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Sie hat in Düsseldorf, Shanghai und den USA für den Chemie-Riesen Henkel gearbeitet. Heute steuert die gebürtige Vorarlbergerin Juliane Hefel beim Konzern PPG über 1.300 Mitarbeitende an 50 Standorten.

Ihre Produkte stecken überall: In Brillengläsern, in fälschungssicheren Pässen oder im Display unserer Handys. Es ist ein Milliardengeschäft.

Um erfolgreich zu sein, fordert Hefel Tempo und radikale Transparenz. Im Podcast erzählt sie, wie man in Großkonzernen den Aufstieg schafft, und wie sie sich in einer Männerindustrie einen Platz an der Spitze erarbeitet hat.

In dieser Folge zu Gast: Juliane Hefel; Moderation: Gerold Riedmann; Videoproduktion: Tobias Holub; Audioproduktion: Christoph Neuwirth; Head of Audio/Video: Zsolt Wilhelm; Foto-Credits: Christian Fischer

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Transkript
00:00Sie hat in Düsseldorf, Shanghai und den USA für den Chemieriesen Henkel gearbeitet.
00:05Heute steuert die gebürtige Vorarlbergerin Juliane Hevel beim Konzern PPG über 1300 Mitarbeitende an 50 Standorten.
00:13Es ist ein Milliardengeschäft.
00:16Ihre Produkte stecken überall in Brillengläsern, in fälschungssicheren Pässen oder im Display deines Handys.
00:23Sie fordert Tempo, radikale Transparenz.
00:26Wir reden über den Aufstieg in Großkonzernen und darüber, wie man sich in einer Männerindustrie den Platz am Tisch erarbeitet.
00:34Mein Name ist Gerold Riedmann und das ist der CEO-Podcast der Standard.
00:44Frau Hevel, herzlich willkommen.
00:46Vielen Dank.
00:48Möbelbau, Übersetzerstudium, Sommelier und heute globale Geschäftsverantwortung.
00:54Wie geht das zusammen? War das immer mehr Neugier oder das Suchen nach dem richtigen Moment in Ihrer Karriere?
01:00Ich würde eh sagen, das Erste, immer mehr Neugier und auch einfach mal ins kalte Wasser zu springen, was ich
01:06gern mache, wie man sieht.
01:08Aber um den Ausbildungsweg konkret nachzuverfolgen, Sie sind in Vorarlberg auf die Welt gekommen, sind heute in Detroit tätig, weltweit
01:15tätig, fliegen herum, organisieren Dinge.
01:17Dazu kommen wir alles noch. Aber begonnen hat es ja eigentlich mit einer Matura am Gymnasium in Feldschirch, so wie
01:22man das im Vorarlberger Oberland macht.
01:24Und dann sind einige ungewöhnliche Schritte passiert.
01:28Richtig, ja. Das war getrieben von meiner Neugier. Ich habe Klassenkollegen gehabt, die ganz klar gewusst haben, ich werde Rechtsanwalt
01:35und das ist mein Lebensziel und Lebenstraum.
01:37Und die den Weg auch zielstrebig verfolgt haben und sehr erfolgreich darin sind. Das hat mir immer gefehlt.
01:43Ich war interessiert an vielen Dingen, Einzerschülerin.
01:46Und das hat mir dann irgendwie so die Auswahl ein bisschen schwer gemacht auch, weil ich interessiert war von Mathematik
01:51über Gestalterisches bis hin zu den Sprachen.
01:56Ich habe dann einfach verschiedenste Dinge ausprobiert, um meinen Weg zu finden.
02:00Und das ist über einerseits...
02:02Imst, genau.
02:04Wie das in Tirol heißt.
02:05In Tirol gegangen, genau.
02:07Ich habe dort eine Ausbildung zum technischen Zeichner und Möbelbau gemacht.
02:12Was eine ganz spannende Zeit war für zwei Jahre, auch wirklich handwerklich mit dem Holz tätig zu sein, was immer
02:18noch so liebig von mir ist heute, irgendwie Dinge handwerklich zu tun.
02:23Und dann hat sich die Frage gestellt, wo geht es danach hin?
02:25Ich hätte entweder anfangen können zu arbeiten, was viele meiner Kollegen aus der Zeit damals gemacht haben, oder nach Wien
02:31zu gehen, um zu studieren.
02:33Ich habe mir dann mal die Angewandte angeschaut und eine Klasse von Polo Piva mit begleiten dürfen.
02:39Da habe ich mir dann gedacht, puh, das ist schon relativ sportlich, was die dort dann machen im Innenausbau.
02:44Und bin so dann zurück zu meiner Liebe zu Sprachen, einen kurzen Aufenthalt in London gemacht, um ein Cambridge-Zertifikat
02:51zu machen und als Au-Pair bei einer vielen Familie zu arbeiten und dann zurück nach Wien.
02:55Wo es ein Dolmetsch-Studium geworden ist.
02:57Genau, wo es ein Dolmetsch-Studium geworden ist für Englisch und Spanisch mit einer Fächerkombination mit BWL.
03:01Also mir war dann nach dem ersten Studienabschnitt schon klar, übersetzen alleine wird es nicht sein für mich und wollte
03:08dann da das Wirtschaftliche mit dazu kombinieren.
03:10Und trotzdem saßen Sie dann in einer Patentanwaltskanzlei als Übersetzerin?
03:14Richtig, das war ja ganz spannend.
03:15Also als Übersetzer, viele sind freiberuflich tätig.
03:18Das heißt, relativ hartes Brot zu verdienen.
03:21Und vor allem jetzt mit KI natürlich ein Job, der, glaube ich, irgendwann verloren gehen wird.
03:26Und ich habe dann Anzeige im Standard gelesen, dass die Patentanwaltskanzlei Mitarbeiter sucht und dachte mir, da muss ich mich
03:33bewerben.
03:34Wann gibt es schon mal eine Fixanstellung?
03:35Und das war dann wirklich so, das für mich festzustellen, das wird es nicht auf Dauer.
03:40Das war wie eine Übersetzungsmaschine zu sein.
03:44Man sitzt in seinem Büro.
03:45Das war das Zeitalter, als das Europa-Patent eingeführt worden ist.
03:48Das heißt, alles, was patentiert werden wollte in der Europäischen Union, musste in Englisch, Französisch, Spanisch übersetzt werden.
03:55Das heißt, wir haben Patente rausgehauen, Ende nie.
03:58War aber andererseits auch ganz spannend, weil ich technische Patente gemacht habe.
04:01Also mit was Leute sich überlegen, ist schon ganz faszinierend.
04:08Und habe dann festgestellt, ja, das ist mir zu eintönig, zu wenig Interaktion mit Menschen auch.
04:13Und wie hat dann der Wechsel zu Do & Co. funktioniert?
04:16Zufall.
04:17Und dann einfach zu sagen, ja, das mache ich.
04:19Ich habe mich beworben für eine Stelle im HR-Bereich für die Crew Control.
04:24Also das war die Stelle, die dann die Teams für die Events, die Do & Co. erstellt, zusammenstellt.
04:30Und da hatte ich ein Interview mit der Personalchefin.
04:34Die hat dann gemeint, ja, für den Job sind Sie überqualifiziert.
04:36Aber wie wäre es mit Einkauf?
04:38Ich sage, Einkauf?
04:39Geben Sie mir die Kreditkarte und ich gehe.
04:42Und so bin ich in die kommerzielle Schiene gegangen und habe da wirklich was gefunden, was mir sehr viel Spaß
04:47gemacht hat.
04:47Bei Do & Co. ein relativ kleines Team im Einkauf.
04:50Wir hatten von Bestellungen selber schreiben und damals noch Faxen bis hin zu strategische Lieferantenbeziehungen aufbauen.
04:56War alles in meinem Bereich.
04:58Ich war für indirekte Materialien zuständig.
05:00Also das heißt, von der Serviette, dem Besteck, der Uniform, der Mitarbeiter bis hin zu...
05:08Mein letztes Projekt war das Do & Co. Hotel im Haas Haus, wo ich für die Amenities in den Zimmern
05:13zuständig war.
05:14Also alles, was Sie dort an schönen Dingen finden, war damals noch aus meiner Feder, ja.
05:18Sind Sie jetzt, wo Sie in Wien sind, im Do & Co. Hotel?
05:20Nein, das war ein bisschen zu weit weg von hier zum Laufen.
05:25Aber kann ich nur empfehlen.
05:26Okay, dann kam aber, um bei Ihrer Laufbahn zu bleiben, der atypischste Sprung sozusagen, nämlich dank einem Henkel und Düsseldorf,
05:35oder?
05:35Richtig, ja.
05:36Ich habe dann, wieder wollte ich ein bisschen zurück zu etwas Internationalerem.
05:40Do & Co. war doch sehr weit deutschsprachiger Europaraum konzentriert.
05:45Und Henkel hat damals Einkäufer gesucht.
05:48Ich habe mich beworben und hatte dann die tolle Möglichkeit, zu einem Assessment Center eingeladen zu werden.
05:53So, was damals noch so wirklich Standard mit Postkopfübungen etc. eineinhalb Tage gegangen ist.
06:01Und es bin dann ich und eine Kollegin von der anderen Seite vom Bodensee ausgewählt worden, um dort anzufangen.
06:07Und so bin ich nach Düsseldorf gekommen.
06:09Und das war dann so wirklich mein, ich soll sagen, von dort aus ist die Karriere dann erhoben gegangen.
06:14Machen wir vielleicht da ganz kurz eine Klammer oder einen Exkurs, wenn Sie die Bewerbungsprozesse, die Sie heute im Unternehmen
06:19haben, vergleichen mit dem, wie dieses Assessment Center damals war.
06:22Weil Sie gerade auch, eben gesagt haben, ganz klassisch damals noch mit einige Tage arbeiten oder die Aufgaben erfüllen etc.
06:26Wie funktionieren moderne Bewerbungsprozesse bei euch heute?
06:31Viel unkomplizierter, würde ich sagen.
06:33Also wir machen kaum mehr so umfangreiche Gruppenassessments auch.
06:37Für Positionen im Führungsbereich werden Assessments herangezogen.
06:41Da geht es aber dann eher über Online und über Personalberater, die die machen.
06:47Aber wer bei amerikanischen Konzernen landen will, hat teilweise bis zu zwölf Videocalls, die dann auch absolviert werden müssen.
06:52Richtig, das kann gut sein. Also wir versuchen uns schon abzusichern, dass auch verschiedenste Perspektiven auf den Kandidaten kommen.
06:58Aber es passiert eben sehr viel über Video in der Welt.
07:02So, eine Konzernkarriere ist ja eine Herausforderung.
07:06Was man vorahnen kann, dass alle drei Jahre irgendjemand mit irgendwas Neuem bei einem steht, dass alle drei Jahre irgendwas
07:12Neues passiert.
07:13Warum ist das in großen Konzernen eigentlich so, dass alle drei Jahre mehr oder weniger die Karten neu gemischt werden?
07:18Also einerseits ist es Mitarbeiterentwicklung. Also ganz gewusst und bewusst auch neue Herausforderungen für Mitarbeiter, die sich weiterentwickeln wollen und
07:27die auch das Potenzial zeigen, zu suchen.
07:31Ich würde sagen, andererseits auch in vielen Konzernen Veränderungen ist die einzige Konstante.
07:36Das heißt, es tut sich ständig was. Es werden ständig neue Positionen off geöffnet auch, wo man dann einfach das
07:41beste Talent hinsetzen will.
07:43Also ein bisschen Kombination von beiden.
07:44Wie funktioniert so ein großer Konzern? Henkel ist global tätig, Chemiekonzern, ein Chemieriese sozusagen und man muss sich ja dann
07:53auch zurechtfinden und Leute finden, die einen fördern, die einen die Entscheidungen treffen.
07:58Wer kommt dann her und sagt, sie sollten nach Shanghai gehen?
08:02Also das war einerseits, ich habe meine Hand gehoben.
08:05Wenn es was Internationales gibt, wäre ich dafür offen.
08:09Und dann andererseits hatte ich das Glück, einer der Beobachter bei dem Assessment Center war dann mein Chefchef und der
08:16hat mich über die Jahre begleitet und war ganz klar ein Förderer, der mir auch viele Dinge ermöglicht hat.
08:22War das auch der, den Sie als Coach angefragt haben?
08:25Das war ein zweiter Chef von mir, der an den Chefchef berichtet hat.
08:30Man muss einfach auch offen sein und sich trauen, Leute anzusprechen.
08:35Welche Erfahrungen haben Sie mit so Coaching-Systemen oder mit Coaching generell gemacht?
08:40Also ich finde es bereichernd für beide Seiten.
08:42Ich selber bin auch Coach für Mitarbeiter in unserem Unternehmen.
08:46Man lernt aus beiden Perspektiven immer was und es ist einfach sehr wertschätzend, auch seine Geschichte und seine Erfahrungen weitergeben
08:54zu können, um jemandem weiterzuhelfen in der Karriere.
08:57Wer vielleicht gerade an dem Punkt ist, sich zu überlegen, würde es mir helfen, einen Coach zu haben?
09:01Würde es mir helfen?
09:03Wie fühlt sich das an, in so einer Coaching-Beziehung zu sein?
09:06Können Sie uns da ein bisschen Farbe geben?
09:09Es kann unangenehm sein, weil man natürlich versucht, Dinge hochzuarbeiten, je nachdem, mit was der Mitarbeiter kommt.
09:17Und ist aber eine externe Perspektive, die es dann vielleicht auch einfach macht, gewisse Dinge durchzuarbeiten und zu akzeptieren und
09:23vielleicht einen neuen Weg zu suchen.
09:24Ich hatte zum Beispiel eine Mitarbeiterin, die ist mit ihrer neuen Chefin einfach nicht klarkommen.
09:29Und wir hatten versucht, gewisse Strategien uns zu überlegen, wie kann sie herangehen, wie kann sie Feedback offen gestalten, auch
09:35was nicht funktioniert und was sie von ihrem Team auch hört.
09:38Und wann ist einfach der Zeitpunkt, wo man sagt, okay, ich werde die Beziehung nicht so ins Laufen bringen können,
09:44wie ich es gerne hätte, dann ist es Zeit für mich vielleicht auch etwas Neues zu suchen.
09:47Und so, das war dann der Weg, den sie eingeschlagen hat, nach mehreren Versuchen, die nicht funktioniert haben.
09:52Im Unternehmen, in einem größeren Grund, sehr möglich, auch mal zur Seite zu treten, um dann zu überholen, sozusagen.
09:59Dreijahre Shanghai, was war das für eine Zeit in China?
10:02Ganz eine spannende Zeit. Es war 2012 bis 2014. Xi Jinping zum ersten Mal an die Macht gekommen.
10:09Also ich würde sagen, es war wahrscheinlich noch ein offeneres, westlicher, orientiertes China, als wir es heute erleben.
10:16Eine große Expert-Community in Shanghai auch. Ich habe dort Freunde kennengelernt, die heute noch sehr einige Freunde von mir
10:22sind.
10:22Es war eine sehr bereichernde Zeit.
10:24Aber wie war das, als Sie ankamen? Kommt man da alleine an und man muss sich ja neu erfinden?
10:29Also große Unternehmen haben normal eine Relocation-Agency.
10:33Gott sei Dank, die nimmt dich da schon an der Hand, weil du kannst die Sprache nicht, du könntest keine
10:38Behördengänge erledigen, du weißt nicht, wie das Leben funktioniert.
10:43Von dem her war das schon ganz praktisch, auch ein interkulturelles Training durch die Agentur zu bekommen.
10:47Und die nette Wohnung ist vom Unternehmen schon irgendwie vor.
10:49Das muss man selber suchen. Da muss man sich erstmal in 25 Millionen Einwohner Stadt, riesige Dimensionen, wo will ich
10:58überhaupt hin?
10:59Ich bin alleine nach Shanghai und wollte dann unbedingt in dem alten Stadtbereich, auf der Puschi-Seite, wie es so
11:05heißt, leben, um einfach mitzukriegen,
11:08wie funktioniert das Leben so und nicht in dem Finanzdistrikt, wo unser Büro war.
11:13Und ich habe es unglaublich spannend gefunden. Es war beruflich eine extreme Bereicherung, einfach in einem ganz anderen Kulturkontext versuchen,
11:21sich zurechtzufinden,
11:22zu verstehen, wie Geschäft gemacht wird. Und dann aber auch persönlich eine ganz enorme Bereicherung.
11:28Ich würde jedem empfehlen, wenn es die Möglichkeit gibt, machen.
11:31Was waren Ihre konkreten Aufgaben dort?
11:33So, ich bin rüber und habe den indirekten Materialieneinkauf übernommen, was ein Einkaufsvolumen von ca. 500 Millionen Euro war.
11:42Habe ein Team übernommen mit drei Leuten, von denen einer gewechselt ist, als ich gekommen bin.
11:48Und was wir festgestellt haben, China hat für Henkel damals den Milliarden-Euro-Umsatzbereich geknackt.
11:54Wir haben die Strukturen nicht, um so das riesige Wachstum, das wir gesehen haben, zu unterstützen.
11:59Es ist wirklich darum gegangen, wie stellen wir uns strategisch auf, was brauchen wir, um zwei Milliarden Euro, drei Milliarden
12:06Euro zu erreichen im Sinne vom Umsatz.
12:08Und das war meine Aufgabe. Wir hatten aus Shanghai 14 Länder gesteuert, also den gesamten asiatischen Bereich von Indien bis
12:16hoch nach Taiwan.
12:17Und versuchen, da ein strategisches Einkaufsteam aufzubauen, das die Diversität der Region auch reflektiert.
12:24Weil es gibt ja auch viele interkulturelle Spannungen dort, die man einfach berücksichtigen muss, auf die man wertschätzen muss, um
12:32dann erfolgreich als Unternehmen auch in der Region agieren zu können.
12:35Und es nicht den Leuten das Gefühl gibt, China übernimmt jetzt alles.
12:38Und als ich gegangen bin, waren mal 17 Leute.
12:41Was super war, einfach zu sehen, wie das Team gewachsen ist und erfolgreich war.
12:45Ja, meine Rolle ist nicht direkt nachbesetzt worden.
12:48Das Team hat aber, wir hatten so einen Rhythmus drin, wie wir unsere Strategie vorantreiben, wie wir die Einsparungen liefern.
12:55Die haben dann einfach rotiert und sind für ein halbes Jahr einfach selber weitergerannt und haben ein ganz erfolgreiches Jahr
13:00geliefert.
13:01Darauf bin ich noch unglaublich stolz.
13:04Dann waren, gut, ich will mich jetzt nicht festhängen, aber die berühmten drei Jahre dann auch wieder mal um.
13:09Und wie kam dann der Ruf nach Detroit?
13:11So, ich bin dann zurück nach Düsseldorf zuerst und habe dann nach acht Jahren im Einkauf, wie gesagt, alle zwei,
13:19drei Jahre etwas Neues, gefühlt gehabt,
13:21ich habe jetzt gesehen, was der Einkauf macht, ich weiß, wo die Stellschrauben sind, ich habe alle spannenden Bereiche abgedeckt.
13:27Ich möchte wissen, wie wir das Geld verdienen.
13:30Ich möchte wirklich näher am Kunden sein.
13:32Show me the money.
13:33Show me the money, genau.
13:33Und hatte dann eben Glück, dass mein Sponsor von damals, der eben Einkaufsleiter war, ist in den Klebstoffbereich gewechselt und
13:42hat dort Automobilklebstoffe geleitet.
13:44Und ich habe angeklopft und gesagt, ich würde gerne ins Geschäft wechseln, hast du irgendeine Möglichkeit?
13:50Und so hat sich dann die Möglichkeit ergeben, in den Automobilklebstoffbereich zu wechseln und dort global Marketing and Sales Excellence
13:57und Marketing Kommunikation zu übernehmen,
13:59um einfach mal das Geschäft zu verstehen und zu lernen, wie wir dort agieren, wie wir mit den Kunden arbeiten,
14:05wo wir Wert schaffen.
14:07Und das war dann der Schritt ins Geschäft.
14:10Und danach hat dann einer meiner tollsten Bosse, würde ich sagen, den ich gefragt habe, ob er mein Mentor sein
14:17will,
14:18in der Zeit, als ich in den Automobilklebstoffbereich eingestiegen bin, hat er angeklopft und gesagt, er hat eine Stelle in
14:24den USA, ob ich kommen will.
14:26Und für mich war es so, ich habe den Schritt einmal gemacht ins Ausland, zweimal, wenn man es so sagen
14:30kann, zwischen Österreich und Deutschland.
14:31Da denke ich mir, zweimal ist dasselbe, ist es aber auch nicht ganz.
14:34Und dann nach Hasien und wieder zurück.
14:35Ich habe das Gefühl so, was kommt als nächstes?
14:38Ja, so ein bisschen Hummeln im Popo.
14:40Und war dann ohne Zögern bereit, in die USA zu gehen, um wieder ganz was Neues zu lernen und zu
14:45sehen.
14:46Was vielleicht für viele, die nicht in großen Konzernen tätig ist, auch interessant ist,
14:50welche Bezugspersonen sind in den Konzernen wichtig?
14:52Sie haben jetzt vorher das Wort Sponsor erwähnt.
14:54Was ist ein Sponsor und was sind andere Bezugspersonen, die in Konzernen wichtig für einen sind?
14:59Also Mentor und Sponsor, ganz zwei wichtige Funktionen.
15:02Einmal jemanden zu haben und da würde ich bewusst darauf schauen, dass es jemand außerhalb des eigenen Bereiches ist,
15:08mit dem einfach mal Dinge durchreden kann, der einem hilft, auch im Unternehmen sich zu orientieren und zu navigieren.
15:14Sponsor ist jemand, der für dich spricht, wenn du nicht im Raum bist.
15:17Und das sind ganz wichtige Leute dann, um deine Stimme, wohin du gehen möchtest,
15:22die das Potenzial in dir sehen, auch in den Gremien bekannt zu machen, in denen du eben persönlich nicht vertreten
15:27bist.
15:28Netzwerken, extrem wichtig in so einem riesen Konzern.
15:31Henkel und PPG sind so circa die gleiche Größe an Mitarbeitern, über 40.000.
15:37Das heißt, verstehen, wie Dinge und Entscheidungen getroffen werden, wer beeinflusst im Unternehmen
15:47und einfach auch, um zu verstehen, wie das Unternehmen als Ganzes funktioniert.
15:51Das ist ganz, ganz wichtig.
15:52Was gehört zum Netzwerken heute dazu?
15:54Früher ist man ja gerne im Neusiedlersee, war es ja nicht Segeln gegangen oder sonst irgendwas.
15:58LinkedIn sind Sie sehr aktiv.
15:59Was gehört zum Netzwerken heute dazu?
16:02Also in den USA ist es Golfspielen.
16:05Ja.
16:05Ja, ganz spannend.
16:06Ich bin ja keine Golferin, habe jetzt auch angefangen.
16:09Das gehört dort nach wie vor dazu.
16:14Netzwerkevents würde ich auf jeden Fall auch empfehlen.
16:16Wie löst man das, wenn man nicht Golf spielt und auf dem Golfplatz sein muss?
16:19Ja, da muss man sich durchbeißen.
16:23Also ich bin, eine ganz lustige Geschichte, meine erste.
16:26Wir haben Kunden, die auch so Wohltätigkeitsgolfturniere veranstalten
16:30und dann eben ihre Lieferanten gerne damit beitragen haben.
16:35Mein erster Auftritt am Golfplatz, Weiben, ein solches Fohltätigkeitsevent,
16:39wo ich dann davor eine Stunde mit einem Coach gehabt habe und dann auf dem Platz gestanden bin.
16:44Und ich habe Gott sei Dank ein Team dabei gehabt, die mir gesagt haben,
16:47okay, welchen Schläger nimmst du jetzt?
16:49Und wohin muss ich überhaupt schießen?
16:51Und es ist eigentlich ganz gut gegangen.
16:53Also ich war ganz zufrieden mit meiner Leistung.
16:56Würde jetzt auch in Ihrer alten Heimat genügend Golfplätze geben wahrscheinlich.
16:59Also wenn ich so rund um Feldkirch denke.
17:01Sind Sie eigentlich noch oft in Vorarlberg oder wie ist dieser Österreich-Bezug nach wie vor?
17:05Wie hat sich der erhalten?
17:06Ja, also meine Mama und meine Schwester sind nach wie vor in Vorarlberg mit Familie.
17:10Das heißt, ich bin dort auf jeden Fall, würde ich sagen, dreimal im Jahr.
17:13Und Weihnachten ist ein Muss aufgrund der Traditionen einfach.
17:16Das gibt es in den USA so nicht, würde ich sagen.
17:19Ich versuche immer, wenn ich Europareisen habe, irgendwie übers Wochenende daheim vorbeizuschauen.
17:24Wie war das Ankommen in den USA?
17:26Das Netzwerken wichtig, den Konzern kannten Sie.
17:28Aber natürlich auch die maßgeblich und handelnden Personen.
17:32Wie war das Ankommen in den USA für Sie?
17:34Ich hatte ein ganz tolles Team dort.
17:37Die Amerikaner sind generell ein sehr offenes Volk.
17:40Also vor allem im Mittleren Westen, wo Detroit ist auch und Pittsburgh ebenso.
17:45Es ist eine Kultur, die sehr offen ist.
17:47Da redet jeder mit dir.
17:48Du gehst in den Supermarkt und die Frau an der Kasse fragt dich, woher du kommst, weil sie einen Akzent
17:54hört.
17:55Also da ist schnell mal das kleine Gespräch kommt zustande und dadurch fühlt man sich einfach sehr schnell willkommen geheißen.
18:02Dann versucht das Team auch, mich aktiv zu integrieren, indem wir zu Baseball-Events gehen.
18:08Denn so Sportveranstaltungen sind ein ganz großes Netzwerking-Event ebenfalls in den USA.
18:14Und so habe ich eigentlich schnell Kontakte gefunden.
18:17Und dann auf der persönlichen Seite auch Internations war für mich ein wichtiger Anknüpfungspunkt in Shanghai.
18:25Ich habe dadurch meine engsten Freunde kennengelernt.
18:27Das ist ein Expat-Netzwerk, das es eigentlich in großen Städten überall auf der Welt gibt.
18:32Existiert auch in Detroit.
18:34Und bin durch das Netzwerk daneben auch zu unter anderem meinem Ehemann gekommen.
18:40Der Sie sozusagen jetzt in Detroit hat sesshaft werden lassen, so nach dem Motto.
18:45Ja, wobei gebürtiger Franzose.
18:47Er ist seit 17 Jahren jetzt in den USA.
18:50Aber wir haben uns auf einem Internations-Networking-Event kennengelernt.
18:53Und das ist Geschichte jetzt mittlerweile, ja.
18:55Ja, es ist auch immer interessant. Oft Dinge, die der Liebe wegen passieren, nicht?
18:59Aber im konkreten Fall hat sie der Lauf des Lebens sozusagen zusammengebracht.
19:05Richtig, ja.
19:06Gut, diese Offenheit der Amerikaner und dieses, wo kommst du her und was ist deine Story,
19:13das wird ja von Europäern auch mal schnell als oberflächlich empfunden und dann irgendwie auch so verbucht.
19:19Wie haben Sie diese Offenheit dann auch tatsächlich dann erlebt, wenn es darauf ankommt?
19:23Oder wo sind die Grenzen dieser Offenheit?
19:25Gibt es Themen, die ausgespart werden, wenn ich an Politik denke als Journalist?
19:28Richtig, also Themen, die ausgespart werden, ist auf jeden Fall Politik.
19:32Es ist Religion ebenso.
19:35Es gibt so ein paar Dinge, über die man einfach nicht spricht und das ist auch gut so.
19:39Klar, es bleibt in gewissen Fällen an der Oberfläche.
19:42Man muss halt die Zeit dann investieren, die Beziehung aufzubauen.
19:45Das ist ähnlich wie bei uns hier auch, würde ich sagen.
19:47Da ist nicht viel anderes.
19:48Aber der erste Schritt macht es einfacher, weil die Leute einfach offener sind.
19:52Aber ist nicht der beste Freund, nur weil man einmal zum Barbecue eingeladen ist?
19:56So schnell geht es nicht.
19:59Irgendwann ist dann auch Henkel zu eng geworden und jetzt kommt PPG ins Spiel.
20:04PPG, großer Konzern.
20:06Aber wenn wir hier jetzt rausgehen, wie in Mitte und die Leute fragen, was PPG ist,
20:10dann werden die vielleicht einen Pass haben, in dem Materialien von PPG sind.
20:15Die werden vielleicht ein Auto fahren, in dem Lacke oder auf dem Lacke Beschichtungen von PPG sind.
20:20Aber keiner kennt die Marke.
20:22Wie ist das Spektrum von PPG am besten zu erfassen?
20:27Welche Geschäftsbereiche spielen die größten Rollen?
20:29Ich würde sagen, PPG ist überall.
20:31Wenn man so kurz zusammenfassen will.
20:33Im Telefon, das vor Ihnen liegt.
20:36Im Auto, das Sie fahren.
20:37In der S-Bahn, die Sie zur Arbeit nehmen.
20:40Im Flugzeug, mit dem Sie durch die Weltgeschichte fahren.
20:44Bis hin zur Pfanne, die Sie daheim verwenden.
20:46Und in den allermeisten Fällen Coatings, also Beschichtungen, Lacke.
20:51Genau, es sind Oberflächenbeschichtungen, die Schutzfunktionen haben,
20:56die funktionale Aspekte reinbringen, wie zum Beispiel Anti-Scratch oder Hitze.
21:02Anti-Scratch hätte ich gerne noch mehr bei meinem Telefon.
21:04Da sind wir dran.
21:07Und dann natürlich ästhetische Aspekte bringen.
21:11Also die Farbe, es ist die Textur an großen Gebäuden.
21:14Wir sind zum Beispiel, unsere Coatings oder Beschichtungen sind am Louvre drauf,
21:19am Empire State Building, Shanghai Tower, also überall auf der Welt,
21:23wo Gebäude zum Beispiel extremen Bedingungen ausgesetzt werden,
21:26um wir UV-Beständigkeit bringen müssen, Korrosionsbeständigkeit.
21:31Und das ist normalerweise mehrere Lagen an Beschichtungen,
21:35die dann den Schutz und die ästhetische Funktion bringen.
21:39Jetzt ist es ja nicht aus Zufall, dass sowohl für Ihren früheren Arbeitgeber
21:43als auch für BBG Detroit eine wichtige Stadt ist, das Autozentrum der USA.
21:50Wie groß ist die Abhängigkeit da zur Automotivindustrie oder zur Automobilindustrie
21:55und wie sehr leiden Sie mit diesem doch sehr unter Druck stehenden Industriezweig mit?
22:02Also Detroit ist natürlich Motown for a reason, würde ich sagen.
22:06Das sind die großen drei Automobilhersteller aus den USA.
22:09Es haben alle dort ihr Hauptquartier.
22:11Es ist Ford, Stellantis, früher Fiat Chrysler und General Motors.
22:16Die Stadt hat mit der Industrie gelitten und hat aber auch mit der Industrie den Aufschwung wieder gesehen.
22:22Nach Bankrottzeiten, gerade 2008, 2009 mit der Finanzkrise auch,
22:29hat Detroit eine erstaunliche Wiedergeburt erlebt, würde ich sagen.
22:33Vor allem getrieben durch Industrielle, die ja aus Detroit kommen
22:36und die auch willig waren, Geld in die Stadt zu investieren,
22:40um zu renovieren, wieder aufzubauen.
22:41Ich bin 2017, also Mitte 2017 von Düsseldorf hingezogen.
22:46Ich habe in der Stadt im Zentrum gewohnt.
22:49Mein Team hat gemeint, ob alles okay ist mit mir, das ist viel zu gefährlich.
22:53Da kannst du nicht wohnen.
22:55Ich bin mit dem Fahrrad gefahren.
22:56Ich bin zu Fuß unterwegs gewesen.
22:58Mit dem Fahrrad in Detroit.
22:59Ja, sie versuchen ein bisschen fahrradfreundlicher zu werden.
23:04Da ist noch ein langer Weg, bis wir so weit sind wie Österreich.
23:08Und ich habe das total spannend gefunden, einfach mitzusehen,
23:12mitzuerleben, wie Leben wieder in einer Stadt kommt, die einfach leer war.
23:16Das heißt, es ist jetzt super spannend zu sehen, was es an Restaurants gibt,
23:19neuen Bars, Geschäften in der Stadt wieder.
23:23Das ist wirklich ein Hub, wo Leute auch hingehen übers Wochenende.
23:27Und Covid hat dem Ganzen Gott sei Dank keinen Abschnitt getan.
23:30Wenn man jetzt die Perspektive wechselt und wieder auf die Industrie sieht.
23:34Detroit hat auch aktiv versucht, neben dem Automobilzulieferernetzwerk,
23:39das natürlich auch ganz stark in den USA, in Detroit vertreten ist,
23:43wie auch Henkel, neue Industrien anzuziehen.
23:45Also Google hat zum Beispiel ein Headquarter dort,
23:47weil sie wissen, die Automobilindustrie als solches wird nicht auf Dauer sein.
23:53Und die wird nicht die notwendigen Wachstum in die Region zu bringen.
23:57Und das funktioniert eigentlich so ganz gut.
24:00Die Geschäftsbereiche, bzw. lassen Sie uns nochmal PPG-Gesamt ansehen.
24:06Das sind 15,9 Milliarden Dollar Umsatz, waren das zuletzt gemeldet.
24:11Fast 50.000 Mitarbeitende.
24:14Global Farbenlacke, Beschichtungen, das haben wir gehört, Spezialbeschichtungen.
24:17Was macht ein Senior Vice President Industrial Coatings and Specialty Products?
24:21So, nehmen wir vielleicht einen Schritt zurück, so PPG,
24:24weil wir berichten in drei Unternehmenssegmenten.
24:27Das ist einmal unser Architekturbeschichtungsgeschäft.
24:30Also das heißt, die Farbe an ihrer Wand, innen, außen,
24:33kommt aus dem Bereich, wo wir sehr stark in Europa sind auch.
24:38Dann, zweiter Bereich ist, was wir Performance Coatings nennen.
24:41Also das ist alles, was im Feld angewandt wird.
24:45Das von Protective and Marine Coatings, also die an die großen Ozeanschiffe,
24:49haben wir Beschichtungen, die draußen rangehen,
24:52um einfach Fuoleffizienz herzustellen, Brennstoffeffizienz herzustellen.
24:58Zum Beispiel der Flugzeugbereich gehört da mit dazu.
25:03Automotive Refinish, wie es so bei uns schön heißt.
25:06Das heißt, alle die Automobilwerkstätten, die Reparaturen machen,
25:10ist es ein anderer Teilbereich.
25:11Und dann haben wir Lösungen auch für Verkehrsbeschichtungen.
25:15Also alles, was auf der Straße, der Zebrastreifen, der Mittelstreifen,
25:18haben wir spezielle Farben und Beschichtungen,
25:21die wir aus dem Performance Coatings-Bereich liefern.
25:25Und dann kommt das Industriesegment.
25:27Da gehört Industriecoatings dazu,
25:31Spezialbeschichtungen, Automobil und auch unser Verpackungsbereich,
25:35wo wir die Dosen innen und außen beschichten.
25:38Und dann jetzt im Industriebeschichtungsbereich ganz konkret,
25:42in meinen Einkaufszeiten hätte ich gesagt,
25:44das ist so die Other Category.
25:46Das heißt, vom Golfball bis hin zum...
25:48Sind wir schon wieder beim Golf.
25:51Also haben wir einen großen Marktanteil.
25:54Vom Golfball bis hin zum Caterpillar Excavator
25:57und alles, was dazwischen ist.
25:59Also vermutlich Ihre Waschmaschine zu Hause kann unsere Beschichtung drauf haben.
26:03Das iPhone, wie ich gesagt habe, die Teflon-Pfanne.
26:07Wir machen Teflon-freie, nicht Antirutsch-Beschichtungen für Pfannen auch.
26:15Dann eben die Gebäude, die ich genannt habe, haben unsere Beschichtung mit drin.
26:19Also es ist wirklich ein sehr diverses Portfolio in dem Bereich.
26:24Was ganz spannend ist, weil man mit sehr vielen Endindustrien in Kontakt kommt,
26:28die alle anders ticken, die alle auf andere Dinge Wert legen.
26:33Wie sieht eine Vertriebsorganisation für ein so vielschichtiges
26:38und in so vielen Industrien eine wichtige Rolle spielendes Produkt aus?
26:41Also ich habe für jede meiner Regionen,
26:44das heißt einmal Americas, Asia-Pacific, Europe, Middle East Africa,
26:48einen Regionalleiter, der dann darunter entsprechende Verkaufsmannschaften hat,
26:54die nach unseren Endsegmenten ausgerichtet sind.
26:58Das heißt, wir haben einmal einen Bereich, der sich Vehicle-Equipment nennt.
27:02Also alles, was wirklich an John Deerken, Caterpillar, Liebherr etc. geht,
27:07kommt aus dem Team heraus.
27:10Dann haben wir Building and Construction,
27:14alles, was an die Bauindustrie geliefert wird.
27:16Das kann von der Fensterrahmenbeschichtung über Spiegelbeschichtungen,
27:22an Gebäuden etc. alles Mögliche sein.
27:25Und dann noch ein Consumer-Goods-Bereich,
27:27also wo wir eben so die Elektronik-Giganten der Welt bedienen.
27:31Und wir sind eben nach Endsegmenten ausgerichtet,
27:34weil die anders ticken.
27:35Die brauchen andere Dinge, andere Innovationszyklen.
27:40Wie man Wert schöpft, ist anders.
27:42Und deswegen ist es ganz wichtig,
27:43dass wir dort sehr eng am Kunden sind und verstehen,
27:46wo wir denen helfen können, erfolgreich zu sein.
27:49Was sind denn technische Neuerungen, die momentan...
27:51Weil früher hätte man gesagt, ein Hochseeschiff soll nicht rosten.
27:55Zwischenzeitlich ist die Beschichtung natürlich auch so,
27:57dass sie in Sachen Widerstand und vielen anderen Effekte mitbringt,
28:01die man früher gar nicht für möglich gehalten hätte.
28:03Was sind jetzt Themen, die...
28:05Ich kenne aus dem Consumer-Segment nur die Nanobeschichtung,
28:08aber damit werde ich Sie jetzt nicht überraschen.
28:10Was sind Neuentwicklungen?
28:12Also es geht sehr viel um, wie können wir Energie sparen
28:15und produktiver und effizienter zu werden.
28:17Das heißt einmal, viele Beschichtungen werden über einen Ofen ausgehärtet.
28:22Das heißt, sie müssen Hitze ausgesetzt werden.
28:24Und da sprechen wir aktuell von 180 Grad,
28:28teilweise über eine Stunde oder mehr,
28:31um gewisse Teile auszuhärten.
28:32Und das wäre interessant, das Niedergleich.
28:34Richtig, ja, weil da geht natürlich sehr viel an Gas oder Elektrizität,
28:38was auch immer der Energiezulieferer ist, rein.
28:42Und dementsprechend hoch ist auch der CO2-Footprint.
28:47Das heißt, wir versuchen sehr viel daran zu arbeiten,
28:49wie können wir Hitze runterfahren im Aushärtungsprozess,
28:53um dadurch Energie zu sparen, CO2-Ausstoß einzudämmen
28:57und gleichzeitig aber auch versuchen,
29:00wie können wir das schneller machen.
29:02Ganz ein interessantes Beispiel aus unserem Reparaturbereich
29:05ist eine Oberflächenbeschichtung,
29:09die wir jetzt über KI auch entwickelt haben.
29:12Die uns hilft, den Aushärtungsprozess
29:15von einer halben Stunde auf fünf Minuten
29:17bei Umgebungstemperatur zurückzubringen.
29:21Und das heißt, für die Autowerkstätte ums Eck
29:25heißt es viel mehr an Arbeit,
29:27die sie über den Tag abwickeln können.
29:30Das heißt, viel weniger Energie
29:32und dadurch natürlich Einsparungen in allen Bereichen.
29:35Und welche Rolle spielt KI dabei,
29:36abgesehen von den Verkaufsunterlagen?
29:38So, KI ist ein ganz spannendes Thema für uns auch.
29:41Wir sehen es sehr aktiv angewandt
29:44in unserem Formulierungs- und Entwicklungsbereich,
29:47weil es einfach die Zeithorizonte kondensiert.
29:49KI kann in unendlich vielen Dimensionen denken,
29:52die ein Mensch nicht abdecken kann.
29:55Wir versuchen dadurch einfach schneller zum Ziel zu kommen.
29:59Also das Ziel ist, eine gewisse Spezifikation zu treffen,
30:03die für bestimmte Kriterien abwickelt oder abwildet.
30:08Was muss die Beschichtung im Endeffekt leisten können?
30:12Und hilft uns dabei auch, an die Grenzen der Chemie zu gehen.
30:17Und das hat bis dato ganz tolle Erfolge gezeigt.
30:21Wir schaffen es, circa 20 Prozent an Zeit einzusparen
30:24im Entwicklungsprozess, was in Zeiten wie diesen,
30:27wo sich alles ständig ändert, enorm wichtig ist,
30:29weil man durch Geschwindigkeit einfach auch schneller
30:31dem Kunden helfen kann und damit auch Geschäft gewinnt.
30:34Welche Rolle kann Nachhaltigkeit,
30:37Umweltschutz in einem Chemiekonzern tatsächlich spielen,
30:39abgesehen jetzt von ESG-Projekten
30:41oder dem, dass es eben die Investoren auch wünschen?
30:43Welche Rolle spielt es tatsächlich? Wie haben Sie da die Innensicht?
30:46Ganz wichtiges Thema, aber nicht nur um der Nachhaltigkeit zuliebe,
30:50sondern wir sehen Nachhaltigkeit als einen Katalysator,
30:54um Produktivität bei unseren Kunden zu schaffen.
30:56Also das Ofenbeispiel als eines.
30:59Ich bin auch sehr stolz darauf,
31:01dass PPG einer der ersten Beschichtungskonzerne war,
31:05die nach dem Science-Based Target-Initiative ihre CO2-Reduktionsziele bestätigt bekommen haben.
31:15Wir haben uns dazu verpflichtet, 50 Prozent an Scope 1 und 2 Emissionen
31:20bis 2030 einzusparen und sind da ganz gut auf dem Weg.
31:23Also 2025 haben wir es geschafft, 25 Prozent gegenüber 2019 zu erreichen
31:28und auch entsprechende Reduktionen im Scope 3 Bereich.
31:32Es spielt ein Riesenthema für uns, weil Europa ist eine Riesenregion für uns.
31:37Das heißt, wir sind nicht nur ein US-Unternehmen,
31:39wo es manchmal vielleicht nicht ganz so offensichtlich ist,
31:43wie die Position zur Nachhaltigkeit ist.
31:46Aber wir haben ein großes Geschäft in Europa, wo es einfach ein Muss ist
31:51und wir können es nicht leisten,
31:52unterschiedliche Portfolien in unterschiedlichen Regionen zu verkaufen.
31:56Das heißt, es ist für uns Teil der Art und Weise, wie wir Geschäft machen.
32:00Ist es eine Neuerfahrung in Europa manchmal auch zu hören,
32:04amerikanischer Konzern hat eine andere Konnotation als vor sieben Jahren oder so?
32:08Korrekt, ja.
32:11Das wird sich wahrscheinlich auch auf die nahefristige Zukunft nicht unbedingt ändern.
32:16Ich würde aber sagen, wir sind sehr regional für regionales Unternehmen.
32:21Was ich damit meine, wir haben über 50 Länder, in denen wir tätig sind,
32:25150 Produktionsstätten in der ganzen Welt.
32:29Das heißt, wir schaffen es eigentlich, lokal zu produzieren, wo der Bedarf auch ist.
32:34Ich bin demnächst, also heute Nachmittag, dann irgendwann auf dem Weg nach Polen,
32:37wo eine unserer größten Produktionsstätten für den Industriebeschichtungsbereich ist zum Beispiel.
32:42Das heißt, auch lokale Produktionen, Sie überblicken ja eigentlich 50 verschiedene,
32:48sei es Produktionsstätten oder eben auch Niederlassungen.
32:51Die sind verstreut.
32:52Gibt es da irgendwelche Hotspots oder Bereiche, wo mehr sind?
32:55Spielt Amerika da eine andere Rolle als der Rest der Welt?
32:58Ich würde sagen, das Hauptquartier ist immer das Hauptquartier.
33:00Egal, ob das jetzt bei Henkel Düsseldorf war oder für PBG in Pittsburgh.
33:04Es ist natürlich ein Zentrum, wo viel an Entscheidungen getroffen wird,
33:09wo auch viele der Funktionen ansässig sind.
33:12Nichtsdestotrotz, Detroit ist für den Automobilbereich sehr wichtig.
33:15Wir haben unser europäisches Hauptquartier in der Schweiz in Roll.
33:20Mailand ist ein Riesenzentrum für uns hier, wo wir auch sehr viel an Farbexpertise haben
33:24und viel an Forschung und Entwicklung machen.
33:28Shanghai ist das regionale Headquarter in Asien.
33:30Also wir sind wirklich ein globales Unternehmen.
33:33Haben euch die Zölle aus amerikanischer Perspektive sozusagen auch durcheinander gewirbelt
33:37und diese Unvorhersehbarkeit des Unternehmens ist ja auf Globalisierung ausgerichtet.
33:43Es funktioniert global und wir sehen ja Tendenzen auch politisch,
33:47dass eben mehr wieder made in America und bei uns eben made in Austria oder made in Europa ist.
33:53Wie nehmen Sie das wahr? Was hat das im Unternehmen verändert?
33:58Solche geopolitischen und makroökonomischen Entwicklungen hat es immer schon gegeben in der Geschichte.
34:05Ich würde sagen, es ist nichts Außergewöhnliches. Das Ausmaß ist vielleicht neu.
34:10Und der Geräuschlevel in Amerika.
34:13Das hat für uns natürlich, dadurch, dass wir sehr regional aufgestellt sind,
34:17einen gewissen Einfluss gehabt, weil doch manche Rohstoffe einfach nicht global verfügbar sind.
34:22Ich würde aber sagen, dass es nicht, also auf keinesfalls unsere,
34:28die Lieferkette an unsere Kunden nicht unbedingt stark angegriffen hatte.
34:35Ich bewundere es übrigens, wir reden jetzt seit einiger Zeit und Sie haben für jedes Business-Wort,
34:42das Sie wahrscheinlich nur auf Englisch verwenden, deutsche Wörter parat.
34:45Wie geht es Ihnen denn mit der Sprache eigentlich?
34:47Ja, ist nicht ganz so einfach. Meine Geschäftssprache ist seit mehreren Jahren nur Englisch.
34:51Das heißt, ich habe mich echt vorbereiten müssen auf heute, weil es ja natürlich, da kommt dann Englisch raus, ein
34:57bisschen.
34:58Und das haben wir bisher nicht gehört.
35:00Dann machen wir doch zur Auflockerung dazwischen kurze Schnellfeuerfragen, die Sie auch schon gehört haben,
35:05weil Sie die Podcasts sich angehört haben.
35:07Aber fangen wir mit dem Sport an. Sport vor oder nach der Arbeit?
35:10Auf jeden Fall vor der Arbeit. Setz die Basis.
35:12Yoga, wenn es geht.
35:13Wenn es geht, Yoga am allerliebsten, ja, setz die Basis für den Tag.
35:17Der Terminkalender entspringt ja Ihrer eigenen Feder oder wird er gemanagt?
35:21Teamsport.
35:21Teamsport. Auf welche Eigenschaften achten Sie besonders bei Bewerberinnen und Bewerbern?
35:27Wir waren ja schon beim Bewerberprozess, aber was ist für Sie dann ausschlaggebend?
35:30Die Neugier, Lernbereitschaft und Eigeninitiative.
35:34Gibt es etwas, was Sie Ihrem jüngeren Ich mitgeben würden aus heutiger Perspektive?
35:39Ja, trau dir mir zu.
35:41Ist das etwas, was Sie immer wieder sehen, auch bei jungen Leuten?
35:45Ist das ein Thema, das Sie immer wieder einholt?
35:49Ja, sehe ich auf jeden Fall.
35:51Ich würde gerade auch sagen, sehe ich vermehrt vermutlich bei weiblichen Kandidaten,
35:56weil man sich doch dann schnell mal anzweifelt.
35:58Ja, aber ich habe ja die Erfahrung nicht.
36:00Und Männer sind einfach overconfident und können nach einer Stunde Golf spielen, oder?
36:04Ja.
36:05Gibt es eine gute Art zu kündigen?
36:08Persönlich und wertschätzend.
36:10Wie wird denn in Amerika jetzt gekündigt?
36:12Wir sehen auf Social Media immer nur wieder diese Videocall-Kündigungen oder per E-Mail.
36:17Du erhältst im Laufe des Tages ein E-Mail, ob du betroffen bist oder nicht.
36:20Wie funktioniert denn heute Corporate-Kündigung?
36:22Es gibt natürlich unschöne Beispiele auch, würde ich sagen, die wahrscheinlich aus gewissen Gründen so gemacht worden sind.
36:29Bei uns ist es persönlich.
36:32Was ist Ihr wichtigster Soft-Skill?
36:35Ich glaube, der Mut, einfach ins kalte Wasser zu springen.
36:38Und wenn wir schon beim Denglish sind, dann möchte ich jetzt vorlegen, welches Networking-Event ist für Sie das Wichtigste?
36:44Das Unverhoffte.
36:46All right.
36:47Im Sinne von Begegnungen, die man nicht unbedingt als ein Networking-Event bezeichnen würde,
36:55sondern wo man einfach im Flugzeug neben einer sehr interessanten Person sitzt.
37:00Per Zufall bin ich neben einem Rechtsanwalt gesessen, der in Pittsburgh auch arbeitet
37:04und zum Skifahren nach Colorado unterwegs war.
37:07Und ich war nach Salt Lake City unterwegs.
37:09Das heißt, Sie sind im Flieger für Gespräche empfänglich und haben nicht die Airpods drin und abgeschottet?
37:13Ja, also ich versuche, der Flieger ist so die Zeit, wo man abschalten kann.
37:17Genau, von dem her bin ich auch froh, mal einfach ein Buch zu lesen.
37:22Office, Homeoffice oder Hybrid?
37:24Weder noch.
37:25Am allerliebsten beim Kunden oder bei unseren Produktions- und Forschungsstätten.
37:29Das ist draußen sein, oder?
37:30Ja.
37:30Welche Eigenschaft hat Sie selbst an die Spitze gebracht?
37:33Ich würde sagen, eine gewisse Hartnächtigkeit und Mut zum Unerfahrenen.
37:39Ich habe es immer bei amerikanischen Kolleginnen und Kollegen, dass die einen mehr oder weniger
37:42auslachen, wenn es um Termin im August geht, so nach dem Motto, ihr Europäer, ihr seid
37:45ja alle abgemeldet von Mitte Juni bis September, was dann tatsächlich nicht so ist.
37:50Aber die Amerikaner meinen das trotzdem.
37:52Welche Rolle spielt Work-Life-Balance in ihren Sphären?
37:55Ich würde sagen, wenn man Spaß daran hat, an dem, was man macht, stellt sich die Frage
37:59nicht.
38:00Was ist für Sie ein gutes Unternehmen?
38:02Ein Unternehmen, das eine ganz klare Vision hat, eine Wertestruktur hat, die dahinter steht
38:07und die Mitarbeiter in den Mittelpunkt stellt.
38:09Ich dachte, wir sind jetzt schon People-Driven und Vision-Mission.
38:13Genau.
38:13Da kommen wir gleich noch dazu.
38:14Und der Hinweis an die jungen Menschen ist aber anders verpackt.
38:17Das lassen wir so sozusagen gelten.
38:19Ich möchte noch auf die Größe des Unternehmens und auf ihren Drang, auch Dinge zu verändern
38:23kommen.
38:24Change-Management, Sachen anders zu machen, Sachen neu zu denken.
38:27Und dann bist du Einführungsmitglied in einem Leadership-Team.
38:31Die Strategie muss abgestimmt werden.
38:33Man braucht Sponsoren für die Entscheidungen, die getroffen werden, in denen man jetzt nicht
38:36selber im Raum ist.
38:38Wie verändert man überhaupt was in einem so riesen Tank?
38:41Also was ganz spannend war für mich zu sehen, Wechsel von einem deutschen Konzern, globalen
38:47Konzern zu einem amerikanisch gesteuerten globalen Konzern.
38:50Die Strukturen sind viel flacher.
38:53Beim amerikanischen?
38:54Der deutsche ist besser sortiert.
38:56Hierarchischer auch, was es teilweise verlangsamt, würde ich sagen.
39:00Und hier viel mehr Entscheidungsfreiheit auch.
39:02Also ich leite meinen Bereich, wie ich denke, er muss geführt werden.
39:06Ich mache Dinge, treffe Entscheidungen, solange ich meine Zahlen liefere.
39:10Und die Entscheidungen sind wie in Leitplanken gefasst?
39:15Sind die vom Geld her eingepackt?
39:18Aber so viel wie möglich dezentral?
39:20Richtig.
39:21Ja, es gibt natürlich budgettechnische Grenzen.
39:23Was darf ich freigeben?
39:24Und wann muss ich unseren CFO und CEO mit ins Boot holen?
39:29Ich berichte direkt an den CEO.
39:31Ich halte ihn natürlich immer am Laufenden bei gewissen kritischen Themen.
39:35Aber im Sinne, er vertraut, was auch ein Grundprinzip ist, wie ich führe.
39:39Ich vertraue aus Prinzip.
39:41Und das gibt natürlich viel Entscheidungsfreiraum.
39:43Mit Vertrauen kommt aber auch Verantwortungsbewusstsein.
39:48Und was auch in großen Organisationen, meistens auch in kleinen, die Haupttätigkeit ist, ist warten.
39:54Warten auf andere Abteilungen, warten, dass irgendwas der nächste Schritt im Prozess getan ist.
39:58Wie kriegt man Geschwindigkeit umgesetzt?
40:02Ja, ein Riesenthema.
40:03Da haben wir auch bei PPG noch einen Aufholbedarf.
40:07Wichtig ist es, Entscheidungen so weit nach unten in die Organisation zu dialogieren, wo das größte Wissen vorhanden ist.
40:15Und das ist ein kultureller Wandel, den wir aktiv unternehmen.
40:20Weil, wenn alles über mich entschieden werden muss, dann sind wir heute noch nicht, wo wir hin müssen.
40:25Und auch ein Thema, das Sie immer wieder in Gesprächen angegeben, angeregt, angesprochen haben, ist die operative Exzellenz.
40:35Da würde mich interessieren, wie lässt sich das in KPIs packen?
40:38Welche Messgrößen sind da für Sie relevant?
40:42Was sind für Sie vielleicht insgesamt die wichtigsten KPIs?
40:45Also wenn man jetzt die operationale Exzellenz anschaut, das wird als Brot und Butter mittlerweile verstanden.
40:51Unsere Kunden gehen davon aus, dass wir unsere Produkte innerhalb der Spezifikation zu dem Zeitpunkt, zu dem sie sie bestellt
40:58haben, liefern.
40:59Und nicht eine halbe Lieferung liefern, sondern die Gesamtlieferung liefern.
41:03Also alles, wir nennen es OTIF, On Timing and in Full, ist ein wichtiger KPI in dem Sinne.
41:09OTIF?
41:09In Fallberg wird das Körig heißen.
41:11Genau.
41:14Viele unserer Kunden bewerten uns auch, wie wir liefern, wie oft wir Qualitätsprobleme haben, wie unser Team dann vor Ort
41:21unterstützt, diese zu lösen.
41:23Und wir kriegen diese Kundenbewertungen auch zugespielt dann, was ein sehr wichtiger Inputfaktor für uns auch ist, um zu wissen,
41:29wo müssen wir nachschauen.
41:30Und die auch in Zahlen, also sind das dann so eine Art NPS oder Net Promoter Score?
41:34Richtig, das passiert dann in Zahlen. Je nachdem, je nach Unternehmen werden die unterschiedlich kalkuliert.
41:39Aber so On Timing and in Full ist ja wichtiger für uns, dann wie viele Kundenbeschwerden haben wir bekommen.
41:46Schauen wir natürlich auch ganz aktiv an.
41:50Und wie zufrieden sind die Kunden mit uns?
41:53Und wie gehen Sie mit den Zahlen selber um?
41:56Sind Sie am Morgen nach dem Yoga, wenn es klappt, sind Dashboards das Wichtigste?
42:01Sind die eh alle bei einem Handy in einer App oder wie arbeiten Sie?
42:07Ich arbeite viel über Dashboards, ja, natürlich.
42:10Und wir haben zu viele ERP-Systeme noch, leider im Hintergrund.
42:14Das heißt, wir müssen sehr viel über Zwischenschnittstellen arbeiten.
42:19Ganz wichtiges Thema ist auch, wie sieht unsere Projektpipeline aus?
42:24Also was haben wir an neuen Projekten, die wir mit Kunden aktiv daran arbeiten, um diese zu gewinnen?
42:29Das ist eine Handy-App mittlerweile, wo wir bei Salesforce auch sind, was das Leben einfach viel einfacher macht.
42:35Ich kann relativ viel über mein Handy erledigen, weil ich doch 50 Prozent meiner Zeit mindestens unterwegs bin, wenn nicht
42:41mehr.
42:42Und da bleibt ein wenig Zeit, einfach noch vor dem Computer zu sitzen, was mir jetzt auch nicht fehlt.
42:46Nehmen wir an, Sie würden einmal pro Woche eine von den von Ihnen beaufsichtigten Produktions-Arbeitsstätten besuchen.
42:53Dann wären Sie jede Woche irgendwo anders und wären nur einmal im Jahr dort gewesen, sozusagen.
42:58Jetzt haben Sie einen dichteren Reiseplan natürlich, aber trotzdem ist man irgendwo, ist dann wieder weg.
43:03Und das Nächste ist dann ein Videocall, wo man ja auch nicht genau weiß, wie nachhaltig der dann verhaltet.
43:09Wie oft müssen Sie Dinge wiederholen?
43:11Ständig.
43:12Also ich glaube, man kann das, man darf es nicht unterschätzen, wie oft Dinge wiederholt werden müssen,
43:16bis sie wirklich sitzen bleiben in der Organisation.
43:19Und ich denke, gerade zu Zeiten wie diesen, wo Veränderung die einzige Konstante ist, kann man nicht genug kommunizieren.
43:26Ich versuche ganz aktiv, verschiedenste Kanäle zu bespielen mit meinem ganzen Team,
43:33sodass wir jeden ständig am Laufenden halten, wie steht es mit unserem Geschäft, was haben wir geliefert,
43:38wo müssen wir noch stärker rein und wo geht es weiter, um wirklich die ganze Organisation zu mobilisieren,
43:44im Endeffekt die Strategie auszuexekutieren.
43:47Das heißt aber auch möglichst Ihrem Team dieselben Zahlen, die Sie auch haben, also Transparenz darin?
43:52Absolute Transparenz. Ich bin ein großer Verfechter der radikalen Transparenz.
43:56Ich glaube, nur wenn Leute verstehen, wo wir sind und warum wir gewisse Dinge machen, gewisse Dinge verändern,
44:03Nein sagen zu anderen Sachen, können sie die Veränderungen auch für sich integrieren
44:09und in ihren täglichen Arbeitszyklus integrieren.
44:14Lacke Chemie, auch der Industriesektor als solcher klassische Männerwelt hätte man früher wahrscheinlich noch stärker gesagt.
44:20Und trotzdem, Sie sind, ich glaube, wenn es nach wie vor so ist, eine von drei Frauen,
44:24die einen globalen Geschäftsbereich verantwortet, auch bei PPG.
44:28Wie sehr mussten Sie sich diesen Platz am Tisch erkämpfen?
44:33Wascher, würde ich sagen, Leistung muss gezeigt werden, sodass man sich den Platz am Tisch auch verdient.
44:38Und dann kommt es natürlich dazu, man muss den Platz auch ausfüllen.
44:41Das heißt, ich sitze nicht nur am Tisch und sage nichts, sondern ich trage aktiv bei.
44:46Ich fordere heraus, teile unterschiedliche Perspektiven auch mit,
44:51was gerade in einem globalen Konzern extrem wichtig ist, auch diverse Perspektiven zu hören.
44:55Hat sich da auch was verändert seit Ihren Anfängen und wie es heute ist,
44:59auch gerade für Frauen in der chemischen Industrie?
45:01Also wir sagen, es sind auf jeden Fall mehr, immer noch nicht genug aus meiner Perspektive.
45:07Ich war positiv überrascht, als ich zur PPG gekommen bin,
45:09weil wir dort doch im obersten Führungsbereich sehr viele Frauen haben, was toll war zu sehen.
45:15Wenn man sich das global anschaut und auch den Frauenanteil in Vorständen sich anschaut,
45:21da geht es ja eher nach hinten als nach vorne, was erschreckend ist für mich.
45:28Vielleicht doch eine letzte Möglichkeit, noch einen Versuch zu starten,
45:30über Politik in den USA zu reden.
45:32Wie geht es Ihnen denn selbst damit, wenn plötzlich alle fragen,
45:34wie ist das jetzt mit dem Trump und wo sind jetzt die Festnahmen und so weit weg?
45:37War das dann ja auch gar nicht.
45:39Kann man das wirklich alles ausblenden mit einem freundlichen Corporate-Lächeln?
45:43Also Gott sei Dank bin ich im Beschichtungsgeschäft und nicht in der Politik.
45:46Ich würde es damit belassen.
45:48Okay, gut, fair enough.
45:50Dann letzter Versuch gescheitert sozusagen.
45:54Na gut, die Frage, die mir noch unter den Nägeln brennt, ist schon,
45:58dass Leute, die heute den Einstieg in verschiedene Jobs suchen,
46:02vielleicht in Situationen stehen, suchend sind wie Sie nach der Universität.
46:06Gibt es Bereiche, wo Sie so einen KI-Einfluss sehen?
46:09Sie haben vorher angesprochen, dass eben der Bereich der Übersetzung vielleicht einer ist,
46:13der sehr stark von der KI ersetzt werden kann.
46:16Es gibt auch Bereiche, die von der KI verändert werden, neu gedacht werden.
46:20Was sind Bereiche, wo Sie heute große Chancen sehen, wo Sie es heute hinziehen würde als junger Mensch,
46:26wenn Sie nochmal grüne Wiese hätten?
46:27Also ich würde, glaube ich, nach wie vor machen, was ich mache heute.
46:30Ja, ich habe so wirklich das gefunden, was mir extrem viel Spaß macht, was mich motiviert jeden Tag.
46:36Einfach versuchen, nachhaltige Wettbewerbsfähigkeit herzustellen und damit auch vielen Leuten,
46:43also in meinem Team sind es über tausend Leute, die direkt in meinem Team sitzen,
46:47ein besseres Leben damit ermöglichen zu können.
46:49Wenn ich mir jetzt die Jobs in der Zukunft anschaue, es ist ja ganz interessant,
46:53wenn man zurückgeht in die Geschichte.
46:5560 Prozent der Jobs, die es heute gibt, hat es 1940 noch nicht gegeben.
47:00Das heißt, jede Technologie, die disruptiv war, hat Jobs verändert.
47:05Und das wird mit der KI ebenfalls wieder passieren.
47:07Ich glaube, was anders ist und neu ist, ist die Geschwindigkeit.
47:11So, das heißt, man kann jetzt natürlich die Scheuklappen aufsetzen und sagen,
47:14ja, das geht alles irgendwie, wird schon wieder.
47:18Glaube ich aber nicht.
47:19Man muss sich aktiv damit beschäftigen, um KI als Multiplikator für Produktivität einzusetzen im Unternehmen.
47:27Wenn ich mir jetzt Jobs anschaue, in meinem Team, alles, was mit digitalen Geschäftsmodellen,
47:33Datenanalysen etc. zu tun hat, wie man da mit KI arbeitet,
47:37ist, glaube ich, ein Bereich, wo man sich definitiv in der Zukunft auch sicher sein kann,
47:42dass da Forschung und Gelder reinfließen werden und dass die Jobs auch bestehen werden.
47:47Ich glaube auch, dass die Forschung nicht ersetzt wird dadurch.
47:51Sie wird exponentiell schneller und wahrscheinlich auch effektiver durch den Einsatz von KI.
47:58Aber wir brauchen immer noch die Leute, die verstehen, wie Chemie funktioniert.
48:02Wenn Sie jetzt nach Österreich kommen, so wie es jetzt der Fall ist,
48:05gibt es Sachen, die Sie, und ich will gar nicht aufs Politische.
48:09Gibt es Sachen, die, es gibt auch politisch nicht so viel zu erzählen, wenn man dann in Österreich.
48:13Aber wenn Sie nach Österreich kommen, gibt es Dinge, die Sie überraschen?
48:15Sachen, die langsamer gehen als anderswo?
48:18Also ich gebe Ihnen ein Beispiel.
48:20Mein Mann hat sich aus dem Hamsterrad verabschiedet und sein eigenes Unternehmen gegründet
48:27und hat das in einer halben Stunde online gemacht in den USA
48:31und hat jetzt seine eigene GmbH für Beratungstätigkeiten.
48:36Das funktioniert hier nicht.
48:38Also ich glaube, da kann sich Europa und auch Österreich schon was abschneiden davon in den USA,
48:41wie unternehmerfreundlich dort Regulatorien getroffen werden
48:45und wie man dort versucht, die Wirtschaft wieder voranzutreiben
48:51durch möglichst wenig an Regulation und behördlichen Hindernissen.
48:56Also auch, wo der Staat sich zurücknehmen kann.
48:58Ja.
48:58Juliane Hefe, vielen Dank für das Gespräch.
49:01Vielen Dank.
49:02Danke.
49:02Es hat Spaß gemacht.
49:03Wenn euch diese Folge gefallen hat, dann freuen wir uns wie immer über Bewertungen und Kommentare.
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49:27Diese Folge wird produziert von Christoph Neuwirth und Tobias Holup.
49:31Scholt Wilhelm ist unser Chef vom Dienst.
49:34Die Musik kommt von Maximilian Blais.
49:36Mein Name ist Gerold Riedmann.
49:38Vielen Dank fürs Zusehen und fürs Zuhören.
49:40Bis zum nächsten Mal.

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