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Dr. Cemil Şahinöz – Experte für islamische Seelsorge, Familienberatung, Glücksspielsucht, Migration, Integration, Islamthemen und interkulturelle Kompetenz in Deutschland
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LernenTranskript
00:00Wir machen heute eine kurze Einführung in den Islam, beziehungsweise in die islamische Theologie.
00:07Das heißt, wir schauen uns an, was den Islam ausmacht und womit die islamische Theologie arbeitet, wissenschaftlich, theologisch.
00:16Dafür zunächst einmal die Bezeichnung.
00:18Muslime nennen sich Muslime und keine Mohammedaner.
00:21Das ist wichtig, weil man vor allem in älteren Texten immer wieder auf den Begriff Mohammedaner stößt.
00:28Und das ist darauf zu folgern, dass man davon ausgegangen ist, dass die Muslime den Propheten Mohammed anbeten.
00:35Und man hat sie dann Mohammedaner genannt.
00:38Der richtige Begriff ist halt Muslime.
00:41Islam als Begriff, wenn wir das Wort wörtlich übersetzen würden ins Deutsche, heißt nichts anderes als Hingabe an den Schöpfer.
00:49Und Muslime, Muslim zu sein, heißt dann als Angehöriger dieser Religion natürlich derjenige, der sich dem Schöpfer hingibt.
00:55Also diese Gottergebenheit ist hier wirklich im Fokus, wenn wir vom Islam und von Muslimen sprechen.
01:03Und schon Goethe sagte, wenn Islam gottergeben heißt, im Islam leben und sterben wir alle.
01:10Zeigte halt eben nochmal, macht nochmal deutlich, dass diese Hingabe an Gott eigentlich das Schlüsselelement der Religion ist.
01:20Islam selbst, das Wort, also im Arabischen wird das mit SLM geschrieben.
01:26Die anderen sind die Vokale.
01:28Und dieses Wort SLM, Salam, heißt nichts anderes als Frieden.
01:31Das heißt, es geht auch darum, Frieden zu erreichen, auf der ersten Ebene mit dem Schöpfer selbst, mit der zweiten
01:40Ebene mit sich selbst und in der dritten Ebene mit der gesamten Schöpfung.
01:46Das heißt, Frieden erreichen mit Gott, sich selbst und der gesamten Schöpfung.
01:49Mit der gesamten Schöpfung ist alles, also andere Menschen, Natur, Tiere, Umwelt, alles Mögliche gemeint.
01:55Um diese Ebene zu erreichen, das ist halt eben auch wichtig, um in sich selbst eine Harmonie zu bewerkstelligen, um
02:07dieses Gleichgewicht im Menschen herzustellen.
02:10Islam als Religion beginnt oder wird nicht nur auf den Propheten Mohammed zurückverfolgt, sondern der Islam als Religion beginnt mit
02:23dem ersten Propheten, der laut der Offenbarung auch schon der erste Mensch ist, Adam, und endet mit dem Propheten Mohammed.
02:31Also der Propheten Mohammed ist weder der erste noch der einzige Prophet.
02:35Und alle diese Offenbarungen, sei es von Adam oder auch anderen Propheten, wurden schon immer Islam genannt.
02:41Das heißt, Islam war jetzt nicht der Name einer bestimmten Religion, sondern wie eben schon in der Interpretation, in der
02:48Definition klargestellt, es geht um Hingabe.
02:52Derjenige, der sich hingibt, Gott ergeben ist.
02:56Und deshalb hieß die Offenbarung immer schon Islam.
02:59Und Gott gibt laut dem Islam die Offenbarung durch Engel und Propheten an die Menschen weiter.
03:05Und das Medium dabei sind halt eben die Offenbarungen.
03:08Koran, Bibel, altes, neues Testament und so weiter.
03:10Und Koran ist für die Muslime die letzte Offenbarung in dieser ganzen Kette.
03:14Da gehen wir gleich nochmal drauf ein.
03:16Und der Islam ist ein allumfassender Lebensweg.
03:20Das heißt, es geht hier nicht nur darum, Gottesdienste in der Moschee oder bestimmte Rituale zu vollziehen,
03:26sondern alles, was im Alltag passiert.
03:29Wie man mit Menschen umgeht, wie man mit der Umwelt umgeht, wie man mit Tieren umgeht,
03:34wie man spricht, wie man handelt im Alltag.
03:40Gerechtigkeit, Barmherzigkeit und so weiter.
03:42Nächstenliebe.
03:42All das sind eben auch Gottesdienste, Rituale.
03:47Deshalb ist der Islam nicht eingeschlossen in bestimmte Gotteshäuser,
03:51sondern es ist ein allumfassender Lebensweg.
03:55Und den Sinn des Ganzen, den können wir aus einem Koranvers verstehen,
03:59wo der Schöpfer sagt, dass er die Menschen nur darum erschaffen hat,
04:03dass sie ihm, also dem Schöpfer, dienen.
04:05Das ist im Koran, Kapitel 51, Vers 56.
04:11Und auch der Propheten Mohammed, auch auf ihn wird eine Überlieferung zurückgeführt,
04:15wo er sagt, dass der Schöpfer sagt, ich war ein verborgener Schatz,
04:20ich wollte erkannt werden.
04:21Das heißt, der Schöpfer macht sich durch das Leben, durch die Welt bekannt.
04:28Und diejenigen, die ihn dadurch erkennen,
04:31diese Werkzeuge, die der Schöpfer den Menschen gegeben hat,
04:35wie zum Beispiel sehen, nachdenken, fühlen, riechen, hören etc.,
04:40und das sind Werkzeuge, um den Schöpfer zu erkennen.
04:43Das heißt, der Schöpfer prüft uns hier auf Erden,
04:47das ist eigentlich vergleichbar mit dem Judentum und dem Christentum auch,
04:49er prüft uns, um zu schauen, wer den Schöpfer erkennt,
04:55nach seinem Willen handelt und versucht, ein guter Mensch zu sein,
04:58wenn man das so oberflächlich formuliert.
05:00Also der ganze Sinn des Erschaffens ist daher das Kennenlernen des Schöpfers,
05:06ihm zu danken und ihn anzubeten.
05:09Und der Schöpfer lässt sich eben durch seine Kunst erkennen.
05:13Er lässt den Menschen nicht alleine, sondern er hat ein Kunstwerk erschaffen,
05:16das ganze Universum, der Mensch, alles Mögliche sind Kunstwerk Gottes,
05:20wodurch wir den Künstler erkennen können.
05:24Im Islam gibt es bestimmte Glaubensgrundsätze.
05:28Und zwar, man kann das so definieren,
05:31die Glaubensgrundsätze, die einen Muslim ausmachen,
05:35also woran der Muslim glaubt.
05:36Und das sind sechs verschiedene Grundsätze.
05:40Zunächst einmal, dass der Muslim an einen Schöpfer glaubt,
05:43an die Engel glaubt, an Offenbarungen,
05:46an die Propheten, an die Vorhersehung des Schöpfers
05:49und an die Auferstehung.
05:50Auf diese Punkte gehen wir jetzt kurz ein.
05:54Was heißt es, auf den Schöpfer zu glauben?
05:58Ne Musimi gehen davon aus, dass es einen Künstler gibt,
06:01einen einzigen Gott gibt und nichts ist ihm gleich.
06:04Er hat verschiedene Attribute.
06:07Er ist aber nicht, als Attribute heißt,
06:10er hat bestimmte, ich sag mal, Eigenschaften,
06:14die wir brauchen, um den Schöpfer zu erkennen.
06:18Weil wenn nichts ihm gleich ist, also seine Kunst
06:21ihm nicht ähnelt, dem Künstler,
06:24können wir auch nicht sagen, der Schöpfer sieht aus wie ein Mensch.
06:27Also wir definieren Gott nicht.
06:29Er selbst definiert und beschreibt sich im Koran durch diese Attribute.
06:33Oder im Koran werden sie ganz häufig die schönen Namen,
06:36die schönsten Namen oder die Namen Gottes genannt.
06:38Was heißt das zum Beispiel, dass er der Heilende ist,
06:42dass er der Barmherzige ist, dass er der Gerechte ist,
06:45der Allsehende ist und so weiter und so fort, der Ewige ist.
06:48Das sind Attribute, Eigenschaften des Schöpfers.
06:51Gleichzeitig sind sie Namen des Schöpfers.
06:54So können wir ihn erkennen.
06:56So lernen wir den Schöpfer kennen.
06:59Im Koran gibt es auch einen Vers, der lautet,
07:03beziehungsweise ist das ganze Kapitel,
07:06er ist Allah, ein Einziger.
07:07Allah, der Absolute, Ewige, Unabhängige,
07:10von dem alles abhängt.
07:11Er zeugt nicht und ist nicht gezeugt worden.
07:14Und ihm ebenbürtig ist keiner.
07:16Dadurch versteht man nochmal oder sieht man nochmal,
07:17dass der Schöpfer kein Mensch ist,
07:22wie man sich halt einen Mensch vorstellt.
07:24Männlich, weiblich oder so.
07:27Der Glaube an Engel gehört jedenfalls zu den Glaubensfeilern.
07:30Die Muslime gehen davon aus,
07:32dass Engel aus besonderem Licht erschaffen sind.
07:34Das sind Wesen, die nicht essen, nicht trinken,
07:36weder weiblich sind noch männlich sind.
07:39Und sie haben auch keinen inneren Trieb,
07:46gegen den sie kämpfen müssen,
07:48wodurch sie geprüft werden, wie beim Menschen.
07:50Aber sie besitzen auch keinen freien Willen,
07:52sondern erledigen Aufgaben,
07:54die ihnen der Schöpfer auferlegt hat.
07:55Auch das ist vergleichbar mit Judentum und Christentum.
08:00Und die vier großen Engel,
08:01die im Islam beschrieben werden,
08:03sind ebenfalls im Alten und Neuen Testament zu finden.
08:08Gabriel, Michael, Israfel und Azrael,
08:10das sind die vier großen Engel.
08:13Offenbarungen gehören ebenfalls zu den Glaubenswahrheiten.
08:16Zu den Glaubensfeilern der Muslime.
08:19Die Muslime gehen davon aus,
08:20wie schon eben gesagt,
08:21dass der Koran die letzte Offenbarung ist
08:23und nicht die einzige.
08:24Das heißt, die Muslime glauben auch an das Alte Testament,
08:27an das Neue Testament,
08:28also die Bibel,
08:29aber auch zum Beispiel an die Blätter,
08:32die der Prophet Moses erhalten hat,
08:36oder die der Prophet Abraham erhalten hat,
08:38oder an die Salmen,
08:39die der Prophet David erhalten hat.
08:42Das heißt,
08:42all diese Offenbarungen,
08:43die Moses,
08:44Abraham,
08:45David,
08:46Jesus
08:46und natürlich letztendlich auch der Prophet Mohammed erhalten haben,
08:51sind für Muslime Offenbarungen.
08:54Also Offenbarungen,
08:56die vom Schöpfer kommen.
08:57Aber sie gehen davon aus,
08:58dass der Koran,
08:59ja in der heutigen Sprache,
09:01würde man wahrscheinlich sagen,
09:02das letzte Update ist.
09:04Und daher ist es ganz wichtig,
09:05dass die Muslime
09:06sich dieses letzte Update anschauen.
09:08Aber das heißt nicht,
09:10dass sie die Vorgängerversionen
09:12komplett außer Acht betrachten.
09:13Das heißt,
09:13auch die sind für uns Muslime wichtig.
09:18Und was die Propheten angeht,
09:20man hat es ja jetzt auch rauslesen können,
09:22das heißt,
09:22wenn wir davon ausgehen,
09:23dass die anderen Propheten
09:24auch Offenbarungen erhalten haben,
09:26sieht man schon diesen Stellenwert in Islam.
09:28Es gibt einen Koranvers,
09:29der lautet,
09:31wir glauben an Gott,
09:32an den uns herabgesandten Koran,
09:34an die Offenbarungen,
09:35die Abraham,
09:36Ismail,
09:36Isaac,
09:37Jakob
09:37und Jakobs Kinder
09:38herabgesandt wurden,
09:39an das,
09:40was Moses,
09:41Jesus und den Propheten
09:42von Bad wurde.
09:43Wir machen keinen Unterschied
09:45zwischen den Propheten
09:46und wir ergeben uns Gott alleine.
09:48Das zeigt nochmal,
09:49dass der Muslim
09:50an jeden Propheten glaubt
09:52und es gibt eine Reihe von Propheten,
09:54angefangen von Adam,
09:55die im Alten Testament,
09:57Neuen Testament
09:57und im Koran
09:58identisch sind.
09:59Also es gibt ganz,
10:00ganz viele Propheten,
10:01Adam, Abraham,
10:02Noah,
10:02Josef,
10:03Jonas,
10:03David,
10:05Moses,
10:05Hiob,
10:05natürlich auch Jesus.
10:07und zu guter Letzt
10:08eben halt
10:09Mohammed und die Muslimen
10:11gehen davon aus,
10:11dass Adam der erste Prophet war
10:13und Mohammed
10:13der letzte Prophet
10:15und sie vergündeten
10:16alle die gleiche Botschaft.
10:18Glaube an den einen Gott
10:20und das Jenseits.
10:21Warum gibt es so ein Propheten?
10:23Warum ist das wichtig?
10:24Ja, weil Gott sich dadurch
10:25mitteilt.
10:26Der Schöpfer teilt sich mit.
10:28Der Prophet hat also die Aufgabe,
10:30das,
10:32das, was ihnen durch
10:33den Erzengel Gabriel
10:35überbracht wurde,
10:36an die Menschen zu verkünden
10:37und dadurch zeigen sie eben auch
10:39den Menschen
10:40das Jenseits,
10:41die Schöpfung,
10:43die Aufgabe,
10:44den Sinn des Lebens
10:44und mit Gottes Erlaubnis
10:45zeigen sie natürlich auch
10:46Wunder,
10:47welches man ja auch
10:48im Alten und Neuen Testament
10:49und auch im Koran wiederfindet.
10:52Kleiner Exkurs an dieser Stelle
10:55zum Propheten Mohammed.
10:56Mohammed wurde
10:58571 geboren,
10:59lebt in Mekka,
11:00seine Eltern starben früh,
11:02als er noch ein Kind war
11:04und er war bekannt dafür,
11:06für seine Wahrhaftigkeit,
11:07seinen Großmut
11:08und seine Aufrichtigkeit,
11:10wovor er sich
11:11damals schon den Beinamen
11:13Al-Amin erwarb.
11:14Al-Amin
11:14heißt übersetzt
11:15der Vertrauenswürdige,
11:17also die Mekkaner
11:17haben ihn Al-Amin genannt,
11:18der Vertrauenswürdige,
11:19sie haben ihn vertraut.
11:22Der Prophet Mohammed
11:23erhielt seine erste Offenbarung
11:25im Jahr 611,
11:27er war ja also schon
11:2840 Jahre alt.
11:30Wichtig in seiner Biografie
11:32ist die Auswanderung
11:33nach Medina noch,
11:34also das war 622
11:36und circa 10 Jahre später,
11:38632,
11:39verstarb der Prophet
11:40und ist heute in Medina begraben
11:43und nach seinem Tod
11:44gab es Kalifen,
11:45die sozusagen
11:46die muslimische Community
11:50angeführt haben.
11:52Der nächste Glaubensfall
11:53der Muslime
11:55heißt,
11:56ja gut,
11:56übersetzt wird das
11:57ganz häufig als Schicksal,
11:58aber wir müssen das
11:59so ein bisschen
12:01unterscheiden,
12:01was im islamischen Sinne
12:02verstanden ist.
12:03Im islamischen Sinne
12:05ist das keine komplette
12:07Vorherbestimmung Gottes,
12:08sonst wäre es ja
12:08gar keine Prüfung.
12:09Wenn Gott mein Leben
12:10vorherbestimmt hätte,
12:11dann warum prüft er mich dann?
12:13Dann wäre es ja
12:14gar nicht gerecht.
12:15Es ist also keine komplette
12:17Vorherbestimmung Schicksal,
12:19es ist aber eine
12:21Vorhersehung Gottes.
12:23Also Vorhersehung,
12:23er weiß schon,
12:24was ich tun werde,
12:26weil er nicht an Zeit
12:27und Raum gebunden ist.
12:28Er ist ja kein Mensch,
12:29haben wir eben gesagt.
12:29Er weiß schon,
12:30was in der Zukunft
12:30passiert.
12:31Das könnte man natürlich
12:32sagen,
12:32wenn er sowieso weiß,
12:33dann könnte er uns
12:34doch jetzt schon
12:35belohnen oder nicht
12:36belohnen,
12:37aber dann wäre es ja
12:37gar nicht eingetroffen,
12:39wenn er das nicht
12:40zugelassen hätte,
12:40was eingetroffen werden
12:42soll.
12:43Also das Zutreffen
12:43dessen,
12:44was der Schöpfer
12:45vorhergesehen hat,
12:46findet statt,
12:47indem ich
12:48hier auf dieser Welt bin
12:49und das tue,
12:50was ich freiwillig
12:52selbst entscheidend
12:53tue.
12:53Das ist die Prüfung.
12:55Und es gibt
12:56veränderbare,
12:57unveränderbare Schicksale,
12:58sagt man in der
12:59islamischen Theologie,
13:00also unveränderbar ist
13:02zum Beispiel
13:03unsere Eltern,
13:04unsere Geschwister,
13:05der Todeszeitpunkt
13:06und so weiter,
13:07wann wir geboren sind,
13:07wo wir geboren sind.
13:09Und das sind Sachen,
13:11die halt eben von Gott
13:12tatsächlich vorherbestimmt
13:13sind,
13:14aber veränderbare Schicksale
13:16ist,
13:17was wir tatsächlich tun,
13:19wie viel wir arbeiten,
13:20ob wir faul bleiben,
13:20ob wir uns anstrengen,
13:22ob wir gläubige Menschen
13:23werden,
13:23ob wir gute,
13:24schlechte Menschen werden,
13:24also welche Freunde
13:25wir uns ausüben und so weiter.
13:26Das alles liegt
13:27in unserer Hand.
13:29Wir können das selbst
13:30verändern.
13:30Also der freie Wille
13:31des Menschen ist ja ganz
13:32wichtig.
13:32Und der Mensch wird ja
13:33für diese eigenen Taten,
13:34für diesen freien Willen
13:35überhaupt geprüft.
13:37Er wird ja dafür erst
13:39Rechenschaft abholen.
13:41Der letzte Pfeiler
13:44ist die Auferstehung.
13:46Der Muslim glaubt
13:46an ein Leben
13:47nach dem Tode.
13:49Aber nur der Schöpfer
13:50kennt das Ergebnis,
13:51das Ende.
13:52Also das Reich der Prüfung
13:53endet irgendwann,
13:54wir werden auferstehen,
13:55gute und schlechte Taten
13:56werden bewertet
13:57und ein ewiges Leben beginnt.
13:59Wichtig ist hier,
14:00dass der Tod
14:01als Beginn
14:02des echten Lebens
14:03bezeichnet wird.
14:04Also der Tod ist dann
14:05nichts Fremdartiges,
14:08Negatives,
14:08Schlechtes,
14:09sondern es ist eine Tür
14:11zur Unsterblichkeit.
14:12Also so ein Raumwechsel
14:13wird das immer in der
14:14islamischen Theologie
14:15bezeichnet.
14:15Von einem Raum
14:16gehen wir in den
14:17anderen Raum.
14:18Deshalb ist der Tod
14:18nichts Negatives,
14:20Schlechtes,
14:21wofür man sich
14:21fürchten müsste.
14:24Wenn man in muslimisch
14:25geprägten Ländern ist,
14:26dann hat man es vielleicht
14:27auch ganz häufig gesehen,
14:28dass Friedhöfe
14:28mitten im Park,
14:29mitten im Leben sind,
14:31also mitten im Alltag,
14:32neben den Häusern,
14:33neben dem Garten ist.
14:34Das heißt,
14:35Friedhöfe sind nicht
14:36versteckt irgendwo
14:36außerhalb der Ortschaft
14:38oder so,
14:39sondern wirklich
14:39mitten im Leben
14:41und das zeigt nochmal,
14:43dass man den Tod
14:45nicht fürchtet.
14:46Das sind die sechs
14:47Glaubenspfeiler
14:48und dann gibt es noch
14:48die fünf Säulen des Islams,
14:50die sogenannten
14:50fünf Säulen des Islams,
14:52die im Alltag
14:53mit Ritualen
14:54verbunden sind.
14:56Und da gehen wir
14:57auch drauf an.
14:58Das erste ist
15:00Schahada.
15:00Die Schahada
15:01bedeutet nichts anderes
15:02als Glaubensbezeugung,
15:05Glaubensbekenntnis.
15:06Das ist eigentlich
15:07der Eintritt zum Islam,
15:08weil im Islam
15:09gibt es keine Institution,
15:11wodurch man irgendwie
15:13Muslim wird.
15:14Also wenn die Kinder
15:14geboren werden
15:15oder jemand sich
15:17im späteren Alter
15:17dazu entscheidet,
15:18Muslim zu werden,
15:20dann geht man jetzt
15:20nicht in die Moschee
15:21und lässt sich irgendwo
15:22eintragen
15:23oder es gibt ein Ritual
15:24wie Taufe
15:25oder sonst was.
15:26Nein,
15:27wer mit dem Herzen
15:30und mit dem Verstand
15:32freiwillig
15:32ohne Zwang
15:34bezeugt,
15:35dass es einen Schöpfer gibt
15:37und dass es Propheten gibt,
15:38dass der Prophet Mohammed
15:40der letzte Prophet ist,
15:41ist automatisch Muslim.
15:42Das ist dieses
15:44Glaubensbekenntnis.
15:45Also wer daran nicht glaubt,
15:46ist automatisch
15:46kein Muslim.
15:47Also es gibt auch
15:48keinen Austritt
15:49in dem Sinne,
15:50dass man sich irgendwo
15:51austrägt oder so.
15:52Sondern dieses
15:54Glaubensbekenntnis
15:54ist
15:56zentral.
15:57Die zweite Säule
15:59ist das Gebet.
16:00Das fünfmal tägliche Gebet
16:02auf Arabisch Salat.
16:04Während der
16:06Morgendimmerung,
16:06Mittags,
16:07Nachmittags,
16:08während der Abenddimmerung
16:09und nach Einbruch
16:09der Nacht,
16:10also fünfmal am Tag,
16:11betet der Muslim.
16:11Hört sich jetzt viel an,
16:12aber das macht ungefähr
16:14eine Stunde am Tag aus.
16:16Also wir sagen,
16:16der Schöpfer hat uns
16:1824 Stunden gegeben,
16:19eine Stunde
16:20geben wir ihm zurück,
16:21indem wir ihm danken.
16:22Und diese Zeit,
16:24wann man betet,
16:24orientiert sich immer
16:25nach der Sonne.
16:26Also deshalb
16:26ändert sich auch
16:27jeden Tag
16:28an jedem Ort der Welt
16:30die Gebetszeit.
16:31Und man muss sich
16:32pünktlich beten,
16:32man hat dann immer Zeit
16:34bis zum nächsten Gebet.
16:36Man dreht sich immer
16:36Richtung Mekka,
16:38das ist in Deutschland
16:38so ungefähr
16:40Südosten.
16:41Und dann verrichtet
16:42man das Gebet.
16:43Man kann das überall
16:44auf der Welt verrichten,
16:45man kann das
16:45zu Hause verrichten
16:47oder auch
16:48an der Uni verrichten,
16:49gibt es ganz häufig
16:50Gebetsräume,
16:51an Flughäfen
16:51oder sonst wo.
16:54Moschee ist wie so
16:54ein Versammlungsort,
16:56also ein religiöses,
16:58kulturelles,
17:00soziales Zusammenkommt.
17:01Und ein Raum
17:02der Moschee
17:03ist immer
17:03der Gebetsraum,
17:04das ist der Meschid.
17:06Also wenn man es jetzt
17:07wortwörtlich übersetzt,
17:08ist das der Ort
17:09der Niederwerfung,
17:10Sajde.
17:11Und da wird eben
17:12das Gebet
17:13gemeinsam verrichtet,
17:14aber man kann es auch
17:15zu Hause verrichten,
17:16wenn man mal
17:17in muslimisch geprägten Ländern
17:19hat man vielleicht auch
17:19den Gebetsruf gehört,
17:21damit wird das Gebet
17:22dann auch eingeleitet.
17:25Die dritte Säule
17:27ist das Fasten,
17:28Saum.
17:29Wenn man Saum
17:30wortwörtlich übersetzt,
17:31heißt das eigentlich
17:32sich enthalten
17:33und nicht fasten.
17:34Muslime enthalten
17:35sich also
17:36und zwar einmal im Jahr
17:38im Monat Ramadan.
17:40Also Ramadan ist
17:41der Name des Monats.
17:42Von der Morgendämmerung
17:43bis zum Sonnenuntergang
17:45verzichten sie auf
17:46Essen, Trinken,
17:47Rauchen,
17:47Geschlechtsverkehr,
17:48negatives Verhalten,
17:51um halt eben
17:52dem Schöpfer
17:53so näher zu kommen.
17:55Dieses Fasten ist,
17:57geht immer so
17:5729, 30 Tage,
17:59je nach Schaltjahr.
18:00Und am Ende des Monats
18:03gibt es ein Ramadanfest,
18:05Idel Fitr.
18:06Und das wird dann auch mal
18:07so ganz groß gefeiert.
18:09Und dieses Fasten
18:11ist nicht etwas,
18:12was es nur
18:13bei Muslimen gibt.
18:14Also im Koran steht zum Beispiel,
18:15ihr, die ihr glaubt,
18:16euch ist das Fasten
18:18vorgeschrieben,
18:19wie es denen vorgeschrieben war,
18:21die vor euch waren,
18:22damit ihr vielleicht
18:22gotteswürdig werdet.
18:23Das heißt,
18:24in allen Religionen,
18:25Kulturen findet man
18:26heute auch noch
18:26das Fasten wieder.
18:28Ein Fasten zum Beispiel,
18:30das im Koran erwähnt wird,
18:31ist das Fasten der Maria,
18:33der Mutter von Jesus.
18:35Und zwar hat sie
18:36auf folgende Art und Weise
18:38gefastet.
18:38Sie hat geschwiegen.
18:39Ich lese das mal
18:40aus dem Koran vor.
18:41Und wenn du Maria
18:42nun jemanden
18:43von den Menschen
18:44sehen solltest,
18:45also als Jesus
18:46geboren wurde,
18:47dann sag zu ihnen,
18:48ich habe dem
18:49Alabama Fasten gelobt,
18:50so werde ich heute
18:51mit keinem
18:51Menschenwesen sprechen.
18:53Also ihr Fasten war
18:54zu schweigen,
18:55als Jesus geboren wurde.
18:57Und als dann
18:57wirklich Leute kamen,
18:59schwieg sie
18:59und zeigte sie
19:01auf Jesus.
19:02Ich lese im Koran
19:02weiter.
19:03Sie sagten,
19:05wie können wir denn
19:05mit jemandem sprechen,
19:06der noch ein Kind
19:07in der Wiege ist?
19:08Aber Jesus sagte,
19:10ich bin wahrlich
19:11Allahs Diener.
19:12Er hat mir die Schrift
19:13gegeben und mich
19:14zu einem Propheten
19:14gemacht.
19:15Also wir sehen hier,
19:17Fasten gab es
19:17in allen Religionen,
19:19gibt es ja heute auch
19:19noch im Judentum,
19:20Christentum,
19:21Islam.
19:23Am Ende des Tages,
19:25wenn gefastet wurde,
19:26gibt es meistens
19:26ein gemeinsames
19:27Fastenbrechen mit
19:28Familie,
19:29Freunden oder auch
19:29halt eben der Moschee.
19:31Gegenseitiges
19:31Besuchen und Einleitungen
19:33zum Fastenbrechen
19:34sind so gewöhnlich,
19:35das sind Bräuche.
19:37Und ausgenommen
19:38sind alle,
19:40die davon gesundheitlich
19:41Schaden nehmen
19:42könnten,
19:42also auch Kranke,
19:43Kinder,
19:44Reisende.
19:45Denn das
19:46Verzichten auf Essen
19:47ist nicht das Ziel,
19:48sondern es ist
19:49Mittel zum Zweck.
19:51Und dieses Zweck
19:52ist eigentlich,
19:52sich selbst
19:53kennenzulernen,
19:55Mitgefühl zu erwecken.
19:56Deshalb gilt das Fasten
19:57als eine gottwohlgefällige,
19:59segensreiche Handlung,
20:00womit man den Schöpfer
20:01besser kennt.
20:02Also das Fasten
20:03soll wirklich nur,
20:04um das Schöpfers
20:06Willen geschehen
20:07und somit dadurch
20:07seine Zufriedenheit
20:10erlangt werden.
20:11Das heißt,
20:12Fasten bedeutet auch
20:13zu erkennen,
20:14dass man in Wahrheit
20:15einzig und allein
20:17vom Schöpfer
20:19abhängig ist.
20:19Das heißt,
20:20es gibt verschiedene
20:20Aspekte des Fastens,
20:23die hier deutlich werden.
20:24Es geht da nicht
20:25um eine Diät,
20:25sondern es geht
20:26wirklich darum,
20:28um eine Erinnerung
20:29an den Schöpfer,
20:30um eine Dankesbezeugung,
20:32um eine Stärkung
20:32des sozialen Empfindens,
20:34die Selbstdisziplin
20:36zu stärken
20:38und halt eben auch
20:40zu sehen,
20:41wie schwach
20:42der Mensch eigentlich ist
20:43und wie bedürftig er ist
20:44und dass diese Bedürftigkeit
20:46erfüllt wird
20:47durch den Schöpfer
20:49mit Lebensmitteln
20:50außerhalb des Ramadans,
20:51die wir gar nicht so
20:53wahrnehmen,
20:53sondern vielleicht nur so
20:54als Selbstverständlichkeit
20:56sogar wahrnehmen.
20:58Hier noch ein kleiner Exkurs,
21:00wenn wir von Fasten,
21:01Essen,
21:02Trinken sprechen.
21:02Muslimen unterscheiden
21:03beim Essen und Trinken
21:05zwischen Halal und Haram,
21:06also rein und unrein.
21:07Wir kennen das aus
21:08dem jüdischen Kosher.
21:10Ist eigentlich fast ähnlich
21:12wie im jüdischen.
21:12Muslime und Juden
21:13verzichten auf jegliches Fleisch,
21:15das nicht im Namen Gottes
21:16geschächtet wurde.
21:18Sie verzichten auf Tiere,
21:20die nicht zum Essen bestimmt sind
21:21und auf Tiere,
21:22die eines natürlichen Todes
21:23gestorben sind.
21:24Das heißt,
21:24es gibt ein bestimmtes Ritual,
21:26wie ein Tier geschlachtet wird
21:28und welche Tiere
21:28geschlachtet werden.
21:29Und es ist hier wichtig,
21:30damit es Halal ist,
21:32dass es von einem gläubigen Menschen
21:34auf diese Art und Weise
21:37geschächtet wird.
21:38Deshalb achten Muslime darauf,
21:40dass auch das Fleisch,
21:42egal ob Schwein,
21:43also Muslime verzichten ja
21:44nicht nur auf Schwein,
21:45sondern auch zum Beispiel
21:46auch dann auf Rind,
21:48wenn es nicht auf Halal
21:49Art und Weise geschächtet wurde.
21:51Ganz wichtig,
21:52was man heutzutage fast gar nicht mehr
21:54leider aufgerechterhalten kann,
21:56ist zum Halal
21:58gehört auch eine artgerechte
21:59Haltung der Tiere.
22:01Auch das ist eigentlich
22:02einer der wichtigen Pfeiler,
22:05aber heutzutage
22:07muss man schauen,
22:09wie man das bewerkstelligt.
22:10Ein anderer Pfeiler
22:13ist die Pilgerfahrt nach Mekka,
22:16Hatsch.
22:17Dies wird zu bestimmten Zeiten
22:19gemacht,
22:19beginnt im zwölften Monat
22:21des islamischen Mondjahres,
22:22das ist ungefähr zwei bis drei
22:24Monate nach Ramadan
22:25und einmal im Leben
22:26soll das jeder Muslime machen,
22:27der körperlich,
22:29psychisch,
22:30finanziell dazu in der Lage ist.
22:32Und während dieser Wahlfahrt
22:34tragen die Wahlfahrer
22:37besonders einfache Kleidung,
22:39nämlich ganz weiße Gewänder
22:40oder Kleider
22:41und das erinnert an die
22:42Wiederauferstehung.
22:44Alle Menschen sind gleich vor Gott,
22:45egal in welcher Position,
22:46in Rolle,
22:47welcher Hautfarbe,
22:48welcher Kultur,
22:48Ethnischsprache,
22:49völlig egal,
22:51alle Menschen sind gleich vor Gott.
22:52Und am Ende dieser Pilgerfahrt
22:55gibt es dann halt eben
22:57das nächste Fest,
22:58Eid al-Adda,
22:59das sind so diese zwei
23:02religiösen Feiertage,
23:04die es im Islam gibt.
23:06Der letzte Pfeiler ist
23:07Sekad.
23:10Sekad ist auch schwer zu übersetzen,
23:12ganz häufig steht in Büchern
23:15Abendspende oder so.
23:17In Wirklichkeit heißt das,
23:19also wenn man es übersetzen würde,
23:21heißt das Reinigen
23:21und Wachstum gleichzeitig.
23:23Was heißt das konkret?
23:25Muslime geben einmal im Jahr
23:27mindestens 2,5%
23:29von ihrem gesamten Besitzstum
23:31an bedürftige Menschen ab.
23:33Einmal im Jahr.
23:35Das heißt,
23:35es wird so eine Brücke gebaut
23:36zwischen Arm und Reich.
23:38Es ist eine Pflicht des Abgebenden,
23:40das zu tun,
23:41deshalb gehört es zu den
23:42fünf Säulen des Islams,
23:43aber es ist auch ein Recht
23:44des Bedürftigen,
23:45das einzuverlangen.
23:46Das ist auch nochmal ganz wichtig,
23:48wo wir jetzt aber noch nicht
23:49so genau drauf eingehen.
23:50Also es ist wichtig,
23:51dass der Bedürftige
23:52auch ein Recht drauf hat,
23:54Sekad einzunehmen.
23:56Das waren die fünf Säulen des Islams.
23:58Vorher hatten wir die fünf
24:02Glaubensrichtlinien des Islams.
24:05Wenn wir uns die Quellen des Islams,
24:06die Rechtsquellen des Islams anschauen,
24:09dann sehen wir,
24:10es gibt vier Quellen.
24:11Zunächst einmal der Koran,
24:14also die Offenbarung Gottes,
24:16wenn wir wissen wollen,
24:17was sagt der Islam
24:18zu einem bestimmten Thema,
24:19schaut man sich zunächst einmal
24:20immer den Koran an.
24:23Zweitens,
24:23die Sunda,
24:25also Taten und Aussprüche
24:25des Propheten Mohammed.
24:27Drittens,
24:27Ijima,
24:28Konsens der islamischen
24:29Rechtsgelehrten.
24:30Und viertens,
24:30Kriyas,
24:31Analogieschluss.
24:31Wir gehen auf alle
24:32diese Bereiche kurz ein.
24:34Zunächst einmal der Koran,
24:36der besteht aus 114 Kapiteln.
24:38Einige Kapiteln und Verse
24:39habe ich ja heute schon gelesen.
24:41Koran als Wort heißt
24:43Kara'ah,
24:44also kommt von dem Wort
24:44Wurzel Kara'ah,
24:46das heißt nichts anderes als
24:46Lesen oder Rezidiven.
24:48Und die Muslime gehen davon aus,
24:50dass der Koran dem Propheten
24:51Mohammed durch den Engel
24:52Gabriel offenbart wurde,
24:54in einer Zeitspanne von 23 Jahren.
24:58Und das Original ist Arabisch.
25:00Und auch bei den rituellen Gebeten
25:01liest man immer nur das Arabische,
25:03weil es das Original ist.
25:04Es gibt natürlich Übersetzungen
25:07in allen Sprachen der Welt,
25:08aber wir nennen sie
25:09ungefähre Übersetzungen,
25:10weil es nicht das Original ist,
25:12das was der Schöpfer sagt.
25:13Denn jede Übersetzung
25:14ist ja auch eine Interpretation.
25:16Also wenn ich
25:18einen englischen Satz jetzt habe
25:19und ihn ausspreche,
25:2020 Studierende,
25:22alle werden das anders
25:25übersetzen
25:26von Englisch ins Deutsche.
25:28Und so ist das natürlich auch,
25:30was den Koran angeht.
25:31Deshalb ist für uns
25:32dieses Originale ganz wichtig.
25:33Es gibt Übersetzungen,
25:34aber beim Gebet
25:35nutzen wir nur die Originale,
25:39die Sprache,
25:40also das auf Arabisch.
25:42Aber es gibt natürlich
25:44in der Theologie
25:45die Wissenschaft des Korans,
25:47also die Kommentare,
25:49die Interpretationen,
25:49die islamische Gelehrte
25:51geschrieben haben
25:51in ihren eigenen Muttersprachen,
25:54um den Koran besser zu verstehen.
25:56Und das ist nicht so wie heute,
25:58dass man da einfach googelt
25:59oder sich irgendwie
25:59einen YouTube-Imam anschaut,
26:02um zu verstehen,
26:03was ein Koranvers aussagt.
26:07Ich möchte mal hier
26:08an dieser Stelle
26:09von eben
26:10Juzajj al-Kalbi
26:12kurz zitieren
26:13beziehungsweise aufzählen.
26:16Laut ihm,
26:17das ist auch das,
26:17was heute sage ich,
26:18in der islamischen Theologie
26:19genutzt wird,
26:21was laut ihm wichtig ist,
26:22um überhaupt
26:23den Koran interpretieren
26:25zu können.
26:27Und zwar sagt er,
26:28müssen folgende
26:31Wissenschaften
26:33gekannt werden,
26:34um den Koran
26:35interpretieren zu können.
26:38Zunächst einmal
26:39die Rezitation,
26:40also die Lesart,
26:41Urteile,
26:42Akkam,
26:43Aufhebung,
26:45Hadith,
26:46Geschichten,
26:48also die Religionsgeschichte,
26:49was steckt hinter jedem Vers.
26:51Im Bereich des Sufismus,
26:53Tasawuf,
26:54Tauwa,
26:54Akhlas,
26:55Mahabba,
26:55Malifa,
26:56Taqwa,
26:56Sete,
26:56auf Sabr,
26:57Geduld,
26:57Tauhid,
26:58Quellen des Din,
26:59Usulet Din,
27:00Rechtsquellen,
27:01Usulet Fug,
27:01Sprache,
27:02Grammatik,
27:03Rhetorik,
27:04all das muss bekannt sein,
27:05um ein Koranvers zu interpretieren.
27:08Und das ist heutzutage ganz wichtig,
27:10weil wir ganz häufig
27:12Menschen haben,
27:13die mit einer Kamera
27:15in 20 Sekunden
27:17Koranweisheiten versuchen,
27:18auf sozialen Medien wiederzugehen.
27:20Das ist ganz wichtig.
27:21Koran ist eine Wissenschaft
27:22für sich,
27:22die Theologie.
27:24Das ist die erste Quelle,
27:26die erste Rechtsquelle
27:27des Islams.
27:28Die zweite Quelle
27:29ist die Sunnah.
27:31Sunnah bedeutet Brauch,
27:32also gewohnte Handlungsweisen,
27:34Normen,
27:35Werte.
27:36Und gemeint ist alles,
27:37was der Prophet sagte,
27:38alles,
27:39was der Prophet machte
27:40und alles,
27:41was der Prophet erlaubte,
27:42der Prophet Muhammad.
27:43Im Koran gibt es nämlich
27:44einen Vers,
27:45der lautet,
27:46Geheuchelt Allah
27:47und dem Gesandten,
27:47auf das ihr Gnade findet möge.
27:49Das heißt,
27:49das,
27:50was der Prophet gesagt hat,
27:51getan hat,
27:52ist für uns
27:52eine Richtschnur
27:53für die Muslime.
27:54Die dritte Quelle
27:56ist Ijma.
27:57Das heißt,
27:58die Gelehrten
27:59beraten sich
28:00und geben
28:01Rechtsgutachten,
28:02Fatwa.
28:02Und eine Überlieferung
28:03des Propheten
28:04Mohammed lautet,
28:05zu Beginn
28:06eines jeden Jahrhunderts
28:07wird der Schöpfer
28:09jemand in dieser
28:10Gesellschaft berufen,
28:11der die Religion
28:12aktualisiert
28:13und wiederbeleben wird.
28:14Was ist damit gemeint?
28:16Das ist jetzt nicht gemeint,
28:17dass die Religion
28:18sich verändert
28:19oder dass die Religion
28:21reformiert wird,
28:22sondern,
28:23dass die Weisheiten
28:25oder die Mitteilungen
28:26des Korans
28:27oder der Sunnah,
28:28also das Leben
28:29des Propheten Mohammed,
28:30in unserem Jahrhundert
28:32besser verstanden werden
28:34und je nach Kontext
28:36geschaut wird,
28:37wie das heute
28:37umgesetzt wird.
28:38Das heißt,
28:38man guckt sich an,
28:40wie hat sich das Jahrhundert
28:41verändert,
28:42was gibt es heutzutage
28:43und dann gucken wir uns an,
28:45was es in der Vergangenheit
28:46gab
28:46und vergleichen damit.
28:47Also die Geräten
28:49machen dadurch auch
28:50deutlich,
28:51dass der Koran
28:53kein
28:53oder der Islam
28:55insgesamt eigentlich
28:56etwas ist,
28:57was vor 1400 Jahren
28:59entstanden ist
28:59und heute nicht mehr
29:00lebbar ist,
29:01sondern sie schauen,
29:02wie der Koran,
29:03wie die Weisheiten,
29:04Richtlinien
29:05des Korans
29:06heute umsetzbar sind.
29:08Also das ist dann
29:09keine Reformation,
29:12sondern
29:14wie es in diesem Jahrhundert
29:18verstanden werden kann.
29:21Die letzte Quelle
29:21ist Kriyas,
29:22der Vergleich,
29:23oder man könnte es auch
29:24als Analogie
29:26übersetzen,
29:27also man schaut sich an,
29:29im Koran als Beispiel,
29:30Alkohol ist verboten,
29:31man schaut sich an,
29:32warum ist Alkohol verboten
29:33im Koran steht,
29:34weil es die Sinne
29:36berauscht,
29:36weil man nicht mehr
29:37klar denken kann.
29:38Also,
29:39der Sinn ist,
29:40dass es,
29:40der Sinn des Verbots ist es,
29:42dass es die Sinne berauscht.
29:44Dadurch macht man einen Vergleich
29:45und sagt,
29:45alles was berauschend ist,
29:47die Sinne berauscht,
29:48ist verboten.
29:50Das muss dann nicht extra
29:51im Koran stehen,
29:52wenn es zum Beispiel
29:53tausend Jahre später
29:54erschienen ist.
29:54Das hatten wir gerade
29:55eben auch bei Ijima.
29:57Man schaut sich
29:57dieses aktuelle Jahrhundert an,
29:59ah,
30:00da gibt es etwas Neues,
30:00was es früher gar nicht gab.
30:02Nehmen wir jetzt mal
30:03illegale Drogen oder so.
30:05Oder neuere Drogen.
30:07Und dann guckt man,
30:08okay,
30:08das hat den gleichen
30:10berauschenden Effekt,
30:10also ist das
30:12selbstverständlich dann auch
30:13verboten.
30:14Das ist dann das,
30:15was wir eben auch
30:15so ein bisschen hatten mit,
30:16wir schauen uns dieses Jahrhundert an
30:17und dann vergleichen wir.
30:19Dieser Vergleich,
30:20diese Analogie ist Krias.
30:22Das sind so diese vier Quellen.
30:25Zum Abschluss
30:26vielleicht nochmal ganz kurz,
30:28was häufig ganz vermischt wird.
30:30Ich habe ja zum Beispiel,
30:30ich habe jetzt über die Theologie
30:32des Islams geredet.
30:34Ich habe nicht über die Kultur
30:36der Muslime geredet,
30:38die sehr, sehr, sehr unterschiedlich ist.
30:41Kulturelle Vielfalt unter den Muslimen.
30:42Es gibt Muslime mit deutscher Kultur,
30:44es gibt Muslime mit türkischer Kultur,
30:45arabischer, britischer,
30:46japanischer, kanadischer,
30:48brasilianischer und, und, und, und, und,
30:50italienischer, französischer.
30:51Es gibt Muslime aus allen Kulturen
30:54der Welt.
30:55Die Muslime sind nicht nur
30:56türkisch, arabisch, kurdisch oder so.
30:58Und Kultur und Religion
31:00sind zwei verschiedene Sachen,
31:02die aber öfters miteinander vermischt werden.
31:05Vor allem für einen Außenstehenden
31:07ist es kaum möglich zu unterscheiden
31:09zwischen Kultur und Religion.
31:11Deshalb ganz wichtig,
31:14immer zu unterscheiden,
31:15was ist jetzt Kultur,
31:17was ist jetzt Religion.
31:20Ganz häufig wird das so vermischt,
31:22dass alles, was aus einer bestimmten Kultur kommt,
31:26im Islam zugeschrieben wird.
31:28Obwohl es vielleicht völlig
31:30im Widerspruch zum Islam steht.
31:31Und daher ist es wichtig,
31:33genau diese Unterscheidung zu machen.
31:37Der Islam ist nämlich auch eine sehr
31:40individuelle Religion.
31:41Also was heißt individuelle Religion?
31:43Damit meine ich,
31:43dass es keine Kirche wie die Institution gibt,
31:46die vielleicht festlegt,
31:49wer jetzt eingetreten ist, ausgetreten ist,
31:52Beichte und etc.
31:53Also all das,
31:55all dieser institutionelle Charakter
31:57fällt weg.
31:58Nur du und der Schöpfer.
32:00Nur du, deine Beichte,
32:02deine Gebete und der Schöpfer.
32:03Dazwischen ist niemand.
32:04Auch keine Moschee,
32:05kein Imam oder sonst wer.
32:08Keine Gemeinde.
32:09Du und der Schöpfer.
32:10Alles andere sind nur Methoden,
32:13um zum Beispiel die Gottesdienste zu verrichten
32:15und so weiter und so fort,
32:17um in eine Gesellschaft,
32:18Gemeinschaft zu gehören.
32:19Deshalb gibt es im Islam auch eine Meinungsvielfalt.
32:22Also Islam erlaubt Vielfalt.
32:24Die ist jetzt nicht verboten oder so.
32:26Wir haben zwar keine Konfessionen
32:28oder keine im soziologischen Sinne betrachte Sekten im Islam,
32:32aber es gibt Rechtsschulen,
32:34Meshaps.
32:35Meshap übersetzt heißt eigentlich nichts anderes als
32:37Weg, Lehre oder Schule.
32:40Man kennt das ja auch der Wissenschaft,
32:42die philosophische Schule von,
32:43was weiß ich,
32:44die Frankfurter Schule von,
32:46das ist halt eben nur ein Verständnis.
32:50Und so gibt es im Islam verschiedene Rechtsschulen,
32:53große Rechtsschulen,
32:55die weltweit verbreitet sind.
32:56Aber es gibt jetzt keine Vorschrift,
32:58sich zu einer Rechtsschule zu bekennen.
33:00Aber praktisch gesehen gehört jeder Muslim
33:02einer Rechtsschule an.
33:04Aber das ist jetzt auch nichts,
33:06was wie gesagt wie bei einer Konfession wäre,
33:09dass man sich da riesig voneinander unterscheidet.
33:13Das war jetzt eine ganz kurze und schnelle
33:15vor allem Einführung in den Islam
33:18und die islamische Theologie.
33:21Ich danke euch für die Aufmerksamkeit.
33:24Ich danke euch für die Aufmerksamkeit.
33:26Ich danke euch für die Aufmerksamkeit.
33:28Ich danke euch für die Aufmerksamkeit.
33:28Ich danke euch für die Aufmerksamkeit.
33:29Ich danke euch für die Aufmerksamkeit.
33:29Ich danke euch für die Aufmerksamkeit.
33:30Vielen Dank.
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