00:00Im Blog beschäftigen wir uns mit den Themen, die im Krankenhaus aufkommen können.
00:06Also das baut sich jetzt auf die Themen auf, auf Block 1, Block 2 und auf Gesundheit und Krankenverständnis auf.
00:14Und hier muss man zunächst einmal sagen, wenn wir muslimische Patienten im Krankenhaus haben,
00:19zunächst einmal zu wissen, dass 85% der Muslime angeben, das ist eine Studie, die in Berlin durchgeführt wird,
00:29dass Religion in ihrem Alltag eine große Rolle spielt.
00:32Zum Vergleich, in London ist der Wert bei 88%, in Paris bei 68%.
00:37Das heißt, wir müssen ein Verständnis für den Einfluss der Religion des Patienten, des Klienten entwickeln,
00:44weil wir sehen, okay, 85% sagen, das ist für mich wichtig.
00:48In welcher Rolle? Das ist erstmal völlig egal.
00:51Also es gibt unterschiedliche vielleicht Auslegungen etc., dies und das,
00:55aber wir sehen hier, es ist wichtig für die Klienten, die sagen, das ist uns für uns wichtig.
01:03Da muss man das auch aufnehmen.
01:06Im Krankenhaus beginnt das Leben ja mit der Geburt, fangen wir daher auch mit der Geburt an,
01:11im Krankenhausalltag.
01:13Das ist jetzt natürlich ein bisschen auch Kultur, also vieles, was ich jetzt in diesem Blog erzähle,
01:17ist auch Kultur, aber auch halt eben das Theologische, da werde ich halt eben immer darauf eingehen.
01:23Aber zunächst einmal, vor allem kulturell ist, dass zur Geburt die gesamte Verwandtschaft kommt.
01:28Also alle, die man noch aufziehen kann oder vielleicht sogar die, die man nicht aufziehen kann,
01:31alle kommen, wenn ein Kind geboren wird, ins Krankenhaus zur Beglückwünschung.
01:35Und die Geburt eines Kindes wird sozusagen als Wunder Gottes wahrgenommen,
01:40also als ein höchst positives Ereignis.
01:45Und meistens ist es halt eben auch so, wenn das Kind geboren wurde,
01:49dass man im Stillen Gebete liest oder den Koran liest, sozusagen als Dank für dieses Wunder.
01:55Man beglückwünscht nicht nur, sondern man spricht auch bestimmte Gebete.
01:59Zum Beispiel wird dem Neugeborenen der Gebetsruf ins Ohr gelesen.
02:04Es gibt Geschenke für das neugeborene Kind oder auch die Mutter.
02:08Vielleicht manchmal auch für den Mann, aber das eher weniger.
02:12Bei männlichen Kindern, kennen wir ja auch aus dem Jüdischen, gibt es eine Beschneidung.
02:16Es gibt keine Taufe, also das, was jetzt im Christentum ist, das fällt weg.
02:21Auch später nicht irgendwie in der Moschee oder sonst wo.
02:24Aber die Beschneidung des männlichen Kindes ist dann etwas,
02:27was zur Sunna des Propheten Mohammed gehört.
02:29Was die Frau angeht, die schwankere Frau hat einen sehr hohen Stellenwert innerhalb der Gesellschaft.
02:37Verbringt auch meistens die ersten 40 Tage zu Hause.
02:40Auch das eher so kulturell als theologisch.
02:43Und sie wird wirklich von den Nachbarn, von der Familie, von den Angehörigen,
02:48wird sie verwöhnt im wahrsten Sinne des Wortes.
02:50Das heißt, all das, was sie sonst gemacht hat, wird von diesen Personen übernommen.
02:57Es wird ihr geholfen, sodass sie keine großen Anstrengungen vollbringen soll in diesen ersten 40 Tagen.
03:06Sich wirklich nur um das Kind kümmern kann, die Zeit sich nehmen kann,
03:10um diese intensive Beziehung mit dem Kind aufzunehmen oder zu gestalten.
03:17Insgesamt, wenn ein muslimischer Patient, Patientin im Krankenbett liegt,
03:24wird es ganz häufig vorkommen, auch nicht nur bei der Geburt,
03:27dass auch viele, viele Besucher kommen.
03:29Also das ist halt eben Gang und Gäbe.
03:32Manchmal kommen sie unter gleichzeitigen Gruppen.
03:34Auch das ist eher so kulturell.
03:36Aber im Theologischen findet man halt eben den Krankenbesuch,
03:41dass das auch ein Teil des Gottesdienstes ist.
03:43Das heißt halt eben, den Kranken zu besuchen oder für ihn zu beten
03:47oder dass er für dich betet, ist ein Segen Gottes.
03:53Und selbstverständlich im Theologischen Bereich finden wir auch,
03:55dass der Krankenbesuch kurz sein soll, dass es niemanden stören soll und so weiter.
03:58Aber im Kulturellen hat sich das so ein bisschen verankert, vielleicht ein bisschen anders.
04:03Es gilt sogar als, ja, ich würde sagen,
04:06man möchte das als soziale Störung bezeichnen,
04:09wenn jemand zum Beispiel jemanden nicht besucht, wenn er im Krankenhaus ist
04:12oder wenn er später nach Hause kommt.
04:14Thema im Krankenhaus sind auch häufig Speisen,
04:17also halt eben Halal oder Koscher im Jüdischen
04:22oder dass halt eben auch mal falsche Speise geliefert wird,
04:27obwohl man vielleicht angekreuzt hat, muslimisch und so weiter.
04:30Das ist immer wieder ein Thema.
04:33Oder halt eben, dass vielleicht nicht Schwein, sondern Rind geliefert wird.
04:37Das gilt jetzt auch für Muslime und für Juden.
04:40Dass es aber nicht Halal ist.
04:41Das heißt, das ist nicht automatisch Halal.
04:43Es muss auch Halal geschächtet werden.
04:44Also die Zubereitung ist nochmal anders.
04:47All das sind immer wieder Themen.
04:49Und das natürlich auch dazu führt,
04:53dass viele von ihren Nachbarn, Freunden
04:57ins Krankenhaus Essen mitgeliefert bekommen.
05:00Also Essen wird dann von zu Hause aus mitgebracht.
05:02Besucher bringen was mit.
05:03Das ist gar nicht böse gemeint,
05:05sondern das ist halt eben dieser institutionellen Schwierigkeit verbunden,
05:10dass es manchmal gibt.
05:11Aber viele Institutionen, Einrichtungen kennen das ja seit 30, 40 Jahren,
05:15sodass sie halt eben viel professioneller darauf reagieren,
05:19ob jemand jetzt muslimisches, jüdisches, buddhistisches,
05:21vegetarisch, vegan und so weiter und so fort.
05:23Das hört sich alles komplex an,
05:25aber ist in der Praxis nicht unbedingt so schwer.
05:28Ich habe selbst auch fast ein Jahr im Krankenhaus gearbeitet.
05:31Von daher, es lässt sich einrichten.
05:33Aber manchmal gibt es da halt eben immer noch komplizierte,
05:39bürokratische Wege, sage ich mal.
05:41Das Fasten ist auch ein Thema,
05:42wenn wir von Essen sprechen im Monat Ramadan,
05:44von der Morgendämmerung bis zum Sonnenuntergang,
05:46enthält man sich.
05:47Hatten wir ja im Blog Islam.
05:49Aber wenn eine regelmäßige Einnahme,
05:51zum Beispiel an der Medizin,
05:52auch am Tage erforderlich ist,
05:54kann sie natürlich auch genommen werden.
05:56Also das Fasten kann an einem späteren Zeitpunkt nachgeholt werden.
06:00Man muss nicht fasten,
06:02wenn es der eigenen Gesundheit schadet.
06:04Das ist ganz, ganz wichtig.
06:06Und bei der Einnahme von Medikamenten,
06:10natürlich bei Ausnahmen und wenn es keine Alternative gibt,
06:13können auch Medikamente eingenommen werden,
06:15die zum Beispiel Alkohol enthalten.
06:17Aber man schaut schon nach,
06:19ob es Ausnahmen gibt oder ob es Alternativen gibt.
06:22Ein Medikament ohne Alkohol,
06:24ein Medikament ohne Schweine, Gelatin oder sonst was.
06:27Das heißt, man guckt sich schon an,
06:28Ausnahmen und Alternativen.
06:30Falls es wirklich keine Ausnahmen und Alternativen geben sollte,
06:33ja, dann kann man selbstverständlich auch dieses Medikament einnehmen.
06:38Auch das wäre kein Problem,
06:39denn eine wichtige Islamische Regel lautet,
06:42der Mensch darf nichts tun,
06:43was ihm schadet.
06:44Und wenn dieses Medikament eingenommen werden muss,
06:46dann muss es auch eben eingenommen werden.
06:48Wir kennen das ja auch aus dem Koran,
06:49beim Schweinefleischgebot,
06:51wo dann gesagt wird,
06:52außer du bist hungrig und,
06:54also kurz vorm Sterben oder so,
06:58selbstverständlich könntest du da auch etwas essen,
07:02was du normalerweise nicht isst.
07:03Also es gibt diese Option B, C immer.
07:05Auch im Krankenhaus-Thema ist das Gebet,
07:08das fünfmal tägliche Gebet.
07:09Ganz häufig wird dann nach einem Gebetsraum gefragt.
07:12Viele Krankenhäuser haben inzwischen Gebetsräume für Muslime
07:16oder halt eben stille Räume,
07:18nennt sich das,
07:19für alle möglichen Religionen
07:21und Menschen auch halt eben,
07:23die vielleicht nicht religiös sind,
07:24aber einfach mal einen stillen Ort brauchen,
07:26um nachzudenken und so weiter.
07:30Auch für Muslime ist diese Möglichkeit gegeben.
07:33Wie gesagt, Muslime waschen sich vorher,
07:36eine rituelle Waschung ist,
07:38das Gebet richtet sich immer nach einer bestimmten Gebetszeit
07:41und man dreht sich immer Richtung Mekka
07:43und im Krankenhaus ist vielleicht wichtig,
07:45wenn man bettliegerische Patienten hat.
07:48Sie können das Gebet auch ohne die körperlichen Bewegungen
07:52im Bett verrichten,
07:54auch liegend,
07:55auch das ist möglich.
07:55Auch wieder hier sehen wir Option B und C,
07:58das ist ganz wichtig.
08:00Was ist, wenn jemand im Sterbebett liegt?
08:02Also Tanatologie
08:04oder auch Seelsorge.
08:06Die Vorbereitung eines schwerstkranken auf den Tod
08:09nimmt in der islamischen Lehre
08:11einen großen Raum ein.
08:13Da geht es um Vergebung,
08:14um Beseitigung aller Schulden,
08:16bevor man halt eben wirklich
08:17diesen Raumwechsel vollzieht, den Tod.
08:20Man nimmt Abschied von dem Sterbenden,
08:23das heißt ganz viele Nachbarn,
08:25Menschen kommen, nimmt Abschied,
08:27man spricht miteinander,
08:28falls das natürlich noch geht.
08:30Man lässt den Kranken nicht alleine,
08:32gibt ihm immer wieder zu trinken
08:34und man spricht ihm auch immer das Glaubensbekenntnis nach.
08:37Also man sagt halt eben,
08:38das Glaubensbekenntnis des Islams,
08:41dass ich bezeuge, dass es einen Schöpfer gibt
08:43und ich bezeuge, dass Mohammed der letzte Prophet ist.
08:46Das sagt man immer wieder,
08:47dass der Kranke im Bett auch dieses immer wieder wiederholt.
08:51Und man liest auch Koran für ihn.
08:52Das ist halt eben nochmal so diese,
08:56ja das ist auch eine Art der Sehnsorge.
08:58Also sich um die letzten Tage dieser Person da zu sein
09:04und sich für die letzten Tage auch einzusetzen.
09:07Falls dann ein Mensch verstirbt,
09:09gibt es natürlich eine Beerdigung.
09:11Vorher gibt es eine rituelle Waschung,
09:12wird durchgeführt.
09:13Also die Person, der Verstorbene,
09:15die Verstorbene wird komplett gewaschen.
09:17Es gibt dann ein Totengebet.
09:20Meistens findet das in der Moschee statt.
09:22Und die Beerdigung findet dann auch wirklich sofort statt.
09:25Also wenn jemand morgen stirbt,
09:26dann ist er schon nachmittags beerdigt.
09:28Das geht ganz ruckzuck.
09:29Es sei denn,
09:29es sind halt Sachen,
09:32die noch geprüft werden müssen.
09:33Das ist natürlich was anderes.
09:35Und bei der Begrabung ist dann so,
09:37bei der Beerdigung,
09:38dass das Gesicht des Verstorbenen
09:41immer nach Mecker gewandt wird.
09:44Alle Nachbarn und Bekannten
09:46besuchen dann die Angehörigen des Verstorbenen.
09:49Und für die Angehörigen
09:51kochen die Nachbarn auch.
09:53Es wird für den Toten
09:55Koran gelesen.
09:56Das heißt halt eben,
09:57es gibt immer wieder diese
09:59Fürsorge,
09:59die dann auch danach später passiert.
10:01Auch das ist ein Teil
10:01der Sehnsorge übrigens.
10:03Es gibt dann auch,
10:04weil wir gesagt haben ja,
10:06die Friedhöfe sind mitten im Leben,
10:07regelmäßige Grabbesuche.
10:09Das heißt,
10:09regelmäßig besucht man
10:10seine Verstorbenen.
10:12In Deutschland auch ganz häufig
10:13freitags.
10:14Also das Freitag
10:15ist für Muslime
10:16ein besonderer Tag,
10:17so wie wir Juden Samstags
10:19und für Christen Sonntags
10:20ein besonderer Tag.
10:21Es ist für die Muslime
10:23Freitag ein besonderer Tag.
10:24Da gibt es das Freitagsgebet.
10:26Und generell finden auch
10:28Grabbesuche Freitags statt.
10:29Oder schon Donnerstag abends.
10:31Und gebetet wird dann
10:32für alle Verstorbenen.
10:33Also nicht nur für den,
10:34den man kennt,
10:35sondern für alle,
10:36die man halt eben
10:37auf einem Grab fällt.
10:39Oder halt eben
10:39insgesamt
10:41vielleicht halt eben
10:43aus seiner nächsten Umgebung hat.
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