00:03Als wir zum ersten Mal den Ankündigungstrailer zu Star Trek unbekannte Außenposten sahen,
00:09hatten wir kein allzu gutes Gefühl bei der Sache. Denn was man da sah,
00:13erinnerte zu sehr an ein Mobile-Spiel, als dass wir uns vorstellen konnten,
00:17dass wir hier eine richtig gute Aufbausimulation, geschweige denn eine faszinierende Star Trek
00:22Geschichte bekommen würden. Trotzdem sind wir jetzt zum Release möglichst unvoreingenommen
00:26in den Test hineingegangen und müssen sagen, ja, unser Gefühl hat uns nicht getrogen.
00:33Allerdings ist das Problem nicht so sehr, dass das Spiel viel zu seicht wäre,
00:37sondern dass es unfertig ist und ein fürchterliches Pacing hat und ja,
00:42auch dass es nicht allzu gut aussieht. Dabei fing der Test noch ganz vernünftig an. Denn
00:47tatsächlich geht es hier recht viel um Logistik und ein umfangreiches Ressourcenmanagement mit
00:52vagem Star Trek-Anstrich. Eingebettet ist das Ganze in eine lange Singleplayer-Kampagne mit
00:57zwei Schwierigkeitsgraden. Andere Spielmodi oder einen Multiplayer gibt es nicht. Das Spiel beginnt
01:03damit, dass sich in der Strange New Worlds-Ära die USS Resonant zum Volk der X-Slehari aufmacht,
01:12um in ihrem System eine Tetrionenanomalie zu untersuchen. Dazu baut ihr auf mehreren Planeten
01:18Außenposten auf und untersucht mit Hilfe der Einheimischen einen seltsamen und gefährlichen
01:23Riss im Weltraum. Diese Außenposten müsst ihr allerdings erst einmal aus dem Boden stampfen.
01:28Ihr startet mit gut einem Dutzend Crewmitglieder und lasst sie Metalle, Biomasse und Forschungsdaten
01:33in der Umgebung sammeln. Ihr errichtet erste Verarbeitungsbetriebe, deckt die Karte um euch
01:39herum sukzessive auf und kümmert euch nach und nach um Infrastruktur, wie hier das Stromnetz,
01:44um unter anderem schützende Schilde aufrecht zu halten. Außerdem kümmert ihr euch um die
01:49Bedürfnisse eurer Leute. Die können nämlich hungern, ermüden, frieren, schwitzen, verstrahlt
01:54werden oder sich über ihre Umgebung beschweren, sodass ihr Dekorationen bauen müsst. Das klingt
01:59jetzt nach recht viel Aufwand, tatsächlich ist unbekannte Außenposten aber alles andere
02:04als ein knallhartes Survival-Spiel. Die meisten Werte lassen sich praktisch ignorieren, solange ihr
02:10einfach von jedem Gebäude zumindest eines errichtet und mit einem Arbeiter besetzt. Das
02:15ist dabei allerdings der größte Knackpunkt, denn Arbeitskraft ist in diesem Spiel notorisch
02:20knapp. Nur alle 40 Minuten könnt ihr einen, später zwei Einsatzmitglieder von der Sternenflotte
02:25anfordern. Jedes Crewmitglied gehört dabei zu einer von sechs Kategorien, darunter Techniker,
02:31Wissenschaftler und Sicherheitspersonal. Setzt ihr die Rollen in den richtigen Jobs ein, wird
02:36eure Produktion effektiver. Dieses Crewmanagement ist dann auch der Kern von dem, was ihr die
02:41meiste Zeit tut. Denn auch für die Aufgaben der Hauptstory sowie für das Erkunden besonderer
02:46Strukturen und Pflanzen müsst ihr Leute abstellen. Lasst ihr jedoch zu wenig Crewmitglieder für
02:52Transportaufgaben zurück, vergeudet ihr schnell viel Arbeitszeit. Die Arbeiter in Produktionsstätten
02:57drehen nämlich gerne Däumchen, anstatt sich selbst um Nachschub zu kümmern. Ein echtes Problem
03:03ist so eine Ineffizienz aber tatsächlich nur für eure Lebenszeit. Wirklich scheitern könnt
03:08ihr bloß, wenn ihr die Geduld verliert oder in einen Bug rennt. Leider ist beides nicht
03:12gerade unwahrscheinlich. Im 33 Euro teuren unbekannten Außenposten dauert alles nämlich
03:19viel, viel, viel zu lang. Obwohl wir praktisch durchgängig die höchste Spielgeschwindigkeit
03:24eingeschaltet haben, zieht sich besonders die Ressourcenproduktion wie Kaugummi. Das ging so weit, dass wir
03:30beim Testen immer wieder vom laufenden Spiel weggegangen sind und uns zum Beispiel einen
03:34Kaffee gemacht haben. Besonders schlimm ist die Warterei auf die zentrale Bauressource
03:39Polylegierungen, die den übelsten Flaschenhals des Spiels darstellt, sich aber lange Zeit nicht
03:44in Massen herstellen lässt, weil dazu schlicht die Arbeitskräfte fehlen. Und da neue Crewmitglieder
03:50nur alle 40 Minuten auftauchen, lässt sich auch das Zielungswachstum nicht aktiv beschleunigen.
03:56Erst im späteren Spielverlauf löst sich der Knoten ein wenig, wenn die Mannschaft deutlich
04:01angewachsen ist und ihr es zu Trucks und Flugtransportern schafft. Mit denen lässt sich die allzu behäbige
04:07Logistik etwas beschleunigen, wenngleich die Transporter auch nicht mit größter Intelligenz
04:12gesegnet sind und oft nur minimale Ressourcen-Stacks mitnehmen.
04:16Eure Lage verbessert sich außerdem, wenn ihr mit eurer gewonnenen Erfahrung bestimmte Industrien
04:21von Haus aus nebeneinander setzt und so die entscheidenden Laufwege auf ein Minimum reduziert.
04:27Das Spiel selbst ist bei dem ganzen Management wenig hilfreich. Zwar gibt es in der Hinsicht
04:32eigentlich schon funktionierende Genre-Standards, hier mangelt es aber an übersichtlichen Menüs,
04:38brauchbaren Prioritätslisten und Einstellungsmöglichkeiten. Entsprechend schwierig ist es da,
04:43das Logistiknetz richtig unter Kontrolle zu behalten. Und obendrein erklärt das Spiel einige seiner
04:48Mechaniken nicht allzu gut. Andere Systeme wiederum sind so rudimentär gestaltet,
04:53dass ihr sie einfach komplett ignorieren könnt. Vor allem wenn es mal wieder zu Titrionen-Stürmen
04:58kommt, die übrigens eure Leute und Gebäude ohne echte Auswirkung verstrahlen, werdet ihr immer mal
05:04wieder von kleineren Bedrohungen wie diesen Ranken hier angegriffen. Die sind allerdings so schwach,
05:09dass ihr absolut nichts machen müsst. Eure Crew kümmert sich von ganz allein darum. In unserer ganzen
05:15Spielzeit haben wir nur einmal jemanden an den Hunger und einmal an die Kälte verloren und auch
05:20das nur, weil wir zu lange nicht auf den Bildschirm geschaut hatten. Nun dürfte für so manchen Star
05:25Trek-Fan entscheidend sein, ob zumindest die Handlung einen Kauf rechtfertigen könnte,
05:30spielmechanische Längen hin oder her. Aber auch hier ist nicht allzu viel geboten. Die Story selbst
05:36ist zweckdienlich, was in diesem Genre kaum überraschen dürfte. Vor allem aber die nicht vertonten
05:41Textdialoge sind meistens einfach fadernd belanglos. Und besonders blöd ist natürlich,
05:47dass immer wieder Textbausteine kaputt sind, komplette Passagen einfach fehlen oder in einem
05:51Fall mitten in der Story sogar ein Lorem Ipsum-Platzhalter auftaucht. Nicht viel besser ist es um die
05:57restliche Technik und Präsentation bestellt. Solange ihr weit herausgesummt spielt, ist der
06:02farbenfrohe Titel sogar noch relativ ansehnlich. Aus der Nähe würde er heutzutage aber selbst auf
06:08Smartphones nicht herausstechen. Schaut euch nur mal die klobigen Hände da an.
06:13Endgültig verloren hat uns das Spiel dann mit seinen sich häufenden Unsauberkeiten und Bugs im
06:18späteren Spielverlauf. Wir wollten unbekannte Außenposten trotz seiner Längen durchspielen und
06:22hatten uns gerade durch einen rauen Eisplaneten gekämpft, auf dem wir natürlich – wie hätte es
06:27anders sein können – erneut bei Null anfangen und alle uns bereits bekannten Gebäude erneut langwierig
06:33freischalten mussten. Nur Boni aus dem Forschungsbaum und ein Rohstofftransfersystem zwischen den
06:38Kolonien erleichterten das Ganze etwas. Als wir dann zurück in der Hauptkolonie waren,
06:44kam sogar ein bisschen Euphorie auf, weil wir mehrere Hauptquests schnell hintereinander
06:48beenden konnten. Die Voraussetzungen hatten wir schon Stunden zuvor erfüllt, als wir noch auf
06:54Baumaterial gewartet hatten. Dann aber kam eine Hauptmission, in der wir eine seltsame Höhle
06:59untersuchen sollen. Das tun wir dann auch und es passiert nichts, die Mission will sich nicht
07:05abschließen lassen. Doch hartgesottene Tester wirft sowas nicht gleich aus der Bahn, schließlich
07:10wäre das nicht die erste fehlerhafte Questbeschreibung im Spiel. Also vermuten wir, dass es vielleicht
07:15mehrere solcher Höhlen geben könnte. Und siehe da, wir finden nach längerem Herumgesuche noch zwei
07:20weitere. Statt dass nun aber die Handlung mit jeder weiteren untersuchten Höhle weitergehen würde,
07:25wird beide Male der exakt gleiche Dialog wie bei der ersten Höhle abgespielt. Und sonst passiert
07:31wieder nichts. Also grasen wir die Weltkarte noch mal mehrmals ab, müssen dann aber einsehen,
07:36dass wir in einer Sackgasse stecken. Vielleicht gibt es noch eine Möglichkeit, die Quest irgendwie
07:41abzuschließen, die uns gerade entgeht. Oder vielleicht schafft ein kommender Patch bald Abhilfe.
07:46So oder so ist unsere Geduld mit Star Trek unbekannte Außenposten an dieser Stelle aber am Ende. Dem
07:52Spiel fehlt es vorne und hinten an Polish und vor allem respektiert es unsere Lebenszeit nichts.
07:57Und so fällt das Aufbauspiel bei uns weitestgehend durch. Damit war's das von uns,
08:03vielen Dank fürs Zuschauen, lebt lang und in Frieden.