00:00Diese Mädchen sollten aus der Kinderprostitution gerettet werden. Tatsächlich seien sie missbraucht worden, sagen sie.
00:18Sie haben uns benutzt. Sie haben uns einen Monat lang verfolgt und beobachtet.
00:22Die Deutsche Welle hat zu verdeckten Einsätzen gegen Kinderhandel in den Philippinen recherchiert.
00:38Doch manchmal haben die vermeintlichen Retter eine dunkle Seite.
00:42Das klingt, als sei was schiefgelaufen.
00:52Ich war immer mit meiner Freundin Monika zusammen. Sie war es, die mich diesen Leuten vorgestellt hat.
01:18Sie hat mich gefragt, ob ich mitkommen wollte und sagte, wir könnten damit Geld verdienen.
01:28Und wir brauchten damals das Geld, also bin ich mitgegangen.
01:36So wurde Alina zu einem von schätzungsweise 500.000 Kindern, die in den Philippinen sexuell ausgebeutet wurden.
01:48Diese Männer suchen nach Minderjährigen, die zum Missbrauch angeboten werden.
01:59In Wirklichkeit sind sie verdeckte Agenten von Destiny Rescue, einer Hilfsorganisation.
02:03Wir wollen den Kindern helfen, getragen von unserem christlichen Glauben.
02:15In Ländern wie den Philippinen wendet sich die Regierung an uns, weil sie das Stigma des Sextourismus loswerden will.
02:22Und wir kommen dieser Bitte nach.
02:24Wir sind in die Philippinen, nach Australien und Neuseeland gereist.
02:31Zu recherchieren, wie christliche Kinderschutzorganisationen immer häufiger versuchen, die Lücken zu füllen, die eine unterfinanzierte Polizei hinterlässt.
02:41Ihr Versprechen, Opfer von Kinderhandel und sexueller Ausbeutung zu befreien.
02:46Doch unsere Recherche zeigt, einige der Rettungsmissionen wenden illegale Methoden an und gefährden Kinder.
02:54In mindestens einem Fall deckten sie sogar Missbrauch.
02:58Die Sunshine Coast in Australien. Hier wurde Destiny Rescue gegründet.
03:03Neben den USA ist Australien der wichtigste Standort fürs Spendensammeln.
03:07Ein großer Teil der Mittel für ihre Einsätze in Entwicklungsländern wird in diesen beiden Ländern eingesammelt.
03:13Häufig in christlichen Gemeinden.
03:17Es gibt Mädchen, die den schlimmstmöglichen Albtraum durchleben und sie haben keine Ahnung, dass Hoffnung und Hilfe unterwegs sind.
03:24Und diese Hilfe wird sie erreichen, dank Menschen wie ihnen und Gemeinden wie ihrer.
03:30Von diesem Geld werden auch die Agenten bezahlt, die Informationen für ihre Rettungsmissionen liefern.
03:37Diese Leute durchlaufen ein rigoroses Training.
03:40Wir arbeiten vor allem mit Leuten zusammen, die sich mit Überwachungstechnik und Polizeiarbeit auskennen und die sich selbst zu schützen wissen.
03:50Im Jahr 2021 startete Destiny Rescue einen Einsatz gegen eine Menschenhändlerin namens Monika in der Stadt Olongapo.
04:00Eines der Opfer, das die Organisation in ihrem Bericht nennt, ist die 13-jährige Alina.
04:05Sie erzählt, dass sie und andere eines Abends von zwei Männern in einem Auto abgeholt wurden.
04:11Diese brachten sie zu einem Schnellrestaurant und anschließend zum Sex in ein Hotel.
04:16Niko war dick, klein und hatte helle Haut. Er sagte mir, er würde zuerst duschen.
04:28Nachdem er geduscht hatte, duschte ich auch. Dann passierte es.
04:33Alina sagt, der Mann habe sie in dieser Nacht im Hotel sexuell missbraucht.
04:39Bei einem zweiten Treffen in dem Restaurant, sagt Alina, habe sie Fotos von den Männern gemacht, die sich Nico und Brian nannten.
04:47Tage später nahmen dieselben Männer zusammen mit einem dritten ein weiteres Mädchen mit.
04:55Rina war damals 16 Jahre alt.
05:00Als wir aus dem Auto stiegen, gingen wir in getrennte Zimmer.
05:03Brian und ich gingen gemeinsam in ein Zimmer. Dort ist es geschehen.
05:08Hat er das mit mir gemacht? Vor dem Sex habe ich geduscht.
05:11Die Undercover-Agenten von Destiny Rescue folgen einer festgelegten Taktik.
05:19Zuerst bringen sie Mädchen in ein Fastfood-Restaurant und horchen sie aus.
05:23Dann organisieren sie Hotelpartys.
05:27Nach derselben Methode ging Destiny Rescue auch in Olungapo vor.
05:31Gemeinsam mit der nationalen Ermittlungsbehörde NBI führten sie eine Razzia durch.
05:36Alina und Rina waren zwei ihrer Zielpersonen.
05:41Ich glaube, etwa eine Woche später lud Monika mich wieder ein.
05:49Diesmal zum Schwimmen. Auf Einladung von Nico und Brian.
05:59Ich wollte nicht mitkommen. Sie bestanden darauf.
06:03Sie sagten, wir würden nur schwimmen gehen.
06:05Sie sagten uns nicht, dass Männer da sein würden.
06:08Dann brach Chaos aus. Ermittler stürmten das Hotel.
06:13Sie verhafteten Monika und nahmen fünf Mädchen in Gewahrsam.
06:19Sie jagten uns, als wir flüchteten. Wir rannten vor Angst.
06:23Ich hatte Angst, ins Gefängnis zu kommen und dass meine Eltern herausfinden würden, was passiert war.
06:28Später, in den Büros des NBI, machten die Mädchen eine schockierende Entdeckung.
06:41Das NBI teilte uns mit, dass sie uns seit einem Monat observiert und beschattet hatten.
06:47Dass sie auch von den Aktivitäten im Hotel wüssten.
06:50Und dass sie Videos von uns mit den Freiern gedreht hatten.
06:58Die Mädchen verstanden, dass die Männer, die mit ihnen Sex hatten, eigentlich geschickt worden waren, um sie zu retten.
07:06Es macht einen wütend, dass jemand die Verletzlichkeit dieser Mädchen ausnutzt.
07:10Das haben sie nicht verdient. Das sind Kinder, manche erst 13 Jahre alt.
07:14Jacob Santos ist ein philippinischer Sozialarbeiter, der heute in Neuseeland lebt.
07:22Wir haben seinen Namen geändert, um seine Privatsphäre zu schützen.
07:25Jacob bekam Dokumente, die nahelegten, dass die Agenten, die die Mädchen missbraucht hatten, für Destiny Rescue arbeiteten.
07:32Er habe sich dann mit einem Manager der Organisation getroffen, sagt er.
07:36Dieser habe einen verdeckten Agenten angerufen, der den Vorfall am Telefon bestätigte.
07:41Er heuerte Leute an, sogenannte Informanten, um Informationen zu sammeln.
07:49Und der Agent bestätigte ebenfalls, dass sie in ein Hotel gingen und mit einem der Mädchen Sex hatten.
07:56Kurz nach dem Einsatz räumte Destiny Rescue in einem Schreiben an die philippinische Nationalpolizei einen Regelverstoß bei der Rettung ein.
08:05Der Deutschen Welle liegt das vertrauliche Schreiben vor, in dem Destiny Rescue Folgendes schrieb.
08:11Der Informant wird beschuldigt, vor dem Tag der Razzia eine unsittliche Handlung mit einer Minderjährigen begangen zu haben.
08:19Destiny Rescue rechtfertigte dies mit.
08:22Der Informant befand sich in einer lebensbedrohlichen Situation.
08:26Worin genau die Bedrohung bestanden haben soll, bleibt unklar.
08:33Unsere Bitte um eine Erklärung ließ Destiny Rescue unbeantwortet.
08:37Der Name des Informanten wird in dem Schreiben nicht genannt.
08:40Stattdessen heißt es, die Untersuchung sei abgeschlossen.
08:44Bis heute hat Destiny Rescue die Identität des mutmaßlichen Täters nicht preisgegeben.
08:50Wir konfrontieren Jeff Harrison, den Chief Operating Officer von Destiny Rescue, mit dem Schreiben.
08:56Wie kann es sein, dass jemand, der Informationen für einen Einsatz liefert, Destiny Rescue unbekannt ist?
09:03Ich denke, die Details, die Sie interessieren, die Feinheiten, müssten von den Agenten selbst stammen, die vor Ort waren.
09:10Es ist durchaus möglich, dass jemand Ihnen Informationen geliefert hat und dann haben Sie Ihren Freund angeheuert, an der Razzia teilzunehmen.
09:20Ist es akzeptabel, dass jemand, der für einen Einsatz angeheuert wurde, beschuldigt wird, die Mädchen missbraucht zu haben?
09:27Nein, das ist nicht akzeptabel. Aber wie gesagt, ohne dabei gewesen zu sein und alle Fakten mit den Beteiligten von damals besprochen zu haben, kann ich Ihnen die gewünschten Details nicht nennen.
09:41Nach der Rettung verbrachten die Mädchen mehrere Monate in der Obhut dieses Heims in der Nähe von Olongapu.
09:47Es heißt Preda Home for Girls. Hier bekommen Mädchen Therapiestunden und setzen ihre Schulausbildung fort.
09:55Mithilfe der Mitarbeiter erstatteten Alina und Rina Strafanzeige.
10:01Die Staatsanwaltschaft nahm Ermittlungen auf und erhob Anklage gegen zwei nicht identifizierte Informanten, darunter Alinas mutmaßlichen Peiniger Nico.
10:11Wir halten für wahrscheinlich, dass sie der Ausbeutung einer Betroffenen von Menschenhandel schuldig sind.
10:22Die Klagen gegen die Verantwortlichen von Destiny Rescue in den Philippinen wurden jedoch abgewiesen.
10:27Für Destiny Rescue schien die Geschichte damit beendet zu sein. Die Organisation erklärte,
10:32Der Fall, in dem die Preda Foundation Destiny Rescue die Beteiligung an Kindesmissbrauch vorwarf, wurde eingestellt und abgewiesen.
10:43Die laufenden Verfahren gegen seine Informanten erwähnt Destiny Rescue nicht.
10:48Die mutmaßlichen Täter sind weiterhin flüchtig. Es ist unklar, ob die Behörden überhaupt ihre wahre Identität kennen.
10:54Die einzige Person, die in diesem Fall verurteilt wurde, ist die Menschenhändlerin Monika, die nun eine lebenslange Haftstrafe verbüßt.
11:01Wir haben Destiny Rescue weitere Fragen zu allen Vorwürfen gegen die Organisation und ihre Mitarbeiter geschickt.
11:10Die Antwort?
11:11Es gibt derzeit nichts Neues hinzuzufügen. Kinderschutz hat für uns weiterhin höchste Priorität.
11:18Und unsere Verpflichtung zur besten möglichen Praxis bei der Sicherheit und Rettung von Kindern bleibt unverändert.
11:23Die Mädchen warten immer noch auf Gerechtigkeit. Rina ist jetzt 20 und alleinerziehende Mutter.
11:33Ich bin glücklich. Ich habe jetzt ein Kind. Ich setze mein Studium im Homeschooling fort und ich kümmere mich um mein Kind.
11:46Für die Männer, die sie missbraucht haben, hat sie einen Wunsch.
11:50Sie sollen gefasst werden, ihre Jobs verlieren und ins Gefängnis kommen, damit sie keine Kinder mehr missbrauchen können.
11:59Die Fälle der Mädchen bleiben ungelöst. Die mutmaßlichen Täter sind auf freiem Fuß.
12:09Und Destiny Rescue ist weiterhin in den Philippinen im Einsatz.
12:12Und Destiny Rescue ist weiterhin in den Philippinen im Einsatz.