder, die den Betroffenen warnen, was passieren wird, wenn er immer weiter in den Tunnel fährt.
02:39Zunächst wird der Zug diese Warnschilder achtlos übersehen.
02:43Aber wenn die angedrohten Konsequenzen immer härter werden,
02:47wird es irgendwann den Punkt geben, wo der Zug sich sagt Nein.
02:51Bevor das passiert, bleibe ich lieber stehen und fahre nicht mehr in den Tunnel.
02:57Dies hat man in den meisten Betrieben heute in sogenannten Betriebsvereinbarungen geregelt.
03:04Diese sehen ein abgestuftes Vorgehen mit immer härteren Konsequenzen vor.
03:11Zunächst wird der Betroffene, wenn er mit Alkohol auffällt, zitiert und man warnt ihn, wenn er so weitermacht,
03:18dann wird er irgendwann seinen Arbeitsplatz verlieren.
03:21Man lässt ihn wieder ziehen und beobachtet, was er jetzt tut.
03:25In seltenen Fällen reicht ein solcher Schuss vor den Bug und der Betroffene wird selbst mit dem Trinken aufhören.
03:32In der Regel wird er aber weiter trinken.
03:35Dann wird man ihn ein zweites Mal zu sich holen und ihm sagen,
03:39hören Sie her, wir haben Ihnen doch schon gesagt, so kann es nicht weitergehen.
03:43Sie haben aber weiter getrunken.
03:45Wir schließen daraus, dass Sie ein Suchtproblem haben.
03:48Wir machen Ihnen daher eine Auflage.
03:51Sie müssen eine Suchtberatungsstelle aufsuchen oder den innerbetrieblichen Sozialberater.
03:56Dann lässt man ihn wieder gehen.
03:59Wenn er diesen Termin wahrnimmt, dann ruht das Verfahren und man wartet ab,
04:04was der Berater und der Betroffene zusammen vereinbaren.
04:08Hat er diesen Termin allerdings nicht wahrgenommen,
04:11dann zitiert man ihn ein drittes Mal und wird ihn abmahnen.
04:16Mit der Auflage, innerhalb von 14 Tagen den Beratungstermin nachzuholen.
04:22Wenn er es jetzt tut, dann ruht wieder das Verfahren.
04:25Hat er auch das nicht getan, dann wird er ein letztes Mal vorgeladen und unmittelbar entlassen,
04:32mit der Aussicht auf Wiedereinstellung, wenn er jetzt eine Behandlung machen würde.
04:37Nehmen wir also an, der Zug steht jetzt vor dem Tunnel.
04:42Das ist kein angenehmer Zustand.
04:46Er steht nicht freiwillig hier, außerdem hat er keine Alternative.
04:50Das einzige Gleis, was er sieht, führt ja in den Tunnel und genau dort soll er nicht reinfahren.
04:57Es wäre also eine Frage der Zeit, bis er doch wieder in den Tunnel hineinfährt.
05:03Von daher ist es für die meisten Betroffenen erforderlich, dass sie sich einer Behandlung unterziehen.
05:10Und das bedeutet, dass sie zunächst ein bisschen Abstand zwischen sich und den Tunnel bringen.
05:17Das heißt, dass vor den Tunneleingang eine Mauer gesetzt wird, die sogenannte Therapiemauer.
05:24In den meisten Fällen bedeutet dies eine stationäre Behandlung,
05:30weil hier ausreichend Abstand zu den Alltagsbelastungen und Verführungssituationen besteht.
05:38Aber sobald diese Therapiemauer aufgestellt ist, wird der Zug dagegen rebellieren.
05:44Er wird sich beschweren, dass sie so hässlich ist.
05:48Er wird verlangen, dass sie vielleicht um ein paar Meter nach innen verschoben wird,
05:52sodass er sich bei Regen unterstellen kann.
05:55Entsprechend beschweren sich viele Patienten zu Beginn einer Behandlung.
06:01Sie stoßen sich an den Regeln, sie sind empört über ihren Therapeuten
06:05oder frustriert über ihre Mitpatienten.
06:09Manche Patienten überwinden diese Frustration innerhalb weniger Tage,
06:14andere rebellieren für mehrere Wochen.
06:18Der nächste Schritt der Behandlung kann allerdings erst beginnen,
06:21wenn der Zug aufhört, gegen die Therapiemauern anzurennen.
06:27Jetzt geht es darum, dass der Zug langsam zurückgeführt wird
06:32und anfängt, die Weiche zu suchen.
06:35Das ist ein sehr harter und unangenehmer Schritt,
06:39denn die Weiche zu suchen heißt nichts anderes,
06:43als dass der Betroffene seine eigene Lebensgeschichte daraufhin untersucht,
06:49in welchen Momenten er sich angewöhnt hat,
06:53ohne es zu merken, immer wieder Alkohol zu trinken,
06:57auf welche Weise er also unmerklich in eine Abhängigkeit gerutscht ist.
07:02Zur Erleichterung bieten daher die meisten Therapieprogramme
07:07in dieser Phase viel Gruppentherapie an.
07:11Der Betroffene merkt unter Gleichgesinnten,
07:14dass er nicht der Einzige ist
07:16und dass vielleicht andere Mitpatienten
07:19noch viel Schlimmeres erlebt haben als er.
07:22Vielleicht gibt es aber auch Dinge,
07:24die er beim besten Willen niemandem erzählen will.
07:27Das wäre dann etwas für die Einzeltherapie.
07:31Diese Phase ist abgeschlossen,
07:33wenn der Betroffene sich mit seinem Therapeuten darauf verständigt hat,
07:37was er an seinem Verhalten, an seinen Einstellungen
07:41und an seinem Umfeld verändern muss,
07:45damit er in Zukunft zufrieden, abstinent leben kann.
07:49Auch diese Phase kann unterschiedlich lang dauern.
07:53Manchen Betroffenen gelingt das innerhalb von ein bis zwei Wochen,
07:58andere benötigen hierfür ein bis zwei Monate.
08:01Für die Erfolgsaussichten ist die Zeitspanne allerdings ohne Belang.
08:08Sobald der Betroffene die Weiche gefunden hat,
08:12sich also entschieden hat, was er an sich verändern möchte,
08:17beginnt die dritte Phase der Therapie.
08:20Jetzt geht es darum, die Weiche umzustellen
08:23und zum ersten Mal seit langer Zeit
08:26wieder das alte Gleis zu befahren.
08:29Dieses kann natürlich im Einzelfall
08:32in ganz unterschiedlichem Zustand sein.
08:35Es kann sein, dieses Gleis war lediglich
08:38unter einer Staubschicht verborgen.
08:40Dann geht es nur darum, es freizufegen.
08:44Es kann aber auch sein,
08:45dass hier Baumstämme drüber gestürzt sind,
08:48die Schwellen weggekommen sind
08:50oder die Gleiskörper verbogen wurden.
08:53In diesem Fall ist natürlich eine lang andauernde
08:57und gründliche Reparatur vonnöten.
09:00Entsprechend kann man in den meisten Therapieeinrichtungen
09:04die Therapiedauer mittlerweile individuell
09:07nach den Bedürfnissen des Betroffenen bestimmen.
09:10Und die meisten Therapieeinrichtungen
09:13haben auch sogenannte indikative Gruppen
09:16zu den unterschiedlichsten inhaltlichen Schwerpunkten.
09:20Wenn nun sowohl die Therapiedauer
09:23als auch die Therapieinhalte
09:26immer auf den Einzelfall abgestimmt werden müssen,
09:30dann stellt sich für den Betroffenen
09:32natürlich sofort die Frage,
09:34wer entscheidet das eigentlich?
09:36Kann ich selbst bestimmen
09:37oder entscheidet das mein Therapeut?
09:41Hier kann ich nur sagen,
09:43sie beide zusammen.
09:45Denn natürlich macht es keinen Sinn,
09:47einen Patienten länger in Behandlung zu lassen
09:50oder in Therapieinhalte zu zwingen,
09:53die er selber nicht will.
09:56Andererseits kann es sich der Patient nicht aussuchen.
09:59Er selbst kennt nur sich.
10:01Sein Therapeut hat eine viel größere Erfahrung.
10:05Von daher,
10:06je begründeter Sie Ihrem Therapeuten vorschlagen,
10:10wie lange Ihre Behandlung dauern soll
10:12und worin die Schwerpunkte bestehen sollen,
10:15umso größer sind Ihre Chancen,
10:17dass es auch genau so stattfinden wird.
10:21Zu beachten ist allerdings,
10:23dass die erste Fahrt auf dem Alternativgleis
10:26den meisten Zügen schwerfällt.
10:30Sie haben ein Gedächtnis.
10:31Sie wissen,
10:32dass das Gleis im Tunnel
10:34viel einfacher zu befahren ist.
10:37Von daher kommen Ihnen auch
10:39die meisten Vorschläge
10:40Ihres Therapeuten zunächst fremd
10:43und ungewohnt vor.
10:45Hier kann ich nur empfehlen,
10:47Sie trotzdem auszuprobieren.
10:50Für die meisten Betroffenen
10:51ist es hierbei vor allen Dingen ungewohnt,
10:55dass der Therapeut
10:56sich nicht nur für Ihr Suchtverhalten interessiert,
11:00sondern,
11:01dass er mit Ihnen auch
11:03Ihre Arbeitssituation besprechen möchte.
11:06Wenn Sie noch einen Arbeitsplatz haben,
11:10dann wird es darum gehen,
11:11wie kann ich an diesen zurückkehren.
11:14Denn meistens ist das Verhältnis
11:17zu den Arbeitskollegen
11:18und Vorgesetzten erheblich belastet.
11:22So froh alle Beteiligten
11:23vielleicht darüber sind,
11:25dass sich der Betroffene
11:26endlich in Behandlung begeben hat,
11:28so skeptisch sind Sie sicher alle,
11:30ob er nicht schon bald
11:32wieder rückfällig wird.
11:34Hier gilt es,
11:35einen guten und geschickten
11:37Wiedereinstieg zu wählen.
11:40Wenn der Betroffene
11:41keinen Arbeitsplatz mehr hat,
11:43dann wird es darum gehen,
11:45wie kann er sich bewerben,
11:47welche Arbeitsplätze
11:49sind für ihn geeignet,
11:50vor allen Dingen aber,
11:52was wird er in einem Bewerbungsgespräch
11:54über seine Vergangenheit erzählen
11:57und was besser nicht.
12:00Manchmal müssen sich Betroffene
12:01aber auch darauf einstellen,
12:03dass sie für eine längere Zeit
12:05keine Arbeit mehr finden werden.
12:08Wie können sie längere Arbeitslosigkeit
12:11abstinent bewältigen?
12:13Hier geht es darum,
12:14zu erleben,
12:16dass man auch ohne bezahlte Arbeit
12:18nützlich sein kann,
12:19dass man sich engagieren kann
12:21in der Nachbarschaft
12:22oder in der Familie,
12:24um somit wieder zu einer wichtigen
12:26und geachteten Person zu werden.
12:29Nehmen wir an,
12:31all dies ist dem Betroffenen
12:33im Verlauf der Therapie gelungen.
12:36Sein Alternativgleis
12:37ist wiederhergestellt.
12:39Zu Recht ist er jetzt sehr stolz
12:42und meistens fragt er sofort,
12:44kann ich jetzt gehen?
12:46Es fehlt aber noch
12:48eine vierte und letzte Phase
12:50in der Behandlung.
12:51Denn dieses Alternativgleis
12:55ist noch nicht blank gefahren.
12:57Es ist rau.
12:58Es bedeutet,
13:00die Gefahr eines Rückfalls
13:02ist sehr groß.
13:04Die letzte Phase in der Behandlung
13:06lautet daher
13:08Üben, Üben, Üben.
13:11Es geht darum,
13:12dass der Zug immer wieder
13:13das Alternativgleis befährt.
13:16Mal schnell, mal langsam.
13:18Mal bei Sonne, mal bei Regen.
13:20Mal tags, mal nachts.
13:22Mal auf zwei Rädern,
13:24mal auf vier Rädern,
13:25mal vorwärts und mal rückwärts.
13:27Das bedeutet,
13:29dass der Therapeut
13:30den Betroffenen
13:31nunmehr auffordern wird,
13:33die Therapieeinrichtung
13:34immer häufiger zu verlassen
13:36und seine Veränderungen
13:38in seinem alltäglichen Umfeld
13:41zu erproben.
13:43Er wird ihn manchmal sogar auffordern,
13:45alte Trinksituationen
13:47aufzusuchen
13:47und diese nun ohne Alkohol
13:50zu bewältigen.
13:51Es geht darum,
13:53unter immer realistischeren Situationen
13:56immer sicherer
13:57in der Abstinenz zu werden.
14:00Man weiß heute,
14:03dass es ungefähr ein Jahr dauert,
14:06bis das Alternativgleis
14:08wirklich gut eingefahren ist.
14:11Das heißt,
14:12im ersten Jahr der Abstinenz
14:14geschehen die meisten Rückfälle.
14:16Nun will und kann heute niemand
14:19ein Jahr lang behandeln.
14:22Worauf es also ankommt,
14:23ist,
14:24dass ein Betroffener
14:25und sein Therapeut
14:26einen Einjahresplan aufsetzen
14:29und gemeinsam überlegen,
14:32welche Unterstützung
14:33der Betroffene
14:34in diesem ersten Jahr
14:36in Anspruch nehmen will.
14:37Allen kann man nur empfehlen,
14:40in diesem ersten Jahr
14:42eine Selbsthilfegruppe zu besuchen.
14:44Denn dadurch
14:45erhöhen sich die Erfolgsaussichten
14:48fast um 50 Prozent.
14:50Ob lebenslang
14:52eine Selbsthilfegruppe besucht wird,
14:54das ist Geschmackssache.
14:56Manche finden dort
14:58Freunde und Lebenssinn,
15:00für andere ist es eher
15:01immer eine Überwindung.
15:03Aber im ersten Jahr
15:05sollte jeder
15:06eine Selbsthilfegruppe besuchen.
15:08Als frisch gebackener
15:10Abstinenzler
15:11sieht man sich
15:13vielen sozialen
15:14Verführungssituationen
15:15ausgesetzt.
15:16Die Mehrheit der Bevölkerung
15:18in unserem Land
15:19trinkt Alkohol
15:20und wird früher oder später
15:22den Betroffenen auffordern,
15:24es doch mitzutun.
15:26Gleichzeitig gibt es
15:28innere Versuchungssituationen,
15:30wo sozusagen
15:31der innere Schweinehund
15:33des Betroffenen
15:33ihm einflüstert,
15:35ein bisschen kannst du
15:36doch wohl wieder trinken.
15:38Von daher wird es
15:39auch manche Betroffene geben,
15:41die in diesem ersten Jahr
15:43weitere therapeutische
15:45Unterstützung brauchen.
15:47Aber nehmen wir an,
15:49auch das ist einem
15:51Betroffenen erfolgreich gelungen.
15:53Ein ganzes Jahr
15:55hat er nun abstinent gelebt.
15:57Nun ist er zu Recht
15:59noch stolzer
16:00und überzeugt von sich.
16:03Jetzt könnte er
16:04auf die Idee kommen,
16:05ich habe ja nun
16:06zwei Gleise,
16:07das Gleis im Tunnel
16:09und das Alternativgleis.
16:12Jetzt müsste es doch
16:13möglich sein,
16:14ab und zu mal
16:15zur Belohnung
16:16wieder in den Tunnel
16:17zu fahren,
16:18das heißt,
16:19ab und zu mal
16:20wieder Alkohol zu trinken.
16:23Nehmen wir an,
16:24er tut dies
16:25und fährt nach langer Zeit
16:27wieder in den Tunnel.
16:29Nehmen wir zu seinen Gunsten an,
16:32er trinkt auch gar nicht viel.
16:34Das heißt,
16:35er hat eine angenehme Wirkung
16:37und keine schlimme Nachwirkung.
16:40Er kommt aus dem Tunnel raus,
16:42er trinkt eine Zeit lang nichts,
16:44nun kommt er wieder
16:45auf die Weiche,
16:46bei der er das letzte Mal
16:48wieder in den Tunnel gefahren war.
16:50Die Wahrscheinlichkeit,
16:51dass er es wieder tun wird,
16:53ist diesmal ein bisschen größer,
16:56denn das Alternativgleis
16:58wurde einmal nicht benutzt
17:00und ist deswegen
17:01bereits wieder ein bisschen
17:03überwachsen
17:04oder verschmutzt.
17:06Nehmen wir also an,
17:08er fährt ein zweites Mal
17:09in den Tunnel.
17:09Wieder hat er nicht viel getrunken,
17:11wieder ist nichts Schlimmes passiert,
17:13aber wenn er wieder
17:15zur Weiche kommt,
17:16ist die Wahrscheinlichkeit,
17:17nochmals zu trinken,
17:19wieder größer,
17:20denn wieder
17:21ist das Alternativgleis
17:23nicht benutzt worden.
17:26Man kann also auch
17:27an diesem Modell sehen,
17:29warum kontrolliertes Trinken
17:31für einen Alkoholiker
17:33keine gute Idee mehr ist.
17:36Jedes Mal,
17:37wenn er wieder trinkt,
17:39ist die Wahrscheinlichkeit,
17:40dass er ganz in sein altes
17:42Suchtverhalten zurückfällt,
17:44ein bisschen größer.
17:45Dagegen,
17:47je länger er abstinent bleibt,
17:49umso leichter wird ihm
17:51diese Abstinenz fallen,
17:52weil sein Alternativgleis
17:55auf die Dauer
17:56immer besser eingefahren
17:57und geschliffen wird.
17:59Leider verrottet
18:01das Gleis im Tunnel nie.
18:04Sie können sich vorstellen,
18:05dass in einem Tunnel
18:06ein Gleis
18:07immer gut geschützt bleibt.
18:09Das ist das,
18:10was man
18:11das Suchtgedächtnis nennt
18:13und das leider
18:14niemals ganz verschwinden wird.