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  • vor 10 Monaten
Gletscherforscher Tobias Sauter ist Teil einer der umfangreichsten Forschungsexpeditionen Europas und untersucht, wie schnell sich Gletscher verändern. Welche Folgen haben schmelzende Gletscher für das Klima und für uns?

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Transkript
00:00Sie schwinden rapide und mit ihnen über lebenswichtige Reserven.
00:06Die Gletscher in den Hochgebirgsregionen sind Wasserspeicher.
00:10Doch ihr Rückzug und das Schmelzen der Schneedecken haben dramatische Folgen.
00:15So, wir haben vor vier Tagen die Stange eingebohrt.
00:18Und jetzt messen wir die Distanz von der Gletscheroberfläche bis zur Markierung von der Stange.
00:25Wenn wir schauen, sind fast 37 Zentimeter in vier Tagen.
00:32Das ist doch eine beachtliche Schmelze, was jetzt in diesen wenigen Tagen abgeschlossen ist.
00:38Tobias Sauter ist Gletscherforscher, Klimatologe und Geograf an der Humboldt-Universität in Berlin.
00:44Wir begleiten ihn auf einer Bergtour zu einer der umfangreichsten Forschungsexpeditionen Europas
00:49und gehen der Frage nach, wie steht es weltweit um die Gletscher?
00:53Am Hintereisbeeren haben wir eine relativ lange Zeitreihe seit den 50er Jahren.
00:58Das ist sehr außergewöhnlich.
01:00Es gibt nur ganz wenige Gletscher auf der Welt, die eben so eine lange Zeitreihe haben von 50, 60, 70 Jahren.
01:06Das sind vielleicht weit, weit 30 oder 40 Gletscher.
01:09Und das macht eben den Hintereisbeeren auch so besonders.
01:12Am Wegesrand markieren Tafeln den Rückzug des Gletschers.
01:16Jahreszahlen zeigen, wie weit das Eis einst reichte.
01:19Diese Zahl war früher komplett von Schnee und Eis bedeckt.
01:24Naja, wie kommt es? Ist es ein natürlicher Effekt? Ist es ein anthropogener Effekt? Sind wir Menschen dafür verantwortlich?
01:31Das Forschungsprojekt Glacierspace, eine Kooperation der Humboldt-Universität Berlin und der Universität Innsbruck, misst klimatische Veränderungen direkt auf dem Gletscher.
01:43Ein acht Meter hoher Messturm erfasst mit Hilfe hochsensibler Sensoren Temperatur, Windgeschwindigkeit und Turbulenzen.
01:51Die Geräte zeigen, wie viel Gletscher schmilzt und wie schnell.
01:55Wenn die Gletscher kleiner werden, hat es Auswirkungen auf das regionale Klima.
01:59Und das ist eigentlich dieser Punkt, der uns am meisten interessiert.
02:02Was passiert, wenn der Gletscher klein wird? Gibt es Rückkoppelungseffekte, sodass vielleicht die Schmelze der Gletscher noch schneller voranschreiten?
02:08Die Liebe zu den Bergen war eigentlich von Anfang an schon da. Hauptsache übers Wandern und Klettern.
02:14Und jetzt habe ich es zu meinem Beruf gemacht und das ist natürlich eine tolle Sache.
02:18Wer kann das schon sagen, dass er eigentlich sein Hobby zum Beruf macht? Ich habe es geschafft und ich finde es toll.
02:24Und wenn ich mir mein Büro so hier angucke, kenne ich eigentlich kein besseres Büro.
02:28Ich stehe auf dem Gletscher, darf die Messungen hier durchführen, versuche neues Wissen zu schaffen über die Region und diesen Bereich, der mich eh so interessiert.
02:37Und ich finde es einfach toll.
02:39Auf 3000 Metern Höhe an der Bergstation wird gemeinsam gekocht, geschlafen und geforscht.
02:49Das Thema Wasser ist in unserer Forschungsgruppe ein ganz zentrales Thema.
02:53Wir haben mehrere laufende Projekte. Das eine ist eben hier.
02:57Hier geht es um die Grundlagenforschung, zu verstehen, wie die Prozesse funktionieren hier in der Gebirgsregion.
03:03Und dann haben wir noch laufende Projekte in Costa Rica und in Usbekistan.
03:08Und da geht es dann eher schon um die zentrale Frage, wie kann man Anpassungsstrategien entwickeln für die Zukunft.
03:16Wenn die Wasserproblematik noch extremer wird, als sie eh schon ist, wie manchen weggehören.
03:21Was bedeutet das fürs Wasser?
03:23Gletscher speisen unsere Flüsse.
03:25Doch der sogenannte Peakwater, der Moment, an dem dieser Beitrag am höchsten ist, ist in vielen Regionen bereits überschritten.
03:32In den Alpen zum Beispiel fließt heute schon deutlich weniger Wasser.
03:37Im Himalaya dagegen wird der Peakwater erst zwischen 2040 und 2050 erwartet, schätzt Sauter.
03:44Die Folgen werden gravierend sein. Zuerst Überschwemmungen, dann Dürren.
03:48Sauter lehrt nicht nur im Hörsaal. Seine Studierenden begleitet er auf Exkursionen von Berlin bis ins Ötztal.
03:58Vorträge, Diskussionen, praktische Übungen machen deutlich, die Veränderungen in den Bergen sind Vorboten für das, was weltweit bevorsteht.
04:05Vor allem, wenn das 1,5-Grad-Ziel verfehlt wird.
04:13Wenn man dann irgendwie hier mit den KommilitonInnen sich darüber unterhält, wie einerseits aussichtslos alles ist und frustrierend,
04:22man aber sieht, da ist dieser gemeinsame Nenner, dass wir alle irgendwie die Bestrebung haben, dagegen etwas zu tun.
04:28Das kann auch sehr bestärkend sein, auch wenn wir die eher schlechten Zahlen sehen.
04:32Es ist nicht zu spät. Natürlich haben wir dieses 1,5-Grad-Ziel wahrscheinlich schon verfehlt.
04:40Aber es ist immer noch Zeit, das Ruder umzuweisen und doch noch Lösungsansätze zu finden,
04:47die Emissionen zu reduzieren und das Klima zu stabilisieren, sodass wir doch noch einige Jahre etwas von uns an klatschen haben.
05:02Vielen Dank.
05:03Vielen Dank.
05:04Vielen Dank.
05:05Vielen Dank.

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