Zum Player springenZum Hauptinhalt springen
  • vor 2 Minuten
Warum der Krieg in der Ukraine kein Ende findet und keine Seite gewinnen kann.

Kapitel:
00:00 Einleitung & Begrüßung
00:36 Erschöpfung an der Front: Steht eine Entscheidung bevor?
04:13 US-Unterstützung & die Rolle von Starlink/Starshield
09:31 Ukrainische Eigenentwicklungen & westliche Aufklärung
13:21 Ukrainische Angriffe auf russische Ziele & Infrastruktur
18:22 Wie lange hält die russische Wirtschaft durch?
22:49 Langfristige Strategien im Abnutzungskrieg
26:04 Vorboten des Winters & Angriffe auf das Energienetz
29:33 Rekrutierung und Mobilmachung in Russland
33:35 Personallage und Moral der ukrainischen Armee
35:02 Wer hat den längeren Atem? Szenarien für das Kriegsende
39:31 Abmoderation


Angriffe auf Städte und die zivile Infrastruktur. Russland setzt gerade alles daran, die Ukraine und vor allem ihre Bevölkerung vor den kalten Monaten unter Druck zu setzen. Hinzu kommt ein Verbündeter in Washington, dem das Schicksal des Landes inzwischen wohl egal ist. Steuert dieser Krieg gerade auf einen Entscheidungspunkt zu und wie sehr hat das Verhalten von Donald Trump den Kriegsanstrengungen des Landes geschadet? Darüber sprechen wir mit dem Militärhistoriker und YouTuber Torsten Heinrich.


Unterstützt uns: Mit einem STANDARD-Abo für nur 1 Euro im ersten Monat. https://checkout.derstandard.at/produkt/der-standard-smart?voucher=SMARTSOMMER_POD-2026&ref=Podcast

Kategorie

🗞
News
Transkript
00:00Was muss passieren, damit der Krieg in der Ukraine entschieden wird?
00:03Derzeit sieht es ja nicht so aus, als würde einer der Seiten der entscheidende Durchbruch gelingen.
00:08Wir schauen uns heute an, was Russland und die Ukraine tun, um eine Entscheidung herbeizuführen.
00:14Auf welche Taktik setzen sie und welche könnte in Zukunft erfolgreicher sein?
00:18Ich bin Daniel Retschitz-Egger, das ist Thema des Tages, der Nachrichten-Podcast der Standard.
00:27Dazu begrüße ich heute hier im Standardstudio den Militärhistoriker Torsten Heinrich vom YouTube-Kanal Militär und Geschichte.
00:34Herzlich willkommen.
00:35Danke für die Einladung.
00:36Herr Heinrich, nicht wenige Beobachter vermuten, dass wir uns in diesem Krieg derzeit auf einen sogenannten Kulminationspunkt hin entwickeln,
00:44also ein Punkt, an dem wirklich mal eine Entscheidung getroffen werden könnte.
00:48Wie sehen Sie das?
00:49Gar nicht so einfach zu sagen.
00:51Also wir haben einzelne Kulminationspunkte immer wieder gesehen und im Normalfall kenne ich die Nutzung dieses Begriffs eher als den
00:58Punkt,
00:58wo eine Offensive sich totgelaufen hat, weil eben die Kräfte weit genug verbraucht sind, dass der Angreifer stoppt.
01:05Das konnten wir gerade beobachten bei der Operation Vivaldi, wo die Ukrainer ja den Ostkill, den Scherebets mehr oder weniger
01:14erreicht haben
01:14und danach sie jetzt erklärt haben, Operation Vivaldi sei vorbei.
01:19Aber das heißt nicht, dass Angriffe an anderer Stelle nicht wieder weitergehen können.
01:24Und während die Russen im Norden des Festungsgürtels durch Operation Vivaldi zurückgeworfen wurden,
01:30ist im Süden, gerade bei Dubropilia, geht die Offensive weiter.
01:34Dort greifen sie weiter an.
01:35Was wir sehen ist, dass beide Seiten in gewissem Maße erschöpft sind, dass die Russen Probleme haben, Soldaten zu rekrutieren
01:42in ausreichender Zahl,
01:44um ihre Offensivanstrengungen in einer Art und Weise fortzusetzen, die ihnen Erfolge bringt.
01:48Also wir haben täglich Angriffe.
01:50Sie greifen weiter an, aber eben mit kaum noch messbaren Erfolgen.
01:53Die neuesten Berichte über die Rekrutierung sind auch die, dass wirklich Personen rekrutiert werden, die eigentlich im Militär wenig zu
02:00suchen haben,
02:01die also, wenn sie an die Front geschickt werden, man muss es fast hart und zynisch sagen,
02:06eigentlich wenig mehr können als eine ukrainische Drohne verbrauchen,
02:10weil sie körperlich nicht fit sind, weil sie geistig nicht fit sind,
02:13weil nicht investiert wird in ihr Training, um sie ausreichend gut auszubilden.
02:17Das heißt, von russischer Seite wird die Offensive weitergehen.
02:20Die große Frage ist also nicht, schicken die Russen weiter Leute vor,
02:23sondern führt dieses Vorschicken zu Erfolgen?
02:27Und da ist es für den Moment zumindest nicht wirklich sichtbar,
02:30dass die Russen nennenswerte Erfolge erzielen werden.
02:33Sie mögen hier und dort mal einen Kilometer vorrücken,
02:36aber Ende des Jahres wird die Karte kaum anders aussehen, als sie es heute aussieht.
02:39Und wenn es so weitergeht, auch Mitte nächsten Jahres nicht.
02:42Und von ukrainischer Seite hat man an zwei Bereichen der Front die Initiative.
02:47An sich reißen können und man kann darüber diskutieren,
02:50ob sie mit Kubiansk an einem dritten Bereich noch haben.
02:53Aber auch dort ist kein rasanter Vorstoß der Ukrainer zu erwarten.
02:58Wir sehen, dass teilweise monatelang eine Offensive durchgeführt wird
03:01und dies zu 15 bis 20 Kilometern Geländegewinn geführt hat.
03:05Während beide Seiten zu Offensivtätigkeiten in der Lage sind,
03:09ist es so, dass die russische Taktik zu hohem Personalverbrauch führt
03:13und zu geringen Geländegewinn.
03:15Und die Ukrainer versuchen natürlich auch zwangsweise,
03:18weil sie weniger Personal haben,
03:21Personensparender, Personalsparender vorzugehen.
03:23Und das benötigt enorm viel Zeit,
03:25weil es eben in kleineren Schritten stattfindet,
03:27weil sie versuchen, russische Posten, russische Positionen zu erkennen,
03:32diese zu neutralisieren, sich wieder zurückzuziehen.
03:35Und das erfordert enorm viel Zeit.
03:37Das heißt, während wir ein Ende des Krieges oder der Offensivfähigkeit
03:42auf beiden Seiten meines Erachtens nicht sehen,
03:44ist es momentan an dem Punkt, aber eigentlich auch schon seit zwei Jahren,
03:49wo die Front sich sehr überschaubar bewegt.
03:52Und heute wohl eher noch mehr als in den letzten zwei Jahren,
03:55wo es zumindest lokale Durchbrüche taktischer Art mal möglich waren
03:59und mal ein Vorstoß von fünf Kilometern in zwei, drei Tagen drin war.
04:02Das scheint heute sehr unwahrscheinlich zu sein.
04:05Also beide Seiten sind zur Offensivoperation weiter fähig,
04:08aber auf beiden Seiten sind die Erwartungen dessen,
04:11was mit den Offensiven erzielt werden kann, überschaubar.
04:13Was mich interessieren würde, ob die Aktionen aus Washington
04:17in den vergangenen Wochen zur Offensive der Ukraine nichts beigetragen haben.
04:23Das wäre der falsche Begriff, sondern ob sie sie irgendwie behindert haben.
04:25Wir haben schon über Operation Vivaldi gesprochen.
04:27Es gibt weitere Berichte oder gab es in den vergangenen Wochen darüber,
04:30dass im Osten auch durchaus erfolgreiche Geländegeminne erzielt worden sind,
04:36beispielsweise in der Region Luhansk.
04:38Hat sich eben durch die Abschaltung von Starshield und Starlink,
04:41durch fehlende Warnungen etc. irgendetwas daran geändert?
04:44Grundsätzlich ist es so, dass es die Ukrainer haben bei Vivaldi gesagt,
04:48dass sie 33.000 Angriffe auf die Logistik durchgeführt hätten.
04:51Ich bin nicht zu 100 Prozent sicher, ob das wirklich nur in diesem Operationsbereich war.
04:56Aber wir sehen, dass eine große Anstrengung unternommen wurde,
05:01um die Russen bei der Versorgung ihrer Soldaten an der Front zu hindern.
05:04Deswegen gab es auch verhältnismäßig viele Gefangene bei Operation Vivaldi.
05:09Und die Logistik ist und bleibt der Schlüssel.
05:11Das sehen wir jetzt gerade ein Stück weiter nördlich in Kupiansk,
05:14wo die Ukrainer ein Tunnelsystem übernommen haben und die Russen weit zurück oder sogar herausgedrängt haben.
05:20Und jetzt russische Mailblogger sagen, wenn das stimmt, werden wir uns zurückziehen müssen.
05:25Da wird keine andere Möglichkeit bestehen.
05:27Das heißt, die Logistik ist von so großer Wichtigkeit,
05:31dass es natürlich unmittelbare Folgen auf die Front hat.
05:34Und da kommen wir dann zu Starshield bzw. Starlink.
05:37Es ist so, dass die ukrainischen Drohnen, die auf ihrem eigenen Territorium operieren,
05:42inklusive dem besetzten eigenen Territorium,
05:45dass die in der Regel, gerade wenn es was anderes ist als FPV drohen,
05:50dass diese sehr häufig mit Starlink-Terminals funktionieren,
05:54die freigeschaltet sind für Starshield.
05:56Und das ist durch Elon Musk, das scheint der aktuelle Stand zu sein,
06:01behindert worden, gestoppt worden.
06:03Und das führt natürlich dazu, dass der Angriff 60 Kilometer hinter der Front
06:07auf einen LKW, der Nachschub bringt oder gar Soldaten bringt,
06:10dass der nicht oder nur deutlich schwerer erfolgen konnte.
06:13Und während es nicht komplett abgestellt war, wurde die Höchstgeschwindigkeit verringert.
06:18Und dort gab es unmittelbar dann Berichte von russischen Milbloggern,
06:21dass die Intensität der Angriffe zurückgegangen sei.
06:24Ich habe das vor allem vom Süden gelesen, von der Landbrücke.
06:27Dort hat es unmittelbare Folgen gehabt auf die russische Logistik,
06:31die weniger effektiv angegriffen wurde.
06:33Und selbst wenn die Angriffsdrohnen in der Lage sind, langsam genug zu fliegen,
06:37um die Verbindung aufrechtzuerhalten, ist natürlich ihre Abwehr deutlich leichter,
06:41weil sie langsamer fliegen. Und damit sinkt die Effizienz der Angriffe.
06:45Und dann geht es halt, das setzt sich dann relativ schnell an die Front hin fort.
06:50Wenn die in der Lage sind, mehr Munition, mehr Verpflegung nach vorne zu bringen,
06:55wenn sie in der Lage sind, mehr Soldaten schneller an die Front zu bringen,
06:58weil sie näher heranfahren können, dann zeigt sich das natürlich in Wirkungen an der Front relativ schnell.
07:03Und dementsprechend, Starlink-Starschild war für Operation Vivaldi laut den Angaben,
07:09die die Ukrainer machen, ziemlich sicher von großer Bedeutung.
07:13Wie entscheidend, lässt sich da noch debattieren.
07:16Und dort ist es, wenn eine große Bedeutung wegfällt,
07:19dann heißt es natürlich, dass die ukrainischen Fähigkeiten dann spürbar verringert wurden.
07:24Also da fühlt kein Weg dran vorbei, wenn ich die Logistik nicht 50, 80, 100 Kilometer hinter der Front angreifen
07:29kann,
07:30dann fährt der Feind sein Material näher heran, hat dadurch mehr zur Verfügung
07:35und ist dadurch verstärkt in der Fähigkeit, einen selbst zu bekämpfen.
07:39Jetzt haben Sie gesagt, dass die Ukrainer natürlich eingeschränkt waren in ihren Möglichkeiten,
07:43aufgrund eben dieser Starlink-Einschränkung.
07:45Aber konnten die russischen Truppen wiederum diesen Vorteil für sich nutzen?
07:50Recht lang war es ja nicht, aber Sie haben vorher schon beschrieben,
07:53in einem Konflikt, wo mehr oder weniger alles stillsteht,
07:56könnten ja so kurzzeitige Vorteile durchaus einen großen Effekt haben.
07:59Also an der Front kann ich nicht wirklich etwas beobachten.
08:02Es gibt immer ein paar Behauptungen von Gegeneingriffen und Territorialgewinn.
08:06Es gibt auch russische Behauptungen, man sei, wo Operation Vivaldi operiert habe,
08:11sei man zu Gegenangriffen übergegangen und habe dort schon Territorium zurückerobert.
08:14Ich sehe davon zumindest laut Belegen nichts.
08:17Also wie gesagt, Sie haben halt realistischerweise mehr Material zur Verfügung.
08:21Sie sind besser ausgestattet und Sie haben mehr Soldaten.
08:24Und das kann natürlich zu Vorteilen an der Front führen.
08:26Aber ich sehe nicht, dass Sie das hätten umsetzen können.
08:29Wo Sie es wohl eher umsetzen konnten, war in den Angriffen im Hinterland,
08:34weil dort ein Teil der Abfangdrohnen wohl durch Star Shield gesteuert wird.
08:40Also ich vermute, das sind Repeater bzw. Mutterschiff-Drohnen,
08:45die die Abfangdrohnen auf größere Höhe bringen und dann mit ihnen die Verbindung aufrechterhalten
08:50und so die Steuerung ermöglichen.
08:52Und wenn die ausfallen, dann funktioniert natürlich das Abfangen der Einwegangriffsdrohnen nicht
08:57und die führen dann zu mehr Einschlägen.
08:59Also dort wird es Auswirkungen gehabt haben.
09:00Aber ich sehe nicht, dass es Auswirkungen, spürbare, messbare Auswirkungen an der Front gehabt hätte.
09:05Das zumindest konnte ich nicht beobachten.
09:09Aber vermutlich hat es zu mehr Todesfällen in der Ukraine geführt,
09:13denn jede nicht abgefangene Drohne, die schlägt natürlich irgendwo ein
09:16und ab und an führt das auch zu menschlichen Opfern natürlich nicht jedes Mal, aber häufig genug.
09:20Das ist ja gerade für die Zivilbevölkerung der schlimme Part an diesem Gespräch, das wir hier gerade führen.
09:25Also man kann wohl davon ausgehen, dass es Zivilisten mindestens verletzt oder auch getötet hat.
09:31Wenn wir bei den Offensivkapazitäten der Ukraine bleiben,
09:34Ihre Einschätzung, was kann denn die Ukraine tatsächlich ganz ohne amerikanische und westliche Hilfe?
09:40Es gibt da einen sehr interessanten Fall aus Mitte Oktober,
09:43wo die Eigenbauraketen Neptun der Ukraine bei einem russischen Militärflughafen
09:48mehrere sehr große Kampfbombe der Russen zerstört oder beschädigt haben soll.
09:53Das heißt, die sind selber zusammengebaut und fliegen ohne Technologieunterstützung aus Amerika.
09:58Was ist da möglich?
09:59Grundsätzlich ist es so, die Neptun zum Beispiel, der Beschuss dieses Flughafens,
10:04der dürfte aufgrund von Satellitenaufnahmen erfolgt sein.
10:07Und da ist es natürlich die Frage, wie schnell man an die kommt.
10:10Denn die Flugzeuge werden dort nicht ewig sein, in Reichweite ukrainischer Wirkmittel.
10:16Selbst in dem Moment, wo man weiß, dass sie dort sind, muss man den Einsatz planen.
10:20Das geht auch nicht in drei Minuten.
10:22Das heißt, je schneller die Information kommt,
10:25desto wahrscheinlicher kann man einen solchen Angriff durchführen.
10:27Und dort müssen zwangsläufig die Amerikaner eine Rolle spielen.
10:31Ich muss hier klar sagen, ich spekuliere hier natürlich.
10:34Aber die Amerikaner haben deutlich mehr Aufklärungsmittel,
10:37als sich die Ukrainer im freien Markt einkaufen können
10:39und als sie durch Verbündete wie beispielsweise Frankreich erhalten.
10:42Und dann ist es eine einfache Rechensache,
10:45wenn die Amerikaner eine Vielzahl an Satelliten haben,
10:49um ihnen diese Aufnahmen zur Verfügung zu stellen und die Franzosen eine Hand voll.
10:52Dann ist es wahrscheinlicher, dass sie solche Angriffe nicht so einfach wiederholen können,
10:56ohne die Aufklärungsdaten.
10:58Denn das dürfte in dem Fall der entscheidende Punkt gewesen sein.
11:00Denn sowas ist relevant im zeitlichen Ablauf.
11:04Diese Kampfflugzeuge, die Suchhäu 34, die dort getroffen wurden,
11:09die standen relativ nah beisammen.
11:11Sie waren nicht irgendwie geschützt besonders.
11:14Und dann rentiert sich natürlich auch der Einsatz einer solch seltenen Rakete,
11:18denn allzu viele von den Neptun haben die Ukrainer ganz offensichtlich nicht.
11:21Sie setzen sie ja relativ selten ein.
11:23Der rentiert sich dann, weil das Ziel es wert ist.
11:27Aber dazu muss man wissen, dass es vor Ort ist.
11:28Und dazu sind Aufklärungsdaten notwendig.
11:30Den Angriff selbst, die Navigation dürfte wahrscheinlich auch mit amerikanischer Technik,
11:35aber zumindest ohne aktive Unterstützung der Amerikaner erfolgt sein.
11:39Also realistischerweise werden in den Sensoren schon irgendwo amerikanische Chips und sonstige Teile verbaut sein.
11:46Aber die Aufklärungsdaten dürften dort das entscheidende gewesen sein, eben herauszuwissen,
11:50ah, da sind Flugzeuge, die sind ein Ziel, was wir angreifen können.
11:54Und dann eben den Punkt bis zum Abschuss.
11:57Dieser Weg muss so kurz wie möglich sein.
11:58Und dort können die Amerikaner durch die Vielzahl ihrer Satelliten eben helfen,
12:03dass solche Angriffe möglich werden.
12:04Das heißt, auch in diesem Fall ist zwar die Rakete jetzt nicht aus einer amerikanischen Fabrik gekommen,
12:09die wurde wohl in der Ukraine gebaut,
12:11aber die Infrastruktur, Schrägstrich Satelliten, da ist man trotzdem weiterhin darauf angewiesen.
12:16Prinzipiell würde ich sagen, sie können das auch ohne die Amerikaner.
12:19Denn wie gesagt, die Aufklärungsdaten, dass dort Flugzeuge sind, kann man sich auch anders beschaffen.
12:23Es ist nur schwerer.
12:24Das muss klar gesagt werden.
12:26Also sie sind dazu in der Lage.
12:28Ich sehe nicht, wieso sie es nicht sind.
12:29Und noch sehen wir zumindest aus den USA nicht, dass man die Ukraine mit irgendeinem Embargo belegt,
12:36dass dort irgendwelche Chips nicht mehr geliefert werden dürfen oder Elektromotoren oder sonstige Bauteile.
12:40Das heißt, es geht hier, in dem Fall geht es vor allem darum,
12:43wann wird die Satellitenaufnahme gemacht und wie schnell geht die an die Ukraine.
12:47Und dann ist es klar, wenn ich nur um Zahlen zu nennen, fünf Satelliten habe, die das machen können,
12:51oder ich habe 100, dann ist es natürlich wahrscheinlicher, dass die Nation mit den 100
12:55schneller in der Lage ist, solche Informationen zur Verfügung zu stellen.
12:58Aber der eine der fünf französischen Satelliten, der die Foto macht,
13:03wenn das den Ukrainern weitergeliefert wird, dann können sie den Angriff ganz genauso machen.
13:06Sie werden ihn nur seltener durchführen.
13:08Und wenn sie sich nicht auf die Amerikaner verlassen können,
13:12wenn sie die Informationen der Amerikaner nicht bekommen
13:14und sie werden es weniger erfolgreich durchführen können.
13:17Aber prinzipiell, der Angriff sollte nicht auf die Amerikaner angewiesen sein.
13:21Herr Heinrich, wir haben in der Vergangenheit ja des Öfteren schon über ukrainische Drohnen
13:25und Raketenangriffe auf Russland gesprochen und auch auf den Fokus,
13:29den die russische Armee da immer wieder gelegt hat.
13:31Wir haben beispielsweise über die Lagerhallen von Wildberries gesprochen
13:35und anderen Online-Händlern, die da getroffen worden sind.
13:38Wir haben über Raffinerien gesprochen.
13:40Kürzlich ist immer wieder aufgekommen, dass jetzt auch Rechenzentren im Fokus stehen.
13:44Ihre Einschätzung, was ist denn derzeit der Hauptfokus der ukrainischen Angriffe?
13:48Sind es immer noch die Rechenzentren?
13:50Ich habe es die letzten Tage nicht beobachtet.
13:52Ich denke, es geht vor allem darum, den Russen wehzutun.
13:55Jedes dieser Ziele kann ich eine militärische Begründung suchen.
13:59Wie weit die wirklich vollends überzeugend ist, ist dann Definitionssache.
14:03Ich meine, wir müssen uns anschauen, dass das Kriegsvölkerrecht ja auch nicht ganz eindeutig ist.
14:08Da wird von Verhältnismäßigkeit gesprochen.
14:10Da ist nicht von, es dürfen nicht mehr als ein von zehn Objekten, die dieses Versandhaus verschickt,
14:16dürfen militärisch sein.
14:17So etwas gibt es ja nicht.
14:18Das heißt, es ist viel Interpretationssache.
14:20Jedes dieser Ziele hat einen militärischen Nutzen.
14:23Das muss man klar sagen.
14:24Aber wie weit der groß genug ist, um es als militärisches Ziel für sich primär zu identifizieren,
14:31lässt sich in den Einzelfällen sicher diskutieren.
14:33Die rechtliche Rechtfertigung sehe ich also gegeben.
14:37Und daher gehe ich davon aus, dass es einfach darum geht, den Russen so viel wie möglich wehzutun.
14:42Denn wir müssen bei den Rechenzentren uns anschauen.
14:44Die Russen haben Sanktionen, von denen sie belegt sind.
14:46Und wenn die Hardware zerstört ist, die gerade auch noch schwer zu bekommen ist wegen des KI-Warns,
14:52die also sehr hohen Preis hat, in beschränkter Verfügbarkeit da ist,
14:57dann tut es den Russen enorm weh, weil eine Unmenge an Geld verbrennt
15:01und man nicht einfach eine Bestellung abgeben kann und in drei Wochen das neu zusammengebaut haben kann.
15:07Dann kommen noch Fragen dazu, wie weit das Auswirkungen hat auf gespeicherte Daten.
15:10Wie viele von uns, von den Zuschauern, lagern wesentliche Teile ihrer Daten in der Cloud
15:15und nicht mehr auf fünf separaten Festplatten.
15:18Wenn man Glück hat, zerstört man so Daten von irgendwelchen Unternehmen,
15:22die dann ein Riesenproblem haben, die die Waren weggeschickt haben,
15:26aber die Zahlungen werden nicht verbucht für einen halben Tag,
15:28weil das Backup zu alt ist oder irgend so was.
15:30Das kann wirtschaftlich ruin bedeuten, je nachdem, wie knapp genäht die Unternehmen sind.
15:36Also da kommen wir an solche Sachen, wo der wirtschaftliche Schaden gigantisch sein kann.
15:40Der Ausfall von irgendeinem Online-Shop für drei Tage ist enormer Verdienstausfall.
15:45Also meines Erachtens geht es schlicht darum, den Russen wirtschaftlich so weh zu tun wie möglich,
15:49an so vielen Stellen wie möglich und gleichzeitig eben nur mit den Mitteln, die man hat.
15:53Es wäre sicherlich sinnvoller, könnte man zumindest argumentieren,
15:57wenn man beispielsweise die Drohnenfabrik in Alabuga zerstören würde.
16:01Dazu muss man allerdings so weit fliegen können.
16:04Dann hat die starke Flugabwehr und die Drohnen, die dorthin fliegen,
16:07die dann ankommen durch die Flugabwehr, sind einfach zu wenige mit zu kleinem Gefechtskopf,
16:11als dass sich ein Angriff aktuell offensichtlich rentieren würde.
16:14Ansonsten würden es die Ukrainer machen.
16:16Das heißt, sie suchen sich ein Ziel, dass sie tatsächlich treffen können,
16:19dass sie tatsächlich mit den verfügbaren Mitteln beschädigen oder zerstören können.
16:24Und dann ist auf der anderen Seite der Rechnung den Schaden,
16:27den sie damit an der russischen Wirtschaft und am russischen Militär anrichten.
16:30Denn natürlich werden Rechenzentren auch vom Militär benutzt.
16:33Da sind Daten drauf, da wird die KI, wenn die Russen nutzen ja ebenfalls KI,
16:37wenn die irgendwelche Bilder auswerten mit KI, dann brauchen sie dafür ein Rechenzentrum.
16:41Und das werden sie nicht jedes Mal, also Amazon Web Services,
16:44das werden sie sich dafür nicht mehr buchen können.
16:46Und was sie da aus China machen können und wollen, ist eine andere Geschichte.
16:50Und dort schwächt es sie einfach.
16:51Also die, meines Erachtens, schlagen die Ukrainer einfach dort zu, wo sie können und wo es wehtut.
16:56Und wenn die leichteren Ziele beseitigt sind, dann guckt man, ob man ein passenderes Ziel hat, ein besseres Ziel hat.
17:03Jedes dieser Ziele, wie gesagt, hat einen klaren militärischen Nutzen, dieses zu zerstören.
17:07Aber es erzeugt eben auch gigantischen wirtschaftlichen Schaden.
17:09Die Wildberries zum Beispiel, die Angriffe auf Arzon und Wildberries waren, glaube ich, 12 Milliarden Dollar Infrastrukturschaden und Warenschaden,
17:19plus noch einmal 12 Milliarden Dollar an entgangenen Verkäufen dadurch.
17:24Und die Wirkmittel der Ukraine haben niemals 24 Milliarden gekostet.
17:28Das heißt, da ist es einfach so, all das führt ja zu massiven wirtschaftlichen Konsequenzen und da muss der russische
17:34Staat entweder subventionieren und Entschädigungen leisten oder er muss akzeptieren,
17:38dass Firmen pleite gehen und Steuereinnahmen wegfallen, Leute arbeitslos werden, was ihm in dem Fall vielleicht sogar dann ausnahmsweise mal
17:45angenehm ist.
17:46Aber der russische Staat wird damit unter Druck gesetzt, denn er hat schlicht nicht das Geld, das er dann nach
17:51belieben Entschädigungen zahlen könnte.
17:53Und in dem Art sehe ich die Strategie der Ukrainer.
17:56Sie wollen das einfach nutzen, um die russische Wirtschaft zu schädigen und es gibt einfach nur so und so viele
18:01Raffinerien.
18:02Und dann guckt man, wo noch können wir zuschlagen, wo wir eine militärische Rechtfertigung haben, wo wir den Russen wirtschaftlich
18:08so weh wie möglich tun können.
18:09Denn das schwächt ja alles Russland.
18:10Und ich meine, 24 Milliarden entgangene Verkäufe wären wie viel Steuern gewesen?
18:15Zwei Milliarden oder sowas?
18:16Vermutlich eine Milliarde.
18:18Das ist schon wieder eine Milliarde, die die Russen nicht in Raketen- und Marschflugkörper setzen können.
18:22Aber wie erfolgreich ist diese Strategie Ihrer Einschätzung nach?
18:25Beziehungsweise ich stelle die Frage an, wie lange kann denn die russische Wirtschaft das überhaupt stemmen?
18:30Weil gleichzeitig beobachten wir täglich unzählige Drohnen- und Raketenangriffe.
18:34Und Sie haben es vorher auch schon gesagt, auch die Rekrutierungen gehen weiter und ja auch die kosten Geld.
18:38Ja, also es ist so, ich bin natürlich kein Ökonom.
18:42Ich habe mich kürzlich wieder mal intensiver mit den Wirtschaftsraten beschäftigt.
18:46Es brennt an allen Ecken und Enden in Russland.
18:48Aber wir müssen verstehen, dass das Dritte Reich nicht untergegangen ist, weil es pleite war.
18:53Man kann irgendwie das Geld noch zusammenkratzen.
18:56Russland kratzt das Geld jetzt zusammen.
18:58Es streicht Ausgaben an vielen Ecken.
19:00In die Forschung zum Beispiel wird fast nichts mehr investiert.
19:03Es hat seinen Grund, warum man T90M baut und nicht den Armata, also nicht den modernen Superpanzer, den man vorgestellt
19:10hat, sondern ein modernisiertes Modell aus den 90ern, was ursprünglich sogar aus den 70ern stammt.
19:16Das ist so.
19:17Das heißt, der russische Staat hat Geld.
19:19Er muss allerdings massiv priorisieren, was zu Defiziten an gewissen Stellen führt, was dazu führt, dass Investitionen aus der Zukunft
19:29in die Gegenwart geholt werden.
19:30Denn die Forschungsausgaben, die ich jetzt nicht tätige, die sorgen dafür, dass die Wirtschaft in fünf oder zehn Jahren schwächer
19:35ist.
19:36Der Soldat, der jetzt als 18-, 20-Jähriger in der Ukraine im Feld liegt und seinen letzten Atemzug tut, der
19:44wird keine Familie gründen und der wird auch nicht Wirtschaftsprofessor oder Physikprofessor werden und irgendeine hervorragende Weiterentwicklung machen.
19:51Das heißt, Russland zieht mit dem Krieg Geld, was in der Zukunft anfallen würde.
19:57Zukünftige Investitionen, zukünftigen Wohlstand in die Gegenwart, um den Krieg fortsetzen zu können.
20:02Es kann auch noch seine Goldreserven verkaufen.
20:04Es hat diverse Möglichkeiten, um an Geld zu kommen und so wird es so schnell auch nicht pleite gehen.
20:08Das ist zumindest das, was ich erwarte.
20:10Aber es ist eben zu sehr hohen Kosten und die gehen auf Dauer auch nicht an der Bevölkerung vorbei, was
20:16dann eben moralische Auswirkungen hat.
20:18Denn wenn die Großmutter in einem Haus ist, in dem die Heizung im Winter ausfällt und die erfriert und die
20:24Heizung wurde nicht repariert, aber man hat Geld in Waffen gesteckt, dann ist der Enkel und der Sohn der Großmutter
20:30sind dann vielleicht etwas sauer
20:31und sind nicht mehr so Unterstützer der Regierung.
20:34Und sowas zieht sich natürlich durchs ganze Land.
20:37Russland wird also prinzipiell, sollte es in der Lage sein, den Krieg noch eine Weile finanzieren zu können.
20:42Und dann reden wir noch gar nicht über die Möglichkeit, einfach Geld zu drucken und die Inflation damit anzuheizen oder
20:47irgendwelche Rohstofflizenzen an China zu verkaufen.
20:50Eine langfristige Verpachtung von irgendwelchen Öl-Vorkommen oder sowas.
20:54Russland hat theoretisch Möglichkeiten, diesen Krieg noch eine Weile weiter zu finanzieren, aber es wird immer höhere Kosten für es
21:00selber entstehen dabei.
21:02Immer höherer Aufwand, immer mehr Schaden am Fundament.
21:06Wir können es vielleicht so vergleichen.
21:07Ein sehr schönes Beispiel wäre eine Brücke.
21:09Eine Brücke muss so und so oft gewartet werden.
21:10Ich kann da ein, zwei Wartungszyklen aussetzen.
21:13Die Brücke fällt deswegen noch nicht zusammen.
21:14Aber wenn ich dann eine Wartung durchführe, wird die mehrfach teurer sein, weil die kleineren Arbeiten vermieden werden oder Auto.
21:20Ich kann den Ölwechsel ein, zwei Mal ausfallen lassen.
21:22Aber irgendwann hat er dann einen Kolbenfresser, auch wenn er noch 30.000, 40.000 Kilometer fährt.
21:27Und wenn ich nicht alle 5.000 Kilometer das Öl gewechselt habe, sondern gehe nach 20.000 Kilometern hin,
21:32dann wird mir der Mechaniker wahrscheinlich sagen, jetzt müssen wir auch die Kolbenringe ersetzen und jetzt müssen wir auch das
21:36ersetzen, weil das Öl viel zu schlecht war.
21:38Und so ist es ein Stück weit.
21:40Russland lässt jetzt die Ölwechsel aus in seiner Wirtschaft, um den Motor laufen zu lassen.
21:44Das kann es, das kann es eine Weile.
21:46Aber das führt zu Motorschäden, die nicht sofort auftreffen, die irgendwann dann entweder zum Kolbenfresser führen oder aber dazu,
21:53dass die Kosten, um die Schäden wiederherzustellen, so groß sind.
21:56Und da hat Russland eben nicht beliebige Finanzreserven.
21:59Das heißt, das wird zu einem riesen wirtschaftlichen Problem in Russland führen.
22:03Aber es ist klar, das Ende Russland, das Ende der russischen Wirtschaft ist nicht übermorgen.
22:08Und von russischer Seite ist man sich dessen natürlich bewusst.
22:12Das heißt, man geht einfach davon aus, wir halten länger durch als die Ukraine.
22:15Das ist ja das Einzige, was in diesem Krieg dann also zählt.
22:19Es geht nicht darum, ob man den Krieg unbeschadet übersteht.
22:22Das ist ein Abnutzungskrieg, der per Definitionen beide Seiten abnutzt.
22:25Hier geht es nur darum, länger durchzuhalten als der Feind.
22:28Und das glauben die Russen, dass sie es mit ihrer Wirtschaft können.
22:31Und ich halte mich nicht für befähigt, dem grundsätzlich zu widersprechen.
22:35Es ist möglich, dass sie länger durchhalten.
22:38Aber es wird eben anstrengend und es wird mit massiven Schäden für Russland, für die Volkswirtschaft einhergehen,
22:44für die Bevölkerung, weil man eben das Geld irgendwo herbekommen muss und das eben nicht in den Ölwechsel stecken kann.
22:49Verstehen Sie mich nicht falsch, aber dann ist mir die Strategie der Ukraine nicht so ganz klar auf einer rein
22:54strategischen Ebene.
22:55Sie sagen, man spielt hier mehr oder weniger the long game, wenn ich Ihnen da jetzt richtig zugehört habe.
23:01Gleichzeitig will man natürlich auch von ukrainischer Seite, dass die aktuellen Angriffe, also die aktuelle Invasion auch aufhören.
23:08Es ist natürlich aus Sicht der Ukraine verständlich, aber was ist das genaue strategische Ziel,
23:12wenn der Schaden dadurch erst in x, y Jahren auftreten würde?
23:16Der Krieg dauert schon viereinhalb Jahre.
23:18Ich meine, als wir 2022, als dann Waffen geliefert wurden, haben wir gehört, die Ukraine schließt jetzt einen Vertrag und
23:26die Bundesregierung verspricht Panzerhaubitzen,
23:28die ab 2025 oder 2026 ausgeliefert werden.
23:32Da haben wir gesagt, die brauchen sie jetzt, nicht 2026.
23:35Und das beantwortet es bereits.
23:37Da wir in einem Abnutzungskrieg sind, kann man sich nicht darauf verlassen, dass der in einem halben Jahr garantiert vorbei
23:42ist.
23:42Und je mehr man jetzt schädigt, desto mehr Wirkung hat es auf lange Sicht.
23:47Deswegen machen wir den Ölwechsel, weil wir wissen, das Auto fährt weiter.
23:51Und genau so ist es.
23:52Die Ukrainer wissen nicht, wie lange der Krieg noch dauert, aber für den Fall, dass er eben länger dauert als
23:57die nächsten sechs Monate, ist eine solche langfristige Strategie von großem Nutzen.
24:02Selbst wenn sie heute die Raketenfabriken der Russen zerstören würden, hätten die immer noch, ich glaube, die letzten Zahlen des
24:08GUR waren über 700 ballistische Raketen.
24:11Das heißt, sie könnten weiter monatelang beschossen werden, aber halt dann irgendwann nicht mehr, weil die Fabriken kaputt sind.
24:16Und so muss man den Abnutzungskrieg führen. Man muss immer eben nicht nur an morgen denken, sondern in dem Moment,
24:22wo der Krieg in der Abnutzungsphase gerät, muss man extrem langfristig denken.
24:27Jede Blockade, was weiß ich, Erster Weltkrieg, wenn die Briten die Mittelmächte blockieren, die haben natürlich Vorräte, die können rationieren
24:36so schnell.
24:37Das heißt nicht, dass denen die Rohstoffe gleich ausgehen, aber die gehen ihnen halt dann in drei Jahren aus.
24:41Und wenn der Krieg drei Jahre dauert, hat man einen Effekt, wenn man ihn vorher gewonnen hat, auch gut.
24:45Und so muss man das, denke ich mal, verstehen. Es mag irgendwelche Hoffnungen gegeben haben.
24:49Ich habe es von einem Kontakt gehört, der in der Ukraine war, der gesagt hat, dass man dort im Frühjahr
24:54große Hoffnungen hatte, dass es die Ukraine in die Knie zwingen würde.
24:57Aber wer hat die Hoffnung gehabt? Wenn es irgendwelche Offiziere, mittlere Offiziere sind und Journalisten und sowas, ist eine andere
25:04Geschichte, dass die ukrainische Militärführung davon überzeugt war,
25:07man werde Russland in sechs Wochen in die Knie zwingen, halte ich für optimistisch.
25:12Klar ist es, in einem Abnutzungskrieg muss man langfristig denken und das tun die Ukrainer damit und das tun die
25:18Russen ein Stück weit natürlich auch mit ihren Angriffen.
25:21Wobei es dort in den russischen Millbloggern gibt, dass die Kritik gibt, dass die zum Teil unkoordiniert sind, dass sie
25:28zu wenig einer Strategie folgen.
25:32Aber grundsätzlich sind zum Beispiel die Angriffe jetzt auf die Versorgung des Stroms im Winter.
25:38Bislang hat es auch nie geklappt, dass die Ukrainer im Winter erfroren sind und deswegen gesagt haben, wir kapitulieren lieber.
25:44Aber man versucht es weiter, man denkt langfristig, irgendwann brechen sie und nach dem 5., 6., 7. Kriegswinter ohne Strom
25:50haben sie halt dann vielleicht genug davon.
25:52Also letztendlich können wir das auf beiden Seiten sehen.
25:55Sie erkennen, der Krieg kann auch lange dauern, also müssen wir nicht nur an heute denken, sondern langfristig und das
26:02sehen wir mit diesen Angriffen.
26:03Jetzt haben Sie mir schon ein Stichwort gegeben, nämlich der inzwischen fünfte Kriegswinter, der vor der Tür steht und Sie
26:09haben auch schon gesagt, die Russen versuchen es jedes Jahr.
26:12Korrigieren Sie mich da gerne, aber es hat derzeit den Eindruck und wie gesagt, korrigieren Sie mich da gerne,
26:17es würden die Angriffe auf die Energieinfrastruktur, auf ukrainische Städte und anderes noch einmal zunehmen.
26:23Sehen wir hier quasi schon die Vorboten dieses Kriegswinters?
26:26Ich denke, die Vorbereitung läuft gerade oder beziehungsweise die Winteroffensive ist im Gange.
26:31Selenskyj selbst hat, glaube ich, von 170 Angriffen gesprochen seit 11. Oktober oder waren es nur 70?
26:38Ich weiß es nicht.
26:38Also eine hohe Zahl an Angriffen hat er genannt, weil 11. Oktober war wichtig, weil dort Trump die Energiewaffenruhe verkündet
26:45hatte,
26:45die er mit niemandem abgesprochen hat, die stattfinden sollte, weil er sie verkündet hat.
26:49Die Offensive läuft. Also das ist bereits im Gange. Sie greifen bereits Kraftwerke an, sie greifen bereits Umspannwerke an.
26:56Sie sind im Prozess, die ukrainische Energie- und Wärme- und Wasserinfrastruktur anzugreifen.
27:03Das hat bereits begonnen und das wird weitergehen und das wird weiterhin Priorität der Angriffe in den nächsten Monaten sein.
27:11Davon ist zumindest auszugehen.
27:12Und wie sehr setzt die Ukraine derzeit unter Druck, Ihre Einschätzung?
27:16Massiv, natürlich, unzweifelhaft.
27:19Die Frage ist also nicht, tut es Ihnen weh?
27:22Das tut es ganz klar, da braucht man nicht herumzureden.
27:24Die große Frage ist nur, bricht es sie?
27:27Und da gehe ich nicht davon aus, dass es das tun wird.
27:30Aber auch dort natürlich steter Tropfen hüllt den Stein.
27:33Jeder Winter auf diese Art und Weise führt zu Schäden, die wirtschaftlich ausgeglichen werden müssen.
27:38Eingefrorene Heizungen müssen ersetzt werden, wenn man die Wohnungen weiter benutzen will.
27:42Und das sind alles Kosten, die entstehen, auf ukrainischer Seite natürlich genauso zermürbend sind.
27:48Und die Bevölkerung mag in diesem Winter noch nicht brechen, aber sie mag im nächsten Sommer verhandlungsbereiter sein,
27:54weil sie Angst hat vor dem Winter 27, 28.
27:58Und das ist eben Russlands Long Game, um ihr Wort zu benutzen.
28:02Also ich gehe nicht davon aus, dass die Russen damit diesen Winter den Krieg, den Sieg erzielen werden.
28:07Aber ich würde auch nicht davon ausgehen, dass sie ernsthaft glauben, dass sie es tun.
28:10Das ist einfach eine Zermürbung, die sie durchführen, weil sie nicht genügend militärische Ziele finden, die sie angreifen können.
28:17Weil sie eben nicht wissen, wo jede Fabrik ist.
28:19Jede, die ihnen bekannt ist, greifen sie auch an.
28:22Und soweit sie es können, soweit sie infrastrukturell dazu in der Lage sind, die nicht zu sehr unterirdisch liegt oder
28:27ähnliches.
28:28Und die Angriffe sind dann ein anderes Element, so wie die Ukrainer eben auf die Unternehmen zielen,
28:35um wirtschaftlichen Schaden anzurichten.
28:36Unternehmen, die militärischen Nutzen haben, muss man dabei natürlich betonen,
28:40so greifen die Russen die Infrastruktur an.
28:42Und da gehört natürlich dann mit dazu, dass, ich habe schon gesagt,
28:46man kann die ukrainischen Angriffe durchaus völkerrechtlich rechtfertigen aus meiner Sicht.
28:50Aber das ist ein Stück weit schwieriger und bis hin zu unmöglich bei Angriffen auf Wasserinfrastruktur
28:56und auf Strominfrastruktur im Allgemeinen.
28:59Denn es muss ein klarer militärischer Nutzen dabei sein.
29:01Und der Schaden an der Zivilbevölkerung muss verhältnismäßig sein, was auch immer das ist.
29:06Das heißt, das Kraftwerk, das eine Riesenfabrik, Riesenrüstungsfabrik versorgt,
29:11zu 80 Prozent seines Stroms dürfte unstrittig sein, dass ich das angreifen darf.
29:15Aber eines, was einfach nur ein Wohngebiet versorgt, sehe ich keine militärische Rechtfertigung.
29:19Das müsste also auch ein Kriegsverbrechen sein, aber das ist ja nichts Neues.
29:23Ich meine, allein der russische Umgang mit den Kriegsgefangenen widerspricht ja völlig der Genfer Konvention,
29:30die Russland selbst ratifiziert hat.
29:31Also das ist ja der Normalfall.
29:33Jetzt haben Sie zu Beginn schon die Rekrutierungen angesprochen.
29:36Und ich kann mich erinnern, dass wir vor einigen Monaten darüber gesprochen haben,
29:38dass eine mögliche Zwangsrekrutierung in Russland oder Teilmobil machen heißt,
29:44um ganz korrekt zu sein, bevorstehen würde.
29:47Sehen Sie das weiterhin? Brauchen das die Russen weiterhin?
29:50Also aus militärischer Sicht würde ich sagen, sie brauchen es.
29:54Aber auch dort denken wir halt, haben wir halt wieder Kosten-Nutzen-Rechnung.
29:57Das heißt, was meine ich aus militärischer Sicht, sie würden es brauchen?
29:59Wenn sie mehr Soldaten zur Verfügung haben, können sie Offensivtätigkeiten an der gesamten Front aufnehmen.
30:06Und das, was sie aktuell nicht in dem Maße tun, es gibt Infiltrationen an vielen Orten,
30:11aber eben nicht mit gleicher Intensität.
30:12Und wenn sie natürlich ein paar hunderttausend Mann einziehen, dann können sie mehr Soldaten nach vorne schicken,
30:18was die Ukrainer mehr unter Druck setzt.
30:20Wird es ihnen zum Sieg verhelfen?
30:21Da habe ich meine Zweifel.
30:23Aber dass das russische Militär mehr Soldaten gebrauchen könnte und mehr gerne hätte, ist, denke ich mal, unstrittig.
30:29Was hier die Entscheidung für den Moment zumindest offensichtlich ist, ist, dass man die gesellschaftlichen Kosten dafür von Seiten der
30:37russischen Führung nicht akzeptiert.
30:38Eben, dass die Bevölkerung reagiert wie im September 2022, weil sie gezwungen wird, an diesem Krieg teilzunehmen,
30:47was eben bislang offiziell nicht der Fall ist.
30:49Und dadurch versucht Russland, dies zu vermeiden.
30:52Und es gibt aktuell klare Hinweise, dass Russland sehr wohl mit Zwang rekrutiert, aber eben das auf andere Art und
30:58Weise tut.
30:59Das heißt, wir haben nicht den Mitarbeiter des Kreiswehrersatzamtes, der die Einberufungsbescheide austeilt,
31:04sondern es wird inzwischen auf die Schwachen in der Gesellschaft gezielt, in Teilen zumindest.
31:10Und diese werden gezwungen.
31:11Das heißt, es gibt Polizeibeamte oder sowas, die Betrunken abholen und von der Straße wegklauben und die irgendwo hinfahren und
31:20dann den befragen oder sowas
31:21und dem ein Papier vorlegen und sagen, okay, wir sind hier fertig, unterschreib hier, dass wir mit dir geredet haben.
31:26Und das ist dann ein Vertrag beim Militär, den er in seinem Zustand überhaupt nicht verhandlungsfähig war.
31:31Es gibt Berichte, die Russen haben so eine Art Affiliate-System.
31:35Das heißt, man kann bis zu 3.500 Dollar verdienen, wenn man jemanden anderes dazu bringt, zu unterschreiben.
31:41Und da müssen teilweise Gangs unterwegs sein, die eben den Alkoholiker, den Obdachlosen oder sonst wo einsammeln,
31:47zum Kreiswehrersatzamt fahren, ihn dort zwingend zu unterschreiben und dann mit dem Bargeld dieses verlassen.
31:52Und der Mann ist überhaupt nicht verhandlungsfähig und ist auf diese Art und Weise beim Militär gelandet.
31:57Wie viel Prozent der aktuellen Rekrutierung das ausmacht, halte ich für kaum möglich, das zu überprüfen.
32:02Aber dass es passiert, gibt es sogar teilweise auf Videobeleg, dass solche Ereignisse passieren.
32:08Das heißt, auf russischer Seite findet Zwangsrekrutierung statt.
32:11Sie findet nur nicht von oben organisiert per offiziellem Dekret des Präsidenten statt,
32:16sondern sie findet zum Teil in Eigenregie von den Provinzen statt, zum Teil durch Gangs,
32:21die einfach auf die Art und Weise eine gute Möglichkeit haben, Geld zu verdienen,
32:25weil das Militär sich ganz offensichtlich nicht dafür interessiert,
32:28ob der, der bei Ihnen im Büro sitzt und unterschreibt, ob der das aus freiem Willen tut.
32:32Und so gibt es Zwangsrekrutierung.
32:35Aber auf die Art und Weise kann man eben noch zumindest dafür sorgen,
32:38dass die Bevölkerung nicht in dem Maße davon betroffen ist
32:41und damit die Wut nicht weit genug steigt und die Unruhen nicht entstehen.
32:47All das, was eben 2022 passiert ist, es findet keine Massenflucht statt.
32:50Wenn ich normaler Arbeitnehmer bin und bin eben nicht drogensüchtig, obdachlos und Alkoholiker,
32:56dann ist es ziemlich unwahrscheinlich, dass mir das passiert.
32:58Und dann werde ich in der Lage sein, den Vertrag zu lesen.
33:00Also betrifft es mich nicht, also muss ich mir nicht Sorgen darüber machen.
33:03Und so wird zumindest aktuell die Rekrutierung unterstützt.
33:07Wie gesagt, es gibt Berichte dafür, es gibt Videoaufnahmen dafür,
33:11aber ich kann nichts sehen und ich könnte nicht sagen,
33:13wie viel Prozent der aktuellen Rekrutierung es ausmacht.
33:16Offensichtlich ist die Politik der Ansicht, dass es für den Moment ausreicht,
33:20um noch nicht zwangsweise zu rekrutieren.
33:22Das heißt nicht, dass die Mobilmachung nicht in den nächsten drei Monaten oder sechs Monaten kommt,
33:27aber vielleicht schafft es Russland auch, das irgendwie noch länger hinauszuschieben.
33:31Dass das Militär mehr Soldaten gebrauchen könnte, denke ich mal, dürfte unstrittig sein.
33:35Das ukrainische Militär braucht auf der anderen Seite natürlich auch mehr Soldaten.
33:39Wie geht es denen derzeit, was die Manpower betrifft?
33:44Die sind, was die grundsätzliche Krise angeht, sehe ich nicht, dass sich was fundamental geändert hat.
33:49Mit dem neuen Oberkommandierenden hat sich die Stimmung im Militär, was ich beobachte, erheblich geändert.
33:55Er hat Reformen durchgeführt, er hat dafür gesorgt, dass Offiziere, die als schlechter bekannt waren,
34:00die Befehle befolgt haben, ungeachtet der tatsächlichen Erfolgsaussichten,
34:04dass die dies nicht mehr tun.
34:05Das hebt die Moral.
34:06Das führt dazu, dass weniger desertiert wird.
34:09Das sind alles naheliegende Dinge, dass Soldaten, die den Eindruck haben,
34:13es wird mehr auf sie geachtet, eben motivierter sind.
34:17Rekrutierung finden weiter statt, aber auch dort ist zumindest eines unstrittig,
34:21dass das ukrainische Militär gerne ein paar hunderttausend Mann extra hätte, sollte klar sein.
34:25Aber wir sehen, dass die Lage extrem angespannt ist.
34:29Das wird garantiert jeder in der Ukraine bestätigen, aber sie ist offensichtlich nicht kritisch genug.
34:34Man ist in der Lage, Truppen zu konzentrieren für lokale Offensiven kleinerer Art
34:39und man ist ansonsten in der Lage, mehr oder weniger die Front zu halten,
34:42eben durch die Vielzahl an Drohnen und das System, wie man jetzt mit Drohnen arbeitet,
34:46durch zunehmenden Einsatz von Bodendrohnen.
34:49Aber dass das ukrainische Militär sein Manpower, sein Personalproblem gelöst hätte oder sowas,
34:55halte ich für realitätsfern.
34:57Also das ist sicherlich nicht der Fall.
34:59Sie haben nur die negativen Auswirkungen halbwegs im Griff.
35:02Herr Heinrich, vielleicht abschließend, ich frage Sie jetzt nicht und das wäre wahrscheinlich die typische Frage,
35:07wer denn jetzt am Ende des Tages in diesem Abnutzungskrieg vielleicht nach dem Winter,
35:11vielleicht nächstes Jahr den längeren Atem haben wird und sich durchsetzen wird.
35:15Das ist, glaube ich, auch schwer zu beantworten.
35:17Das haben Sie auch schon mehrfach gesagt.
35:18Was mich allerdings interessieren würde, ist Ihre Einschätzung als Militärhistoriker.
35:22Was muss denn passieren, damit bei einer Seite der Atem ausgeht?
35:28Letztendlich wird es, ich habe das an anderer Stelle schon mal gesagt,
35:31das wird im Kopf entschieden.
35:32Die Ukrainer haben immer noch wahrscheinlich zwei Millionen wehrfähige Männer.
35:36Es gibt erste politische Initiativen oder Aussagen,
35:40dass man eigentlich die Wehrpflicht auch auf Frauen ausweiten könnte.
35:43Dann reden wir noch mal von zwei bis drei Millionen, die theoretisch zur Verfügung stehen.
35:47Das heißt, der Krieg wird nicht enden, weil der letzte ukrainische Soldat sein Gewehr fallen lässt,
35:53nachdem er tödlich getroffen wurde.
35:54Und der Krieg wird nicht enden, weil den Russen der letzte Mann ausgegangen ist
35:59oder dem russischen Staat der letzte Rubel als Einnahme verbucht wurde und einfach nichts mehr nachkommt.
36:05Sondern es wird entschieden in den Köpfen beider Seiten.
36:08Wenn die Ukrainer sagen, wir haben genug, wir sind nicht mehr bereit,
36:12jeden Monat unsere Söhne, unsere Männer oder gar unsere Töchter an die Front zu schicken,
36:17dann wird der Krieg auf der ukrainischen Seite enden.
36:20Oder auf der russischen Seite, wenn die nicht mehr bereit sind, den Krieg mitzutragen,
36:25wenn sich nicht mehr genügend Freiwillige finden, wenn man nicht mehr genügend anwerben kann
36:29und die wirtschaftliche Lage im Hintergrund so groß ist,
36:33dass der öffentliche Druck auf Putin weit genug steigt,
36:36dass er eben die Rüstungsausgaben verringern kann.
36:39Die Sache, die bei der Ukraine allerdings noch hinzukommt,
36:42ist die, dass die vom Westen unterstützt wird und ohne den Westen realistischerweise nicht kämpfen kann.
36:47Selenskyj sagt, er braucht, ich glaube, 130 Milliarden oder so was nächstes Jahr
36:52und 115 Milliarden Euro und 45 davon seien zugesagt, aber noch nicht angekommen.
36:59Er muss für 2027 70 Milliarden auftreiben.
37:03Und wenn im Westen eben entsprechend Parteien an die Regierung kommen,
37:08die die Unterstützung versagen oder die Regierungen, die jetzt bestehen,
37:12aus Angst vor diesen Parteien mit der Unterstützung aufhören,
37:14dann wird es natürlich auch nicht viel helfen, dass die Ukrainer willens sind, weiterzukämpfen,
37:19denn sie brauchen etwas umzukämpfen und die Drohnen müssen finanziert werden
37:22und das werden sie ohne ausländische Hilfe nicht ausreichend tun können.
37:26Das wäre dann sozusagen noch eine Sache, die die Ukraine unter Druck setzt
37:29und das dürfte der Hauptgrund sein, warum die Russen weiterkämpfen.
37:32Denn eine ernsthafte Hoffnung, dass man zeitnah die Ukrainer bricht,
37:37kann im russischen Militär nicht bestehen.
37:39So viel da auch an falschen Meldungen herumlaufen,
37:41und ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass Gerasimov jeden Morgen aufwacht und sagt,
37:45haben wir sie heute Nacht jetzt besiegt?
37:47Sind wir heute Nacht durchgebrochen?
37:48Das wird nicht passieren.
37:49Ne, man geht davon aus, man wird aktuell nicht vorrücken,
37:53aber wenn der Druck groß genug ist, wird die Ukraine irgendwann nachgeben.
37:57Und der Weg, den Druck groß genug zu machen, ist, die Stärke der Gegenseite zu schwächen
38:03und dass es die, dass der Westen eben aufgibt, die Ukraine zu unterstützen.
38:06In den USA war man erfolgreich und im Westen wissen wir alle,
38:10da stehen Wahlen an in den nächsten Jahren, die in denen Parteien sehr vielversprechend sind,
38:16sehr gute Erfolgsaussichten haben, die die Hilfe für die Ukraine reduzieren werden.
38:20Und wenn ein, zwei große Staaten rausbrechen, was weiß ich,
38:23wenn Deutschland wegbricht und Großbritannien und Norwegen oder sowas,
38:27dann wird der, ja, Frankreich, Frankreich hilft aus eigener Tasche gar nicht so viel.
38:32Frankreich lässt sich vor allem bezahlen. Insofern ist Frankreich zwar wichtig,
38:36auch als Waffenproduzent für Skalp, für die Rafale, die sie liefern wollen,
38:41die bezahlt werden, die eben nicht eine Gratislieferung sind.
38:44Das darf man dabei nicht vergessen. Frankreich liefert viel,
38:47aber es lässt sich dafür bezahlen in weiten Teilen.
38:49Und wenn es nicht Altgerät ist, was sowieso hätte ausgemustert werden müssen.
38:54Aber ohne das Geld geht es halt nicht weiter.
38:57Und wenn die großen Unterstützerstaaten aus innenpolitischen Gründen wegbrechen,
39:01dann wird nicht Italien plötzlich die Hilfe übernehmen,
39:05die bereits angekündigt haben, ihre Hilfe sowieso schon zu reduzieren,
39:08weil sie wirtschaftlich unter Druck sind.
39:10Das heißt, das ist die Hoffnung der Russen.
39:12Und das ist realistischerweise im Moment die einzige Hoffnung.
39:15Denn ich würde nicht davon ausgehen, dass die Ukrainer zeitnah brechen.
39:19Das Einzige, was den Russen zeitnah den Sieg bescheren kann,
39:23ist, dass die westliche Allianz die Ukraine nicht mehr unterstützt.
39:26Und wenn die das Geld nicht haben, um Drohnen zu bauen,
39:28dann können sie auch keine Russen mehr mit den Drohnen aufhalten.
39:30In der Militärhistoriker Thorsten Heinrich war das.
39:32Vielen Dank für Ihre Zeit und für Ihre Einschätzungen heute.
39:35Alles Gute.
39:36Danke.
39:36Und wenn euch Thema des Tages gefallen hat,
39:38abonniert den Kanal auf der Podcast-Plattform eurer Wahl oder auch auf YouTube.
39:42Da sind wir mit Videopodcasts vertreten.
39:44Einfach Kanal abonnieren und nicht vergessen, Glocke drücken.
39:47Ich bin Daniel Ritschitz-Egger.
39:48Vielen Dank fürs Dabeisein.
39:49Bis zum nächsten Mal.

Empfohlen