Im Jahr 1945 standen die Hauptverantwortlichen des NS-Regimes vor Gericht. Die Nürnberger Prozesse waren kein Akt der Rache, sondern die Geburtsstunde des modernen Völkerstrafrechts. Statt auf Willkür setzten die Alliierten auf Beweise und einen fairen Prozess, um historische Gerechtigkeit zu schaffen. Dabei wurden historische juristische Meilensteine gesetzt: Die Staatenimmunität (der Schutz durch ein hohes staatliches Amt) und der Befehlsnotstand (die Ausrede, man habe nur Befehle befolgt) wurden rechtlich außer Kraft gesetzt. Doch was bedeuten diese wegweisenden Urteile für uns heute, insbesondere wenn politische Akteure wie die AfD ein „Nürnberg 2.0“ fordern und in aktuellen Konflikten weiterhin täglich Völkerrecht gebrochen wird? #nürnberg #kriegsverbrechen #drittesreich #deutschegeschichte #völkerrecht
Was du in diesem Video lernst:
Warum sich die Alliierten nach dem Zweiten Weltkrieg gegen Rache und für einen fairen Rechtsstaatsprozess entschieden.
Wie das Nürnberger Tribunal das moderne Völkerstrafrecht überhaupt erst erschaffen hat.
Weshalb die beliebtesten Ausreden von Kriegsverbrechern vor Gericht zerstört wurden.
Wie die individuellen Urteile und Freisprüche für Führungspersonen wie Göring, Speer oder Heß zustande kamen.
Welche Gefahr hinter der populistischen Forderung nach einem „Nürnberg 2.0“ steckt und warum der Blick auf aktuelle Kriege so wichtig bleibt.
Transparenzhinweis: Um meine selbst recherchierten Skripte zu vertonen und zu visualisieren, arbeite ich mit einem digitalen Klon meiner eigenen Stimme.
Meine Themen:
00:00 Intro
00:45 Kapitel 1: Rache oder Recht?
02:13 Kapitel 2: Die perfekte Bühne – Warum ausgerechnet Nürnberg?
03:00 Kapitel 3: Der Prozess - Die Masken fallen
04:40 Kapitel 4: Das Ende der Ausreden – Eine juristische Revolution
07:30 Kapitel 5: Das Urteil von Nürnberg
11:36 Kapitel 6: Fazit – Das Erbe der NS-Zeit
Was du in diesem Video lernst:
Warum sich die Alliierten nach dem Zweiten Weltkrieg gegen Rache und für einen fairen Rechtsstaatsprozess entschieden.
Wie das Nürnberger Tribunal das moderne Völkerstrafrecht überhaupt erst erschaffen hat.
Weshalb die beliebtesten Ausreden von Kriegsverbrechern vor Gericht zerstört wurden.
Wie die individuellen Urteile und Freisprüche für Führungspersonen wie Göring, Speer oder Heß zustande kamen.
Welche Gefahr hinter der populistischen Forderung nach einem „Nürnberg 2.0“ steckt und warum der Blick auf aktuelle Kriege so wichtig bleibt.
Transparenzhinweis: Um meine selbst recherchierten Skripte zu vertonen und zu visualisieren, arbeite ich mit einem digitalen Klon meiner eigenen Stimme.
Meine Themen:
00:00 Intro
00:45 Kapitel 1: Rache oder Recht?
02:13 Kapitel 2: Die perfekte Bühne – Warum ausgerechnet Nürnberg?
03:00 Kapitel 3: Der Prozess - Die Masken fallen
04:40 Kapitel 4: Das Ende der Ausreden – Eine juristische Revolution
07:30 Kapitel 5: Das Urteil von Nürnberg
11:36 Kapitel 6: Fazit – Das Erbe der NS-Zeit
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LernenTranskript
00:0017 Millionen Tote, ein unvorstellbarer Berg aus Leichen, Männer, Frauen, Kinder, systematisch vernichtet
00:08und die Personen, die dafür verantwortlich waren, stehen dir auf der Anklagebank gegenüber, es ist das Jahr 1946.
00:16Die Alliierten haben den Faschismus besiegt, das NS-Regime liegt in Trümmern.
00:21Die grausamsten Massenmörder der Menschheitsgeschichte sind gefasst.
00:25Was tust du jetzt?
00:45Kapitel 1 Rache oder Recht
00:48Die Wut war grenzenlos. Viele der Soldaten suchten noch ihre Angehörigen, die vermutlich von den Deutschen ermordet worden waren.
00:56Kein Wunder, dass einige von ihnen die sofortige Exekution forderten.
01:00Kurzer Prozess. An die Wand stellen und abdrücken. Auge um Auge.
01:05Ein Jahr zuvor bei der Befreiung der Konzentrationslager bekamen.
01:09Die SS-Wachmannschaften diese Wut zu spüren. Einige wurden brutal ermordet.
01:14Eine kleine Genugtuung für das millionenfache Leid, das sie in den Lagern über ihre Gefangenen gebracht hatten.
01:20Aber die Generäle und Politiker forderten eine andere Lösung.
01:25Sie wollten der Welt zeigen, dass Besiegte nicht nur Willkür erfahren.
01:28Sie wollten besser sein als die Nazis selbst.
01:31Sie wählten nicht die Rache.
01:33Sie wählten das Recht.
01:35Am 8. August 1945 unterzeichneten die Alliierten das Londoner Abkommen.
01:40Sie schufen ein Tribunal, das noch heute Vorbild ist für moderne Kriegsverbrecherprozesse, den internationalen Militärgerichtshof.
01:48Keine Siegerjustiz.
01:50Keine Schauprozesse.
01:52Ein echter Prozess mit Akten, Beweisen und Verteidigern.
01:56Die Mörder von Millionen bekamen einen fairen Prozess.
01:59Das war nicht selbstverständlich und für viele ein Widerspruch.
02:03Für mich ist das auch heute noch ein Akt der Größe.
02:06Man gab diesen Verbrechern genau das, was sie ihren Opfern immer verweigert hatten.
02:10Die Möglichkeit, sich zu verteidigen.
02:12Kapitel 2
02:13Die perfekte Bühne.
02:15Warum ausgerechnet Nürnberg?
02:17Nürnberg war keine zufällige Wahl.
02:19Ein brillantes Symbol.
02:21Die Stadt der Reichsparteitage.
02:22Hier marschierten Hunderttausende im Gleichschritt.
02:25Hier inszenierte sich das Regime.
02:27Hier wurde der Führer Adolf Hitler frenetisch bejubelt.
02:31Und hier wurden 1935 die Nürnberger Rassegesetze verkündet.
02:35Die Rechtsgrundlage für die Diskriminierung der Juden.
02:38Das Fundament des Holocaust.
02:40Die Stadt war 1945 größtenteils zerbombt.
02:44Ein Trümmerfeld, aber der Justizpalast stand noch.
02:47Der Schwurgerichtssaal 600 war intakt.
02:49Ein angrenzendes Gefängnis gab es auch.
02:52Perfekt.
02:53Ausgerechnet an dem Ort, wo der Terror juristisch begründet wurde,
02:57sollte er nun juristisch aufgearbeitet werden.
03:00Kapitel 3
03:00Der Prozess
03:01Die Masken fallen
03:0320. November 1945
03:06Der Prozess beginnt.
03:08Wer saß dort auf der Anklagebank?
03:10Keine Dämonen mit Hörnern.
03:12Keine Filmbösewichte.
03:14Männer in feinen Anzügen.
03:16Generäle in Ausgehuniformen.
03:18Deutsche Bürokraten.
03:20Die Funktionselite eines Unrechtsstaates.
03:22Sie alle plädierten auf nicht schuldig.
03:25Bekenne mich im Sinne der Anklage nicht schuldig.
03:27Rudolf Hirsch.
03:30Nein.
03:31Joachim von Ribbentrop.
03:33Nicht schuldig.
03:34Nicht schuldig.
03:35Nicht schuldig.
03:36Nicht schuldig.
03:37Ich bin in keiner Weise schuldig.
03:38Alle 21 Angeklagten?
03:40Keine Reue.
03:42Kein Schuldeingeständnis.
03:43Der US-Militärpsychologe Gustav Gilbert war jeden Tag bei ihnen.
03:48Er besuchte sie in ihren Zellen.
03:50Er sprach mit ihnen.
03:51Gilbert schrieb das Nürnberger Tagebuch.
03:53Er dokumentierte ihre unerträgliche Arroganz.
03:56Ihr furchtbares Selbstmitleid.
03:58218 Verhandlungstage.
04:01Die Anklage erdrückte sie mit Fakten.
04:03Über 5300 Beweisdokumente.
04:06200.000 eidesstattliche Erklärungen.
04:09Die Alliierten nutzten die Akribie der Nazis gegen sie.
04:13Alles war dokumentiert.
04:15Jeder Mord wurde gezählt.
04:16Dann wurde das Licht im Saal gedimmt.
04:18Filmmaterial aus den befreiten Konzentrationslagern.
04:22Berge von Leichen.
04:23Verhungerte Menschen.
04:25Bulldozer, die Tote in Massengräber schoben.
04:27Ihr kennt die Bilder vermutlich aus unzähligen Dokus.
04:30Die Reaktionen der Angeklagten.
04:33Kopfschütteln.
04:34Wegschauen.
04:34Einige hielten sich die Hände vors Gesicht.
04:37Andere Logen ungeniert weiter.
04:39Sie hätten davon nichts gewusst.
04:40Kapitel 4.
04:42Das Ende der Ausreden.
04:43Eine juristische Revolution.
04:45Dieser Prozess veränderte die Welt für immer.
04:48Er erschuf das moderne Völkerstrafrecht.
04:51Warum?
04:52Weil er zwei der größten Lügen der Geschichte zerstörte.
04:55Lüge Nummer 1.
04:56Ich war es nicht.
04:58Es war der Staat.
04:59Bis Nürnberg galt das Prinzip der Staatenimmunität.
05:03Staatsoberhäupter waren unantastbar.
05:06Nürnberg wischte das vom Tisch.
05:07Artikel 7 des Statuts machte klar.
05:10Dein Amt schützt dich nicht.
05:12Egal ob du General oder Minister bist.
05:14Du bist ein Mensch und du haftest für deine Taten.
05:18Individuell ohne dieses Gesetz hätte Milosevic und sein General Ratko Mladic für das Massaker
05:23von Srebrenica nie verurteilt werden können.
05:26Auch der Völkermord an den Tutsi in Ruanda wäre nie gesühnt worden.
05:30Lüge Nummer 2.
05:31Ich habe nur Befehle befolgt.
05:33Der Befehlsnotstand.
05:35Die absolute Lieblingsausrede von Mördern in Uniform.
05:38Aber Soldaten können Befehle verweigern.
05:41Sie können desertieren.
05:42Was einige in den letzten Kriegsmonaten auch getan haben.
05:46Und noch etwas.
05:47Keiner wurde gezwungen Juden zu erschießen.
05:49Die Soldaten wurden vor Erschießung von ihren Generälen gefragt.
05:53Es gab keine Disziplinarmaßnahmen.
05:56Wenn jemand das nicht machen wollte.
05:58Und dann macht er das Angebot.
06:00Wer sich das nicht zutraut, kann hervortreten und muss nicht mitmachen.
06:18Ein Mann tritt heraus.
06:21Und dann folgen etwa ein Dutzend Männer seinem Beispiel.
06:35Das ist eine unheimlich interessante Situation.
06:38Zum einen aus historischer Perspektive.
06:41Weil hier die Befehlsausgabe dokumentiert ist.
06:45Und aus der Art der Befehlsausgabe ersichtlich ist, dass die Männer nicht töten mussten.
06:51Das war ja ein Teil der Nachkriegserzählung.
06:54Man musste ja mitmachen, weil sonst wäre man ja selber erschossen worden.
06:58Also in diesem Fall können wir eindeutig zeigen, nein, das ist gar nicht der Fall gewesen.
07:02Die konnten sich entscheiden.
07:04Das galt offensichtlich für alle Mordkommandos.
07:07Artikel 8 beendete dieses Versteckspiel.
07:10Ein ungerechter Befehl rechtfertigt kein Verbrechen.
07:14Dein eigenes Gewissen steht über dem Befehl.
07:16Punkt.
07:17Zum ersten Mal gab es Worte für das unfassbare Verbrechen gegen den Frieden.
07:22Angriffskrieg.
07:22Verbrechen gegen die Menschlichkeit.
07:24Nürnberg ermöglichte es, Diktatoren endlich beim Namen zu nennen.
07:28Kriegsverbrecher.
07:29Kapitel 5.
07:31Das Urteil von Nürnberg, Herbst 1946.
07:35Das Tribunal spricht die Urteile.
07:37Zwölf Todesurteile.
07:39Dreimal lebenslange Haft.
07:41Viermal jahrelange Gefängnisstrafen.
07:43Hermann Göring, Reichsmarschall.
07:45Der zweite Mann nach Hitler.
07:47Er nutzte den Prozess als Bühne.
07:49Er gab sich als triumphaler, unbelehrbarer Nazi.
07:53Er wollte als Märtyrer sterben.
07:55Das Urteil.
07:56Tod durch den Strang.
07:57Aber Göring war ein Feigling.
07:59Wenige Stunden vor der Hinrichtung zerbiss er eine Zyankali-Kapsel in seiner Zelle.
08:03Ein erbärmlicher Abgang.
08:05Julius Streicher.
08:06Der Herausgeber des Hetzblattes, der Stürmer.
08:09Er hatte selbst niemanden ermordet.
08:11Er hielt nur den Stift.
08:13Aber seine Worte waren tödlich.
08:15Er bereitete dem Holocaust ideologisch den Weg.
08:18Das Gericht verurteilte ihn zum Tode.
08:21Worte töten.
08:22Aber das Tribunal war kein blutiges Rachegericht.
08:24Es gab drei Freisprüche.
08:26Franz von Papen.
08:27Er sorgte dafür, dass Hitler Reichskanzler wurde und wurde dafür Vizekanzler in Hitlers
08:33erster Regierung und der Ex-Wirtschaftsminister Hjalmar Schacht.
08:36So wie Hans Fritsche, der Abteilungsleiter im Reichspropagandaministerium.
08:41Da gegen diese drei Angeklagten nicht genug Beweise vorlagen, wurden sie nach dem Grundsatz
08:45im Zweifel für den Angeklagten natürlich freigesprochen.
08:49Darüber kann man bis heute streiten.
08:51Einige Urteilssprüche wie der zu Rudolf Hess.
08:54Hitlers Stellvertreter und Albert Speer, Hitlers Huffarchitekten und späterem Rüstungsminister
09:00sind bis heute umstritten.
09:02Die einen sagen, das Todesurteil für Hess war zu hart, weil der Mann offensichtlich
09:07verwirrt war.
09:08Für die, die es nicht wissen, Hess war mit einem Flugzeug in England abgestürzt, als er
09:13versuchte, einen Frieden zwischen England und Deutschland zu erreichen.
09:16Ziemlich peinlich für Hitler, der diese Aktion natürlich nicht abgesegnet hatte.
09:21Nicht einmal davon wusste.
09:22Im Prozess hatte Hess Gedächtnisverlust vorgetäuscht und später verkündet.
09:27Ab nunmehr steht mein Gedächtnis auch nach außen hin wieder zur Verfügung.
09:32Die Gründe für das Vortäuschen von Gedächtnisverlust sind taktischer Art.
09:37Während Albert Speer sich als einziger bemütig zeigte, eine moralische Verantwortung für
09:43die Verbrechen des NS-Regimes einräumte.
09:46Ich wollte damit nur zum Ausdruck bringen, dass es auch in einem autoritären System eine
09:56Gesamtverantwortung der Führenden geben muss und dass es ausgeschlossen ist, nach der
10:04Katastrophe sich dieser Gesamtverantwortung zu entziehen.
10:08Denn wenn der Krieg gewonnen worden wäre, hätte wahrscheinlich die Führung auch Anspruch
10:13darauf genommen, dass sie gesamtverantwortlich gewesen wäre.
10:17Eine direkte Beteiligung leugnete er stets, obwohl er als Hitlers Rüstungsmanager für
10:22den Einsatz von Millionen Zwangsarbeitern in der Rüstungsindustrie verantwortlich gewesen
10:27war.
10:28Diese Kenntnis hatte ich auch.
10:30Ich hatte aber keine Einzelkenntnisse.
10:34Ich hatte auch angenommen, dass in Einzelfällen Misshandlungen vorkommen.
10:39Aber ich habe nicht angenommen, dass das zur Regel gehören könnte.
10:44Das war mir unbekannt.
10:46Nein, das habe ich nicht in dieser Form gewusst.
10:48Ich wurde, ich muss hier sagen, ich wurde in der Zeit, in der ich Minister war, so seltsam
10:56das klingt, über das Schicksal der Häftlingen-Konsultationslage beruhigter als wie in der Zeit, bevor
11:05ich Minister war, weil mir in der Zeit, in meiner Ministerzeit von offiziellen Stellen
11:11immer nur Gutes und Beruhigendes über die Konsultationslage gesagt wurde.
11:16Er bekam 20 Jahre Haft.
11:18Beweise, die erst viele Jahre nach seinem Tod ans Licht kamen, hätten ihm vermutlich
11:22auch die Hinrichtung durch den Strang eingebracht.
11:25Diese beiden Beispiele zeigen, die Richter prüften individuell.
11:29Es gab keine Kollektivschuld, keine Sippenhaft, der Rechtsstaat hielt der schwierigen Aufgabe
11:35stand.
11:36Kapitel 6, Fazit, das Erbe der NS-Zeit, Nürnberg ist über 75 Jahre her.
11:43Warum geht uns das, was damals entschieden wurde, heute noch etwas an?
11:47Zwei Gründe.
11:48Der eine ist international, der andere national.
11:51Heute fordern einige Politiker der AfD ein Nürnberg 2.0.
11:55Sie wollen Angela Merkel, Nancy Faeser, Robert Habeck oder Friedrich Merz für eine Politik
12:00vor Gericht stellen, die ihnen nicht passt.
12:03Nicht, weil sie Kriegsverbrechen begangen hätten oder massenweise Recht gebrochen, die Menschenwürde
12:08mit ihren Gesetzen mit Füßen getreten hätten oder unsere Demokratie in einen Unrechtsstaat
12:13verwandelt hätten.
12:14Nein, weil sie vor dem Bundesverfassungsgericht, unserem höchsten Gericht, mit ihren Klagen gegen
12:19diverse Regierungen gescheitert sind.
12:21Wir müssen den Unterschied erkennen zwischen berechtigter Kritik an der Arbeit der Bundesregierung
12:26und einem Angriff auf die Institutionen unserer Demokratie.
12:30Wer meint, es sei gerechtfertigt, einfach zu behaupten, unsere Gerichte seien nicht neutral
12:35und das Bundesverfassungsgericht nur der verlängerte Arm der Regierung?
12:40Wer hat unser politisches System der Gewaltenteilung nicht begriffen?
12:44Oder plappert nur brav nach, was ihm die Rechten vordenken?
12:47Und der zweite Grund? Völkermorde passieren? In jedem Jahrzehnt.
12:52Auch wenn wir mit dem Gedenken an die Verbrechen der Nazis unser Nie-Wieder-Hoch halten, leider
12:58konnte weder Nürnberg noch die Einrichtung des Internationalen Strafgerichtshofs in Den Haag
13:03weitere Völkermorde verhindern.
13:05Seit 1945 gab es zwischen 50 und 180 Fälle von politisch motivierten Massenmorden.
13:12Je nachdem, wie man Genozid definiert.
13:15Dabei starben schätzungsweise 50 Millionen Menschen, fast so viele wie im Zweiten Weltkrieg
13:20mit 60 bis 75 Millionen Todesopfern.
13:23Wir müssen wieder lernen, hinzusehen.
13:25Gerade tobt ein Bürgerkrieg im Sudan.
13:27Auch hier kam es wieder Massaker an der Zivilbevölkerung.
13:31In Myanmar wurden die Massaker an den Rohingya zum ersten Mal mit modernen Medien initiiert.
13:37Statt des Radios, wie in Ruanda 1994, wurde hier zum ersten Mal Facebook zur Waffe in einem
13:43ethnischen Konflikt.
13:44Und wir diskutieren immer noch, ob das Volk, das Opfer des schlimmsten Völkermords in der
13:49Geschichte wurde, selbst im Gaza-Krieg einen Völkermord an den Palästinensern begangen hat.
13:54Wenn uns Nürnberg eines gelehrt hat, dann das hier, Völkerrecht und das Einhalten von Regeln
14:00im Krieg sind nicht selbstverständlich.
14:02Im Gegenteil, sie scheinen wieder zur Ausnahme zu werden.
14:06Wenn wir zulassen, dass Staatschefs wieder gegen die Zivilbevölkerung Krieg führen dürfen,
14:11ohne Konsequenzen fürchten zu müssen, haben wir schon verloren.
14:15Wir dürfen nicht zulassen, dass das Leben von Zivilisten weniger wert ist als ein zerbombtes
14:20Haus.
14:20Wenn wir das zulassen, haben wir aus den Millionen Toten der vergangenen Jahrzehnte nichts gelernt.
14:25Bleibt neugierig, bleibt kritisch, aber vor allem bleibt menschlich.