00:01Sogar im Gesundheitszentrum liegt auf allen Oberflächen eine dicke Staubschicht.
00:06In den Bergbaustätten Ostindiens gibt es kein Entkommen vor dem Kohlestaub.
00:13Wir haben Probleme beim Atmen. Überall ist Staub. Er gelangt in unsere Nase, in den Mund, einfach überall.
00:23Wenn es stürmt, verteilt sich der Staub auf Kleidung und Gegenständen im Haus.
00:27Wenn wir diese ins Wasser legen, färbt sich das Wasser schwarz.
00:34Die meisten Kohleminen werden vom Staat betrieben, ebenso wie die Kraftwerke.
00:39In Bokaro Steel City gibt es viele Industrieanlagen. Manche Menschen macht der Rauch krank.
00:46Deshalb stellen sich Frauen vor Ort einem System entgegen, das die Menschen nicht ausreichend schützt.
00:55Der Distrikt Bokaro im Bundesstadt Jakant ist von Kohlebergbau, Kohlekraftwerken und Schwerindustrie geprägt.
01:03Im Laufe der Jahre haben die Menschen gelernt, mit der Umweltverschmutzung zu leben,
01:07da viele für Arbeit und Energie auf Kohle angewiesen sind.
01:10Doch Frauen wie Deepmala Devi wollen die Folgen nicht länger hinnehmen.
01:15Mit Messgeräten erfassen sie heute, welchen Belastungen sie täglich ausgesetzt sind.
01:24Schauen Sie, wie viel Staub sich hier auf den Treppen des Gesundheitszentrums abgesetzt hat.
01:29Wir müssen den ganzen Tag fegen.
01:34Deepmala Devi liebt in Djarangi, einem Bergbaudorf im Kohlefeld East Bokaro.
01:39Ständig fahren Kohletransporter durch den Ort.
01:43Die Straßen sind schwarz und die Luft voller Schadstoffe.
01:48Bewohner wie MD Akram sagen, dass die jahrelange Belastung durch Kohlestaub ihre Gesundheit schwer beeinträchtigt hat.
01:56Wir alle nehmen Medikamente und wir müssen sie selbst bezahlen.
02:02Wie MD Akram leiden viele Familien hier unter chronischen Krankheiten.
02:06Einen großen Teil ihres Einkommens müssen sie für Medikamente aufbringen.
02:11Gleichzeitig gibt es in vielen Bergbauregionen nur eine eingeschränkte medizinische Versorgung.
02:17Im örtlichen Gesundheitszentrum behandelt Dr. Sunita Mahato regelmäßig Patienten mit Erkrankungen,
02:23die mit Umweltverschmutzung in Zusammenhang stehen.
02:25Die Region zählt zu den größten Kohleabbaugebieten Indiens.
02:29Aktuelle Zahlen zeigen, in Jakant werden jährlich mehr als 200 Millionen Tonnen Kohle gefördert.
02:34Das entspricht etwa einem Fünftel der indischen Gesamtproduktion.
02:40Hier ist es sehr staubig.
02:42Husten und andere staubbedingte Beschwerden sind weit verbreitet.
02:46Die meisten Patienten kommen deshalb zu uns.
02:48Das hängt mit den Bergwerken zusammen.
02:50Am häufigsten sind Atemwegserkrankungen wie Asthma oder COPD.
02:54Auch Tuberkulosefälle behandeln wir regelmäßig.
03:02Schon Kinder kommen früh mit Kohlestaub in Kontakt.
03:05In besonders armen Familien sammeln sie sogar Kohlereste in den Minengebieten, um sie zu verkaufen und davon Lebensmittel zu kaufen.
03:12Die Folgen können gravierend sein.
03:19Das Sehvermögen der Kinder leidet und sie haben Atemprobleme.
03:23Viele können sich auch schlecht merken, was sie lernen.
03:26Sie vergessen es sofort wieder.
03:33Luftverschmutzung verursacht in Indien jedes Jahr mehr als zwei Millionen Todesfälle.
03:38In den Kohleregionen Danbad und Bokaro, wo die Werte besonders hoch sind, beteiligen sich die Bmaladevi und andere Frauen an
03:45einem Projekt zur Überwachung der Luftqualität.
03:48Sie nennen sich Pariavaran Sakis, Freundinnen der Umwelt.
03:57Als ich nach meiner Heirat nach Djarangi kam, lebten hier fast alle von der Kohle.
04:02Gekocht wurde mit Holz- oder Kohleöfen.
04:04Ich sah Frauen, die beim Kochen ständig husten mussten.
04:08Wenn sie spuckten, war schwarzer Staub im Speichel.
04:11Und wenn sie Husten bekamen, dauerte es immer lange, bis sie wieder gesund wurden.
04:16Die Bmaladevi gehört zu zehn Frauen, die von einer lokalen Organisation geschult wurden, die Luftverschmutzung in ihren Dörfern zu überwachen.
04:24Mit Messgeräten erfassen sie schädliche Feinstaubpartikel, die bis in die Lunge und den Blutkreislauf gelangen können.
04:33Kohleminen in Indien sind verpflichtet, die Luftqualität im Umfeld ihrer Anlagen zu überwachen.
04:39Auch in einem Umkreis von drei Kilometern um Wohngebiete.
04:44Doch die staatliche Bergbaugesellschaft Central Coalfield kam dieser Verpflichtung hier nicht nach.
04:50Auch die Behörden setzten die Vorschriften nicht durch.
04:53Die ersten Menschen, die tatsächlich Daten zur Luftverschmutzung sammelten, waren die Pariavaran Sakis.
04:59Sie führten Messungen an Schulen, auf Märkten und in Krankenhäusern durch und fanden extrem hohe Belastungen.
05:08An der Mine lag der Luftqualitätsindex bei 300 bis 400.
05:12Nachts stieg er manchmal sogar auf 500 bis 600.
05:15Dann sprang die Anzeige auf rot und das Messgerät begann wegen der extremen Belastung zu piepen.
05:22Doch als die Frauen damit begannen, begegnete man ihnen mit Misstrauen, selbst im eigenen Dorf.
05:28Und trotzdem.
05:29An insgesamt 69 Orten erfassten sie die Luftqualität und identifizierten 26 Belastungsschwerpunkte.
05:36Mit diesen Daten hatten sie erstmals Belege in der Hand, um Druck auf die Bergbaugesellschaft und die Behörden auszuüben.
05:43Die Sakis präsentierten ihre Ergebnisse der Central Coalfields Limited, den Behörden und dem Gesundheitsamt, als Beleg für die Versäumnisse vor
05:51Ort.
05:52Die harte Arbeit der Frauen zeigte schließlich Wirkung.
05:55Das Bergbauunternehmen führte mehrere Maßnahmen zur Staubbekämpfung ein.
05:59Kohletransporter werden jetzt mit Planen abgedeckt.
06:02Außerdem sorgen Sprinkleranlagen entlang der Hauptstraße dafür, dass Staub gebunden wird.
06:07Rund um die Bergbaugebiete wurden Metallbarrieren und Staubmessgeräte installiert.
06:12Auch die Straßen werden nun regelmäßig gereinigt.
06:15Zusätzlich wurden Bäume gepflanzt, um die Luftqualität zu verbessern.
06:21Dank dieser Messung wissen die Menschen heute besser, ob die Luft, die sie atmen, sauber oder verschmutzt ist.
06:32Doch die Frauen wollen mehr.
06:33Die Maßnahmen gegen den Kohlestaub haben die Situation zwar etwas verbessert.
06:38Die Umweltverschmutzung weiter zu reduzieren und Betroffene zu unterstützen, bleibt jedoch eine langfristige Aufgabe.
06:49Die Zahl der Fälle ist etwas zurückgegangen, aber sie muss noch deutlich weiter sinken.
06:59Wir wollen, dass alle Menschen hier gesund bleiben und saubere Luft atmen können.
07:03Saubere Luft ist unser Recht.
07:10Die Frauen sprangen dort ein, wo die offizielle Überwachung versagte.
07:14Und mit ihren Daten lieferten sie Beweise, die nicht länger ignoriert werden können.