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  • vor 10 Minuten
Mitten in Berlin steht der deutsche Bundestag. Dazu gehört das Bistro Marie, in dem Menschen mit und ohne Behinderung zusammenarbeiten. Mitarbeitende und Gäste beschreiben, wie das funktioniert.

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Transkript
00:00Dieses Bistro zieht anders als die meisten.
00:06Und das liegt gar nicht an seiner Lage, mitten im Berliner Regierungsviertel,
00:11sondern an dem Team um Benjamin Ani Alona.
00:15Hier arbeiten Menschen mit und ohne Behinderung.
00:20Wir leben das einfach. Es ist nicht so, dass wir uns verstecken oder so.
00:24Für Küchenchef Alex war das anfangs nicht selbstverständlich.
00:28Früher hatte ich mehr Berührungsängste.
00:30Kann das Inklusionskonzept in einer Branche funktionieren, in der jede Minute zählt?
00:39Die Küche ist das Herz im Bistro Marie, hier im Zentrum von Berlin,
00:44direkt gegenüber dem Reichstagsgebäude.
00:49Hier wird frisch regional und saisonal gekocht.
00:53Der Anspruch ist hoch und Andreas ist mittendrin.
00:58Früher hat er in Großküchen gearbeitet.
01:02Gute Erinnerungen verbindet er damit nicht.
01:16In Marie erlebt Andreas etwas Neues.
01:20Er wird gefragt, welche Aufgaben er sich selbst zutraut.
01:37Andreas kann nicht lesen, schreiben. Dafür schafft er immer Ruhe zu bewahren.
01:42Andreas, seine Stärken sind, dass er alles akkurat macht und in seinem Tempo macht.
01:47Er lässt sich auch nicht stressen.
01:48Also er macht es in seinem Tempo, wie er es schafft.
01:50Und wenn er es nicht schafft, sagt er mir das zum Beispiel.
01:53Das Team besteht aus 16 Mitarbeitenden.
01:56Gut die Hälfte von ihnen hat eine Behinderung.
01:59Wer hier welche Aufgabe übernimmt, entscheidet nicht die Diagnose,
02:03sondern das, was jemand gut kann.
02:07Alona fand lange keinen Job.
02:09Im Bistro wurde sie zur Barista ausgebildet.
02:12Ihre Stärken? Herzlichkeit.
02:14Für Ani ist es der erste Job. Was ist ihre Stärke?
02:18Ich kann gut lachen.
02:20Klingt simpel, funktioniert aber.
02:23Viele Gäste kommen inzwischen regelmäßig wieder.
02:27Ich glaube, man geht einfach offen rein.
02:29Und wenn es da ist, dann passiert, ja gut.
02:32Das passiert aber auch in anderen Restaurants.
02:35Das Tempo steigt in Bistromarie besonders zur Mittagszeit.
02:38Aber das Team versucht, Überforderung früh zu erkennen
02:41und Aufgaben neu zu verteilen.
02:44Das verlangt Aufmerksamkeit und Geduld.
02:47Auch Chefkopf Alex musste das lernen.
02:51Früher hatte ich mehr Berührungsängste mit beeinträchtigten Leuten.
02:54Sagen wir mal jetzt als Beispiel jemandem fehlten Arm.
02:57Wie kann ich denen die Hand schütteln?
02:58Da hatte ich schon die Angst.
02:59Wie mache ich das am besten?
03:01Jetzt habe ich gar keine Angst mehr davor.
03:02Die Menschen sind noch freundlicher.
03:04Eine große Hilfe für die Mitarbeitenden.
03:07Bilder zeigen, wie die Gerichte aussehen.
03:10Dazu gibt es wichtige Hinweise für Küche und Service.
03:13Doch gute Abläufe allein reichen nicht.
03:16Was passiert an einem schlechten Tag?
03:20Du bist ein gutes Beispiel,
03:21weil manchmal hast du einen guten Tag und einen schlechten Tag
03:23und dann müssen wir das ja ungefähr so gucken.
03:26Hey, Benjamin ist heute nicht so gut drauf.
03:28Was machen wir mit dem?
03:29Wie kann man den da rausholen aus seinem Loch?
03:31Benjamin war bei der Berliner Landespolizei
03:34und später bei der Stadtreinigung.
03:36Dann veränderte ein schwerer Motorradunfall sein Leben.
03:40Seit einem Schiedel-Hirntrauma
03:41hat er Probleme mit dem Kurzzeitgedächtnis.
03:44Nach mehreren Rehas wurde er Frührentner
03:47und kam in eine Werkstatt für Menschen mit Behinderung.
03:50Dort fühlte er sich vom Rest der Gesellschaft abgeschnitten.
03:53Er wollte raus.
03:55Ich bin wieder auf dem ersten Arbeitsmarkt.
03:56Das ist, was ich erreichen wollte.
03:58Das ist schön.
03:59Und wie halt viele sagen, wir leben halt Inklusion.
04:02Wir leben uns halt echt vor.
04:03Und das finde ich halt schön.
04:04Damit komme ich gut zurecht.
04:06Den Sprung aus einer Werkstatt für behinderte Menschen
04:09auf den regulären Arbeitsmarkt
04:10schafft in Deutschland weniger als ein Prozent der Beschäftigten.
04:16Benjamin hat sich diesen Platz im Bistro Marie hart erkämpft.
04:19Darauf ist der zweifache Vater stolz.
04:23Wenn Benjamin etwas vergisst, notiert er es
04:26oder fragt noch einmal nach.
04:30Ja klar, habe ich dagegen Strategien entwickelt.
04:34Vorher habe ich mir die Sachen notiert
04:36oder im Handy als Erinnerung wiedergegeben lassen.
04:40Das ist schon acht Jahre her.
04:41Das ist schon wesentlich besser geworden.
04:43Ich lebe.
04:46Sogar den ehemaligen Bundeskanzler Olaf Scholz
04:49hat Benjamin hier schon bedient.
04:51Beeindruckt hat ihn das nicht.
04:53Ob Bundeskanzler, Tourist oder Stammgast,
04:56für Benjamin macht das keinen Unterschied.
04:59Alle trinken Kaffee in diesem Sinne.
05:01Und der hat gerade auch unseren Ex-Bundeskanzler
05:03voll schon mit ihm.
05:04Ja, trinken auch noch Kaffee.
05:06Benjamin kennt die Hürden des Arbeitsmarktes
05:08aus eigener Erfahrung.
05:12Inklusionsbetriebe wie das Bistro Marie
05:13gibt es in Deutschland nur rund 1000.
05:16Für das Team zählt deshalb vor allem,
05:19hier werden ihre Fähigkeiten gesehen,
05:21nicht ihre Diagnose.
05:23Ihr Wunsch?
05:24Mehr Arbeitgeber, die genauso ticken.
05:26Willi von Ulrich her.шихare.
05:30Ruhe kiss

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