- vor 1 Woche
Wirtschaftsexperte Maurice Höfgen erklärt, wie Deutschland aus der Krise käme, wo die Regierung versagt und wieso die AfD das falsche Rezept bietet
Kategorie
🗞
NewsTranskript
00:00Bröckelnde Brücken, Rekordarbeitslosigkeit und eine Autoindustrie, die von China überrollt wird.
00:06Deutschlands Wirtschaft taumelt.
00:07Aber wie kaputt ist die Größe Volkswirtschaft Europas wirklich?
00:11Wie viel Schuld hat die Politik daran?
00:13Und wie könnte der Aufschwung gelingen?
00:15Ich bin Scholt Wilhelm. Das ist Thema des Tages.
00:17Der Nachrichten-Podcast, der Standard.
00:25Maurice Höfgen, Ökonom, Autor, YouTube-Star.
00:28Willkommen im Thema des Tages.
00:30Hallo, danke. Freut mich, hier zu sein.
00:33Maurice, ich habe mir zur Vorbereitung für den Podcast viele deutsche Wirtschaftsnews in letzter Zeit angesehen.
00:38Ich bin nicht vom Fach, das gebe ich vorweg.
00:40Aber auch für mich hat vieles nicht ganz gut geklungen.
00:44Die deutsche Wirtschaft stagniert die meisten Arbeitslosen seit zehn Jahren.
00:47Die Infrastruktur erodiert, Exporte gehen zurück, Fachkräfte fehlen und so weiter.
00:52Wenn du es mal kurz zusammenfassen müsstest, wie schlecht geht es der deutschen Wirtschaft?
00:57Ja, also wir sind wirtschaftsmäßig auf dem Niveau von 2019.
01:01Also die letzten sieben Jahre gab es kein Wachstum.
01:05Während Corona ging es mal stark nach unten, dann da wieder raus.
01:08Dann kam der Ukraine-Krieg, dann ging es wieder nach unten.
01:12Und da sind wir eigentlich noch immer nicht so richtig raus.
01:15Jetzt gibt es da noch der Iran-Konflikt, den Donald Trump angezettelt hat, obendrauf.
01:21Regierungswechsel.
01:22Ja, ich will sagen, die deutsche Wirtschaft ist ein Krebse seit sieben Jahren, wenn man jetzt mal ein bisschen rauszoomt
01:26quasi, zur Seite läuft.
01:28Nicht aufwärts, keine Wohlstandsgewinne, keine Kaufkraftgewinne, keine Aufstiegsgeschichten für die Menschen, sondern Stillstand.
01:36Ich glaube, am meisten gerissen hat es mich, als ich gesehen habe, das war schon vor ein paar Jahren, wie
01:41diese Brücke in Deutschland eingestürzt ist.
01:43Also diese Infrastrukturprobleme.
01:46Was würdest du denn sagen, was sind die größten Probleme, wenn du es festmachen müsstest?
01:50Ja, also diese Brücke, das ist natürlich ein bisschen symbolisch für einen Investitionsstau.
01:55Jetzt muss man allerdings sagen, es ist in Deutschland schon recht selten, dass das passiert.
01:59Trotzdem, eine bittere Statistik dazu, seit ich lebe, seit ich auf dieser Welt bin, seit 1996, sind die Netto-Investitionen
02:08des deutschen Staates null quasi.
02:11Bedeutet, der investiert gerade mal so viel, wie die Infrastruktur an Wert verliert.
02:15Kein, die Infrastruktur hat Zeit meines Lebens noch nicht an Wert gewonnen.
02:19Das ist wirklich bitter, weil dann kann ich sagen, was hat die Politik eigentlich die letzten 30 Jahre für mich
02:23gemacht.
02:24Das ist ein Thema, was jetzt zum Glück zumindest mal ein bisschen angegangen wird, weil eigentlich stand immer die Schuldenbremse
02:30in Deutschland im Weg.
02:32Die ist noch ein bisschen strenger als die europäischen Schuldenregeln.
02:36Und jetzt hat man aber gesagt, okay, eigentlich mit der Schuldenbremse ist kein Haushalt mehr zu machen.
02:40Wir müssen endlich in Infrastruktur investieren und in Verteidigung.
02:44Deswegen werden Verteidigungsausgaben in Deutschland jetzt von der Schuldenbremse ausgeklammert.
02:48Und für Infrastrukturinvestitionen ist ein großer Sondertopf gebildet worden.
02:53Sondervermögen nennen wir das hier in Deutschland.
02:55Da geht quasi auch an der Schuldenbremse vorbei.
02:59Und dadurch steigert man jetzt die öffentlichen Investitionen.
03:02Aber das dauert halt, bis das ankommt.
03:04Also ich kann sehr schnell die Lebensrealität der Menschen verbessern, wenn ich denen mehr Kindergeld zahle, mehr Elterngeld zahle, Sozialleistungen.
03:11Das geht quasi auf Knopfdruck.
03:13Aber Brücken bauen, Brücken sanieren, das dauert halt alles Jahre.
03:17Du hast aber gefragt, warum die Wirtschaft so mies läuft.
03:21Und ich würde sagen, klar, diese externen Schocks, Corona, Ukraine und Iran, sind der Hauptgrund.
03:27Dazu kommt, dass die deutsche Automobilindustrie die Marktanteile auf der Welt verliert.
03:32Vor allem in China, der wichtigste Absatzmarkt.
03:34Deswegen schwächeln unsere Exporte.
03:37Schwächeln aber auf einem hohen Niveau.
03:38Also Deutschland hat immer noch einen absurd hohen Exportüberschuss.
03:41200 Milliarden jedes Jahr.
03:44Fast 5 Prozent der Wirtschaftsleistung.
03:47Und dann haben wir leider, leider, leider viel Realitätsverweigerungen.
03:51Sowohl von der Vorgängerregierung als auch von der aktuellen in Sachen Binnenwirtschaft.
03:55Alle konzentrieren sich nur auf diese Exporte und, oh Gott, unsere Automobilindustrie.
03:59Aber keiner redet darüber, dass die Binnenwirtschaft, der Handwerker, der Bäcker, der Supermarkt, der Friseur,
04:05halt weniger Geschäft haben, weil die Leute sich das nicht leisten können.
04:09Die Leute haben wegen der hohen Inflation Kaufkraft verloren.
04:11Die haben sie jetzt gerade, gerade wieder, aber in den Jahren ist denen ja was flöten gegangen.
04:18Das heißt, die haben Ersparnisse aufgebraucht oder Schulden gemacht.
04:20Kein Wunder, dass die Leute nicht mehr ausgeben als 2019.
04:24Und dagegen bräuchte es eigentlich ein großes Konjunkturprogramm, was wirklich die Kaufkraft der Menschen verbessert.
04:29Lass mich da vielleicht gleich einhacken.
04:33Entschuldige, dass ich dich unterbrochen habe.
04:35Aber wenn du die Teuerung ansprichst, du hast schon erwähnt, sie ist jetzt wieder runtergegangen.
04:41Sie hat sich bei ungefähr zwei Prozent eingependelt, was eigentlich ein Idealzustand ist.
04:45Du hast ein Buch geschrieben mit dem klingenden Titel
04:47Die Wahrheit über Inflation, ihre Profiteure und das Versagen der Politik.
04:52Und ich möchte das genau in diesen Schritten aufdröseln.
04:54Warum ist es nur die halbe Wahrheit, wenn man sagt, die Inflation ist jetzt wieder bei zwei Prozent?
05:00Also erstmal ist es so, das Buch habe ich nach dem Ukraine-Krieg geschrieben.
05:05Ich glaube im Herbst 2022 und Anfang 2023 ist es rausgekommen.
05:08Und ich habe damals prognostiziert, trotz hohen Inflationsraten, das ist bald wieder vorbei.
05:13Und ich habe recht behalten, es ist wieder vorbei.
05:16Jetzt gerade ist in Deutschland die Inflationsrate tatsächlich ein bisschen über den 2,0 Prozent.
05:20Das liegt aber allein an den internationalen Ölpreisen, die Donald Trump mit seinem Iran-Konflikt durch die Decke schießen lässt.
05:26Wichtig ist aber, dass der Kernpunkt dieses Buches, das war keine klassische Inflation, die man mit klassischen Maßnahmen bekämpft.
05:34Denn Inflation ist typischerweise Wirtschaft läuft richtig gut, Vollbeschäftigung, Gewerkschaften sind mächtig, Löhne gehen durch die Decke.
05:43Und dann habe ich quasi so viel Nachfrage, dass die Unternehmen nicht hinterherkommen und die Preise erhöhen.
05:49Das ist sozusagen so diese typische Inflation.
05:53Was wir jetzt hatten, war ein Preisschock von der Angebotsseite.
05:57Energie ist vor allem teuer geworden.
05:59Erst sind Lieferketten durch Corona gebrochen.
06:01Dann halt war Deutschland richtig abhängig von russischem Gas, wie Österreich ja übrigens auch.
06:06Und hat halt krass darunter gelitten.
06:08Das ist aber ein Einmaleffekt gewesen.
06:11Das war einmalige Veränderung des Preisniveaus.
06:13Nichts Dauerhaftes, keine Lohnpreisspirale.
06:17Und deswegen waren zum Beispiel Maßnahmen, wie die EZB erhöht die Zinsen, um Kredite teurer zu machen, um die Nachfrage,
06:25die gesamtwirtschaftliche runterzubringen.
06:27Völlig kontraproduktiv, völlig falsch.
06:29Deswegen ist Sparpolitik als Antwort darauf völlig falsch.
06:32Und ja, da wurden viele Fehler gemacht, viele unnötige Fehler, die Deutschland heute noch spürt.
06:38Denn trotz dieses Preisschocks, trotz dieser, in Anführungszeichen, Inflation, hätte es nicht zu dieser langen Stagnation übrigens die längste seit
06:50Ende des Zweiten Weltkrieges in Deutschland kommen müssen.
06:53Du hast schon gesagt, den Leuten fällt es schwer, sich die schönen Dinge im Alltag zu leisten.
06:59Man kann den Konsum nicht ankurbeln, wenn die Leute ihr Geld nicht ausgeben können.
07:03Du hast schon gesagt, es waren einige Fehler der Politik dabei.
07:07Gleichzeitig externe Schocks.
07:09Dafür kann man wahrscheinlich nichts in Deutschland, dass Corona ausbricht oder der Ukraine-Krieg.
07:13Jetzt hat man aber Entscheidungen getroffen, vor allem nach dem Ukraine-Krieg in der Energiekrise, dass man gesagt hat, wir
07:20steigen aus dem russischen Gas aus.
07:22Und gleichzeitig aus der Atomkraft.
07:24War das ein Fehler?
07:25Nee.
07:26Nee, nee, das war kein Fehler.
07:27Der Fehler war vorher, sich so abhängig zu machen von russischem Gas.
07:31Das war völlig irre.
07:33Es gab ja sogar noch diese verrückten Entscheidungen, dass man den russischen Staat sich hat am größten Gasspeicher Deutschlands beteiligen
07:41lassen.
07:41Den hat Putin, den hat Russland dann leerlaufen lassen, bevor er den Gashahn zugedreht hat.
07:46Und dann stand Deutschland plötzlich mit leerem Gasspeicher und keinem Gas mehr aus der Pipeline da.
07:51Also das war die Fehlentscheidung tatsächlich.
07:55Atomkraft hat 6% des deutschen Stroms gebracht.
07:58Das haben wir locker easy mit Solaranlagen und Windparks kompensiert.
08:04Atomstrom ist übrigens auch extrem teuer.
08:08Dagegen ist Strom aus Wind und Sonne lächerlich günstig.
08:12Das heißt, die Lehre, die Deutschland aus diesem Energiepreisschock ziehen muss, ist eigentlich, hätten wir mal viel eher auf Wind
08:20und Sonne gesetzt.
08:21Noch viel entschiedener.
08:23Denn dann wären wir nicht so abhängig von Russland gewesen und hätten nicht so einen Preisschock gehabt.
08:27Man hat sich also dadurch, dass man da nicht reingegangen ist, dass man nicht mutig war und sich an die
08:32Schuldenbremse geklammert hat, abhängig gemacht und jetzt die Rechnung dafür bezahlt.
08:37Ich möchte nachher noch auf den Solarstrom und die Windkraft eingehen.
08:43Vorher möchte ich noch mal kurz auf diese Staatsverschuldung eingehen, die ja am Papier sehr gut aussieht für Deutschland vergleichsweise
08:49zu anderen Ländern.
08:50Gibt es eine geringe Verschuldung?
08:52Du hast gesagt, das Problem ist aber, dass man die Investitionen bräuchte, um jetzt wieder alles anzukurbeln.
08:57Da wäre jetzt meine Gegenfrage.
08:59Ist es nicht doch richtig, dass wenn man jetzt viele Schulden aufnimmt oder noch viel mehr Schulden macht, dass im
09:04Endeffekt dann die Kinder und Enkel bezahlen müssen?
09:06Das Problem ist ja das Problem, was auch in vielen anderen Ländern existiert, dass man früher viele Schulden aufgenommen hat
09:11und jetzt es hohe Defizite gibt.
09:15Nee, das sehe ich tatsächlich anders, denn das ist sowohl ökonomisch als auch realwirtschaftlich falsch.
09:23Ökonomisch ist es falsch, denn wenn der Staat mehr Geld ausgibt, als er einnimmt, also Schulden macht, dann gibt er
09:28ja mehr in die Wirtschaft hinein, als er über Steuern aus ihr herauszieht.
09:31Und das Geld landet ja bei uns in der Wirtschaft und sorgt dafür, dass wir höhere Bankkonten haben, dass wir
09:37höhere Ersparnisse haben.
09:39Die sind schlecht verteilt in Deutschland wie in Österreich, sehr unfair.
09:42Aber das ist erstmal der Zusammenhang.
09:44Die Schulden des Staates sind die Ersparnisse der Privatwirtschaft.
09:48Kann man sich auch ganz einfach vorstellen, wenn der deutsche Staat seine 2,6 Billionen Euro Schulden jetzt komplett auf
09:54Null setzen wollen würde,
09:56müsste er ja uns 2,6 Billionen Euro mehr abnehmen, als er ausgibt.
09:59Und das würde die Wirtschaft crashen, das würde uns alle ärmer machen.
10:02Deswegen nein, Staatsschulden machen uns nicht ärmer, sind keine Belastung für die künftige Generation.
10:07Es sei denn, man macht solche unsinnigen Schuldenregeln, wie wir sie in der EU und in Deutschland haben.
10:13Denn die sorgen dann politisch dafür, dass kein Geld im Haushalt ist.
10:17Und beispielsweise die deutsche Regierung jetzt solche Entscheidungen treffen muss, wie bei der Psychotherapie zu kürzen,
10:23obwohl immer mehr Menschen mental erkranken und der Arbeitswelt fehlen.
10:27Beim Elterngeld zu kürzen, obwohl die Geburtenrate viel zu niedrig ist.
10:31Beim Kinder-Sofort-Zuschlag, also im Zuschlag, den Kinder arme Familien bekommen, zu kürzen, obwohl Kinderarmut ein riesiges Thema ist.
10:39Also allerlei solche Entscheidungen werden jetzt da getroffen.
10:42Aber nicht, weil kein Geld da ist, nicht, weil Deutschland nicht mehr Geld bekommen könnte, sondern weil man diese Regel
10:46erfunden hat.
10:47Und zweitens, warum ist es keine Belastung?
10:50Die Belastung, wenn man jetzt Geld ausgibt, um erstens die Wirtschaft intakt zu halten und zweitens die Infrastruktur zu erneuern,
10:58haben ja die Kinder in Zukunft bessere Schulen, bessere Kitas, bessere Straßen, Brücken, die nicht einstürzen.
11:05Also auch einen realen Nutzen davon.
11:08Ich hätte mir lieber gewünscht, weil ich ja eben schon mal vorgerechnet habe,
11:11Zeit meines Lebens hat sich der Wert der Infrastruktur Deutschlands nicht erhöht, weil man eben zu sparsam war.
11:17Ich hätte lieber, dass die Schulen, wenn man durch die Städte in Deutschland fährt, die modernsten Gebäude der Stadt sind,
11:22was gerade in der alternden Gesellschaft sinnvoll wäre, und nicht die marodesten, wie es leider Alltag ist.
11:27Stinken Tornhallen und Schulen, in die es reinregnet.
11:33Also für dich ist es eher eine Frage, wofür man dieses Geld investiert, als wie viele Schulden man tatsächlich macht.
11:40Aber trotzdem ist es einfach eine naive Gegenfrage.
11:42Geht das unendlich so weiter?
11:44Also kann man unendlich Schulden aufnehmen und läuft man nicht irgendwann Gefahr, diese Schulden nicht mehr bedienen zu können?
11:52Also ein Staat gibt dann in einem Jahr zu viel aus oder macht zu viele neue Schulden, wenn er die
11:58Wirtschaft komplett überhitzt.
12:00Also wenn dann die Inflation steigt, wenn eh schon alle einen Job haben, es keine Menschen, keine Arbeitslosen mehr gibt,
12:06die die Unternehmen anstellen können.
12:09Ja, und dann gibt man immer noch mehr und weiter aus und will noch die Brücke bauen und den Flughafen
12:13und keine Ahnung was.
12:15Dann gibt man zu viel Geld aus, weil dann überhitzt man die Wirtschaft.
12:19Aber also schaue ich mir das Deutschland der letzten drei Jahrzehnte an, dann war immer das Gegenteil der Fall.
12:25Wir hatten Arbeitslosigkeit, viel Arbeitslosigkeit.
12:27Auf EU-Ebene ist es noch viel krasser, wie viel Arbeitslosigkeit wir da hatten.
12:30Und Arbeitslosigkeit finde ich viel schlimmer, denn Arbeitslosigkeit heißt ja, wir haben Menschen, die wollen arbeiten, die können arbeiten, aber
12:36tun nichts, tragen quasi ökonomisch nichts zum Bruttoinlandsprodukt bei,
12:42weil zu wenig Nachfrage im System ist.
12:45Und dann würde ich immer sagen, lieber die Schulden machen.
12:47Schulden sind ja Mittel zum Zweck, also generell ist Geld Mittel zum Zweck,
12:50damit wir unsere Ressourcen, unsere Arbeitskraft, unsere Talente bestmöglich einsetzen.
12:56Und deswegen plädiere ich immer dafür, nicht so vernarrt auf den Schuldenstand zu gucken.
13:01Und wir können auch nach Japan gucken, die haben über 200 Prozent Staatsverschuldung relativ zur Wirtschaftsleistung.
13:08In Deutschland ist man noch bei unter 70.
13:10Überhaupt haben alle Industriestaaten weit über 100.
13:13Deutschland hat viele Probleme, aber kein Schuldenproblem.
13:16Und so viel Geld kann man halt auch in kurzer Zeit gar nicht ausgeben, als dass der Schuldenstand schnell von
13:2170 auf 200 Prozent japanische Verhältnisse, die sind sogar bei 240, glaube ich, hochgehen könnte.
13:28Also viel Sorge um nichts.
13:29Lass uns lieber darüber reden, dass das Geld, was jetzt eingeplant ist, möglichst schnell ausgegeben wird und die Wirtschaft ankurbelt.
13:35Ja, wunderbar.
13:36Du hast schon gemeint, es gibt ja auch dieses Korrektiv, dass wenn zu viel ausgegeben wird, dass die Infektion steigt
13:42etc.
13:44Vollbeschäftigung.
13:44Jetzt haben wir aber aktuell in Deutschland ja eben die Situation, dass es zu viele Arbeitslose gibt.
13:49Woran liegt das?
13:50Das liegt daran, dass die Wirtschaft kriselt.
13:52Die Unternehmen haben leere Auftragsbücher.
13:55Wenn sie leere Auftragsbücher haben, dann sagen die, oh ja, wir müssen irgendwie die Kosten runterbringen, um unsere Gewinne zu
13:59retten.
13:59Und lassen, stellen kein neues Personal an oder entlassen es sogar.
14:05Wir haben in Deutschland sogar den verrückten Fall, dass die Arbeitslosigkeit sich unter Akademikern verdoppelt hat.
14:10Also um das mal ein bisschen zu skizzieren, wir haben in den letzten drei Jahren in Deutschland handgezählt von mir
14:16eine Million Talkshows dazu gehabt,
14:18ob das Bürgergeld, also die Grundsicherung zu gönnerhaft ist, zu groß ist, zu großzügig ist mit den Arbeitslosen,
14:28als dass die sagen, nee, ich will gar nicht arbeiten und machen sich ein schönes Leben bezahlt vom Staat.
14:33Darüber haben wir die ganze Zeit geredet.
14:35Die Wahrheit ist, es werden ja sogar gerade Akademiker entlassen.
14:39Arbeitslosigkeit unter Akademikern verdoppelt.
14:41150.000 bestausgebildete Leute haben in den letzten Jahren ihren Job verloren.
14:46700.000 insgesamt in so einen Arbeitsmarkt zu glauben, wir kriegen Arbeitslose reingedrückt,
14:51indem wir Arbeitslosigkeit schmerzhafter machen, ist also ein Irrglaube.
14:56Was es bräuchte, wäre Fokus auf Binnenwirtschaft, ein großes Entlastungspaket für die Menschen,
15:02Steuern runter für kleine und mittlere Einkommen, damit die mehr Kaufkraft haben, mehr ausgeben.
15:08Das wäre sinnvoll.
15:09Und vor allem die Binnenwirtschaft ist ja das, was man kontrollieren kann.
15:11Man kann Donald Trump nicht kontrollieren, der kann morgen wieder ausflippen und plötzlich irgendwelche wilden Zölle ankündigen.
15:18Man kann auch als Politik nicht kontrollieren, ob der VW oder der Audi oder der Mercedes konkurrenzfähig ist mit dem
15:26BYD in China,
15:28beispielsweise auf dem chinesischen Automarkt.
15:31Und deswegen, lass uns auf das konzentrieren, was wir können.
15:33Das ist, gibt den Menschen mehr Geld, die geben mehr aus, dann haben die Unternehmen volle Auftragsbücher.
15:37Und dann lösen sich ganz viele Probleme von alleine.
15:40Du hast auch schon die ungleiche Verteilung im Land angesprochen.
15:44Österreich hat auch zu jenen Ländern, in denen das Vermögen am ungleichsten verteilt ist.
15:49Deutschland ist da, glaube ich, auf Augenhöhe oder ich weiß nicht genau, wer jetzt vorne ist.
15:55Wäre es für die Lösung der Investitionsprobleme in Deutschland wichtig oder sinnvoll,
16:01dass die Regierung auch bei den Reichen mehr anzapft und sie zur Kasse bittet?
16:07Also, ich habe mir immer ein bisschen Bauchschmerzen mit dem Gedanken, dass man sagt,
16:10wir brauchen jetzt das Geld der Reichen, damit wir als Öffentlichkeit, als Staat,
16:14als breite Mehrheit uns vernünftige Schulen, Kitas und Straßen leisten können.
16:18Weil ich finde, da machen wir uns immer abhängig von denen und deren Geld und das mag ich nicht.
16:23Klar ist, die Ungleichheit ist zu groß.
16:26Also, um da mal zwei Zahlen zu nennen für Deutschland.
16:30Die Top 10% verdienen ein Drittel aller Einkommen,
16:34aber besitzen zwei Drittel des gesamten Vermögens.
16:37Also, vor allem die Vermögen sind sehr ungleich verteilt.
16:42Und noch eine andere spannende Zahl.
16:4575% der deutschen Milliardäre haben das geerbt, sind nicht self-made.
16:49Das ist weltweit Rekord.
16:51Das sind Deutschland über Ländern wie Saudi-Arabien und keine Ahnung was.
16:56Oder Mexiko, weil es auch extrem ungleich ist.
16:59So, und deswegen, das sollte man mit einer Erbschaftssteuer, mit einer Vermögensteuer,
17:04kann man das korrigieren und sollte man das machen.
17:06Aber nicht, weil man jetzt irgendwie das Geld braucht von denen.
17:10Wir müssen nicht bei denen betteln gehen.
17:12Sondern der deutsche Staat kann das vor allem mit dem Sondervermögen für Infrastruktur jetzt auch so machen.
17:18Das ist sozusagen meine idealtypische Antwort.
17:21Rein praktisch, solange wir solche dummen Schuldenregeln haben,
17:23wie die Schuldenbremse, die den Haushalt so verkasten, dass kein Geld überbleibt,
17:28stimmt es natürlich auch finanziell.
17:30Ja, wenn man die Reichen stärker besteuert,
17:32hat man unter diesen unsinnigen Schuldenregeln ein bisschen mehr zur Verfügung,
17:37was man ausgeben kann.
17:39Für die Konjunktur ist es übrigens, also für die Wirtschaft ist es übrigens besser,
17:45Hochverdiener und Superreiche zu besteuern.
17:48Denn man nimmt den Geld weg, was ohnehin am Finanzmarkt angelegt war,
17:53auf der hohen Kante lag, was sie nicht ausgegeben hatten.
17:55Ja, beim Friseur, beim Bäcker, beim Fahrradhändler.
17:58Wohingegen, wenn man kleine Einkommen entlastet,
18:01die geben jeden Euro austragen ihn wieder in die Wirtschaft.
18:04Und deswegen ist es sozusagen für die Wirtschaft als Konjunkturprogramm sehr sinnvoll,
18:09oben zu belasten und unten zu entlasten.
18:13Da würde jetzt das Gegenargument kommen,
18:15wenn man die Reichen stärker besteuert
18:18oder vielleicht auch sowas wie eine höhere Erbschaftssteuer einhebt
18:21oder eine Sondersteuer, eine Reichensteuer,
18:24dass dann vielleicht die Reichen aus dem Land reisen würden,
18:27die Investitionen zurückgehen würden,
18:29dass die Unternehmer weglaufen.
18:31Ist das eine Mehr?
18:33Ja, das ist eine Mehr.
18:35Das haben wir in der Vergangenheit bei deutlich höheren Steuersätzen
18:39und auch bei einer Vermögenssteuer, die es in Deutschland schon mal gab
18:42und bei einer Erbschaftssteuer, die ich so krasse Ausnahmen hatte,
18:44alles nicht gesehen.
18:46Es wird auch immer so einfach getan,
18:48als könnten die einfach außer Landes gehen.
18:50Also die Fabriken, die stehen ja in Deutschland,
18:52die kann man nicht mal eben zumachen, abreißen und woanders neu aufbauen.
18:56Dann gibt es auch ein Steuersystem, was dem einen Riegel vorschiebt.
18:59Also wenn zum Beispiel die BMW-Eigentümer sagen,
19:04okay, Deutschland haben wir keine Lust mehr drauf,
19:06wir gehen jetzt woanders hin,
19:08dann würde die sogenannte Wegzugssteuer greifen
19:12und dann müssten die Steuern zahlen.
19:16Also da wären die mit der Erbschaftssteuer noch milde dran,
19:20weil dann wird quasi der fiktive Unternehmensgewinn,
19:23seit die BMW Aktionär oder Eigentümer geworden sind,
19:27bis heute mit deren persönlicher Einkommenssteuer besteuert
19:32und die ist nun mal sehr hoch.
19:33So und das würde wehtun.
19:34Also es gibt schon längst Maßnahmen dagegen,
19:36aber diese Erzählung, die halte ich für Quatsch.
19:39Die Unternehmen wollen auch Geld verdienen
19:41und deswegen, wenn man die deutsche Wirtschaft ans Laufen bringt,
19:45wenn die dadurch dann die Unternehmen voll eure Auftragsbücher haben,
19:50dann ist es auch kein Problem, die Höhe zu besteuern.
19:52Und im Gegenteil kommt ja sozusagen aus dieser Erzählung,
19:55folgt ja dann häufig von Konservativen,
19:56da müssen wir die Unternehmenssteuern senken,
19:58damit die wieder mehr investieren.
20:00Das haben wir schon ganz oft probiert in Deutschland
20:02und machen wir übrigens auch gerade wieder.
20:05Und das bringt aber nichts,
20:06weil wenn die Unternehmen leere Auftragsbücher haben,
20:09dann warum sollen die neue Maschinen kaufen,
20:12zusätzliche Maschinen kaufen, zusätzliche Lagerhallen bauen?
20:15Ja, die brauchen Aufträge,
20:17nicht weniger Steuern auf ihre Gewinne.
20:19Und deswegen, man hat immer gesehen,
20:21Unternehmenssteuern runter bedeutet nicht Investitionen hoch.
20:25Ja, wohingegen Wirtschaft läuft bombig,
20:30dann gehen auch die Investitionen hoch.
20:32Und deswegen, das ist also, ja, das ist die falsche Politik.
20:37Sagen sogar übrigens in Deutschland renommierte Wirtschaftsinstitute,
20:41zum Beispiel das Institut der deutschen Wirtschaft, IW,
20:43das hat man nachgerechnet, sind spannende Zahlen.
20:46Die Unternehmenssteuersenkung in Deutschland kostet bis 2029,
20:50also bis Ende unserer Bundesregierung, fast 50 Milliarden Euro,
20:54soll aber nur 16 Milliarden an zusätzlichen Investitionen auslösen.
20:58Bedeutet, zwei Drittel dieser Steuersenkung verpufft,
21:02geht an die Unternehmensinhaber,
21:05wird per Dividenden ausgeschüttet und so weiter.
21:08Das ist halt schlechte Politik, das sind schlechte Maßnahmen.
21:10Das sollte man nicht machen.
21:13Du hast gesagt, was wir nicht kontrollieren können, ist,
21:15ob Donald Trump sich für neue Zollmaßnahmen entscheidet
21:18oder irgendeine andere erratische Entscheidung trifft.
21:21Du hast kritisiert, dass sich Deutschland aber zu sehr abhängig gemacht hat
21:24von den Exporten und sich mehr auf den Binnenmarkt konzentrieren soll.
21:28Ich möchte aber noch kurz auf die Exporte nochmal eingehen,
21:31weil ich es erstaunlich finde, was eigentlich Deutschland alles an Innovationen
21:34in den letzten Jahrzehnten auf den Markt gebracht hat.
21:37Vieles, was wir heute nutzen im Alltag, wurde in Deutschland erfunden.
21:41Und auch ganz große Bereiche, zum Beispiel eben die Automobilbranche
21:45oder aber auch Solarkraftwerke, wenn wir in die Zukunft schauen.
21:48Jetzt sieht man aber schon länger, dass exakt diese Bereiche,
21:53Automobilbranche und Solarenergie oder erneuerbare Energien,
21:57an China wegbrechen oder weggebrochen sind.
22:00Wie ist das passiert?
22:02Da gibt es ganz viele traurige Beispiele,
22:05auch Unternehmensentscheidungen selbst, die falsch waren.
22:07Also Mercedes hatte mal Tesla-Anteile
22:10und haben die für ein Apollo und ein I verkauft.
22:13Die wären, glaube ich, heute über eine Milliarde wert,
22:16weit über 100 Milliarden wert, sorry,
22:17und die haben sie für 750 Millionen verkauft.
22:20BMW mal groß in Batteriezellen hat das jetzt ausgelagert,
22:23da musste sie dann jetzt teuer einkaufen und ist bei E-Mobilität hinten dran.
22:26Und auch viel zu teuer.
22:28Ja, woran liegt das?
22:30Und ich würde sagen, neben diesen falschen Unternehmensentscheidungen,
22:34weil es halt alles so lief und alles bequem war
22:37und wir aus dem Verbrennermotor alles rausholen wollen an Gewinn,
22:41was daraus geht,
22:43wohingegen das Problem ist,
22:44der Markt will halt jetzt keine Verbrenner mehr.
22:46Was übrigens die extreme Rechte in Deutschland nicht einsieht.
22:49Also die AfD, die schreibt sich in die Programme,
22:52die E-Mobilität, die wäre ja in Deutschland unbeliebter denn je und die sei gescheitert.
22:57Während, jetzt gerade frische Zahlen aus dem Juli,
23:01welche Antriebsart die meisten Zulassungen hatte,
23:05E-Autos.
23:06Ja, also es ist ganz lustig, wie die an der Realität vorbeileben.
23:08Es hat sicherlich damit zu tun mit diesem Investitionsstau.
23:11Ja, wenn öffentliche Investitionen zurückgeschraubt werden,
23:15wenn Sparpolitik herrscht,
23:16wenn weniger Forschungsgelder ausgegeben werden,
23:18wenn Hochschulen marode werden,
23:21ja, dann macht das natürlich auch was mit der Innovationskraft eines Landes.
23:24Und Deutschland hat leider neben diesen ganzen Innovationen
23:28auch davon profitiert, auf den Exportmärkten günstig zu sein.
23:33Jetzt fragt man sich, deutsche Autos günstig?
23:36Nee, doch eigentlich nicht.
23:37Ja, man muss immer den Preis im Verhältnis zur Qualität sehen.
23:41Und Deutschland hatte jahrelang deutlich niedrigere Inflationsraten
23:44als Frankreich, Italien und Co.
23:46In einer Währungsunion bedeutet das,
23:49die deutschen Exportgüter werden im Vergleich zu den französischen,
23:53den italienischen und so weiter und so fort günstiger.
23:56Und deswegen hat Deutschland seine Nachbarn auf den Exportmärkten verdrängt.
24:00Zur Gründung des Euros hatte Deutschland keinen Exportüberschuss.
24:05Dann erst, als die Inflation mit der Agenda 2010,
24:09weil das politische Programm in Deutschland runtergedrückt wurde
24:12und die deutschen Güter im Vergleich zu ihren Konkurrenzprodukten
24:16bei gegebener Qualität günstiger wurden,
24:18ist auf einmal der Exportüberschuss explodiert.
24:20Das heißt, es war nicht nur Qualität,
24:21sondern es waren auch eben verhältnismäßig günstige Preise,
24:27die dazu geführt haben.
24:28Und das ist jetzt mittlerweile auch vorbei,
24:31weil die Löhne da ein bisschen stärker angestiegen sind,
24:34die Inflation in Deutschland ein bisschen stärker angestiegen ist.
24:36Das heißt, diese goldene Zeit 2000er, 2010er Jahre
24:40für den deutschen Exportmarkt, der ist rum.
24:44Und die Unternehmen, die das merken, investieren dann natürlich auch weniger
24:48und deswegen kommt es zu weniger Innovation und Made in Germany hat ein bisschen gelitten.
24:54Wie sehr haben der Automobilbranche speziell diese wechselnden Regulierungen
25:00und Vorgaben der Politik geschadet?
25:03Ja, ich halte das Gerede darüber für ein bisschen übertrieben,
25:06weil ob jetzt 2035, weit in der Zukunft,
25:10gibt es ja auch von der EU ein Neuzulassungsverbot für Verbrenner,
25:15für fossile Verbrenner.
25:16Das wird jetzt abgeschwächt,
25:18dass irgendwie nicht mehr,
25:19also das quasi,
25:21dass um 90 Prozent reduziert werden muss,
25:23sodass so Hybridautos weiter möglich sind.
25:26Aber ich meine, dass man 2035 sich auf was einstellen muss,
25:29verändert ja nichts damit,
25:32wie der Markt heute in Deutschland läuft.
25:34Und selbst ohne dieses Neuzulassungsverbot im Jahr 2035
25:38guckt man nach China,
25:40da ist jede zweite Autoneuzulassung elektrisch,
25:42die chinesischen E-Autos deutlich günstiger
25:45und auch deutlich innovativer,
25:46was Software und so weiter angeht, als die deutschen.
25:50Ja, also die Automobilindustrie hat verloren,
25:53weil sie betriebswirtschaftlich sich schlecht aufgestellt.
25:57Nicht, weil da falsche Unternehmensentscheidungen getroffen wurden.
26:00Nicht, weil da irgendjemand zu stark rein reguliert hat.
26:04Ich meine, Porsche,
26:05also ist wirklich ja Premium-Segment in Deutschland,
26:08die haben quasi jetzt letztes Jahr ihre ganzen Gewinne dadurch abgeschrieben,
26:12weil sie ein Jahr gesagt haben,
26:14ja komm, wir gehen komplett in E-Autos
26:16und jetzt wieder den kompletten Roll zurück machen.
26:20Das hat jetzt nichts damit zu tun,
26:21dass sich irgendwie Regulierung krass geändert hat,
26:23sondern einfach, ja,
26:26weil man am Markt vorbei agiert.
26:29Gab es letztens auch eine Zahl,
26:30dass VW, glaube ich, seinen Anlegern
26:3227 Milliarden an Dividenden ausgeschüttet hat
26:35in der Zeit, in der man vielleicht hätte,
26:37in die E-Technologie zu investieren.
26:40Ja, guter Punkt.
26:42Jetzt sind die günstigen E-Autos
26:44aber auch schon da in Deutschland,
26:45auch in Österreich sieht man sie.
26:47Wie wird die deutsche Autobranche diese Transformation überleben?
26:52Ja, die werden die schon überleben.
26:55Das denke ich schon.
26:57Ich meine, die haben auch in Deutschland
26:58und in der EU noch immer hohe Marktanteile
27:01und die machen auch noch immer Gewinne.
27:04Es ist jetzt nicht so,
27:05weil man so häufig kann man lesen,
27:06okay, krasser Gewinneinbruch,
27:07ja, aber dann machen die immer noch milliardenschwere Gewinne,
27:09selbst wenn der Gewinn um ein Drittel reduziert ist.
27:12Es ist jetzt nicht so,
27:13als würden die nur rote Zahlen schreiben
27:15und am Hungertuch nagen.
27:16Ich glaube nicht, dass die untergehen.
27:19Die nächsten Jahre sind jetzt entscheidend.
27:22Und wenn da halt Unternehmen bei sind,
27:24die meinen, okay,
27:24wir setzen halt trotzdem weiter auf Verbrenner
27:27und verschließen die Augen vor der Welt
27:29und was sich da ändert,
27:30dann geht halt ein Automobilunternehmen vielleicht baden,
27:33aber dafür haben die anderen dann Erfolg.
27:35Also ich sehe das eigentlich entspannt.
27:38Bleiben wir noch bei der Technologie.
27:40Was macht dir denn mehr Sorgen,
27:41dass Deutschland bei der Entwicklung von KI abgehängt wird
27:44oder dass KI unsere Jobs wegnimmt?
27:47Nee, Sorgen macht mir,
27:49dass Deutschland abgehängt wird
27:51und die KI-Wertschöpfung überall woanders passiert,
27:55vor allem wahrscheinlich in den USA.
27:58Das macht mir Sorgen.
28:00KI, dass uns das Jobs wegnimmt,
28:02halte ich für eine überzogene Angst.
28:04Also ja, klar wird das Arbeit für uns ersetzen,
28:07aber das ist gut.
28:08Wir sind eine alternde Gesellschaft.
28:09Wir brauchen die Roboter, die Maschinen,
28:12die Algorithmen,
28:13die Arbeit für uns übernehmen,
28:16damit wir uns wiederum um bessere,
28:18schönere, höherwertige Dinge kümmern können.
28:20Ich meine, vor 200 Jahren
28:21stand jeder zweite Deutsche auf dem Feld
28:23und hat da geackert.
28:25Heute ist das auch nicht mehr so.
28:26Haben wir damals gesagt,
28:28okay, wir haben Angst vor Traktoren und Mähdrechern?
28:30Nee, haben wir auch nicht gesagt.
28:32Die entscheidende Frage ist nur,
28:34was macht die Politik damit?
28:35Also wenn jetzt ein Unternehmen mit Künstlerintelligenz
28:38die halbe Belegschaft ersetzen kann
28:41und dadurch mehr Gewinne macht,
28:43dann muss halt dieses Mehr an Gewinnen
28:45auch besteuert und dann umverteilt werden
28:47beziehungsweise in höhere Löhne
28:49für den Rest der Belegschaft fließen.
28:51Dann kommt der Wohlstandsgewinn
28:53auch in der breiten Bevölkerung an.
28:55Wenn man das aber nicht macht
28:56und nur die Unternehmensgewinne steigen,
28:58dann funktioniert es nicht.
29:00Was hindert denn Deutschland daran,
29:02das nächste Google zu erfinden?
29:05Ganz plakativ gesagt,
29:07wo bleibt die Innovation stehen,
29:09gerade in der Softwarebranche,
29:11in der KI-Branche?
29:12Ja, gute Frage.
29:13Also wir haben halt kein Silicon Valley.
29:15Wir haben einen kleineren Markt,
29:17sicherlich auch eine andere Mentalität.
29:20Aber ich meine,
29:20dass Deutschland krass innovationsfähig ist,
29:23hat auch Corona gezeigt,
29:24Biontech beispielsweise,
29:26mit dem Impfstoff.
29:27Ja, also vielleicht haben wir so das Thema
29:33Computer, Smartphone
29:35und jetzt auch gerade ein bisschen
29:36Künstliche Intelligenz verschlafen.
29:38Dafür aber Biotechnologie
29:40und medizinische Sachen
29:42können wir vielleicht wieder für uns sein
29:45und da einiges rausholen.
29:47Ja.
29:47Und ich glaube halt,
29:48es kommt auch mal Cluster.
29:49Also wenn du halt ein Google
29:51und ein Microsoft hast
29:52und ein Apple,
29:54dann passiert halt auch ganz viel
29:55da drumherum.
29:56Genauso wie in Deutschland
29:57die Automobilindustrie
30:00halt riesig war
30:01und extrem innovative
30:02und konkurrenzfähige
30:04Zulieferbetriebe
30:05dafür dann sich
30:06darum entwickelt haben.
30:07Das muss man schon
30:08alles irgendwie mitdenken.
30:10Du hast gesagt,
30:11dass man zwar in Biotechnologie
30:13zum Beispiel
30:13oder auch in anderen Bereichen
30:15vorne ist,
30:16trotzdem,
30:17ich glaube,
30:18das größte Teil
30:19des zumindest US-Wachstums
30:21kommt jetzt aus der Technologiebranche
30:23oder der KI-Branche
30:24und auch weltweit
30:25zieht man einen Riesentrend dahin.
30:27Droht denn Deutschland
30:29abgehängt zu werden,
30:30wenn man da nicht
30:31auf den Zug aufspringt?
30:32Ja, ich meine,
30:33das Wachstum da,
30:35also vor allem,
30:35wenn man sich an die Börsenkurse
30:36anguckt,
30:37dieser Unternehmen,
30:38da ist natürlich
30:39auch viel Zukunftsmusik,
30:40viel Hoffnung drin.
30:43Mal gucken,
30:43ob das alles so eintritt.
30:45Aber klar,
30:46Deutschland sollte
30:47viel mehr Kohle
30:47dafür ausgeben,
30:48dass man schon vornherein
30:50in Forschung,
30:51in Grundlagenforschung
30:52und so weiter dabei ist.
30:53Deutschland ist ja auch ein Land,
30:55muss man sagen,
30:55das lebt von klugen Köpfen,
30:57fleißigen Händen
30:57und Erfindungen,
30:58nicht davon,
30:59dass wir irgendwelche Rohstoffe
31:00unterm Boden haben
31:01wie andere Länder.
31:02Deswegen sollten wir
31:03alles dafür tun,
31:05möglichst kluge Köpfe
31:06zu haben
31:07und denen viel Geld,
31:09viel Freiraum,
31:10viel Ressourcen geben,
31:12damit die was erfinden,
31:13damit da viel bei rumkommt.
31:16Was genau dabei rumkommt,
31:17kann man ja staatlich
31:18nicht vorgeben.
31:18Das ist auch nichts,
31:19was ich einem Friedrich Merz
31:20entscheiden lassen wollte.
31:21Das ist auch nichts,
31:21was ich entscheiden will,
31:22sondern das ist ja
31:24dann noch ein bisschen
31:24das Schöne an der Marktwirtschaft,
31:27dass der Markt
31:28da entregeln
31:28und entscheiden darf.
31:30Lass uns noch ein bisschen
31:31mehr in die Zukunft blicken
31:32und ich komme nochmal zurück
31:33auf diese Solarkraftwerke.
31:34Ich habe vor kurzem
31:36mein Interview mit dem Ökonom
31:37Steve Keen gehört.
31:39Ich glaube,
31:39das ist ein weltweit
31:40anerkannter Ökonom.
31:41Und er hat eine spannende Kritik
31:44geäußert
31:45an seinen Kolleginnen
31:46und Kollegen
31:47und zwar,
31:47dass Ökonomen
31:48bei ihren Prognosen
31:49und Empfehlungen
31:50für die Wirtschaft
31:51den Klimawandel
31:52gerne außer Acht lassen.
31:53Hat er recht?
31:54Ja, ja,
31:55er hat auf jeden Fall recht.
31:57Nicht nur Ökonomen,
31:59ich meine,
31:59in der gesamten
31:59politischen Debatte
32:00ist es so,
32:01wir hatten jetzt hier
32:01in Deutschland,
32:02ich vermute in Österreich
32:03auch ja krasse Hitzewellen
32:04und plötzlich reden wir darüber,
32:06was also diese Hitze
32:07und diese Dürre
32:08an Kosten mit sich bringt,
32:09wie viel Wirtschaftsleistung
32:11das kostet.
32:13Also eine Woche
32:14in Deutschland
32:14über 35 Grad,
32:17was war die Zahl,
32:18kostet glaube ich
32:1810 Milliarden,
32:19also ein Viertel,
32:20Viertelprozent
32:21Wirtschaftsleistung
32:22und das ist nur
32:24die fehlende Produktivität
32:26der Menschen
32:27mit einberechnet.
32:28Da ist noch nicht einberechnet,
32:29da können nicht Schiffe
32:30durch Flüsse fahren
32:31und müssen das alles
32:32per LKW transportieren.
32:34Ja, also
32:35da haben wir den Knall
32:37noch nicht gehört,
32:38sowohl Ökonomen
32:39als auch die Öffentlichkeit.
32:41Ja, aber was heißt das
32:42denn eigentlich für
32:43auch deine Empfehlungen,
32:45die du jetzt dem Staat
32:47sozusagen gibst
32:48oder der Politik,
32:49müsste man eigentlich
32:50die ganzen Prognosen,
32:53Modelle, Empfehlungen
32:54nochmal überarbeiten?
32:56Ja, ich meine alles,
32:57was also sowieso
32:59an Wirtschaftsprognose
33:00über zwei Jahre hinausgeht,
33:02ist Kaffeesatzleserei,
33:03das ist irrelevant,
33:05nur man darf jetzt
33:06nicht den Fehler machen,
33:07deswegen zu sagen,
33:09zum Beispiel,
33:10dass man kein Wachstum
33:12mehr als politisches Ziel,
33:13wirtschaftspolitisches Ziel
33:14ausrufen sollte,
33:15denn Wachstum ist
33:16weiterhin wichtig,
33:17gerade in der Marktwirtschaft,
33:18die braucht Dynamik
33:19und es gibt halt auch
33:20grünes Wachstum,
33:21ja, also das heißt ja nicht,
33:23dass Wachstum immer mit
33:24mehr Ressourcenverbrauch
33:26und mehr CO2-Emissionen
33:27einhergehen muss,
33:28das müssen wir halt lösen,
33:29davon müssen wir uns
33:30entkoppeln
33:30und dann kann Wachstum
33:32in erneuerbaren,
33:33Wachstum in Recycling,
33:35Wachstum in effizienteren
33:37Produktionsweisen,
33:37Wachstum bei Produktion
33:39mit höheren Umweltstandards
33:41stattfinden,
33:43da sollten wir hin,
33:44aber,
33:44also jetzt nur das
33:45Bruttoinlandsprodukt
33:46als Feind auszumachen
33:47beispielsweise
33:48und zu sagen,
33:48oh Gott,
33:49das darf nicht wachsen,
33:50weil das ist mit mehr
33:52Klimaerwärmung verbunden,
33:53das halte ich
33:54für einen Trugschuss.
33:55Wir haben zwei
33:57riesige Entwicklungen
33:58auf der einen Seite
33:59schon den Klimawandel
34:00besprochen,
34:01KI
34:01und zu der KI-Seite,
34:03da gehören ja
34:04nicht nur
34:05die Technologien,
34:06die dahinter stecken,
34:07sondern vor allem auch
34:07Menschen,
34:08Monopole,
34:10extrem superreiche Menschen,
34:12die immer mehr Macht
34:13konzentrieren auf der Welt.
34:16Blöde Frage,
34:17was macht dir denn
34:17mehr Sorgen
34:18als Ökonom,
34:19dass wir eine
34:20zu starke
34:21Machtkonzentration
34:22auf der Welt
34:23gerade erleben
34:23oder
34:24dass wir den Klimawandel
34:26nicht ökonomisch
34:27sinnvoll
34:28begegnen können?
34:29Boah,
34:30schwierige Frage,
34:32beides macht mir
34:32ja extreme Sorgen,
34:36beides ist halt
34:37eine sehr dystopische
34:40Vorstellung,
34:41kann ich mich
34:42ehrlicherweise
34:43nicht entscheiden,
34:44also für Deutschland
34:45ist es jetzt zumindest
34:46so,
34:46wenn ich nur
34:47auf Deutschland
34:47gucke,
34:48dass das Klimaproblem
34:49würde ich sagen
34:51sogar größer ist,
34:53entscheidender ist
34:54als das Ungleichheitsproblem,
34:56weil die politischen
34:58Prozesse noch
34:59zumindest
35:01großenteils
35:01davon befreit sind,
35:02dass reiche Menschen
35:03sich alles kaufen können.
35:04Für die USA
35:05weiß ich nicht,
35:06da gilt das schon
35:07wieder anders.
35:08Gut,
35:08dass wir jetzt
35:09auf die Politik
35:09zu sprechen kommen,
35:10weil du machst
35:11auch sehr gerne
35:12Kommentare
35:13auf deinem
35:13YouTube-Kanal
35:14und zwar was
35:15die politischen
35:16Programme
35:17der Parteien
35:17so angeht.
35:19Du kommentierst
35:20ja nicht nur
35:21die Wirtschaftspolitik,
35:22sondern auch dann
35:22die Interviews,
35:24die diese Personen
35:25halten.
35:26Die CDU steht
35:26mit ihrer
35:27Wirtschaftsministerin,
35:28der Katharina
35:29Reiche,
35:30stark in der Kritik,
35:31weil sie mutmaßlich
35:33falsche Entscheidungen
35:33trifft, gerade was auch
35:34die Energiewende
35:35betrifft.
35:36Welche Partei hat
35:37denn deiner Meinung nach
35:38die wirtschaftlichen
35:39Probleme unserer Zeit
35:40am besten erkannt?
35:42Ach,
35:43das will ich gar nicht
35:44parteipolitisch
35:46festlegen.
35:47Darum geht es
35:47ehrlicherweise auch
35:48nicht in meinen Kommentaren.
35:49Natürlich arbeite ich
35:49mich sehr viel an dem
35:50ab, was die Regierung
35:51macht, weil das diejenigen
35:52sind, die Entscheidungen
35:53treffen und die
35:53Recht haben.
35:55Jetzt könnte ich die
35:55Wahlprogramme nebeneinander
35:56legen und sagen,
35:58okay, was ich davon
35:59am besten finde
35:59persönlich.
36:00Nur Wahlprogramm
36:01ist ja nicht gleich
36:02das, was man wirklich
36:03am Ende umsetzt,
36:04aber darauf kommt es
36:05an.
36:05Ja, und Katharina Reiche
36:07setzt halt Stopp,
36:10setzt die falschen
36:11Anreize, ja.
36:12Sie verschwert
36:13den Ausbau von Wind
36:15und Sonne,
36:16kürzter Förderprogramme
36:17und setzt gleichzeitig
36:18auf Gaskraftwerke,
36:21die den Strom
36:22unnötig teuer machen.
36:24Ja, Deutschland braucht
36:25welche als Backup-Strategie
36:27für die sogenannten
36:28Flauten, wenn die Sonne
36:29nicht scheint und der Wind
36:30nicht weht.
36:31Die sollten am besten
36:32schnellstmöglich dann
36:33mit grünem Wasserstoff
36:34irgendwann funktionieren
36:35statt mit Gas,
36:37aber sie plant halt
36:38viel zu viel ein
36:40und wenn man sich
36:41anguckt, dass sie
36:41gleichzeitig eben
36:42ja den Ausbau
36:43der Erneuergabenbahn
36:44bremst, dass sie
36:45nichts dafür tut,
36:46dass zum Beispiel
36:46die Stromnetze
36:48massiv ausgebaut
36:49und modernisiert werden,
36:51dann muss ich sagen,
36:52sind das die falschen
36:52Anreize und offensichtlich
36:54will sie da
36:55der Gaslobby,
36:56wo sie auch
36:57herkommt,
36:59einen Gefallen tun
37:00und bereitet
37:00denen gute Geschäfte.
37:03Aber ich meine,
37:04wenn man das
37:04so den Zusammenhang
37:06herstellt,
37:06dann würde man
37:07ihr einen
37:09Interessenskonflikt
37:09suggerieren.
37:10Besteht der?
37:12Ja, würde ich schon
37:13sagen, auf jeden Fall.
37:17Ist das tragbar
37:18in der Regierung?
37:19Also müsste der Kanzler
37:21irgendwann mal
37:22draufhauen und sagen,
37:23du machst Politik
37:24in deinem Interesse
37:25und nicht im
37:26allgemeinen Interesse?
37:28Ja, ich meine,
37:29diese Interessenskonflikte,
37:30die bestehen ja immer.
37:31Bei Katharina Reiche
37:31drängt sich das halt
37:33besonders auf,
37:34weil sie Stadtwerke
37:36vertreten hat,
37:38die halt viel mit Gas,
37:39an Gasgeschäft
37:40verdient haben,
37:41weil sie danach
37:42bei einem Verband war,
37:43der sich dafür
37:44eingesetzt hat.
37:45Da ist es halt
37:46sehr offensichtlich.
37:47Man könnte auch
37:47unserem Bundeskanzler
37:48vorwerfen,
37:49dass der
37:50bei Blackrock
37:51ja gearbeitet hat
37:53und jetzt gleichzeitig
37:55privates Kapital
37:56in öffentliche
37:57Infrastruktur in
37:58Deutschland bringen will.
37:59ergo Blackrock
38:00soll Geld geben,
38:01um sich an deutschen
38:03Straßen und Stadtwerken
38:04zu beteiligen
38:05und da Gewinne
38:06rauszupressen.
38:07Das ist auch
38:08ein Interessenskonflikt,
38:09wenn man so will.
38:11Also ich finde,
38:12man sollte es jetzt
38:12auch nicht zu groß machen.
38:13Mir ist weniger
38:14der Interessenskonflikt
38:15wichtig als die
38:16tatsächliche Politik
38:17und sind das
38:17die richtigen Anreize?
38:19Aber beides
38:20ärgert mich halt,
38:21weil weder sind
38:21die Anreize richtig
38:22und die sind halt
38:23nicht richtig,
38:24sicherlich auch
38:25wegen der Vergangenheit
38:27von Katharina Reiche
38:29und ihrem falschen
38:30ökonomischen Denken
38:31muss man auch dazu sagen.
38:32Also sie gibt sich
38:33wirklich,
38:34ja,
38:34in Deutschland würde man
38:35sagen als
38:35Ordo-Liberale
38:38Hardlinerin,
38:39mutet dann
38:39beispielsweise
38:40erneuerbaren Energien
38:41zu,
38:41die man jahrelang
38:42ausgebreimst hat.
38:43Ne, jetzt auf einmal
38:43müssen die ohne
38:44Förderung funktionieren
38:45und stoppt
38:46irgendwelche
38:46Förderprogramme,
38:47wo dann Firmen
38:49auf dem Markt hingehen,
38:50beispielsweise
38:50die Balkonkraftwerke
38:52oder sowas
38:53oder Solaranlagen
38:54auf Dächer
38:54installieren wollen.
38:55Die sind schon
38:56ganz nervös
38:56und rufen ihre Kunden
38:57an,
38:57macht mal lieber
38:58schnell hin
38:59die Bestellung,
38:59lasst uns das mal
39:00vor Jahresende
39:01hinbekommen,
39:01wer weiß,
39:02ob es zum 1.1.
39:03noch was gibt.
39:03So und das ist
39:04eine Unsicherheit,
39:05die der Markt
39:05der Erneuerbaren
39:07nicht gebrauchen kann.
39:10Es gibt jetzt
39:11eine Partei in Deutschland,
39:12die am lautesten
39:13von allen
39:14den Verfall
39:14Deutschlands
39:16anprangert,
39:16das ist die AfD.
39:18Jetzt könnte
39:18die AfD
39:19bei der Landtagswahl
39:20in Sachsen-Anhalt
39:21sogar die absolute
39:22Mehrheit erreichen.
39:24Ihre Chefin
39:25Alice Weidel
39:26hat im Sommergespräch
39:27in Wien
39:28interessanterweise
39:29einige ihrer Ideen
39:31zutage gebracht.
39:33Unter anderem
39:34brauche es
39:35massenhafte
39:36Deportationen
39:37von Migranten,
39:37eine Abstattung
39:38der Grenzen,
39:39einen Euro-Austritt
39:41und Technologieoffenheit
39:42bei Autos
39:43und eine Einheitssteuer
39:44auf Einkommen.
39:46Sind das denn
39:47sinnvolle Vorschläge
39:48und wohin
39:49würde sich
39:49Deutschland
39:51entwickeln
39:51unter so einem
39:52AfD-Programm?
39:54Ja,
39:55also die Vorschläge
39:56sind alle schlecht,
39:57die sind alle Wahnsinn,
39:58wenn alle das,
39:59also,
40:00würden bedeuten,
40:01dass die deutsche
40:02Wirtschaft krass einbricht.
40:03Allein,
40:04ja,
40:04der Euro,
40:04ich hatte es eben
40:05schon mal erklärt,
40:06wie Deutschland
40:06von dem Euro
40:07profitiert hat,
40:07weil man halt
40:08mit niedrigeren
40:10Inflationsraten
40:10über Druck
40:12auf die Löhne
40:12es geschafft hat,
40:13günstiger zu werden
40:14auf den Weltmärkten
40:15zu Frankreich,
40:16Italien und Co.
40:17Ohne Euro
40:18wäre das gar nicht gegangen,
40:19weil dann wäre
40:19die deutsche
40:21Währung
40:22aufgewertet
40:22und dann hätte es
40:23diese Preisvorteile
40:24gar nicht gegeben.
40:25Wenn Deutschland
40:25jetzt aus dem Euro
40:26austreten würde,
40:27würde die deutsche
40:28neue Währung,
40:29nennen wir sie mal
40:30wieder D-Mark,
40:31über Nacht 15,
40:3220,
40:3325 Prozent
40:33teurer werden,
40:34ja,
40:34also,
40:35dass es sozusagen
40:35höhere Energiepreise
40:37sind ein Witz,
40:37gegen diesen
40:38Kostenschock,
40:39den das bedeuten würde
40:41und nein,
40:41deswegen,
40:42also alles,
40:42was sie vorschlagen,
40:43ist ewig gestrig,
40:45ist vorbei,
40:46auch in der
40:46Energiepolitik,
40:48also,
40:48da wollen die halt
40:48noch einen viel
40:49radikaleren Förderstopp,
40:51als ihnen schon
40:51Katharina Reiche will,
40:54wollen sogar
40:55Plan Gelder dafür ein,
40:57dass Windparkbetreiber
41:00ihre Windräder
41:01wieder abbauen,
41:04bezeichnen Windräder
41:05als Windmühlen
41:06in der Schande,
41:06also,
41:07das ist wirklich
41:08völlig an der
41:09Lebensrealität vorbei,
41:11die geben sich
41:12als Partei der
41:13kleinen Leute,
41:14der Arbeiter,
41:15der Menschen mit
41:16kleinen und mittleren
41:16Einkommen,
41:17die Wahrheit ist,
41:17die haben ein Programm
41:18für Privatiers
41:19und Superreiche,
41:20die sind gegen den
41:21Mindestlohn,
41:21aber wollen die
41:22Erbschaftssteuer
41:22streichen,
41:23die Unternehmenssteuern
41:24sinken,
41:24die Einkommenssteuer
41:25so ändern,
41:26dass drei Viertel
41:28der Steuereintlastung
41:29an die 10 Prozent
41:30mit dem höchsten
41:30Einkommen geht,
41:31also,
41:31ja,
41:32das ist kein Programm
41:33für euch,
41:34das ist keine Alternative,
41:35das ist also
41:35Abgrund für Deutschland.
41:37Du hast die
41:38Überalterung
41:38vorhin schon
41:39angesprochen,
41:40wenn die
41:42AfD regieren
41:42würde und sie
41:43würde alle
41:44Migranten
41:44rauswerfen,
41:45also zugespitzt
41:46gesagt,
41:46aber viele,
41:47die jetzt
41:47reingekommen sind
41:48in den letzten
41:49Jahren,
41:50was würde das
41:51denn für den
41:51deutschen
41:52Arbeitsmarkt
41:52bedeuten,
41:53wäre das
41:53nochmal ein
41:54Schock
41:54zusätzlich zur
41:55Überalterung?
41:55Ja,
41:56ja,
41:56genau,
41:56also,
41:57ich hatte mal
41:58eine
42:00persönliche
42:01Anekdote,
42:01ich lag im
42:02Krankenhaus
42:02und mit mir
42:03auf dem
42:03Zimmer ein
42:04älterer Mann,
42:04das steht sehr
42:05symbolisch für
42:06das,
42:07was die
42:08AfD-Politik
42:09bedeuten würde
42:09und er hat
42:10sich die
42:10Bild-Zeitung
42:12geholt
42:12und dann
42:12immer da
42:13reingeguckt,
42:13während wir
42:14zusammen
42:14auf dem
42:14Zimmer
42:15lagen
42:15und sich
42:16darüber
42:16aufgeregt,
42:17oh,
42:17die
42:17Ausländer,
42:18die
42:18Migranten
42:18und so
42:18weiter und
42:19so fort
42:19und dann
42:20kam der
42:20Arzt rein,
42:22ein
42:22komplettes
42:23Ärzteteam,
42:24was aus
42:25Bulgarien
42:25kommt,
42:26was ihm
42:26erklärt hat,
42:27wie dieses
42:28Ärzteteam halt
42:29seine
42:29Bandscheibenproblematik
42:30lösen wird,
42:32ja und
42:32das fand ich
42:33sehr gut
42:33zu sehen,
42:34also erst
42:35morgens
42:36sich die
42:36Bild-Zeitung
42:36holen
42:37und über
42:37die
42:38Ausländer
42:38moppern
42:39und sich
42:39nachmittags
42:39von denen
42:40die
42:40Bandscheibe
42:41korrigieren
42:41lassen,
42:42das zeigt
42:43halt,
42:43wie das
42:43nicht
42:43zusammenpasst
42:44im
42:44deutschen
42:44Gesundheitssystem,
42:45ein
42:46Viertel
42:46der
42:46Beschäftigten
42:47dort
42:47eine
42:48Migrations-
42:49oder
42:49Fluchthintergrund,
42:50ohne die
42:51würde
42:51unser
42:51Gesundheitssystem
42:52zusammenbrechen,
42:53gerade weil
42:54eine Alterung
42:54der
42:54Gesellschaft
42:55auch
42:55bedeutet,
42:56wir brauchen
42:56mehr
42:57Kapazitäten
42:58für
42:59Gesundheit
42:59und Pflege
43:00und ja,
43:02also da beißt
43:02sich die
43:02Katze
43:03in den
43:03Schwanz.
43:04Im Wahlprogramm
43:05der AfD
43:06für Sachsen-Anhalt
43:07stehen auch
43:07so Sachen wie
43:08wir wollen
43:08den Tourismus
43:09wiederbeleben
43:09mit einer
43:10Kampagne
43:10Hashtag
43:11Deutsch
43:11Denken.
43:12Da werden
43:13sich die
43:13internationalen
43:14Touristen
43:14natürlich
43:15freuen.
43:15Ja,
43:16endlich
43:16Urlaub
43:16in Sachsen-Anhalt,
43:17wenn da die
43:18Kampagne
43:18ist,
43:19Deutsch
43:19Denken.
43:20Also,
43:21ja,
43:21die AfD
43:22würde bedeuten,
43:22dass Fachkräftemangel
43:24in Deutschland
43:25den es heute
43:26schon gibt
43:26und der in der
43:26Zukunft halt
43:27noch viel
43:28krasser wird,
43:30der würde
43:32schlimmer werden
43:33und das würde
43:34unser
43:35wirtschaftliches
43:35Fundament
43:36zerstören.
43:37Ja,
43:37die wollen auch
43:38Integration
43:38raus aus den
43:39Schulen.
43:39Also,
43:40Schulen sollen
43:40nicht für
43:40Integration
43:41zuständig
43:41sein.
43:42Da frage ich
43:42mich,
43:43also,
43:43wenn doch
43:43ein Ort
43:44für
43:44Integration
43:44funktioniert,
43:46dann doch
43:47das Schule,
43:48Arbeitsplatz,
43:48vielleicht noch
43:50Mannschaftssport,
43:51ja,
43:51das ist da,
43:51wo Integration
43:52gelebt wird.
43:53Nein,
43:54Schule soll nur
43:55Lesen,
43:55Schreiben,
43:55Rechnen sein.
43:57Ein Leser oder
43:58Leserin des
43:59Standard-Trags
43:59hat so formuliert,
44:00dass die
44:01rechten Parteien
44:03wie die AfD
44:03oder die
44:04FPÖ in Österreich
44:06in vielen Punkten
44:07zumindest die
44:08richtigen
44:08Probleme
44:09anspricht,
44:10aber keine
44:10Lösungen
44:10parat
44:11hat.
44:12Würdest du
44:12eben zustimmen?
44:13Also,
44:13ich würde
44:13der Zuschrift
44:15übrigens
44:15widersprechen.
44:16Also,
44:16die AfD
44:17spricht in
44:18Deutschland
44:18nicht die
44:18richtigen
44:19Probleme an.
44:19Deutschland
44:20ist nicht
44:21von
44:21Kriminalität
44:22übersät.
44:22In Deutschland
44:23sind nicht
44:24die
44:24Bürgergeldbezieher
44:25das größte
44:25Problem oder
44:26der Grund,
44:27warum die
44:27deutsche
44:27Wirtschaft
44:28nicht
44:28wächst.
44:29Auch
44:29keine
44:30CO2-Steuer,
44:31auch
44:31keine
44:31Flotten
44:31Grenzwerte,
44:32auch
44:32kein
44:32sogenanntes
44:33Verbrennerverbot
44:34für das aus
44:34der
44:35Automobilindustrie
44:35verantwortlich.
44:36Das heißt,
44:36die überhöhen
44:37künstlich
44:38irgendwelche
44:38Probleme,
44:39die
44:40nicht die
44:40wahren
44:40Probleme
44:41sind.
44:41Was
44:42sind
44:42denn
44:42die
44:42entscheidenden
44:43Probleme
44:44und
44:44wie
44:44kommt
44:45Deutschland
44:45wieder in
44:46den
44:46Aufschwung?
44:47Die
44:47wahren
44:47Probleme
44:48für
44:48Deutschland
44:49neben
44:49allem,
44:50was
44:50außerhalb
44:51passiert,
44:51sie nicht
44:52beeinflussen
44:52können,
44:53Trump,
44:53Ukraine,
44:54Krieg,
44:54Iran,
44:54Konflikt,
44:55chinesischer
44:56Automarkt,
44:57ist die
44:57Binnenwirtschaft.
44:58Und wie
44:59kommen wir
44:59da raus?
44:59Ein großes
45:00Konjunkturprogramm.
45:01Streicht die
45:02Mehrwertsteuer
45:02aufgrund
45:03Nahrungsmittel,
45:03damit Brot und
45:04Butter
45:04günstiger werden.
45:05Verlängert den
45:06sogenannten
45:07Tankrabatt,
45:07damit die
45:08Spritpreise
45:08nicht weiter
45:09über 2
45:09Euro liegen.
45:10Senkt die
45:10Stromsteuer
45:11für
45:11Verbraucher.
45:12Das ist auch
45:13für die
45:13Elektrifizierung
45:14und alle
45:14Erneuerbaren
45:15sinnvoll.
45:16Fördert
45:16im großen
45:17Stil
45:17sozialen
45:18Wohnungsbau,
45:20Gebäudesanierungen
45:21und so weiter
45:22und so fort.
45:23Dann hat man
45:24ein schönes
45:24Konjunkturprogramm,
45:25was Grünes
45:26und was bei
45:26kleinen und
45:26mittleren Einkommen
45:27ankommt.
45:28Das sollte man
45:28machen.
45:29Maurice Höfgen
45:30war das.
45:31Er plädiert
45:31für ein
45:32Konjunkturpaket.
45:33Empfehlen kann
45:34ich sehr
45:34seine Bücher
45:35und seinen
45:36YouTube-Kanal.
45:37Da erfahrt
45:38ihr noch mehr
45:39über die
45:39Wirtschaft
45:40aus aller
45:40Welt.
45:41Sehr
45:41spannend und
45:42auch sehr
45:43verständlich.
45:43Vielen Dank
45:44für deine
45:44Zeit und
45:44würde mich
45:45freuen,
45:45wenn du
45:45wieder mal
45:46zu Besuch
45:46kommst,
45:47um vielleicht
45:47über andere
45:48Themen im
45:48Bereich der
45:49Wirtschaft zu
45:49sprechen.
45:50Ja,
45:50vielen Dank,
45:51hat großen
45:51Spaß gemacht,
45:52danke für
45:52die Empfehlung,
45:52ich komme gerne
45:53wieder.
45:54Und was
45:55denkt ihr,
45:55was sind
45:55Deutschlands
45:56größte
45:56wirtschaftliche
45:57Probleme und
45:58welche Lösungen
46:00wären sinnvoll?
46:01Schreibt uns
46:01das in den
46:02Kommentaren,
46:03egal wo ihr
46:03uns hört oder
46:04seht,
46:04auf Podcast-
46:06Plattformen wie
46:06Spotify,
46:07Apple Podcast
46:07oder hier
46:08auf YouTube.
46:09Gebt dieser
46:09Folge gerne auch
46:10ein Like oder
46:11fünf Sterne,
46:12wenn euch dieser
46:13Podcast gefällt
46:14und teilt ihn auch
46:16mit Freunden,
46:16falls ihr denkt,
46:17dass noch jemand
46:18davon profitieren
46:19könnte oder sich
46:19dafür interessieren
46:20könnte.
46:21Mehr zur
46:22angesprochenen
46:22Landtagwahl in
46:23Deutschland lest ihr
46:24auch auf
46:25der Standard.at.
46:26Ich bin
46:27Scholt Wilhelm,
46:27vielen Dank fürs
46:28Zuhören und
46:28Zusehen.
46:29Baba und bis
46:30zum nächsten Mal.
46:31Tschüss.
46:33Wiedersehen.
46:34Dieserji
Kommentare