00:04Wir leben die Brücke zu unseren Verstortern.
00:09Wir erinnern uns an ihr Lachen, an ihre Eigenheiten, an ihre Ratschläge und an die Momente, die uns zusammengeschweißt haben.
00:19Wir tragen die Spuren ihres Wirkens in uns weiter.
00:22Beim traditionellen Friedhofsgang am 1. November am Waldfriedhof in Straßhof gedenkt Bürgermeister Ludwig Deltl gemeinsam mit vielen Straßhoferinnen und Straßhofern
00:34der Verstorbenen.
00:35Der Friedhof sei nicht nur ein Ort des Abschieds, sondern vor allem ein Ort der Erinnerung, sagt Deltl.
00:42Er zitiert dabei den Dichter Thomas Kempel,
00:44In den Herzen derer zu leben, die wir zurücklassen, heißt nicht zu sterben.
00:49Die Lichter auf den Gräbern stehen für die Verbindung zu den Verstorbenen, die nie ganz abreißt.
00:56Mit der Zeit werde die Trauer leiser, so Deltl, und der Schmerz werde zu dankbarer Erinnerung.
01:02Denn die Liebe überdauere den Tod.
01:05Seine Botschaft, die Verbundenheit mit den Verstorbenen als Kraft für das eigene Leben mitnehmen.
01:13Nächste Station des Friedhofsgangs ist das Kriegerdenkmal.
01:16Hier erinnert Dechand Pfarrer Peter Pascalis gemeinsam mit den Straßhoferinnen und Straßhofern an die Opfer der Kriege,
01:24an die Männer, die ihr Leben für dieses Land gelassen haben.
01:27Ihre Namen, ihre Geschichten und ihre Träume dürften nicht in Vergessenheit geraten.
01:32Zugleich ruft er Dechand zur Dankbarkeit für den Frieden auf, denn der sei nicht selbstverständlich.
01:38Das Denkmal sei auch eine Mahnung, dass Krieg sinnlos ist und viel Leid verursacht.
01:43Er greift dafür ein Sprichwort auf.
01:45Ob die Elefanten sich lieben oder gegeneinander kämpfen, es leidet immer das Gras darunter.
01:50Konflikte müssten deshalb friedlich gelöst werden.
01:53Trotz aller Trauer könne das Kriegerdenkmal aber auch ein Ort der Hoffnung sein, so Pascalis.
01:59Das Leben geht weiter und wir können aus der Vergangenheit lernen.
02:02Mit der Kranzniederlegung durch Bürgermeister Ludwig Deltl wurde der Opfern von Krieg und Gewalt gedacht.
02:53Mit Musik im Schritt, Marsch!
03:13Mit Musik im Schritt, Marsch!
03:43Mit Musik im Schritt, Marsch!
04:03Gemeinsam ziehen die Straßhoferinnen und Straßhofer weiter zum Friedhofskreuz.
04:07Die Sehnsucht kennt keine bestimmten Tage und die Liebe zu einem Menschen endet nicht mit seinem Tod.
04:16Dass wir aber heute diesen Weg gemeinsam hierher gehen, ist ein Zeichen unserer Gemeinschaft und unserer Verbundenheit
04:24und zugleich eine Motivation, die Hoffnung nicht zu verlieren.
04:29Dort blickt dächhant Peter Pascalis auf die Geschichte des Waldfriedhofs zurück, die eng mit der Geschichte des Ortes verbunden ist.
04:37Mit dem Bau des Verschiebebahnhofs 1908 wuchs Straßhof rasch.
04:421923 wurde es eine eigene Gemeinde und schon ein Jahr später wurde der Friedhof angelegt,
04:48bewusst als Waldfriedhof zwischen den Föhren des Machfelds.
04:52Hier ruhen auch die ersten Pfarrer und Anton Lindner, der erste Bürgermeister.
04:57Der Friedhof erinnert aber auch an dunkle Kapitel, an das nationalsozialistische Durchgangslager für tausende ungarische Jüdinnen und Juden
05:06und an die sowjetischen Soldaten, die bei den Kämpfen um Straßhof fielen.
05:10Dass die Gemeinde für beide eigene Gedenkstätten geschaffen hat, nennt der Dächhand ein besonderes Zeichen der Wertschätzung.
05:17Mit einer Gedenkminute und einem Gebet endet die Andacht.
05:25Ich lade euch alle ein, eine kurze Stille zu halten.
05:31In dieser Stille wurden wir an unseren lieben verstorbenen Ecken,
05:35an ihre Gesichter, ihre Stimmen, an all das, was sie uns bedeutet haben und weiter bedeutet.
05:43Möge die Erinnerung an sie, uns Trost schenken und die Liebe, die uns mit ihnen verbindet, in uns weiterleben.
06:05Für unsere verstorbenen Angehörigen, die wir geliebt haben und am heutigen Tag besonders vermissen
06:13und denen wir viel Gutes verdanken.
06:17Belohne ihren Einsatz mit dem ewigen Leben bei dir.
06:22Lasset uns beten.
06:24Wir werden mit dem Gebet hören.
06:26Im Namen des Vaters und des Sonnes und des Heiligen Geistes.
06:32Amen.
06:32Amen.
06:35Amen.
06:37Amen.
07:07Amen.
07:57Eine weitere Station des Friedhofsgangs ist die Gedenkstätte für die Jüdinnen und Juden,
08:02die in den dunklen Jahren des Zweiten Weltkriegs aus dem Leben gerissen wurden.
08:06Ihre Namen seien vielleicht in Archiven verzeichnet, manche auch vergessen.
08:10Im gemeinsamen Gedächtnis aber blieben sie gegenwärtig.
08:13Die Segnung soll ein Zeichen der bleibenden Verantwortung sein.
08:17Man stehe hier nicht nur, um zu trauern, sondern auch, um zu bezeugen.
08:21Das Leid dieser Menschen wird nicht vergessen.
08:24Ihr Glaube, ihre Würde und ihre Menschlichkeit seien eine Mahnung.
08:28Und das Gedenken sei ein Versprechen, dass Hass, Verachtung und Gleichgültigkeit keinen Platz mehr haben dürfen.
08:36So Dechand Paskalis.
08:56Das Denkmal für die sowjetischen Soldaten, die im Zweiten Weltkrieg gefallen sind.
09:01Dechand Pfarrer Peter Paskalis segnet die Grabstätte junger Männer, die fern ihrer Heimat gestorben sind.
09:08Sie seien nicht aus freiem Entschluss gekommen, sondern in eine Zeit der Gewalt und des Hasses hineingezogen worden.
09:14Viele hätten das Land nicht gekannt und die Sprache nicht gesprochen.
09:18Und doch fanden sie hier ihre letzte Ruhe.
09:20Der Ort erinnere daran, wie kostbar und zerbrechlich das Leben ist, so Paskalis.
09:26Frieden sei keine Selbstverständlichkeit, sondern eine Aufgabe, jeden Tag neu.
09:31Die Städte solle ein Zeichen der Versöhnung sein, über alle Grenzen hinweg.
09:36Zum Abschluss lädt der Dechand alle ein, gemeinsam für Frieden in Russland und in der Ukraine zu beten.
09:43Für den Frieden in Russland, Frieden in der Ukraine auch zu beten.
09:48Ewiger Gott, wir gedenken der russischen Soldaten, die fern ihre Heimat hier ihr Leben verloren.
09:58Herr, gib ihnen und alle unsere Verstorbenen die ewige Ruhe.
10:21Danach führt der Weg zum Grab von Anton Lindner, dem ersten Bürgermeister von Strasshof.
10:26Dechand Peter Paskalis erinnert an einen Mann, der ganz am Anfang Verantwortung übernommen hat.
10:31Damals sei aus ein paar Bahnwärterhäusern und dem großen Verschiebebahnhof langsam eine Heimat für viele Menschen geworden.
10:39Lindner habe den Mut gehabt, diese Gemeinschaft zu ordnen, zu gestalten und in die Zukunft zu führen.
10:45Ohne den Fleiß, die Weitsicht und den Zusammenhalt dieser ersten Generation gäbe es Strasshof so nicht, sagt der Dechand.
10:52Dafür schulde man ihr Dankbarkeit.
10:54Mit einem Gebet dankt er für alle, die den Ort aufgebaut haben.
10:58Die Gründer, Bürgermeister und Gemeinderäte, die Eisenbahner und die Familien, die hier eine Heimat gefunden haben.
11:05Und er bittet für die Stadt um Frieden und Zusammenhalt.
11:21Der Friedhofsrundgang endet am Grab der Priester und Seelsorger, die in Strasshof gewirkt haben.
11:26Für Dechand Peter Paskalis ist es ein Ort des Dankes und der Erinnerung.
11:31Diese Männer hätten ihr Leben in den Dienst Gottes und der Menschen gestellt.
11:35Sie hätten getauft, getröstet, begleitet und gesegnet und sie hätten die Toten auf ihrem letzten Weg begleitet.
11:41Berufung ende nicht mit dem Tod, sagt der Dechand.
11:45Das Gute, das sie getan haben, lebe weiter in den Herzen der Menschen, denen sie begegnet sind.
11:50Als Zeichen der Verbundenheit und des Dankes betet er für die verstorbenen Seelsorger und segnet zum Abschluss ihre Grabstätte.
11:58Unser Herr, gib ihnen und all unseren lieben Verstorbenen die ewige Ruhe und das ewige Licht von euch stehen.
12:08Herr, lass sie ruhen, lass sie leben in Deiner Herrlichkeit.
12:11Amen.
12:12Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.
12:17Amen.
12:18Meine Freunde, ich bin so froh, heute, dass wir immer gemeinsam mit dem kleinen Schar der Heiligen unterwegs sind.
12:27Ein Nachmittag des Erinnerns in Strasshof.
12:30Ein Weg von Grab zu Grab, vom Kriegerdenkmal bis zur Ruhestätte der Seelsorger.
12:36Er hat die Geschichte des Ortes und die Geschichten der Menschen zusammengeführt.
12:40Die Gründer und die Eisenbahnerfamilien, die Opfer von Krieg und Verfolgung, die eigenen Eltern und Großeltern.
12:47An diesem allerheiligen Nachmittag waren sie alle ein Stück weit gegenwärtig.
12:52Die Lichter auf den Gräbern brennen weiter, als stilles Zeichen dafür, dass hier niemand vergessen wird.
12:58Untertitelung des ZDF für funk, 2017